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General Ahmad Rahal: In Syrien befinden sich etwa 12 000 russische Militärangehörige, die sich am Genozid am syrischen Volk beteiligen

General Ahmad Rahal war in der Vergangenheit ein hochrangiger syrischer Offizier, der ehemalige Stellvertreter des syrischen Verteidigungsministers und Befehlshaber der Flotte. 2012 hat er es öffentlich abgelehnt [1], die verbrecherischen Befehle des Regimes von Baschar al-Assad auszuführen und wechselte auf die Seite der Aufständischen.

General Rahal führte die Westfront an, wo er sich als ein heldenmütiger, tapferer und verantwortungsvoller Mensch erwies. Derzeit leistet er aktive analytische Arbeit, tritt in den Medien zum Thema syrischer Krieg auf und setzt sich für den Aufbau der Freien Syrischen Armee ein. Er glaubt an den Sieg der Ideale der syrischen Revolution der Würde. Am 13. Februar 2016 gab General Ahmad Rahal den Freiwilligen der internationalen Gemeinschaft InformNapalm ein exklusives Interview, in dem er Einzelheiten über die Beteiligung von russischen Truppen im Krieg gegen das syrische Volk offenbarte und eine Menge weiterer interessanter Details erwähnte…

General Rahal wir wissen, dass Sie sehr viel für den Aufbau der Freien Syrischen Armee tun. Nun haben viele Syrer infolge des Hungers und der Bombardements ihre Häuser verlassen. Einige von ihnen haben Erfahrung im Militärdienst. Glauben Sie, dass man aus diesen Menschen eine vollwertige Armee aufbauen könnte?

– Ich merke an, dass viele Soldaten und Offiziere die Reihen von Assads Armee aus moralischen und ideologischen Gründen verließen. Sie sind nicht infolge des Hungers oder aus finanzieller Not desertiert, sie haben sich von den Truppen des Regimes aufgrund des Unrechts, der Morde und der Zerstörungen, die gegen das syrische Volk begangen wurden, abgespalten. Diese Offiziere gaben einen Eid, das Volk zu beschützen und nicht, es zu töten, daher haben sie ihren Eid erfüllt und sich auf die Seite der syrischen Revolution gestellt.

Als Assads Armee zu zerfallen drohte, musste er Shabiha-Trupps organisieren (Anmerkung der Redaktion: Analog zu den „Tituschki“), die keine Soldaten waren. Das waren schlicht und einfach bewaffnete Banditen, die begannen Syrer zu töten. Als auch sie der syrischen Revolution nicht standhalten konnten, fing Assads Regime an, Söldner aus dem Ausland zu importieren. Angefangen haben sie mit der libanesischen Hisbollah, dann brachten sie irakische „Kommandos“, daraufhin kam Qassem Soleimani [2] mit der Iranischen Revolutionsgarde und der „Al-Quds-Einheit“ [3]. Zusätzlich haben sie Kriminelle aus den Gefängnissen Teherans herausgeholt, sie ausgebildet und als Söldner nach Syrien geschickt, um der iranischen Flagge zu dienen. Auf diese Weise ging die militärische Macht in Syrien aus den Händen Baschar al-Assads in die Hände des Iran über. Und Qassem Soleimani bekam die Hauptrolle des Militärherrschers in Syrien.

(Anmerkung der Redaktion: Laut dem Bericht des „Times of Israel“ [4] war Qassem Soleimani der Organisator und Leiter der Such- und Rettungsoperation der Evakuierung des russischen Piloten des am 24. November 2015 abgeschossenen Suchoi Su-24M.)

Касем Сулеймани командующий «эль-Кудс» в составе КСИР. Прозвище "Тень" [5]

Qassem Soleimani, Kommandeur von „Al-Quds“. Rufzeichen „Schatten“

Und dennoch, sogar nach dem Einmarsch der Hisbollah und der iranisch-irakischen Kräfte, verlor Baschar Assad weiterhin seine Positionen, also mussten sie die russische Luftwaffe um Unterstützung bei der Vernichtung des syrischen Volkes bitten.

