{"id":4257,"date":"2026-09-20T00:18:36","date_gmt":"2026-09-19T22:18:36","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/at\/?p=4257"},"modified":"2026-09-22T00:37:29","modified_gmt":"2026-09-21T22:37:29","slug":"operationssicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/at\/operationssicherheit\/","title":{"rendered":"OSINT, Frontlinie und Operationssicherheit bei verz\u00f6gerter offizieller Berichterstattung"},"content":{"rendered":"<div style=\"color: #000000\">\n<p lang=\"de\" style=\"text-align: left\"><span style=\"font-weight: bold;font-family: Helvetica Neue,Helvetica,Arial,Nimbus Sans L,sans-serif\">Die Freiwilligen von InformNapalm haben offizielle Berichte des ukrainischen Generalstabs zu verschiedenen Frontabschnitten analysiert. Anschlie\u00dfend wurden diese Angaben mit Informationen westlicher OSINT-Analysten abgeglichen. In die Analyse flossen au\u00dferdem Daten ein, anhand derer sich feststellen l\u00e4sst, an welchen Orten ver\u00f6ffentlichte Aufnahmen von Kampfhandlungen entstanden sind.<\/span><\/p>\n<div style=\"color: #333333\">\n<p style=\"text-align: left\">Die Methode beruht auf drei Informationsebenen. Die erste gibt wieder, was die ukrainische Seite zu einem bestimmten Zeitpunkt offiziell meldet. Die zweite umfasst Erkenntnisse, die sich anhand ver\u00f6ffentlichten Bild- und Videomaterials bereits durch OSINT gewinnen lassen. Auf der dritten Ebene stehen die weitergehenden Schlussfolgerungen, die externe Analysten aus diesem Material ziehen.<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Offizielle Berichte und OSINT erf\u00fcllen unterschiedliche Funktionen<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">Ziel des Vergleichs ist nicht festzustellen, welche Art von Quelle den Frontverlauf am genauesten wiedergibt. Die Berichterstattung des Generalstabs und die OSINT-gest\u00fctzte Kartierung erf\u00fcllen bei der Lagebeurteilung unterschiedliche Funktionen. Wird ein Ort in einem operativen Bericht nicht erw\u00e4hnt, ist dies kein Beleg daf\u00fcr, dass dort keine Kampfhandlungen stattfinden. Ebenso belegt die Geolokalisierung eines einzelnen Videos nicht, dass das betreffende Gebiet dauerhaft kontrolliert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/osint-opsec-vidkryti-dani-liniia-frontu\/#1-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" style=\"border: 1px solid #000000\" title=\"OSINT, Frontlinie und Operationssicherheit in der Ukraine\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2026\/09\/info_18.jpg\" alt=\"OSINT, Frontlinie und Operationssicherheit in der Ukraine\" width=\"642\" height=\"1461\" \/><\/a>Ein verifizierter Aufnahmeort belegt zun\u00e4chst lediglich die Anwesenheit von Kr\u00e4ften oder ein bestimmtes Ereignis an einem klar abgegrenzten Ort innerhalb eines begrenzten Zeitraums. Beim systematischen Abgleich dieser Quellen zeigt sich dennoch ein bemerkenswertes Muster.<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Wenn OSINT dem offiziellen Lagebild voraus ist<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">Externe OSINT-Analysten k\u00f6nnen in manchen F\u00e4llen Informationen erfassen und zusammenf\u00fchren, noch bevor entsprechende Angaben offiziell ver\u00f6ffentlicht werden. Ein ukrainischer Verband ver\u00f6ffentlicht Aufnahmen von Kampfhandlungen, die zur Verbreitung freigegeben wurden. Ein OSINT-Analyst geolokalisiert die Aufnahmen und gleicht den Aufnahmeort mit bereits zuvor verifizierten Orten sowie mit der bisherigen Kartierung des Kampfgeschehens ab. Die daraus hervorgehende Analyse kann ein wesentlich umfassenderes Lagebild vermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Schlussfolgerungen k\u00f6nnen sich auf Vorst\u00f6\u00dfe, R\u00fcckz\u00fcge, die Infiltration durch russische Kr\u00e4fte oder die Pr\u00e4senz ukrainischer Verb\u00e4nde beziehen. Sie k\u00f6nnen auch Orte betreffen, f\u00fcr die offizielle Quellen noch keine Ver\u00e4nderung gemeldet haben. Auch etablierte Analyseinstitute greifen bei ihren Bewertungen auf derartiges Material zur\u00fcck. Das Institute for the Study of War <a href=\"https:\/\/understandingwar.org\/research\/russia-ukraine\/russian-offensive-campaign-assessment-september-17-2026\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bezog in seinen Bericht<\/a> vom 17. September Material ein, das auf verifizierten Ortsbestimmungen beruhte. Dieses Material wurde zur Beurteilung der Lage in den Frontabschnitten in Richtung Kupjansk und Dobropillja herangezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Daraus ergibt sich ein Informationsparadox. Das Ausgangsmaterial kann bereits zur Ver\u00f6ffentlichung freigegeben sein. Die Erkenntnisse, die sich durch eine weitergehende Analyse und den Abgleich mit erg\u00e4nzenden Quellen gewinnen lassen, k\u00f6nnen dennoch wesentlich mehr Informationen liefern, als die ukrainische Seite offiziell ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Ver\u00f6ffentlichung eines Videos bedeutet daher nicht automatisch, dass s\u00e4mtliche daraus ableitbaren Informationen aus Sicht der Operationssicherheit unkritisch geworden sind. Je mehr solches Material zusammenkommt, desto geringer wird der Spielraum, Informationen weiterhin zur\u00fcckzuhalten. Externe OSINT-Analysen k\u00f6nnen dadurch ein wesentlich detaillierteres Lagebild liefern, bevor die milit\u00e4rische F\u00fchrung es f\u00fcr angemessen h\u00e4lt, entsprechende Informationen zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Zugleich w\u00e4re es nicht gerechtfertigt, ohne weitere Belege zu behaupten, dass OSINT-Ver\u00f6ffentlichungen die milit\u00e4rische F\u00fchrung zur Ver\u00f6ffentlichung von Informationen zwingen. Ein solcher Kausalzusammenhang l\u00e4sst sich anhand offener Quellen nicht nachweisen. Die Ver\u00f6ffentlichungen ver\u00e4ndern jedoch das Informationsumfeld, in dem die milit\u00e4rische F\u00fchrung agieren muss.