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Trauermarsch der russischen Generäle: Statistik und Infografik

Es ist kein Geheimnis, dass russische Generäle des Öfteren plötzlich sterben und nicht immer eines natürlichen Todes. In diesem Artikel haben wir uns darum bemüht, eine möglichst vollständige Liste von äußerst mysteriösen oder auch weniger rätselhaften Todesfällen von Generälen und Admiralen zu erstellen, mit denen die neueste Geschichte Russlands aufwartet. Die Umstände des Todes dieser Menschen wurden in vielen Fällen noch immer nicht aufgeklärt, ihre Geheimnisse nahmen sie mit sich ins Grab. Wir lassen unsere Leser selber entscheiden, was davon ein Unfall, Mord, Selbstmord, oder doch ein gewöhnlicher Krankheits- oder Alterstod war. Auch haben wir eine Infografik zu den Todesfällen der russischen Generäle erstellt, auf deren Skala wir zwei Epochen der Regierung russischer Präsidenten hervorgehoben haben.

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1991-1999

UdSSR Marschall, Leiter des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR, erster stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR (1984-1988) Achromejew begeht Selbstmord in seinem Arbeitszimmer im Kreml am 24. August 1991 nach dem Putsch-Fiasko (zu der Zeit arbeitete Achromejew als Berater von Michail Gorbatschow in militärischen Fragen). Die Materialien zum Selbstmord-Fall strotzen aber von Unstimmigkeiten und Merkwürdigkeiten. Erstens ist die Art des Selbstmords auffallend: Der Militärangehörige beschließt sich nicht zu erschiessen, sondern zu erhängen und dazu auch noch in sitzender Pose. Zweitens, entsprechend den hinterlassenen Notizen, gab es an ein- und demgleichen Tag sogar zwei Selbstmordversuche, es gibt aber Aussagen von Zeugen, die Achromejew an dem Tag gesehen und sogar Anweisungen von ihm per Telefon bekommen haben – in der Zeit zwischen den zwei Versuchen. Drittens sprach einer der Zeugen davon, dass in derselben Zwischenzeit jemand das Arbeitszimmer von Achromejew betrat und wieder ausging. Viertens wurde der Ermittler sehr lange nicht zum Tatort durchgelassen und es wurde ihm verboten, unbeteiligte Personen mitzubringen. Am 1. September 1991 wurde Marschall Achromejew am Trojekurowski Friedhof ohne jegliche Ehrenerweisungen beerdigt.

Generaloberst Gusew stirbt am 30. November 1992 bei einem Autounfall in Moskau. Es gab hartnäckige Gerüchte, dass es in Wirklichkeit ein geplanter Mord war, denn Sekunden vor dem Aufprall verlor der Fahrer von Gusews Auto plötzlich das Bewusstsein. Die Ursache für sein plötzliches Unwohlsein ist bislang nicht ermittelt worden.

Im Februar 1993, auf dem Weg zum Flughafen nahe Wladiwostok, stirbt infolge des Zusammenpralls von seinem Dienstauto „Wolga“ und einem „SIL“-LKW der Leiter der militärischen Spionageabwehr der Pazifikflotte, Konteradmiral Jegorkin. Er befand sich auf dem Weg nach Moskau, zu einer Sitzung der Leiter von Geheimdiensten und Rechtsschutzbehörden Russlands zu Fragen des Kampfes gegen das organisierte Verbrechen und Korruption.

Armeegeneral Barannikow, in der Vergangenheit Innenminister der Russischen Sozialistischen Republik (1990-1991), letzter Innenminister der UdSSR (1991) und Sicherheitsminister Russlands (1992-1993). Beschäftigte sich mit dem Karabach-Konflikt. Ist auch durch seine Mitwirkung bei der Verhaftung des Verteidigungsministers der UdSSR Jasow nach dem August-Putsch 1991 bekannt. 1993 saß er kurz im Lefortowo-Gefängnis für die Organisation von Massenunruhen im September bis Oktober 1993. Starb am 21. Juli 1995 auf seiner Datscha infolge eines Schlaganfalls.

Am 22. Mai 1996 fährt ein betrunkener Polizist einen Fußgänger an, infolge davon stirbt einer der Leiter vom GRU Generalstab Russlands, Generalmajor Lomanow.