Heute sehen wir, wie die russische Luftwaffe unter dem Motto den IS zu bekämpfen, die Zivilbevölkerung Syriens bombardiert. Mehr als 95 Prozent der russischen Luftschläge sind Angriffe gegen das syrische Volk und die Freie Syrische Armee (FSA).

Gegenwärtig kämpfen statt der Shabiha ausländische Söldner für das Assad-Regime: Hisbollah, Liwa Abu al-Fadhal al-Abbas [6], von Teheran bezahlte irakische Brigaden, afghanische Kommandos und jetzt auch noch russische Soldaten. Wie hoch ist die ungefähre Zahl an Kämpfern an Assads Seite?

– Assads reguläre Armee existiert praktisch nicht mehr. Lassen Sie uns die ausländischen Söldner zählen. Die Hisbollah aus dem Libanon – zwischen 15 000 und 20 000 Kämpfer.

Zwischen 20 000 bis 30 000 Irakische Söldner – die Miliz „al-Nujaba“ [7], die „Liwa Abu al-Fadhal al-Abbas“, die „Fatimiden“ [8], die „Zainabiden“ und andere (etwa 36 irakische Brigaden) – alles aus der Zahl der Schiiten.

Der Iran hat die „Al-Quds-Einheit“ geschickt, das Beraterteam der Iranischen Revolutionsgarde. Sie bilden das, was als „Heer der Freiwilligen“ bezeichnet wird, die angeblich freiwillig nach Syrien zum kämpfen gekommen sind. Die Iraner brachten auch Strafgefangene und Drogensüchtige aus der Mitte der Afghanen mit. Insgesamt zwischen 20 000 und 30 000.

Ebenfalls gibt es Söldner aus Tschetschenien, Afghanistan, Indien und Pakistan. Vor Kurzem wurden auch 3 000 aus Nigeria gebracht.

Insgesamt können etwa 100 000 der für Assad kämpfenden Ausländer gezählt werden. Hierbei ohne die russischen Truppen mitgezählt zu haben.

– General Rahal, wie sieht die heutige reale militärisch-politische Situation in Syrien aus?

– Das Ergebnis der militärischen Handlungen Russlands im Osten der Ukraine und des Vorgehens bei der Krim-Annexion waren die Sanktionen des Westens, deren Wirksamkeit bereits auf der Hand liegen. Der Fall des Ölpreises unter 30 Dollar hat zum Sturz des Rubels geführt. Es heißt, dass die Verluste der Russischen Wirtschaft 400-600 Mrd. Dollar erreicht hätten. Die Wirtschaftsmafia, die Wladimir Putin an die Macht gebracht hat, sieht, dass er aufgehört hat, ihre Interessen, den Status quo in der westlichen Welt aufrechtzuerhalten, zu schützen. Für die Lösung dieser Situation und um die Russen von dem Wirtschaftskollaps abzulenken, wurde die „neue friedensstiftende Karte“ gespielt, die dafür ausgelegt ist, die Aufmerksamkeit der Russen von dem Scheitern ihrer Taktik in der Ukraine abzulenken. Putin hat zu einer erneuten außenpolitischen Aggression gegriffen, dieses Mal in Syrien. Putins und Assads Interessen stimmten miteinander überein, wozu auch die Zusicherungen von General Qassem Soleimani, dem Kommandeur der iranischen „Al-Quds-Kämpfer“, beigetragen haben. Er überzeugte sie davon, dass Assad unter dem Schutz der russischen Luftwaffe die Kontrolle über ganz Syrien wiedergewinnen kann, was wiederum auch Putins Position bei den Verhandlungen stärkt, ihm erlauben könnte, den Westen zu erpressen, und zudem die Aufmerksamkeit von der Ukraine ablenkt.

Die Ereignisse im al-Ghab Tal zwischen dem 01. Oktober 2015 und 08. Oktober 2015 ruinierten diese Pläne jedoch. Die FSA und die Dschaisch al-Fatah [9] haben ihnen bei den Kämpfen mit den Söldnern aus dem Iran und den Resten von Assads Armee eine spürbare Niederlage bereitet. Allein im Dorf Morik wurden 46 Panzer zerstört.