<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Vivaldi und Operationssicherheit aus Sicht des Gegners<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">Die Offensivoperation Vivaldi im Frontabschnitt bei Lyman ist aus Sicht des Gegners ein besonders anschauliches Beispiel. Bereits am 11. September berichtete der russische Z-Kanal Vojennyj Osvedomitel \u00fcber eine m\u00f6gliche ukrainische Gegenoffensive n\u00f6rdlich von Lyman. Auch Rybar, ein Kanal mit Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium, berichtete \u00fcber die Lage. Diese Berichte erschienen, bevor die ukrainische Seite die Operation offiziell bekannt gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" style=\"border: 1px solid #000000\" title=\"Operation Vivaldi im Frontabschnitt bei Lyman\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2026\/09\/%D0%92%D0%9E.jpg\" alt=\"Operation Vivaldi im Frontabschnitt bei Lyman\" width=\"642\" height=\"787\" \/>Die Angaben betrafen eine ukrainische Gegenoffensive n\u00f6rdlich von Lyman sowie ein m\u00f6gliches Zur\u00fcckdr\u00e4ngen russischer Kr\u00e4fte in Richtung des Flusses Scherebez (<a href=\"https:\/\/archive.is\/Tz6WX\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Archiv<\/a>). Zugleich wiesen die Autoren des Kanals auf ein grundlegendes Problem hin. Sie konnten das Ausma\u00df des ukrainischen Vormarsches nicht mit Sicherheit bestimmen, da die ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte Informationen \u00fcber die Operation zur\u00fcckhielten und keine Aufnahmen ihrer Erfolge ver\u00f6ffentlichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Am 15. September \u00e4nderte sich die Lage. Das Kommando des 3. Armeekorps gab die erste Phase von Vivaldi bekannt. Den Angaben zufolge waren 75 Quadratkilometer von infiltrierten russischen Kr\u00e4ften ges\u00e4ubert worden. Weitere 10 Quadratkilometer waren von der russischen Besatzung befreit worden, Serednie war befreit und mehrere weitere Gebiete waren ges\u00e4ubert worden.<\/p>\n<div style=\"width: 100%;max-width: 642px;aspect-ratio: 642 \/ 361;margin: 20px 0 24px 0;clear: both\"><iframe loading=\"lazy\" style=\"display: block;width: 100%;height: 100%;border: 1pt solid #000000\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ffadr-u2rbk\" width=\"642\" height=\"361\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><br \/>\n<\/iframe><\/div>\n<p style=\"text-align: left\">In den folgenden Tagen wurden Kartenmaterial, GoPro-Aufnahmen von Angriffsverb\u00e4nden sowie weiteres Material aus der Operation ver\u00f6ffentlicht. Daraufhin \u00e4nderte sich auch die Berichterstattung des russischen Kanals. W\u00e4hrend die Autoren zuvor festgestellt hatten, dass aufgrund der ukrainischen Informationszur\u00fcckhaltung keine Best\u00e4tigung vorlag, berichteten sie nun von den \u201eersten Best\u00e4tigungen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Das neu hinzugekommene Material stammte aus ver\u00f6ffentlichten ukrainischen Bildaufnahmen, deren Aufnahmeorte bestimmt werden konnten. Mithilfe dieses Materials versuchten die russischen Autoren, die ver\u00e4nderte Form des Frontvorsprungs bei Lyman zu rekonstruieren (<a href=\"https:\/\/archive.is\/U3YPD\">Archiv<\/a>).<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Von der Informationszur\u00fcckhaltung zur detaillierten OSINT-Analyse<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">Der Ablauf veranschaulicht den Lebenszyklus von Informationen auf dem modernen Gefechtsfeld. Die ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte f\u00fchren zun\u00e4chst eine Operation durch, w\u00e4hrend Informationen dar\u00fcber zur\u00fcckgehalten werden. Auch die russische Milit\u00e4rf\u00fchrung verf\u00fcgt in dieser Phase lediglich \u00fcber ein fragmentarisches Lagebild. Sobald eine abgeschlossene Phase unter kontrollierten Bedingungen \u00f6ffentlich gemacht wird, ver\u00e4ndert sich die Informationslage. Anschlie\u00dfend wird Material aus den Kampfhandlungen ver\u00f6ffentlicht und damit f\u00fcr OSINT-Analysen zug\u00e4nglich. Die Aufnahmeorte werden bestimmt und mit erg\u00e4nzenden offenen Quellen abgeglichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Auf diese Weise l\u00e4sst sich der Ablauf mit wesentlich h\u00f6herem Detaillierungsgrad rekonstruieren:<\/p>\n<ol style=\"text-align: left\">\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Die ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte f\u00fchren eine Operation durch<\/li>\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Informationen \u00fcber die Operation werden zur\u00fcckgehalten<\/li>\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Die russische Milit\u00e4rf\u00fchrung verf\u00fcgt lediglich \u00fcber ein fragmentarisches Lagebild<\/li>\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Eine abgeschlossene Phase wird unter kontrollierten Bedingungen \u00f6ffentlich gemacht<\/li>\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Material aus den Kampfhandlungen wird ver\u00f6ffentlicht<\/li>\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Die Aufnahmeorte werden mithilfe von OSINT bestimmt<\/li>\n<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Der Ablauf kann anschlie\u00dfend mit wesentlich h\u00f6herem Detaillierungsgrad rekonstruiert werden<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left\">Die ukrainische Seite hat ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt, dass die Informationszur\u00fcckhaltung Teil der Operationsplanung war. Nach Einsch\u00e4tzung des ISW trug die strikte Wahrung der Operationssicherheit w\u00e4hrend Vivaldi zum operativen \u00dcberraschungseffekt bei und schr\u00e4nkte zugleich das Lagebewusstsein der russischen F\u00fchrung ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Mit der Ver\u00f6ffentlichung der ersten Phase der Operation entfielen die Anforderungen der Operationssicherheit nicht. Das Kommando des 3. Armeekorps ver\u00f6ffentlichte weiterhin schrittweise Material aus bereits abgeschlossenen Kampfhandlungen. Informationen zu den nachfolgenden Phasen wurden gleichzeitig weiterhin zur\u00fcckgehalten. Am 18. September erkl\u00e4rten ukrainische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige, dass die Operation noch andauere und bestimmte Informationen deshalb nicht ver\u00f6ffentlicht w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Operationssicherheit ist kein Zustand, der entweder vollst\u00e4ndig besteht oder vollst\u00e4ndig aufgehoben ist. Das Ergebnis einer abgeschlossenen Phase kann ver\u00f6ffentlicht werden, beteiligte Verb\u00e4nde k\u00f6nnen benannt und zuvor aufgenommenes Material kann gezeigt werden. Auch fr\u00fchere Kampfhandlungen lassen sich entsprechend rekonstruieren. Angaben zu den aktuellen Stellungen der Kr\u00e4fte, zur beabsichtigten weiteren Operationsf\u00fchrung, zu Reserven und zur Planung der n\u00e4chsten Phase k\u00f6nnen gleichzeitig weiterhin geheim gehalten werden.<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Offen zug\u00e4ngliche Informationen k\u00f6nnen nicht automatisch bedenkenlos verbreitet werden<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">Das moderne Gefechtsfeld ist transparenter denn je. Drohnenaktivit\u00e4ten, Satellitenaufnahmen, Brandherde sowie die eigenen Aufzeichnungen von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen hinterlassen gro\u00dfe Mengen digitaler Spuren. Entsprechendes gilt f\u00fcr russische Angriffe auf ukrainische Stellungen und ukrainische Angriffe auf russische Ziele. Informationen aus der Zivilbev\u00f6lkerung sowie die Arbeit Dutzender unabh\u00e4ngiger OSINT-Analysten liefern zus\u00e4tzliches Material.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die M\u00f6glichkeit, vollst\u00e4ndig zu verbergen, dass ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hat, nimmt dadurch stetig ab. Vivaldi zeigt zugleich, dass sich der tats\u00e4chliche Umfang und das Ergebnis einer Operation weiterhin \u00fcber einen ausreichend langen Zeitraum geheim halten lassen. Dasselbe gilt f\u00fcr die Kr\u00e4ftegruppierung und die weitere Planung. Ein solcher Informationsvorsprung kann konkrete operative Wirkung entfalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Auch russische Informationsquellen, die sich auf den Krieg spezialisiert haben, erkannten zeitweise nur einzelne Anzeichen, ohne daraus ein verl\u00e4ssliches Gesamtbild gewinnen zu k\u00f6nnen. Als ukrainisches Material ver\u00f6ffentlicht wurde, konnte die Informationsl\u00fccke durch OSINT-Analysen rasch geschlossen werden.<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Sensible Informationen werden nicht immer ver\u00f6ffentlicht<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">InformNapalm verzichtet daher bewusst darauf, jede kleinere Ver\u00e4nderung entlang der Frontlinie t\u00e4glich zu kartieren. Auch Angaben zu Orten, die von westlichen OSINT-Gruppen geolokalisiert wurden, werden nicht automatisch in den ukrainischen Informationsraum \u00fcbernommen. Das bedeutet nicht, dass die OSINT-gest\u00fctzte Kartierung der Front eingestellt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Der entscheidende Unterschied liegt zwischen der M\u00f6glichkeit, einen Sachverhalt festzustellen, und der Frage, ob es angemessen ist, diesen unmittelbar systematisch aufzubereiten. Entsprechende \u00dcberlegungen gelten auch daf\u00fcr, die betreffenden Informationen um weiteres Material zu erg\u00e4nzen und sie einem wesentlich breiteren Publikum zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Das ISW weist in seiner Analyse