Am 18 . Juni 1996 begeht Generalmajor der Panzertruppen Wolkow Selbstmord. Er erschoss sich mit seiner eigenen Pistole, die ihm von Jelzin verliehen worden war. Wolkow war der stellvertretende Leiter der Hauptverwaltung von Kosaken-Truppen, ein Mitglied der temporären Beobachtungskommission zur Regulierung des militärischen Konflikts in Tschetschenien, betreute auch den Gefangenenaustausch.

Am 5. Mai 1997 begeht Generalmajor des GRU Generalstabs Russlands Schipilow Selbstmord. Er sprang aus dem Fenster seiner eigenen Wohnung im Haus auf der Krylatski-Holmy-Strasse in Moskau. Hinterließ dabei keinen Abschiedsbrief. Die Ermittlung kam aber zu dem Schluss, dass zur Ursache des Selbstmordes die Geistesstörung von Schipilow wurde, die sich nach seiner Rückkehr aus Jugoslawien entwickelte. Schipilow bekleidete das Amt des Militärattachés in Jugoslawien (arbeitete dort während der Kampfhandlungen), organisierte Verhandlungen im Lauf des jugoslawischen Konflikts.

Generalleutnant Rochlin leitete die Einnahme des präsidialen Palasts und einer Reihe von Wohnvierteln in Grosny. Er war die Kontaktperson bei den Verhandlungsgesprächen mit den tschetschenischen Feldkommandeuren. Er verzichtete auf die Auszeichung „Held Russlands“ für die Einnahme von Grosny: „In einem Bürgerkrieg können die Feldherren keinen Ruhm ernten. Der Krieg in Tschetschenien ist kein Ruhm für Russland, sondern sein Unheil“. In 1997 erschafft Rochlin seine eigene politische Bewegung, befindet sich permanent in Opposition zur Regierung, nach einigen Gerüchten plante er gar einen militärischen Sturz, nach anderen ein Amtsenthebungsverfahren von Jelzin. In der Nacht auf den 3. Juli 1998 wurde er auf seiner eigenen Datscha erschossen aufgefunden. Für den Mord an dem General wurde seine eigene Frau angeklagt.

Im selben Juli 1998 stirbt in einem Autounfall der stellvertretende Leiter der Hauptverwaltung zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens im Innenministerium Russlands Generalmajor Baturin. Seinen Tod brachten einige russische Medien in Zusammenhang mit der Untersuchung des Mordes an dem Journalisten Dmitry Holodow, der sich ernsthaft mit dem Thema der Korruption im Verteidigungsministerium Russlands auseinandersetzte. Auf der Anklagebank in diesem Mordfall landete eine Gruppe von Militärangehörigen aus dem 45. Speznas-Regiment der Luftlandetruppen, angeleitet vom Aufklärungsleiter der Luftlandetruppen Popowskich – das Gericht sprach sie alle frei. Es stellte sich heraus, dass das 45. Luftlanderegiment an den Sonderoperationen zur physischen Liquidation von russischen und ausländischen Bürgern beteiligt war, wie innerhalb Russlands selbst, so auch im Ausland. Im Lauf der Untersuchung kam die Ermittlung auf die Hauptverwaltung zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens und auf Baturin selbst heraus, der die Deckungsdokumente für die Soldaten des 45. Regiments eigenhändig unterzeichnet hatte. Kurz darauf stirbt Baturin.

Am 7. August 1999 im Stupinski Bezirk im Vorort von Moskau stirbt der Leiter der GRU-Verwaltung, Generalmajor Schalajew, infolge des Verlusts der Kontrolle über sein Auto.

2000-2015

Am 31. Mai 2001, auf dem Territorium des Stabs der russischen militärischen Gruppierung im Dorf Chankala (Tschetschenien), stirbt plötzlich an einem Herzanfall Admiral Ugrjumow. Der Rang eines Admirals wurde ihm am Vorabend verliehen, am 30. Mai. Ugrjumow bekleidete das Amt des stellvertretenden FSB-Leiters und leitete das Departement für Verfassungsschutz und Kampf gegen den Terrorismus. Seit 2011 kombinierte Ugrjumow diese Arbeit mit dem Dienst des Leiters des Regionalen Führungsstabs am Nordkaukasus.