Bei diesen Kämpfen waren die russische Luftwaffe, russische Hubschrauber und die russische Artillerie beteiligt, und ungeachtet dessen, ist es nicht gelungen, das Vorrücken der Aufständischen aufzuhalten. Das Ergebnis dieser großen Niederlage des Regimes war der Versuch, eine neue Front in Homs und an der Küste zu eröffnen, aber auch diese Pläne waren für Assad zum Scheitern verurteilt. Dies zwang die Russische Föderation ihre Herangehensweise zu überdenken, Putin machte eine außerordentliche Reise nach Teheran, wo er die Iraner beschuldigte, die russische Seite über ihre Möglichkeiten falsch informiert und Russland in den Krieg hineingezogen zu haben.

Putin ist zu einer neuen Taktik übergegangen, indem er einen Konflikt mit der Türkei nach dem abgeschossenen Flugzeug Su-24 initiierte. Russland hat selbst diesen Zwischenfall mit dem Ziel, neue Regeln für eine Konfrontationen zu schaffen provoziert. Putin reagierte „hart“ in den Medien und gab neue Sanktionen gegen die Türkei bekannt, wodurch er die Russen selbst mit einem drastischen Preisanstieg auf Lebensmittel bestrafte.

Dadurch waren Russland und der Iran dazu gezwungen, in Syrien zu Plan „B“ zurückzukehren. Der Plan besteht darin, Syrien in mehrere Kantone aufzuteilen, da sowohl Putin als auch Soleimani erkannten, dass weder Russland noch der Iran das gesamte Territorium Syriens unter die Kontrolle des Assad-Regimes bringen können. Hierfür haben sie die Kämpfe nördlich von Aleppo und an der Küste im Gebiet des Flughafens Hmeimim verstärkt, wo bei den Kämpfen mehr als 120 russische Soldaten umkamen. Putin hat den russischen Medien verboten, jedwede Information über die Verluste der russischen Truppen in der Ukraine und in Syrien zu verbreiten, ausgenommen die, die offiziell in den Quellen des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlicht werden. Alles was Putin bis Heute erreichen konnte, ist das Gebiet des „nützlichen Syriens“, wie er es bezeichnet, zu erweitern, indem er zehn Kilometer an der westlichen Front vorangekommen ist. Die Kämpfe im Norden von Aleppo für die Sicherung der Grenzen der kurdischen Enklave gehen weiter, somit ist der Plan von der Aufteilung Syriens absolut klar.

Russland plant Syrien durch partielle, lokale und schrittweise „Siege“ aufzuteilen, indem es junge Männer verhaften lässt und sie aufgrund fehlender Kämpfer bei Assad an die Front schickt. Der Großteil der Getöteten auf der Seite sind Iraker und Hisbollah-Kämpfer.

– Von den syrischen Fronten kommen häufig widersprüchliche Angaben darüber, wer vorrückt und wer lokale Siege davonträgt. Die russischen Propagandisten führen ihren Informationskrieg und die internationale Gemeinschaft in die Irre. Erzählen Sie uns, wie die wirkliche Situation an den Fronten aussieht.

– Es stimmt, vor uns ist eine betrügerische Propagandamaschine, die Medien verzerren oft beträchtlich die Ereignisse. Zum Beispiel haben wir einen irakischen Kämpfer an der Küste gefangen genommen. Am nächsten Tag zeigte der Sender RT die angeblichen Geständnisse dieses Kämpfers, wo er sagt, dass er von Assads Armee gefangen genommen wurde und dass er aus den Einheiten des IS ist, die „geschützt durch die «Apachen» der NATO-Luftstreitkräfte vorankommen“. Als wir mit der Analyse dieser Videos begannen, haben wir festgestellt, dass dieses Ereignis 2014 in Libyen stattfand, als im Zuge der Operation „Fajr“ libysche Einheiten Richtung der Küsten marschierten, um sie von Terroristen zu befreien und diese „Apachen“ deckten die libyschen Soldaten. Und in Syrien belaufen sich alle Siege von den Resten der Armee Assads auf fünf Prozent des Staatsgebietes, an der Küste und um Aleppo. In den Medien bauschen sie ihre Erfolge auf. Die Einnahme von Rabia durch die Regime-Kämpfer wird als ein großer Sieg dargestellt, indes ist es ein kleines Dorf mit 50 Häusern. In den Medien wurde es als „Rebellenhochburg“ und strategischer Punkt bezeichnet. Wenn die Regime-Truppen in ein Städtchen einmarschieren, kommt auch eine Gruppe von Fernsehleuten mit ihnen, die diese Operation aufbauschen. Zugleich, wenn wir diese Ortschaft zurückerobern, schweigt ihr Fernsehen.