von Vivaldi insbesondere auf ein systematisches Problem verzerrter Meldungen innerhalb der russischen milit\u00e4rischen Befehlskette hin. Fehlerhafte oder \u00fcberm\u00e4\u00dfig optimistische Meldungen k\u00f6nnen das Lagebewusstsein der russischen F\u00fchrung beeintr\u00e4chtigen und Fehlentscheidungen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">InformNapalm ist bei seiner Arbeit wiederholt auf Material gesto\u00dfen, das eine Diskrepanz zwischen der tats\u00e4chlichen Lage und den Meldungen russischer Kommandeure an \u00fcbergeordnete F\u00fchrungsebenen erkennen l\u00e4sst. Ein Teil dieses Materials wird bewusst nicht ver\u00f6ffentlicht. In anderen F\u00e4llen wird die Ver\u00f6ffentlichung auf Ersuchen der ukrainischen Seite verschoben. Grund daf\u00fcr ist die Operationssicherheit. Es besteht kein Anlass, der russischen Seite dabei zu helfen, ihre eigenen Fehleinsch\u00e4tzungen schneller zu korrigieren.<\/p>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Die Informationslage ver\u00e4ndert sich im Laufe der Zeit<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">Zur Veranschaulichung der Analyse wurde eine vereinfachte Infografik erstellt. Sie zeigt nicht die aktuelle Gefechtskontaktlinie, sondern vergleicht auf Grundlage des Stands vom 18. September 2026 drei Informationsebenen. Die erste besteht aus der offiziellen ukrainischen Kommunikation. Die zweite umfasst OSINT-Indikatoren, die in offenen Quellen verf\u00fcgbar sind. Die dritte enth\u00e4lt eine Einsch\u00e4tzung dazu, inwieweit die aus Gr\u00fcnden der Operationssicherheit bestehenden Beschr\u00e4nkungen in der Praxis bereits aufgehoben sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Lage entwickelt sich fortlaufend weiter. Einzelne Informationen verlieren daher mit der Zeit ihren sensiblen Charakter und werden nachtr\u00e4glich ver\u00f6ffentlicht. Dies ist eines der zentralen Muster, die in der Analyse aufgezeigt werden. Je l\u00e4nger ein Ereignis zur\u00fcckliegt, desto mehr Informationen werden in offenen Quellen verf\u00fcgbar. Dass Informationen offen zug\u00e4nglich sind, bedeutet jedoch nicht, dass die damit verbundenen Anforderungen der Operationssicherheit automatisch entfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">F\u00fcr die OSINT-Community reicht es daher nicht aus, eine Information lediglich festzustellen oder zu verifizieren. Ebenso wichtig ist die Beurteilung, ob diese Information zu einem bestimmten Zeitpunkt ver\u00f6ffentlicht werden sollte. Selbstzensur innerhalb ukrainischer und westlicher OSINT-Gruppen kann zu den operativen Erfolgen der ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte beitragen. Dies ist eine verantwortungsvollere Haltung als das Bestreben, noch w\u00e4hrend einer laufenden Operation als Erster zu melden, wer welches Gebiet befreit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Der Artikel wurde von Andrij Lisitsyn verfasst.<\/p>\n<hr style=\"width: 75%;margin: 20px 0;border: 0;border-top: 1px solid #ccc;text-align: left\" \/>\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.3rem;font-weight: bold;text-align: left\">Weitere Artikel von InformNapalm<\/h2>\n<ul style=\"text-align: left\">\n<li style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/wildberries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #333333\">Wildberries zwischen Hammer und Amboss nach Drohnenangriffen und Cyberoperationen<\/span><\/a><\/li>\n<li style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/russlands-agenten-europa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #333333\">Wie Russland angeworbene Agenten f\u00fcr Operationen in Europa einsetzt<\/span><\/a><\/li>\n<li style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/bastion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #333333\">Ukrainische Marine greift russisches K\u00fcstenraketensystem Bastion auf der Krim an<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr style=\"border: none;border-top: 1px solid #cfcfcf;margin: 24px 0;width: 100%;text-align: left\" \/>\n<p style=\"text-align: left !important\"><span style=\"color: #000000\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/sv\/ryska-operationer\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"InformNapalm \u00d6sterreich\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/fr\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/12\/InformNapalm_logo_05.png\" alt=\"InformNapalm \u00d6sterreich\" width=\"150\" height=\"68\" \/><\/a><span style=\"color: #333333\">Es steht Ihnen frei, dieses Material zu teilen, aber f\u00fcgen Sie bitte einen Link zur <span style=\"font-weight: bold\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/category\/aktuell\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a><\/span><\/span> hinzu. Creative Commons \u2013 Attribution 4.0 International \u2013 CC BY 4.0. <\/span><span style=\"color: #333333\">Folgen Sie uns auf<\/span> <span style=\"font-weight: bold\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/informnapalm24\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebook<\/a><\/span> <span style=\"color: #333333\">und<\/span> <span style=\"font-weight: bold\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/informnapalm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">X<\/a><\/span><span style=\"color: #333333\">.