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Wofür wird ein Offizier der russischen 53. Fla-Raketenbrigade mit dem Georgskreuz ausgezeichnet?

Die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm hat im Lauf einer OSINT-Untersuchung zum Thema der Beteiligung russischer Militärs am Krieg im Donbas gewisse Veränderungen im sozialen Netzwerkprofil von Konstantin Mischkin, eines Offiziers der 53. Fla-Raketenbrigade der russischen Streitkräfte, registriert. Diese Angaben werden helfen, Licht auf die tragischen Ereignisse rund um die Katastrophe von MH-17 im Raum der Stadt Tores zu werfen, die von den vereinten russisch-separatistischen Kräften okkupiert ist. Diese Fakten können zu einem weiteren Punkt bei den Vernehmungen von Kriegsverbrechern aus den russischen Streitkräften bei einem zukünftigen internationalen Tribunal werden.

Persönliche Angaben: Oberleutnant Konstantin Mischkin, geb. 13 Juni 1988, wohnhaft in Kursk (Russland).

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Konstantin besitzt (oder besaß) ein Auto mit dem Kennzeichen M886RT46 („46“ steht für Gebiet Kursk).

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Sein Kragenspiegel weist darauf hin, dass er in den Fla-Raketentruppen dient. Sein Wohnort und die Truppenart weisen auf den Dienst in der 53. Fla-Raketenbrigade der Streitkräfte Russlands hin, die auch in den Berichten der Ermittlergruppe zur Vernichtung des Flugs MH-17 vorkommt.

2006 ließ sich Konstantin Mischkin an einer Militärakademie immatrikulieren, die er 2011 abgeschlossen hat.

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Auf seinen Fotos im sozialen Netzwerkprofil entdecken wir eine Auszeichnung – das Georgskreuz vierter Klasse. Das ist eine hohe russische Militärauszeichnung, die ausschließlich stufenweise verliehen wird. Also, von der niedrigsten bis zur höchsten Klasse.

Interessant ist dabei die Tatsache, dass auf den Abschlussfotos noch keine Auszeichnung zu sehen ist. Sie taucht erstmals auf den Hochzeitsfotos auf, die am 10. Oktober 2015 stattfand. Also wurde ihm der Orden in der Zeit zwischen 2011 und 2015 verliehen.

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Zur Information:

Und hier kommt die Frage auf: Für welche Heldentaten „bei der Verteidigung des Vaterlandes oder bei Kampfhandlungen auf dem Territorium anderer Staaten“ hat dieser Offizier der 53. Fla-Raketenbrigade der Streitkräfte Russlands diese Auszeichnung erhalten? Für ein abgeschossenes ukrainisches Flugzeug oder doch für die Boeing?

Anmerkung der Redaktion: Diese Untersuchung wurde am 4. Januar 2016 auf der FB-Seite eines OSINT-Aufklärers unseres Teams, Michail Kusnezow, veröffentlicht, um zu prüfen, ob eine Reaktion von Gegenabwehr der russischen Seite erfolgt. Obwohl dieser Beitrag nicht allgemein bekanntgemacht wurde, konnten wir bereits einige Stunden später beobachten, wie das Profil dieses Soldaten im sozialen Netzwerk erst gelöscht und dann mit anderen Fotos wiederhergestellt wurde. Gelöscht wurden gerade die Fotos mit der Auszeichnung, was als ein indirekter Beweis für unsere Hypothese über die Beteiligung dieses Militärangehörigen an der Sonderoperation im Donbas dienen kann.

Nach Ergebnissen dieser Publikation wandten sich Bellingcat-Mitarbeiter an InformNapalm mit der Bitte, die von uns gesammelten Angaben zu löschen, und begründeten ihre Forderungen mit der Vorbereitung eines eigenen Berichts zu MH-17. Angesichts der Tatsache, dass die Information über die Auszeichnung des russischen Offiziers nur in unseren Archiven geblieben ist und der russische FSB Russlands bereits Maßnahmen zur hastigen Löschung der Fotos von Konstantin Mischkin ergriffen hatte, machte es keinen Sinn, die Publikation mit den Angaben zu löschen und sie vor einem breiten Publikum zu verheimlichen. Wir veröffentlichen nun die gesammelte Information für weitere Analysen und die Verbreitung in den Massenmedien, damit zusätzliche Einzelheiten zu Kriegsverbrechen der Streitkräfte Russlands im Donbas aufgedeckt werden können. Mit ihrer panischen Vorgehensweise haben die russischen Geheimdienste uns nur zusätzliche Fakten für weitere Analysen geliefert und ein weiteres Mal bestätigt, dass „das Gesicht den Wicht verrät“. Indem wir die Gesichter der russischen Militärangehörigen zeigen, folgen wir dem Prinzip der Unabwendbarkeit des Rechts.

Von den Ausführenden und den Auftraggebern von Kriegsverbrechen muss man das Gesicht kennen, und jegliche Geheimhaltung ihrer Taten in Form der Verdunkelung ihrer Gesichter oder der Anonymisierung ihrer Angaben in Berichten unter dem Vorwand des „Ermittlungsgeheimnisses“ ist nur eine Erweiterung des Manövrierraumes für die russische Seite. Im Krieg im Donbas sind schon Tausende Menschen gestorben, bei der MH-17-Katastrophe starben weitere 298 Menschen. Im Gedenken an all diese unschuldig getöteten Menschen muss man weiterhin operativ handeln, und Schritt für Schritt jeden Offizier überführen, der sich bei diesen Verbrechen gegen die Menschheit schuldig gemacht hat. Das Recht ist kein staubiger Sack für nicht-öffentliche Strafverfahren, wo sich immer jene finden werden, die sich für eine bestimmte Geldsumme aus der Liste streichen lassen wollen. Das Recht ist eine öffentliche Zurschaustellung der Information, die der Weltgemeinschaft zugänglich sein soll, damit diese ihre Bemühungen im kompromisslosen Kampf gegen den Aggressor und bei der Bestrafung der Schuldigen an den Verbrechen gegen alle Normen des Rechts und Moral vereint.

 

Lesen Sie andere InformNapalm-Untersuchungen zur Katastrophe von MH-17:


Dieses Material wurde von Michail Kusnezow [17] und Roman Burko [18] exklusiv für InformNapalm [19] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [20]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich. 

CC BY 4.0