Noch ein Beispiel: Am 12. Februar haben wir drei Städtchen in den Turkmenen-Bergen erobert, letzte Woche sieben Dörfer in der Umgebung von Aleppo. Über all das wird in den Medien geschwiegen. Über getötete russische Kämpfer wird ebenfalls kein Wort in den Medien verloren und die Hisbollah spricht über ihre Anwesenheit in Aleppo nicht. Auf diese Weise werden die eigenen Bürger und die gesamte internationale Gemeinschaft durch Russlands Medien systematisch und planmäßig desinformiert.

Sobald die russischen Luftangriffe aufhören, werden wir alle, durch die Regime-Kämpfer eingenommenen Gebiete zurückholen, die wegen der Unterstützung der russischen Luftwaffe besetzt wurden. Unter der Deckung Russlands Luftkosmischer Streitkräfte rücken bewaffnete Söldner des Assad-Regimes vor. Sie werden keine definitionsgemäße Territorien halten können.

– Was glauben Sie, wie lange werden die vorgerückten Kräfte des Regimes ihre Positionen halten können? Verlassen sie sich auf die Unterstützung der russischen Luftkosmischen Streitkräfte?

– Ich werde Ihnen mit den Worten des Kommandeurs der russischen Einheiten in Syrien des Stützpunktes Hmemim antworten. Er hat das folgende Telegramm in seinen Generalstab nach Moskau geschickt: „Wir können nicht 24 Stunden am Tag in der Luft bleiben. Sobald wir zum Flughafen zurückkehren, erobert die FSA die Gebiete zurück. Assad und seine Truppen haben keine Lust und den Willen zu kämpfen, sie fürchten sich vor den Zusammenstößen mit den Aufständischen, die von ihnen als Terroristen bezeichnet werden.“ Das sagt ihr Kommandeur in Hmemim. Wir bekräftigen, dass sobald die russischen Luftstreitkräfte ihre Angriffe stoppen, wir an der Stelle die durch sie eingenommenen Positionen zurückholen und eine Offensive Richtung Küste starten werden. Das Regime hat nichts mehr übrig. Hier ein Beispiel: Die eingenommen Gebiete um Aleppo, 10 Kilometer breit und 15 Kilometer lang, 150 Quadratkilometer. Die russischen Luftstreitkräfte waren gezwungen für die Absicherung der Einnahme dieses Gebietes, 305 Einsätze und Bombardements fliegen. Russland und Syrien wiederholen das Szenario der Praktiken in Grosny, nämlich die völlige Vernichtung der Menschen, Steine und der Bäume – von allem. Dank der Unterstützung der russischen Luftstreitkräfte rücken die Kämpfer aus dem Iran und der Hisbollah vor, die ihre Siege verkünden.

Nur die russischen Luftstreitkräfte sichern das militärische Gleichgewicht, die russischen Soldaten verstehen jedoch, dass sie nicht lange genug in der Luft sein können. Sie mussten zusätzliche Kräfte aufbringen, da ein Flugzeug nicht mehr als vier bis sechs Einsätze am Tag absolvieren kann. Die Piloten können nicht mehr als vier Einsätze am Tag fliegen, da ihre Konzentration schwindet und sie ermüden. Sie hatten 20 Flugzeuge in den letzten sieben bis zehn Tagen im Einsatz. Und wie ist das Ergebnis? Alle ihre Schiffe sind nur damit beschäftigt, Munition zu liefern.

Kürzlich gab die EU bekannt, dass die Sanktionen gegen Russland nicht aufgehoben werden, bis die Krim zurückgegeben wurde und dass alle Versuche Putins, den Krieg in Syrien mit dem Krieg in der Ukraine in Zusammenhang zu bringen, sind nutzlos. Der Westen akzeptiert keine nebenläufige Vereinbarungen des Kreml bezüglich der Ukraine und Syrien.