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left !important\">InformNapalm erh\u00e4lt keine finanzielle Unterst\u00fctzung von irgendeiner Regierung oder einem Sponsor. Die Finanzierung erfolgt ausschlie\u00dflich durch freiwillige Unterst\u00fctzer und Leser. 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style=\"text-align: left\"><span style=\"font-weight: bold;font-family: Helvetica Neue,Helvetica,Arial,Nimbus Sans L,sans-serif\">Die Freiwilligen von InformNapalm haben offizielle Berichte des ukrainischen Generalstabs zu verschiedenen Frontabschnitten analysiert. Anschlie\u00dfend wurden diese Angaben mit Informationen westlicher OSINT-Analysten abgeglichen. In die Analyse flossen au\u00dferdem Daten ein, anhand derer sich feststellen l\u00e4sst, an welchen Orten ver\u00f6ffentlichte Aufnahmen von Kampfhandlungen entstanden sind.<\/span><\/p>\r\n\r\n<div style=\"color: #333333\">\r\n<p style=\"text-align: left\">Die Methode beruht auf drei Informationsebenen. Die erste gibt wieder, was die ukrainische Seite zu einem bestimmten Zeitpunkt offiziell meldet. Die zweite umfasst Erkenntnisse, die sich anhand ver\u00f6ffentlichten Bild- und Videomaterials bereits durch OSINT gewinnen lassen. Auf der dritten Ebene stehen die weitergehenden Schlussfolgerungen, die externe Analysten aus diesem Material ziehen.<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Offizielle Berichte und OSINT erf\u00fcllen unterschiedliche Funktionen<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">Ziel des Vergleichs ist nicht festzustellen, welche Art von Quelle den Frontverlauf am genauesten wiedergibt. Die Berichterstattung des Generalstabs und die OSINT-gest\u00fctzte Kartierung erf\u00fcllen bei der Lagebeurteilung unterschiedliche Funktionen. Wird ein Ort in einem operativen Bericht nicht erw\u00e4hnt, ist dies kein Beleg daf\u00fcr, dass dort keine Kampfhandlungen stattfinden. Ebenso belegt die Geolokalisierung eines einzelnen Videos nicht, dass das betreffende Gebiet dauerhaft kontrolliert wird.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/osint-opsec-vidkryti-dani-liniia-frontu\/#1-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img class=\"alignnone\" style=\"border: 1px solid #000000\" title=\"OSINT, Frontlinie und Operationssicherheit in der Ukraine\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2026\/09\/info_18.jpg\" alt=\"OSINT, Frontlinie und Operationssicherheit in der Ukraine\" width=\"642\" height=\"1461\" \/><\/a>Ein verifizierter Aufnahmeort belegt zun\u00e4chst lediglich die Anwesenheit von Kr\u00e4ften oder ein bestimmtes Ereignis an einem klar abgegrenzten Ort innerhalb eines begrenzten Zeitraums. Beim systematischen Abgleich dieser Quellen zeigt sich dennoch ein bemerkenswertes Muster.<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Wenn OSINT dem offiziellen Lagebild voraus ist<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">Externe OSINT-Analysten k\u00f6nnen in manchen F\u00e4llen Informationen erfassen und zusammenf\u00fchren, noch bevor entsprechende Angaben offiziell ver\u00f6ffentlicht werden. Ein ukrainischer Verband ver\u00f6ffentlicht Aufnahmen von Kampfhandlungen, die zur Verbreitung freigegeben wurden. Ein OSINT-Analyst geolokalisiert die Aufnahmen und gleicht den Aufnahmeort mit bereits zuvor verifizierten Orten sowie mit der bisherigen Kartierung des Kampfgeschehens ab. Die daraus hervorgehende Analyse kann ein wesentlich umfassenderes Lagebild vermitteln.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Die Schlussfolgerungen k\u00f6nnen sich auf Vorst\u00f6\u00dfe, R\u00fcckz\u00fcge, die Infiltration durch russische Kr\u00e4fte oder die Pr\u00e4senz ukrainischer Verb\u00e4nde beziehen. Sie k\u00f6nnen auch Orte betreffen, f\u00fcr die offizielle Quellen noch keine Ver\u00e4nderung gemeldet haben. Auch etablierte Analyseinstitute greifen bei ihren Bewertungen auf derartiges Material zur\u00fcck. Das Institute for the Study of War <a href=\"https:\/\/understandingwar.org\/research\/russia-ukraine\/russian-offensive-campaign-assessment-september-17-2026\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bezog in seinen Bericht<\/a> vom 17. September Material ein, das auf verifizierten Ortsbestimmungen beruhte. Dieses Material wurde zur Beurteilung der Lage in den Frontabschnitten in Richtung Kupjansk und Dobropillja herangezogen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Daraus ergibt sich ein Informationsparadox. Das Ausgangsmaterial kann bereits zur Ver\u00f6ffentlichung freigegeben sein. Die Erkenntnisse, die sich durch eine weitergehende Analyse und den Abgleich mit erg\u00e4nzenden Quellen gewinnen lassen, k\u00f6nnen dennoch wesentlich mehr Informationen liefern, als die ukrainische Seite offiziell ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Die Ver\u00f6ffentlichung eines Videos bedeutet daher nicht automatisch, dass s\u00e4mtliche daraus ableitbaren Informationen aus Sicht der Operationssicherheit unkritisch geworden