Generalleutnant Lebed stirbt am 28. April 2002 bei einem Mi-8 Hubschrauberabsturz im Gebiet Krasnojarsk. General Leben wurde zusammen mit General Rochlin des Öfteren zu den wahrscheinlichen Kandidaten gezählt, um einen militärischen Aufstand in Russland anzuführen.

Am 11. September 2002 stirbt in einem Autounfall am 45. Kilometer des Kiewer Chaussee Generalmajor Gerzew, Leiter einer der Verwaltungen der Raketenartillerie-Hauptverwaltung der Streitkräfte Russlands.

Unweit von Tscheboksary wird Generalmajor des Föderalen Grenzdienstes Platoschin in seinem „Mercedes“ von einer zufälligen Mitfahrerin aus seiner eigenen Pistole erschossen. Der Name der Frau wurde dabei „im Interesse der Ermittlungen“ geändert. Der Vorfall ereignete sich im September 2002. Platoschin war der Luftwaffenkommandeur der Föderalen Grenzdienst-Gruppierung in Tadschikistan, befasste sich auch mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel durch die tadschikisch-afghanische Grenze.

Am 4. Juni 2002 stirbt Armeegeneral Iwaschutin, der zwischen 1954 und 1963 der 1. stellvertretende Vorsitzende des KGB UdSSR, später i.V. des Vorsitzenden des KGB UdSSR (5-13. November 1961) und von 1963 bis 1986 GRU-Leiter und stellvertretender Generalstabsleiter der Streitkräfte UdSSR war. In 2002 war Iwaschutin bereits in einem ziemlich hohen Alter, also starb er höchstwahrscheinlich ruhig und ohne fremde Einwirkung.

Generalmajor Schewelew wird am 19. September 2002 verbrannt in seinem eigenen Auto im Bezirk Ramenski im Vorort von Moskau aufgefunden. Auf seiner Datscha wurden Spuren eines Einbruchs entdeckt. Nach Version der Ermittler haben gerade die Diebe Schewelew in seinem eigenen Auto verbrannt, wobei sie dieses Auto vorher in eine benachbarte Ortschaft brachten. Bis 1997 arbeitete Schewelew in der Föderalen Agentur für Regierungsfernmeldewesen und Information und bekleidete danach den Posten des stellvertretenden Direktors der offenen Aktiengesellschaft „Rostelekom“.

Am 30. Oktober 2002 stirbt Generalmajor Kolesnik, wichtigster Entwickler der Erstürmung vom Amin-Palast in Afghanistan. 1979 leitete Kolesnik die Aufstellung und Ausbildung des 154. selbstständigen Speznas-Trupps, der Sonderaufgaben in Afghanistan ausführte. 1982 bis 92 bekleidete Kolesnik das Amt des Leiters der Verwaltung für Sonderaufklärung des GRU Generalstabs der Streitkräfte UdSSR.

Am 5. November 2002 stirbt in einem Autounfall Generalmajor Schatochin, ehemaliger Luftwaffenkommandeur des Föderalen Grenzdienstes Russlands. Nach seiner Versetzung in den Ruhestand arbeitete Schatochin als stellvertretender Leiter der offenen Aktiengesellschaft „Aviasaptschast“.

Am 15. November 2002 gerät das Auto des Föderalen Dienstes für Spezialbau unter einen Beschuss in Grosny. Darin befand sich Generalmajor Schifrin, Leiter des militärischen Betriebs- und Instandsetzung-Fernmeldeamts des Föderalen Dienstes für Spezialbau. Schifrin erlag seinen Verletzungen.

Am 17. November 2002 stirbt Armeegeneral Maximow. Von 1967 bis 69 war er Militärberater im Jemen, 1979 wurde er zum Befehlshaber der Streitkräfte des  Militärbezirks Turkestan ernannt. Von 1984 an Oberbefehlshaber der Streitkräfte der strategischen Ausrichtung Süd. Seit 1985 Oberbefehlshaber der Raketentruppen  strategischer Ausrichtung, stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR. Seit 1991 Oberbefehlshaber der strategischen Raketentruppen der UdSSR. 1992 Befehlshaber der Strategischen Raketentruppen der vereinten GUS-Streitkräfte.