– Wie beurteilen Sie Russlands Rolle im syrischen Krieg?

– Russland war von Beginn der syrischen Revolution an der Vernichtung des syrischen Volkes beteiligt. Erstens, existiert in jedem Waffenhandelsvertrag ein Paragraph, der den Einsatz von Waffen gegen die Zivilbevölkerung verbietet. Russland weiß, dass das syrische Volk mit russischen Waffen vernichtet wird, obwohl es Assad verbieten könnte, seine Waffen gegen die Zivilbevölkerung einzusetzen. Hier ist ein Beispiel: 2005 reisten wir zum Vertragsabschluss bezüglich des Importes von Technologie nach Japan. Einer der Vertragspunkte war das Verbot, diese Technik gegen Zivilisten einzusetzen, da Japan nicht will, dass seine Fahrzeuge in jedwede militärische Handlungen gegen das Volk eingesetzt werden und die Deals ablehnt, in denen zielgerichtete militärische Bestimmungen aufgeführt sind und solche Verträge nicht unterschreibt. Und Russland hat seit Kriegsbeginn damit begonnen, das syrische Volk mit seinen Bomben und Raketen, Flugzeugen und Militärexperten zu vernichten.

Russland war auch an der Vernichtung des syrischen Volkes mithilfe des Vetorechts beteiligt. Es wurde viermal bezüglich der syrischen Frage beim UN-Sicherheitsrat in Anspruch genommen, sogar bezüglich der humanitären Fragen. Das letzte Veto richtete sich gegen humanitäre Korridore, was auch eine Form von Aggression gegen das syrische Volk darstellt. Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich in Syrien 12 000 russische Militärangehörige, Militärexperten und Kämpfer, die zum Genozid am syrischen Volk beitragen. Etwa 80 Prozent der Todesfälle unter Zivilisten während eines Krieges sind Folge der russischen Handlungen und Bombardements. 70 000 Menschen haben ihre Häuser verlassen und wurden zu Flüchtlingen wegen der russischen Angriffe, sie befinden sich nun an der Grenze zu der Türkei und 350 000 in den östlichen Bezirken Aleppos haben ebenfalls vor, aufgrund der russischen Bombardements zu fliehen. Russland setzt alle Arten verbotener Waffen gegen die Zivilbevölkerung ein. Von den Russen wurden Phosphor-, Streu und Vakuumbomben, Raketen vom Typ „Kalibr“, „TOW 22“ und „TOW 95“. Viele Piloten, die auf dem Stützpunkt Hmemim ihren Dienst leisten, sind hauptsächlich von der okkupierten Krim. Putin hat Angst vor dem Einsatz von Piloten aus Russland, er fürchtet ihre Gefangennahme.

– Freiwillige von InformNapalm nutzen freie Quellen für Analyse und Aufklärung. Zur Zeit finden sich in sozialen Netzwerken und in den Massenmedien viele nützliche Informationen: Bilder der Orte und Videomaterial, das möglicherweise zur Identifizierung oder OSINT-Aufklärung genutzt werden kann. Die Website InformNapalm hat investigative Berichte über die Vorräte und die Versorgung mit schweren Waffen, wie beispielsweise thermobarischen Projektilen, in Syrien veröffentlicht. Ermittler, die im Internet agieren, finden Daten über die russische Luftwaffenbesatzung, Versorgungsrouten und über Positionen von russischen Bodentruppen in Syrien. Wir wissen, dass Sie einige Informationen von InformNapalm benutzt haben. Fanden Sie die Informationen nützlich?

– InformNapalm ist auf jeden Fall nützlich, ich beziehe eine Menge Informationen von ihrer Quelle und analysiere es als militärstrategischen Analyst. In anderen Rollen habe ich bereits als Kommandant an der Westfront und Vizeverteidigungsminister gedient, daher weiß ich exakt, was an der Front passiert. In meiner momentanen Rolle als Militäranalyst, stelle ich Informationen via Satellitenkanäle zur Verfügung und schreibe Artikel, deshalb ist InformNapalm hilfreich, um an zusätzliche Informationen zu gelangen. In mehreren Fällen habe Ihre Artikel vollständig übernommen und sie erreichten bei den Syrern große Resonanz.

