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291. Artilleriebrigade der Streitkräfte Russlands im hybriden Krieg gegen die Ukraine. Teil 1

Die lokale AntiTerrorOperation (ATO) im Osten der Ukraine hätte noch vor anderthalb Jahren beendet sein können, als ukrainische Militärs erfolgreiche Offensive auf die Bandenformationen entwickelten und den Ring im Raum der staatlichen Grenze von der Ukraine und Russland im Luhansker Gebiet faktisch geschlossen haben. Wohl verstehend, dass mit Söldner-Kräften kein Erfolg zu erreichen ist, griff Russland zur niederträchtigen Taktik der Beschüsse des ukrainischen Territoriums mittels Raketenartillerie aus den an die Ukraine angrenzenden Bezirken des Rostower Gebiets Russlands. Direkt danach fiel Russland mit Kräften von taktischen Gruppen in die Ukraine ein, die an der Grenze konzentriert waren. Es gibt viele Beweise, welche die Ereignisse jener Tage beschreiben, und trotz der Tatsache, dass russische Geheimdienste jeglichen Informationsleak seitens der Militärangehörigen auszuradieren versuchen, bleiben im Netz viele Spuren von konkreten Invasionsfakten. Die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm beschloss, eine Reihe von Untersuchungen zu publizieren, die zusätzliche Beweise für die Teilnahme der russischen Artillerie am Krieg im Donbass offenlegen. In diesen Untersuchungen ist auch die Information zu konkreten Abteilungen und russischen Kriegsverbrechern enthalten, die sich an den Angriffen von der anderen Seite der ukrainischen Grenze beteiligten.

Noch im September 2014 hatte InformNapalm Sammelangaben zur Invasionskräfte-Gruppierung der Streitkräfte Russlands [1] aufgedeckt und bereitgestellt, die an der Grenze zur Ukraine im Rostower Gebiet Russlands konzentriert waren. Etwas später haben wir Informationen zur Artillerie-Komponente der russischen Gruppierung [2] vorgelegt, mit Beweisen zur Präsenz der einen oder anderen Abteilung aus ihrem Verband im Donbass oder an der Grenze, darunter auch zur 291. Artilleriebrigade (1 [3], 2 [4], 3 [5]). Information zu allen von uns aufgedeckten Invasionsfakten finden Sie im Material „Reguläre russische Streitkräfte in der Ukraine. Untersuchung und Infografik“ [6].

Zur ersten Artillerieabteilung in unserer Liste wurde die 291. selbstständige Artilleriebrigade (Einheit Nr. 64670, Staniza Troizkaja, Inguschetien; im Verband der 58. Armee des Heeres des Südlichen Militärbezirks Russlands), die nachfolgend im Kontext der „rostow-ukrainischen Dienstreisen“ mehrmals in unseren Artikeln figurierte. Mehr noch, im Oktober 2015 mutmassten [7] wir, dass die in Syrien gesichteten Schlepper und Geschütze zur 291. Artilleriebrigade gehören, was einen Monat später nach Ergebnissen unserer OSINT-Untersuchung bewiesen wurde [8].

Dieses Material enthält neue Einzelheiten zu Fakten für die Teilnahme der Artilleristen der 291. Artilleriebrigade am Krieg im Donbass und deckt Informationen wie zu ihren Abteilungen so auch zu einzelnen russischen Kriegsverbrechern auf.

Ilnur Afljatunow [9], geb. 20. Juli 1990, wohnhaft in Kasanj. (Archive: Profil [10]; Fotoalben 1 [11], 2 [12], 3 [13]; Kontakte [14])

I. Afljatunow wurde Ende 2013 einberufen und der 291. Artilleriebrigade in Inguschetien (Nordkaukasus) zugewiesen, und zwar zur Artilleriedivision mit 152 mm Haubitzen 2A65 „Msta-B“. Mitte Sommer 2014, am Höhepunkt der Kampfhandlungen im Donbass, wurde der Unterfeldwebel Afljatunow im Bestand seiner Haubitzenbatterie auf die „rostow-ukrainische Dienstreise“ geschickt und in dem an die Ukraine angrenzenden Kamenski Bezirk des Rostower Gebiets stationiert, wo er bis zur Herbst-Mitte gewesen war. Nach seiner Rückkehr zum permanenten Stationierungsort in Staniza Troizkaja, und zwar Ende 2014, kündigte er seinen Wehrdienst. Seine Militärkarriere beendete er damit aber nicht. Direkt nach der Kündigung unterzeichnete er einen Dreijahresvertrag mit dem Verteidigungsministerium Russlands in derselben 291. Artilleriebrigade. Seinem Urlaubsschein nach war er bis zum 23. Januar 2015 im Urlaub, woraufhin Aftuljanow zu seinem Dienstort zurückkehrte.