Generaloberst Trofimow (Zwischen 1995 und 1997 Leiter der FSB-Verwaltung in Moskau und Moskauer Gebiet) wird am 10. April 2005 zusammen mit seiner Frau unweit von seinem Haus erschossen. Der Mörder trug eine Maske und agierte professionell, benutzte eine Pistole mit einem Schalldämpfer. Der Mord wurde nie aufgeklärt, aber der ehemalige Leiter der FSB-Verwaltung in Moskau Sawostjanow und der damals noch lebende Litwinenko waren überzeugt, dass der General aus politischen Gründen ermordet wurde.

Im Dezember 2007 stirbt plötzlich an einem „unvorhersehbaren Herzstillstand und begleitenden Schlaganfall“ der erste stellvertretende Leiter des Spionageabwehr-Dienstes der zentralen FSB-Verwaltung Generaloberst Walery Petschenkin. Es existiert eine Version, dass der General persönlich an der nachteiligen Operation zur Liquidation von Alexander Litwinenko in London im November 2006 beteiligt war.

Am 21. Februar 2008 erschiesst sich der stellvertretende Leiter des Bau- und Einquartierungsdienstes im Verteidigungsministerium Russlands, Generaloberst Wlasow, in seinem eigenen Arbeitszimmer.

Generaloberst Troschew, Befehlshaber bei den Kampfhandlungen in Tschetschenien und Dagestan (1995-2002), stirbt am 14. September 2008 beim Flugzeugabsturz einer Boeing-737-500 im Raum von Perm.

Am 29. Dezember 2008 wird in Machatschkala der stellvertretende Leiter des Nordkaukasischen Regionalen Kommandostabs der Truppen des Innenministeriums Russlands ermordet, Generalmajor Lipinski. Das Auto von Lipinski wurde von Unbekannten beschossen. Der General wurde am Brustkorb verletzt, woraufhin er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er am Blutverlust starb.

Am 22. Februar 2009, in einem Toyota Land Cruiser, der am Restaurant „Parisienne“ am Leningrader Prospekt in Moskau mit laufendem Motor geparkt stand, wurde die Leiche des FSB-Generalmajors im Ruhestand Rogatschew entdeckt. Erst nahmen die Polizisten an, dass Rogatschew eines natürlichen Todes infolge einer nicht definierten Krankheit gestorben sei, bei der näheren Untersuchung im Leichenschauhaus wurde jedoch eine 9 mm Kugel aus dem Kopf des Verstorbenen herausgeholt. Da Rogatschew als ein sehr vorsichtiger Mensch galt, wurde er in seinem eigenen Auto erschossen, daher wurde angenommen, dass der General seinen Mörder sehr gut kannte und ihn in sein Auto selbst reingelassen hat.

Am 21. Juni 2009 stirbt in Moskau Generalmajor Petrow, Anführer der Partei KPE („Konzeptuelle Partei „Einigkeit“) und Leiter des gesellschaftlichen Projekts „Konzept der gesellschaftlichen Sicherheit“. Petrow nahm seiner Zeit an der Entwicklung und Erprobung des Raumfahrtsystems „Energie-Buran“ teil. Trotz der offiziellen Version über den natürlichen Tod, behaupten die Parteigänger von Petrow noch immer, dass er vergiftet wurde.

Generalmajor Iwanow, stellvertretender Leiter des GRU Generalstabs der Streitkräfte Russlands, stirbt unter äußerst seltsamen Umständen. Die verweste Leiche von Iwanow wurde am 16. August 2010 entdeckt (dies war übrigens für viele Generäle ein verhängnisvolles Jahr), und zwar von den Einwohnern eines türkischen Dorfes an der Küste des Mittelmeeres. Lebend wurde der General zum letzten Mal auf dem gegenüberliegenden Ufer gesehen – in Syrien, als er eine Baustelle im berüchtigten Tartus besuchte, wo zum dem Zeitpunkt neue Infrastrukturobjekte auf dem russischen Marinestützpunkt der Schwarzmeerflotte gebaut wurden. Nach dem Besuch der Militärbasis in Tartus begab sich Iwanow auf den Weg zu einem Treffen mit syrischen Aufklärern. Irgendwann in dieser Zeit verschwand er auch. Man sollte auch die Tatsache erwähnen, dass Iwanow faktisch der Zweite Mann in der russischen Verwaltung der militärischen GRU-Aufklärung war. Angeblich war er der Organisator einer Reihe von Morden an Tschetschenen, die im Ausland leben. Yuri Iwanow wird auch mit dem Flugzeugabsturz einer Tu-154 bei Smolensk in Zusammenhang gebracht, bei dem Polens Präsident Lech Kaczynski und fast das gesamte Militärkommando Polens gestorben war, wie auch eine Reihe von polnischen Politikern und Personen des öffentlichen Lebens.