– Die Website InformNapalm hat Informationen über die Anwesenheit von russischen Bodentruppen in Syrien, die an Bodenoperationen in der Ostukraine beteiligt waren. Welche weiteren Informationen könnten Sie uns über die russischen Bodentruppen in Syrien teilen?

– In Syrien ist das russische Militär an der Westfront präsent, an der Küste, am Hafen von Tartus und Latakia, dem Lustwaffenstützpunkt Hmemim und dem Kommandokomplex Slenfa. In Homs, am Equestrian Club, an den Luftwaffenstützpunkten Alschuairat und Addabaa, in Damaskus im Gebiet Kabun, in Allepo und Qamishhli an den Lustwaffenstützpunkten. Putin fürchtet sich davor, dass russische Soldaten gefangen genommen werden, ebenso wie vor schweren Verlusten unter ihnen, jüngst wurden 4 russische Soldaten getötet, aber die Website des russischen Verteidigungsministeriums informierte nur über einen Verlust und verheimlichten somit Daten über weitere. Die Russen kämpfen in der zweiten Reihe, bleiben hinter den Truppen, sie stellen Logistik und Luftunterstützung. Am Boden versuchen sie, weit entfernt vom direkten Kampfgeschehen zu bleiben, auch wenn Videomaterial existiert, das russische Soldaten bei direkten Bodenoperationen zeigt.

– Wie verhält es sich mit der Luftabwehr bei der Freien Syrischen Armee? Wäre eines unter den arabischen Ländern und anderen Partnerstaaten in der Lage, Luftabwehr zu stellen, um russische Luftangriffe abzuwehren oder sind das nur umgehende Gerüchte?

– Wir haben im Moment keine Luftabwehrraketen, wie wir auch bisher keine hatten. Seit Beginn des Krieges verschob das Assad Regime seine Luftabwehrsysteme zu den Hauptstützpunkten, da die FSA keine Flugzeuge besitzt und die Systeme so nicht in die Hände von Rebellen geraten können.

Die Information über eine Versorgung der Rebellen mit Luftabwehr ist nicht wahr, wir erhalten diese aus keiner Quelle, da die USA schon zu Beginn der Revolution ein Embargo für solche Lieferungen auf den Weg gebracht hat. Seit Beginn der Unruhen kennt jeder die „drei Nein“ des amerikanischen Botschafters in Syrien, Robert Fond: „Keine Waffenlieferungen, keine Flugverbotszone und kein militärisches Einschreiten“ und jedes dieser „drei Nein“ ist jederzeit in Kraft. Flugabwehrsysteme sind tödliche Waffen. Die syrische Revolution wird keine Unterstützung dergleichen erhalten.

– Sie haben an Kampfhandlungen an der Westfront teilgenommen, in den Bergen, wo die Unterstützung der Bevölkerung eine entscheidende Rolle spielt. Wie war die Einstellung der Leute gegenüber der Freien Syrischen Armee? Welche Art von Unterstützung zeigten sie? Als Assads Truppen Salma einnahmen, präsentierten russische Journalisten dieses Ereignis als Befreiung der Stadt und als freudigen Anlass für die Einwohner. Was passierte in Wirklichkeit?