sind. Je mehr solches Material zusammenkommt, desto geringer wird der Spielraum, Informationen weiterhin zur\u00fcckzuhalten. Externe OSINT-Analysen k\u00f6nnen dadurch ein wesentlich detaillierteres Lagebild liefern, bevor die milit\u00e4rische F\u00fchrung es f\u00fcr angemessen h\u00e4lt, entsprechende Informationen zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Zugleich w\u00e4re es nicht gerechtfertigt, ohne weitere Belege zu behaupten, dass OSINT-Ver\u00f6ffentlichungen die milit\u00e4rische F\u00fchrung zur Ver\u00f6ffentlichung von Informationen zwingen. Ein solcher Kausalzusammenhang l\u00e4sst sich anhand offener Quellen nicht nachweisen. Die Ver\u00f6ffentlichungen ver\u00e4ndern jedoch das Informationsumfeld, in dem die milit\u00e4rische F\u00fchrung agieren muss.<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Vivaldi und Operationssicherheit aus Sicht des Gegners<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">Die Offensivoperation Vivaldi im Frontabschnitt bei Lyman ist aus Sicht des Gegners ein besonders anschauliches Beispiel. Bereits am 11. September berichtete der russische Z-Kanal Vojennyj Osvedomitel \u00fcber eine m\u00f6gliche ukrainische Gegenoffensive n\u00f6rdlich von Lyman. Auch Rybar, ein Kanal mit Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium, berichtete \u00fcber die Lage. Diese Berichte erschienen, bevor die ukrainische Seite die Operation offiziell bekannt gab.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\"><img class=\"alignnone\" style=\"border: 1px solid #000000\" title=\"Operation Vivaldi im Frontabschnitt bei Lyman\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2026\/09\/%D0%92%D0%9E.jpg\" alt=\"Operation Vivaldi im Frontabschnitt bei Lyman\" width=\"642\" height=\"787\" \/>Die Angaben betrafen eine ukrainische Gegenoffensive n\u00f6rdlich von Lyman sowie ein m\u00f6gliches Zur\u00fcckdr\u00e4ngen russischer Kr\u00e4fte in Richtung des Flusses Scherebez (<a href=\"https:\/\/archive.is\/Tz6WX\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Archiv<\/a>). Zugleich wiesen die Autoren des Kanals auf ein grundlegendes Problem hin. Sie konnten das Ausma\u00df des ukrainischen Vormarsches nicht mit Sicherheit bestimmen, da die ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte Informationen \u00fcber die Operation zur\u00fcckhielten und keine Aufnahmen ihrer Erfolge ver\u00f6ffentlichten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Am 15. September \u00e4nderte sich die Lage. Das Kommando des 3. Armeekorps gab die erste Phase von Vivaldi bekannt. Den Angaben zufolge waren 75 Quadratkilometer von infiltrierten russischen Kr\u00e4ften ges\u00e4ubert worden. Weitere 10 Quadratkilometer waren von der russischen Besatzung befreit worden, Serednie war befreit und mehrere weitere Gebiete waren ges\u00e4ubert worden.<\/p>\r\n\r\n<div style=\"width: 100%;max-width: 642px;aspect-ratio: 642 \/ 361;margin: 20px 0 24px 0;clear: both\"><iframe style=\"display: block;width: 100%;height: 100%;border: 1pt solid #000000\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ffadr-u2rbk\" width=\"642\" height=\"361\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\">\r\n<\/iframe><\/div>\r\n<p style=\"text-align: left\">In den folgenden Tagen wurden Kartenmaterial, GoPro-Aufnahmen von Angriffsverb\u00e4nden sowie weiteres Material aus der Operation ver\u00f6ffentlicht. Daraufhin \u00e4nderte sich auch die Berichterstattung des russischen Kanals. W\u00e4hrend die Autoren zuvor festgestellt hatten, dass aufgrund der ukrainischen Informationszur\u00fcckhaltung keine Best\u00e4tigung vorlag, berichteten sie nun von den \u201eersten Best\u00e4tigungen\u201c.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Das neu hinzugekommene Material stammte aus ver\u00f6ffentlichten ukrainischen Bildaufnahmen, deren Aufnahmeorte bestimmt werden konnten. Mithilfe dieses Materials versuchten die russischen Autoren, die ver\u00e4nderte Form des Frontvorsprungs bei Lyman zu rekonstruieren (<a href=\"https:\/\/archive.is\/U3YPD\">Archiv<\/a>).<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Von der Informationszur\u00fcckhaltung zur detaillierten OSINT-Analyse<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">Der Ablauf veranschaulicht den Lebenszyklus von Informationen auf dem modernen Gefechtsfeld. Die ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte f\u00fchren zun\u00e4chst eine Operation durch, w\u00e4hrend Informationen dar\u00fcber zur\u00fcckgehalten werden. Auch die russische Milit\u00e4rf\u00fchrung verf\u00fcgt in dieser Phase lediglich \u00fcber ein fragmentarisches Lagebild. Sobald eine abgeschlossene Phase unter kontrollierten Bedingungen \u00f6ffentlich gemacht wird, ver\u00e4ndert sich die Informationslage. Anschlie\u00dfend wird Material aus den Kampfhandlungen ver\u00f6ffentlicht und damit f\u00fcr OSINT-Analysen zug\u00e4nglich. Die Aufnahmeorte werden bestimmt und mit erg\u00e4nzenden offenen Quellen abgeglichen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Auf diese Weise l\u00e4sst sich der Ablauf mit wesentlich h\u00f6herem Detaillierungsgrad rekonstruieren:<\/p>\r\n\r\n<ol style=\"text-align: left\">\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Die ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte f\u00fchren eine Operation durch<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Informationen \u00fcber die Operation werden zur\u00fcckgehalten<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Die russische Milit\u00e4rf\u00fchrung verf\u00fcgt lediglich \u00fcber ein fragmentarisches Lagebild<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Eine abgeschlossene Phase wird unter kontrollierten Bedingungen \u00f6ffentlich gemacht<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Material aus den Kampfhandlungen wird ver\u00f6ffentlicht<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Die Aufnahmeorte werden mithilfe von OSINT bestimmt<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left;margin-bottom: 10px\">Der Ablauf kann anschlie\u00dfend mit wesentlich h\u00f6herem Detaillierungsgrad rekonstruiert werden<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p style=\"text-align: left\">Die ukrainische Seite hat ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt, dass die Informationszur\u00fcckhaltung Teil der Operationsplanung war. Nach Einsch\u00e4tzung des ISW trug die strikte Wahrung der Operationssicherheit w\u00e4hrend Vivaldi zum operativen \u00dcberraschungseffekt bei und schr\u00e4nkte zugleich das Lagebewusstsein der russischen F\u00fchrung ein.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Mit der Ver\u00f6ffentlichung der ersten Phase der Operation entfielen die Anforderungen der Operationssicherheit nicht. Das Kommando des 3. Armeekorps ver\u00f6ffentlichte weiterhin schrittweise Material aus bereits abgeschlossenen Kampfhandlungen. Informationen zu den nachfolgenden Phasen wurden gleichzeitig weiterhin zur\u00fcckgehalten. Am 18. September erkl\u00e4rten ukrainische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige, dass die Operation noch andauere und bestimmte Informationen deshalb nicht ver\u00f6ffentlicht w\u00fcrden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Operationssicherheit ist kein Zustand, der entweder vollst\u00e4ndig besteht oder vollst\u00e4ndig aufgehoben ist. Das Ergebnis einer abgeschlossenen Phase kann ver\u00f6ffentlicht werden, beteiligte Verb\u00e4nde k\u00f6nnen benannt und zuvor aufgenommenes Material kann gezeigt werden. Auch fr\u00fchere Kampfhandlungen lassen sich entsprechend rekonstruieren. Angaben zu den aktuellen Stellungen der Kr\u00e4fte, zur beabsichtigten weiteren Operationsf\u00fchrung, zu Reserven und zur Planung der n\u00e4chsten Phase k\u00f6nnen gleichzeitig weiterhin geheim gehalten werden.<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Offen zug\u00e4ngliche Informationen k\u00f6nnen nicht automatisch bedenkenlos verbreitet werden<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">Das moderne Gefechtsfeld ist transparenter denn je. Drohnenaktivit\u00e4ten, Satellitenaufnahmen, Brandherde sowie die eigenen Aufzeichnungen von Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen hinterlassen gro\u00dfe Mengen digitaler Spuren. Entsprechendes gilt f\u00fcr russische Angriffe auf ukrainische Stellungen und ukrainische Angriffe auf russische Ziele. Informationen aus der Zivilbev\u00f6lkerung sowie die Arbeit Dutzender unabh\u00e4ngiger OSINT-Analysten liefern zus\u00e4tzliches Material.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Die M\u00f6glichkeit, vollst\u00e4ndig zu verbergen, dass ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hat, nimmt dadurch stetig ab. Vivaldi zeigt zugleich, dass sich der tats\u00e4chliche Umfang und das Ergebnis einer Operation weiterhin \u00fcber einen ausreichend langen Zeitraum geheim halten lassen. Dasselbe gilt f\u00fcr die Kr\u00e4ftegruppierung und die weitere Planung. Ein solcher Informationsvorsprung kann konkrete operative Wirkung entfalten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Auch russische Informationsquellen, die sich auf den Krieg spezialisiert haben, erkannten zeitweise nur einzelne Anzeichen, ohne daraus ein verl\u00e4ssliches Gesamtbild gewinnen zu k\u00f6nnen. Als ukrainisches Material ver\u00f6ffentlicht wurde, konnte die Informationsl\u00fccke durch OSINT-Analysen rasch geschlossen werden.<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Sensible Informationen werden nicht immer ver\u00f6ffentlicht<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">InformNapalm verzichtet daher bewusst darauf, jede kleinere Ver\u00e4nderung entlang der Frontlinie t\u00e4glich zu kartieren. Auch Angaben zu Orten, die von westlichen OSINT-Gruppen geolokalisiert wurden, werden nicht automatisch in den ukrainischen Informationsraum \u00fcbernommen. Das bedeutet nicht, dass die OSINT-gest\u00fctzte Kartierung der Front eingestellt wird.