Am 4. Oktober 2010 jagt sich Generalmajor Tschewrisow, ehemaliger Leiter der Aufklärungsverwaltung des Kommandos der Truppen des russischen Innenministeriums, eine Kugel in den Kopf, aus seiner eigenen Pistole, in seinem eigenen Hauseingang auf der Wejernaja Strasse in Moskau. Bemerkenswert ist hier die Tatsache, dass während des tschetschenischen Krieges Tschewrisow das Amt des stellvertretenden Leiters der Aufklärungsverwaltung zur Führung und dem Einsatz von Speznas-Kräften bekleidete. Einige Tage später folgte Tschewrisow der FSB-Oberstleutnant Boris Smirnow, der sich in seiner Garage im Norden von Moskau erschoss.

Generalleutnant Dubrow stirbt plötzlich am 28. Oktober 2010, indem er von der Bahnplattform unter die S-Bahn im Balaschicha-Bezirk des Moskauer Gebiets fällt. Dubrow bekleidete das Amt des Vorsitzenden des Präsidiums des Russischen Antifaschistischen Komitees und war ein Mitglied des Koordinationsrats von militärisch-patriotischen, gesellschaftlichen Organisationen Russlands. Etwas früher, im Februar 2010, fand unter dem Vorsitz von General Dubrow die Allrussische Offizierssitzung statt, auf der eine Entscheidung zur Vorbereitung von Absetzung des Regimes Putin-Medwedew getroffen wurde. Am 7. November sollte Dubrow auf der Kundgebung „Armee gegen Serdjukow“ (zum damaligen Zeitpunkt war Serdjukow der Verteidigungsminister Russlands) auftreten. Interessant ist hier die Tatsache, dass auf dieser Kundgebung nicht nur Dubrow nicht mehr auftauchen konnte, sondern auch der Generalleutnant Debaschwili, der im Zentrum von Moskau tot aufgefunden wurde, wie auch der Generalleutnant Schamanow, der am 30. Oktober bei einem Autounfall in Tula starb.

Am 30. Oktober 2010 wird die Leiche des Generalleutnants Debaschwili beim Haus Nr.28 auf dem Komsomolsk-Prospekt in Moskau entdeckt.

Generaloberst Atschalow stirbt aufgrund einer „schweren und langwierigen Krankheit“ am 23. Juni 2011. Stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR (1990-1991), Verteidigungsminister Russlands (22. September bis 4.Oktober 1993). Atschalow war gut durch seine unversöhnliche Haltung gegenüber dem Regime bekannt. Im Herbst 1993 war Atschalow unter den Anführern des Aufstands, der nach der Blockierung von Abgeordneten des Oberrats Russlands in Moskau begann. Nach dem Aufstand wurde er verhaftet, 1994 wurde er aber amnestiert. Später forderte er den Rücktritt von Serdjukow, war einer der Hauptorganisatoren der November-Kundgebung 2010, am Vorabend welcher unter mysteriösen Umständen die Generäle Dubrow, Tschewrisow und Debaschwili starben, und General Schamanow zwar überlebte, wegen Verletzungen infolge des Autounfalls aber im Krankenhaus bleiben musste und zur Kundgebung nicht erscheinen konnte.

Am 26. August 2011 wird Generalmajor Morew in seinem Arbeitszimmer mit einer Kugel im Kopf tot aufgefunden. Morew bekleidete das Amt des FSB-Leiters im Twerskaja Gebiet. Zuvor war Morew der FSB-Leiter in der Republik Saha-Jakutien.

Generalleutnant Schebarschin, Leiter der Aussenaufklärung der UdSSR (vom 06.02.1989 bis 22.09.1991) und Stellvertreter des Vorsitzenden des KGB der UdSSR (vom 22. bis 23. August 1991), begeht einen Selbstmord in seiner Wohnung auf der 2. Twerskaja-Jamskaja Strasse, indem er sich aus seiner eigenen Pistole erschießt. Schebarschin hatte einen Abschluss an der MGIMO (eine Elite-Uni in Russland), sprach vier Sprachen, arbeitete in Indien, Iran, Pakistan, Afghanistan. Schebarschin war Putins Vorgesetzter in der Zeit seiner Arbeit in der Ersten Hauptverwaltung des KGB.