– Die zivile Bevölkerung lebt nicht in den Gebieten, die vom Regime kontrolliert werden. Ebenfalls gibt es keine Zivilisten in Turkmenistan und den kurdischen Berggebieten an der westlichen Frontlinie. Die Menschen ziehen weg von den russischen Luftangriffen an die Grenze zur Türkei. Die Menschen, die von den russischen Medien gezeigt wurden, wurden von den Regierungskräften aus Latakia dorthin gebracht. Seit 2012 gibt es in Salma keine zivilen Einwohner mehr, da die örtliche Infrastruktur vollständig zerstört ist. Diese Gebiete wurden täglich aus den Helikoptern des Regimes mit Fassbomben beworfen. Es gibt dort noch immer regelmäßig Luftangriffe und Artilleriebeschuss. Seit drei Jahren ist Salma eine leere Stadt. Jetzt, mit der Ankunft der Russen und Iraner werden die Bewohner der Berggebiete, die Kurden und Turkmenen, aus ihren Häusern vertrieben. Etwa 15 000 bis 20 000 Menschen sind bereits geflohen und sind an der türkischen Grenze. Auch dort fanden sie sich unter russischen Luftangriffen wieder. Deshalb lügen die russischen Medien, wenn sie sagen, dass die Einwohner die Ankunft von Assads Truppen „gefeiert“ hätten. Sie haben alawitischen Shabiha für das Vorzeigebild selbst mitgebracht.

– Russland beschreibt sein Eingreifen in Syrien als Schutz der Zivilbevölkerung und Kampf gegen den IS, was von ausführlichen Medienberichten unterstützt wird. Wie sieht die Situation in Wirklichkeit aus?

Der Islamische Staat, eine Terrororganisation, wurde von Assads Garde, zusammen mit Russland, dem Iran, dem Irak und einigen westlichen Geheimdiensten entwickelt. Russland subventioniert den IS. Der IS kämpft nicht gegen das Regime, aber gegen die Freie Syrische Armee, die die Küste vom IS befreite, bis zum Süden Aleppos und in Idlib. Nun befindet sich der IS im Nordosten Allepos. Trotzdem bekämpfen russische Jets den nicht IS. Die Frage ist warum? Der IS hat eine Kontaktzone zu den Regierungstruppen, während die schiitische Gruppierungen nur die FSA bekämpfen. Warum kämpfen sie nicht gegen den IS? Es gibt eine 70km lange Kontaktzone, also wo liegt das Geheimnis?

Diese rhetorischen Fragen demonstrieren genau die Kooperation zwischen der Regierung und dem IS. Ihnen wurden große strategische Lagerhäuser in Palmyra überlassen, ihr 3k langer Konvoi reiste von ar-Raqqa nach Palmyra in der offenen Wüste. Warum wurde er nicht von einem Luftangriff getroffen? Ihnen wurden Lagerhäuser, die 17. Division und ein Flughafen in al-Tabqa überlassen. Das geschieht deshalb, weil Assad und Russland begriffen haben, dass ein die Zerstörung des IS zum Fall des Assad Regimes führen wird. Warum ist Russland so gegen die Beteiligung von saudischen und türkischen Truppen im Kampf gegen den IS? Der Grund ist, dass der IS als Vorwand für eine russische Intervention in Syrien dient. Der Kreml hat keinen einzigen Tag oder Moment damit verbracht, gegen den IS zu kämpfen.

– Unter Assad durchläuft Syrien einen Prozess der Russifizierung. Die russische Sprache wurden im Lehrplan der Schulen eingeführt und russische Lieder sind in Syrischen Massenmedien gegenwärtig. Zeigt dies hin auf einen Fall der Okkupation?

– Sicherlich ist die Präsenz von Russland in Syrien eine Art der Okkupation. Die tatsächliche militärische Situation belegt, dass eine Beendigung der russischen Intervention den unvermeidlichen Sturz für das Regime bedeuten würde. Aus diesem Grund tut das Regime alles, um Russland alles recht zu machen. Während er die russische Musik und Sprache einführt, lädt Putin russische Geschäftsleute ein, in Syriens Küstengebiete zu investieren. Diese Dinge geschehen als Teil einer Abmachung zwischen Assad und Russland, eines erniedrigenden Knebelvertrages.

Ist ein Zusammenschluss von Oppositionsgruppen denkbar, um das Kräftegleichgewicht zu ändern und die Situation zu wenden?