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Der entscheidende Unterschied liegt zwischen der M\u00f6glichkeit, einen Sachverhalt festzustellen, und der Frage, ob es angemessen ist, diesen unmittelbar systematisch aufzubereiten. Entsprechende \u00dcberlegungen gelten auch daf\u00fcr, die betreffenden Informationen um weiteres Material zu erg\u00e4nzen und sie einem wesentlich breiteren Publikum zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Das ISW weist in seiner Analyse von Vivaldi insbesondere auf ein systematisches Problem verzerrter Meldungen innerhalb der russischen milit\u00e4rischen Befehlskette hin. Fehlerhafte oder \u00fcberm\u00e4\u00dfig optimistische Meldungen k\u00f6nnen das Lagebewusstsein der russischen F\u00fchrung beeintr\u00e4chtigen und Fehlentscheidungen beg\u00fcnstigen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">InformNapalm ist bei seiner Arbeit wiederholt auf Material gesto\u00dfen, das eine Diskrepanz zwischen der tats\u00e4chlichen Lage und den Meldungen russischer Kommandeure an \u00fcbergeordnete F\u00fchrungsebenen erkennen l\u00e4sst. Ein Teil dieses Materials wird bewusst nicht ver\u00f6ffentlicht. In anderen F\u00e4llen wird die Ver\u00f6ffentlichung auf Ersuchen der ukrainischen Seite verschoben. Grund daf\u00fcr ist die Operationssicherheit. Es besteht kein Anlass, der russischen Seite dabei zu helfen, ihre eigenen Fehleinsch\u00e4tzungen schneller zu korrigieren.<\/p>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.5rem;font-weight: bold;margin-top: 24px;margin-bottom: 12px;font-family: &#039;Helvetica Neue&#039;, Helvetica, Arial, &#039;Nimbus Sans L&#039;, sans-serif;text-align: left\">Die Informationslage ver\u00e4ndert sich im Laufe der Zeit<\/h2>\r\n<p style=\"text-align: left\">Zur Veranschaulichung der Analyse wurde eine vereinfachte Infografik erstellt. Sie zeigt nicht die aktuelle Gefechtskontaktlinie, sondern vergleicht auf Grundlage des Stands vom 18. September 2026 drei Informationsebenen. Die erste besteht aus der offiziellen ukrainischen Kommunikation. Die zweite umfasst OSINT-Indikatoren, die in offenen Quellen verf\u00fcgbar sind. Die dritte enth\u00e4lt eine Einsch\u00e4tzung dazu, inwieweit die aus Gr\u00fcnden der Operationssicherheit bestehenden Beschr\u00e4nkungen in der Praxis bereits aufgehoben sind.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Die Lage entwickelt sich fortlaufend weiter. Einzelne Informationen verlieren daher mit der Zeit ihren sensiblen Charakter und werden nachtr\u00e4glich ver\u00f6ffentlicht. Dies ist eines der zentralen Muster, die in der Analyse aufgezeigt werden. Je l\u00e4nger ein Ereignis zur\u00fcckliegt, desto mehr Informationen werden in offenen Quellen verf\u00fcgbar. Dass Informationen offen zug\u00e4nglich sind, bedeutet jedoch nicht, dass die damit verbundenen Anforderungen der Operationssicherheit automatisch entfallen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">F\u00fcr die OSINT-Community reicht es daher nicht aus, eine Information lediglich festzustellen oder zu verifizieren. Ebenso wichtig ist die Beurteilung, ob diese Information zu einem bestimmten Zeitpunkt ver\u00f6ffentlicht werden sollte. Selbstzensur innerhalb ukrainischer und westlicher OSINT-Gruppen kann zu den operativen Erfolgen der ukrainischen Verteidigungskr\u00e4fte beitragen. Dies ist eine verantwortungsvollere Haltung als das Bestreben, noch w\u00e4hrend einer laufenden Operation als Erster zu melden, wer welches Gebiet befreit.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: left\">Der Artikel wurde von Andrij Lisitsyn verfasst.<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr style=\"width: 75%;margin: 20px 0;border: 0;border-top: 1px solid #ccc;text-align: left\" \/>\r\n\r\n<h2 style=\"color: #000000;font-size: 1.3rem;font-weight: bold;text-align: left\">Weitere Artikel von InformNapalm<\/h2>\r\n<ul style=\"text-align: left\">\r\n \t<li style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/wildberries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #333333\">Wildberries zwischen Hammer und Amboss nach Drohnenangriffen und Cyberoperationen<\/span><\/a><\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/russlands-agenten-europa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #333333\">Wie Russland angeworbene Agenten f\u00fcr Operationen in Europa einsetzt<\/span><\/a><\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/bastion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #333333\">Ukrainische Marine greift russisches K\u00fcstenraketensystem Bastion auf der Krim an<\/span><\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<hr style=\"border: none;border-top: 1px solid #cfcfcf;margin: 24px 0;width: 100%;text-align: left\" \/>\r\n<p style=\"text-align: left !important\"><span style=\"color: #000000\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/sv\/ryska-operationer\/\"><img class=\"alignleft\" title=\"InformNapalm \u00d6sterreich\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/fr\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/12\/InformNapalm_logo_05.png\" alt=\"InformNapalm \u00d6sterreich\" width=\"150\" height=\"68\" \/><\/a><span style=\"color: #333333\">Es steht Ihnen frei, dieses Material zu teilen, aber f\u00fcgen Sie bitte einen Link zur <span style=\"font-weight: bold\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/at\/category\/aktuell\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a><\/span><\/span> hinzu. 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