Armeegeneral Gratschew, Verteidigungsminister Russlands (1992-1996) stirbt am 23. September 2012 im Zentralen Militärhospital namens Wischnewski. Todesursache war ein Schlaganfall oder doch eine Vergiftung, womöglich auch eine unheilbare Krankheit, die den General über lange Zeit quälte: In der offiziellen Mitteilung des Verteidigungsministeriums steht, dass Gratschew an einer akuten Meningoenzephalitis starb. General Gratschew war eine epische Persönlichkeit, ein Mensch, der den Putsch 1991 plante, im letzten Moment aber zu Jelzin überlief und später, in 1993, das Weiße Haus zerschoss. Auch leitete er den Abzug der Truppen aus Osteuropa, führte Verhandlungen zur Reduzierung des Atomwaffenbestands, befehligte die Einführung von Truppen auf das Territorium von Transnistrien, Abchasien und Südossetien, wie auch die Verlegung von russischen Friedenstruppen nach Bosnien. In seiner Zeit fand der Erste Tschetschenische Krieg statt. General Gratschew wusste zweifellos sehr viel und dieses Wissen nahm er mit ins Grab, da er nach seiner Versetzung in den Ruhestand keine einzige Zeile Memoiren schrieb.

Im Dezember 2012 stirbt in einer mysteriösen Flugkatastrophe eines privaten Hubschraubers Robinson R-44 der Leiter von Aufklärungsverwaltung des Spionageabwehr-Dienstes des zentralen FSB-Apparats Russlands Generalleutnant Oleg Skopinzew, der im Großteil der Medienberichte über diesen Vorfall einfach nur als ein „Einwohner von Moskau“ bezeichnet wurde. Der Hauptakzent dieses Vorfalls wurde auf den Geschäftsmann Fjodor Zarew (der in kriminellen Kreisen unter dem Rufzeichen Torfzar bekannt war) verschoben, in dessen Gesellschaft sich der General im Hubschrauber aufhielt. Am Bord waren auch der Sohn des Ex-Vorsitzenden der Föderalagentur für Verwaltung vom Staatsvermögen Wasily Petrow, dessen Namen der FSB ebenfalls geheimzuhalten versuchte. Alle drei sind gestorben.

Am 19. April 2013 begeht Generalmajor der Strategischen Raketentruppen Bondarew Selbstmord, ein Lektor an der Akademie des Generalstabs der Streitkräfte Russlands. Bondarew erhängte sich im Badezimmer seiner eigenen Wohnung.

In der Nacht auf den 3. Januar 2014 erschiesst sich in der eigenen Wohnung in Sankt-Petersburg Vizeadmiral Ustimenko, ehemaliger stellvertretender Kommandeur der Nordflotte der Seestreitkräfte Russlands.

Am 7. Februar 2014 unternimmt Konteradmiral der Seestreitkräfte Russlands Apanasenko einen Selbstmordversuch, er schießt sich aus seiner eigenen Pistole in den Kopf. Er starb im Krankenhaus einige Tage später. Die Tochter von Apanasenko sagte, dass die Ursache für den Selbstmord ihres krebskranken Vaters die Abwesenheit von Schmerzmitteln war.

Am 18. März 2014 begeht Generalmajor der Streitkräfte der UdSSR Saplin Selbstmord. Er erschoss sich ebenfalls aus seiner eigenen Pistole. Es wurde berichtet, dass sich Saplin über schreckliche Kopfschmerzen beklagte, die durch Krebs im letzten Stadium verursacht worden waren. Das stand auch in seinem Abschiedsbrief.

Generalmajor GRU Gudkow erschießt sich, ebenfalls aus eigener Pistole, am 8. Juni 2014 im Süden von Moskau. Gudkow „litt an einer schweren Erkrankung und beging Selbstmord aufgrund seiner Depressionen“.

Am 16. Juni 2014 begeht der Polizei-Generalmajor Kolesnikow (von  2012 bis 2014 war er der stellvertretende Leiter der Hauptverwaltung für Wirtschaftssicherheit und Korruptionsbekämpfung im Innenministerium Russlands) direkt während der Vernehmung Selbstmord, indem er aus dem Fenster im 6. Stock des Ermittlungskomitee-Gebäudes springt. Die Ursachen und Umstände seines Todes sind bis heute nicht aufgeklärt.