– Es gibt eine geheime Abmachung zwischen Vertretern der EU und der USA in dieser Sache, die Vereinigung von verbündeten Rebellengruppen nicht zu erlauben, da die USA ein Interesse daran hat den Krieg zu verlängern, um die Hisbollah, den Iran und Russland in Syrien zu schwächen. Denn ein Zusammenschluss aller Gruppen innerhalb einer Armee würde diese Pläne ruinieren. Die Amerikaner spielen ihr eigenes Spiel mit ihrem Märchen über die Uneinigkeit der Rebellenkräfte. 2013 besuchte ich Europa, traf mich mit ihren Politikern und erklärte ihnen, warum ihre Unterstützung für die Entwicklung von starken bewaffneten Kräften für den Kampf gegen Assad den Sturz seines Regimes innerhalb eines halben Jahres garantieren würde. Wir argumentierten, dass ihre Unterstützung für die Schaffung einer nationalen Armee, die in der Lage wäre, das Assad Regime binnen 6 Monaten auszulöschen, nicht vergleichbar sei, mit ihren zukünftigen Verlusten, sollte Europa zukünftig mit Millionen an Flüchtlingen, die aus Syrien kommen, konfrontiert sein. Die Europäer stimmten unserer Sicht zu, aber die Vereinigten Staaten verhinderten die Schaffung von Streitkräften.

– Wie sehen Sie Syriens Zukunft? Was ist der Ausweg aus der Lage?

– Sagen wir mal so, nach der russischen Intervention sind die Schlüssel zum Ausgang bei Putin gelandet. Sogar der russische Sprecher bei den Verhandlungen in Genf, Katelow, ist der Stellvertreter des russischen Verteidigungsministers. Also befindet sich die militärpolitische Entscheidung bereits in Hand von Moskau und zum Teil des Irans. Assad beeinflusst nichts mehr. Russland hat sich seit Beginn seiner direkten Intervention, nach den iranischen Versprechungen von einem leichten Sieg und der vollen Kontrolle für Assad über Syrien, verzettelt, nachdem es das gesamte Bild der Kräfteverteilung sah. Russlands Führung hat begriffen, dass es unmöglich ist, die Kontrolle über Syrien wiederzuerlangen. Deshalb wurde der Kurs Richtung der Aufteilung von Syrien genommen. Die Kämpfe an der Küste waren zielgerichtet auf die Sicherung der Grenzen des alawitischen Staates. Die Kämpfe im Nordosten von Aleppo für den kurdischen Staat. Bleibt das Gebiet zwischen dem Irak und Idlib für den sunnitischen Staat. Die internationale Gemeinschaft kann das ablehnen, Russland versucht jedoch mithilfe von militärischer Kraft, dem Töten von Zivilisten, der Zerstörungen (acht Krankenhäuser, 25 Schulen, 20 humanitäre Gemeinden), der Bombardierung von Flüchtlingen an der türkischen Grenze uns seine Bedingung der Machtaufrechterhaltung von Assad zu diktieren. Das syrische Volk wird das niemals zulassen! Sogar falls ganz Syrien vollständig besetzt wird. Dann werden wir zum nationalen inneren Widerstand übergehen. Wir haben 300 000 Kämpfer und wir werden weder den Russen, noch den Iranern, und schon gar nicht Assad erlauben, auf syrischem Boden zu bleiben. Die internationale Gemeinschaft versucht einen Kompromiss zu finden und Russland will den Löwenanteil und die Kontrolle über unser Gebiet. Russland irrt sich, wenn es sich als Spieler des zukünftigen Syriens sieht. Es wird weder Militärverträge noch wirtschaftliche Beziehungen zwischen unserem Land und Russland geben.

Das syrische Volk hält die russische Regierung für Kriegsverbrecher, die gegen Syrer mit allen Mitteln und Waffenarten Krieg führen. Syriens Volk wird es Putin nicht vergeben, was er in Syrien angerichtet hat. Es gibt eine Lösung – das ist Assads Rücktritt.

– Ist es Ihrer Meinung nach machbar? Wie sieht der Weg für das Erreichen der Ziele aus? 

– Wenn die internationale Gemeinschaft zur Absetzung der Regierung des Assad-Regimes mit politischen Mittel nicht fähig ist, dann muss sie dem syrischen Volk beim Sturz dieses Regimes helfen. Jedenfalls wird sich die Revolution bis zum siegreichen Ende fortsetzen.

Das Interview wurde von Kateryna Jaresko [10] exklusiv für InformNapalm [11] vorbereitet; übersetzt von Kateryna Matey [12]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

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