Die Photos von verbrecherischen Beschüssen des Territoriums der Ukraine aus dem Rostower Gebiet Russlands aus dem Zeitraum von Sommer bis Herbst 2014 hat Aftuljanow im September 2014 in sein VK-Profil hochgeladen. Ähnliche Photoserie aus dem Kamenski Bezirk des Rostower Gebiets wurde von uns auch bei den anderen Artilleristen der 291. Brigade registriert, siehe unsere vorigen Publikationen. Die Chronologie, Landschaft, Tarnung von Geschützen und Panzerfahrzeugen, wie auch die unvorschriftsmäßige Bekleidung der Soldaten mit ihrem „neurussischen“ Nachgeschmack sprechen für sich selbst.

2014 (Archive zu einigen Photos: 1 [15], 2 [16], 3 [17], 4 [18], 5 [19], 6 [20], 7 [21], 8 [22], 9 [23], 10 [24])

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Bl2QTLnRxjw-1 [26] ksoWiVzDeE4 [27] tUViGk7dXQo [28]

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FYfS77H_-nA [30]

pLqL3pmdr4Y [31] lsQW1iB4U3U [32] ZRF0U2TRbY0 [33]

Unter den Photos von Afljatunow wurden Auszeichnungen entdeckt: das Abzeichen „Für den Dienst am Kaukasus“ (Befehl Nr. 888 vom 1.10.2014, unterzeichnet vom Kommandeur der Einheit Nr. 64670), eine Jubiläumsmedaille „20 Jahre der 58. Armee“ und die Medaille „Für Kampfauszeichnungen“ (Archive: 1 [34], 2 [35], 3 [36], 4 [37]; Aufgrund des Befehls vom Verteidigungsministerium Nr. 677 vom 2.10.2015, Medaillennnummer: 2266).

Auch eine Feldwebel-Schulterklappe mit dem Befehl Nr. 4 vom 11.06.2015 vom Kommandeur der Einheit Nr. 64670 über die Rangbeförderung zum „Feldwebel [38]“ und den Urlaubsschein [39] vom 24.12.2014, unterzeichnet vom selben Kommandeur, konnten wir unter den Photos finden.

Anmerkung: die Medaille „Für Kampfauszeichnungen“ [40] ist eine Amtsauszeichnung des russischen Verteidigungsministeriums, die den Militärangehörigen der russischen Streitkräfte verliehen wird:

NAGRADI [41]

qTdNzJBatqA [42]7X3JFBP5daUmmFblx7n99g [43]

2015 (Archive zu einigen Photos: 1 [44], 2 [45], 3 [46], 4 [47], 5 [48], 6 [49], 7 [50])

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass seit Sommer 2015 Afljatunow neue Photos mit militärischer Thematik hochlud, wohl aus seiner zweiten „ukrainischen Dienstreise“. Das sind Photos, die unter Feldbedingungen aufgenommen wurden, wo der frischgebackene Feldwebel in den Feldern in voller Kampfausrüstung, unvorschriftsmässiger Uniform „Gorka“ und mit Waffen posiert.

OPXzuzlLup8 [51]UoHRaM2LRVk [52]OyhABxRa-uQ [53]N35QZtUvF68 [54]

Die 291. Artilleriebrigade ist nicht die einzige Abteilung der russischen Streitkräfte, die das Territorium der Ukraine beschoss – Angaben zu anderen Abteilungen wurden von uns in folgenden Artikeln zusammengetragen: 

Siehe thematische Links zur 291. Artilleriebrigade: 

 


Dieses Material wurde von Irakli Komaxidze [60] exklusiv für InformNapalm [61] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [62]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

CC BY 4.0