Am 21. Juli 2014 wird in seinem Arbeitszimmer die Leiche des Generalmajors Mischanin mit einer tödlichen Schussverletzung am Kopf entdeckt. Mischanin bekleidete seit 2010 das Amt des Militärkommissars im Nischegorod-Gebiet. Davor befehligte er die 205. selbstständige motorisierte Schützenbrigade und die 122. motorisierte Schützendivision. Zur Todesursache wurde Selbstmord erklärt.

Am 3. Januar 2015 wird Generalmajor Butschnew mit einer tödlichen Kopfverletzung in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Er war der Innenminister der Republik Mari El. Nach Version der Ermittlung beging er Selbstmord, indem er sich aus seiner eigenen Pistole erschoss.

Am 6. Januar 2015 erhängt sich Generalleutnant der Luftwaffe Russlands Kudrjawzew an einem Schnürsenkel, wegen „unerträglichen Schmerzen“ auf Grund seiner Krebserkrankung.

Generalmajor Schuschukin, stellvertretender Leiter des Luftlandetruppen-Generalstabs Russlands, stirbt am 27. Dezember 2015 durch „Herzstillstand“. Gerade General Schuschukin verwirklichte die Kampfplanung und befehligte die Krim-Annexion 2014. In der Vergangenheit war er auch an den Kampfhandlungen am Nordkaukasus und in Jugoslawien beteiligt.

Generaloberst Sergun [2], Leiter der Hauptverwaltung für Aufklärung beim Generalstab der Streitkräfte Russlands, stellvertretender Leiter des Generalstabs der Streitkräfte Russlands, stirbt nach offizieller Version der russischen Behörden an einem schweren Schlaganfall am 3. Januar 2016.

Das Amt von Sergun spricht für sich selbst, nichtsdestotrotz sollte man anmerken, dass Sergun einen direkten Bezug nicht nur zur Annexion der Krim hatte, sondern auch zur Planung der gesamten Operation gegen die Ukraine. Auf seine Kosten geht wie die Vorbereitung des Bodens für die Einnahme der Städte im ganzen Südosten des Landes, so auch die Okkupation von Teilen der Donezker und Luhansker Gebiete durch reguläre Streitkräfte Russlands und seine Söldner. Unter feinfühliger Führung von Sergun verwandelten sich diese Territorien in selbsternannte Pseudorepubliken „DVR“ und „LVR“, wo bis zum heutigen Tag Gewalt, Plünderungen, Leichenfledderei und Menschenhandel prosperieren. Es macht auch Sinn, den Namen Sergun mit dem Abschuss der Boeing-777 MH17 in Verbindung zu bringen, die mit einer Boden-Luft-Rakete im Raum von Tores am 17. Juli 2014 abgeschossen wurde. Trotz der offiziellen Erklärung der russischen Seite darüber, dass Sergun am akuten Herzversagen im Vorort von Moskau starb, berichtete die amerikanische private Aufklärungsfirma Stratfor, dass entsprechend ihren Angaben, Sergun in Wirklichkeit in Libanon am 1. Januar 2016 starb.

Die Liste ist nicht vollständig und wird noch ergänzt. Es gibt alle Gründe anzunehmen, dass nach jeder bedeutenden Operation der Kreml eine Reihe von „Säuberungen“ im Amt des höchsten Militärkommandos durchführt. Die Ausmaße der Kriegsverbrechen Russlands in Syrien und der Ukraine lassen annehmen, dass ein weiterer „Sternenfall der Generäle“ gerade erst beginnt. Für die Mehrheit der russischen Generäle bleiben zwei Wege: Die Flucht und Beantragung des politischen Asyls, wobei sie später im Lauf eines militärischen Tribunals die Weltgemeinschaft über die Einzelheiten der russischen Kriegsverbrechen aufklären sollen, oder aber der Weg zu einem weiteren „Fallschirmspringer“ zu werden oder in einer Schlinge „an Krebs“ zu sterben. Es gibt immer die Wahl…

Dieses Material wurde von Christina Dobrovolska [3] exklusiv für InformNapalm [4] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [5]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich. 

CC BY 4.0