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566. Lufttransportgeschwader der Luftwaffe Russlands in Syrien: Identifizierung von Frolow

Der Krieg gewinnt an Fahrt und ist weit entfernt von seiner Beendigung, wobei die „Logistik des Krieges“ von Russland immer weitere Ressourcen einfordert. Dabei spielen Transportflieger der russischen Luftwaffe eine der führenden Rollen in der Versorgung der russischen Truppengruppierung in Syrien. Darum ist es nicht verwunderlich, dass die Anzahl russischer Luftwaffenbasen, über welche die Anlieferung militärischer Fracht in den Nahen Osten stattfindet, sich allmählich vergrößert.

Die Angaben einer neuen OSINT-Untersuchung, die von Freiwilligen der InformNapalm-Community durchgeführt wurde, belegen, dass der Kreml beim Transport nach Syrien Besatzungen von der Luftwaffenbasis „Seschtscha“ einsetzt, die sich in der gleichnamigen Stadt im Gebiet Brjansk in Russland befindet. Dort ist das 566. Lufttransportgeschwader (Einheit Nr. 41495) aus dem Verband der 12. Lufttransportkräfte-Division der 61. Luftflotte Russlands stationiert. Im Dienst des Geschwaders stehen unter anderem die Flugzeuge IL-76 und AN-124.

Die „syrische Dienstreise“ der Piloten aus dem 566. Lufttransportgeschwader wird durch  eine Information aus dem Blog eines russischen Bordingenieurs belegt, Oberleutnants Dmitry Frolow [1], geb. 15.11.1986 (Links zu Archiven: Profil [2], Kontakte [3], Album [4]). Nach dortigen Angaben absolvierte er 2006 die Flugtechnische Universität.

4 [5]6 [6]

Auf dem interessantesten Photo [7] in seinem Album, das mit dem 17. Januar 2016 datiert ist, ist deutlich eine syrische Landschaft zu erkennen. Der entsprechende Geotag ist ebenfalls vorhanden (Latakia, Hmeimim-Basis):

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Außerdem gesteht Frolow in den Kommentaren unter dem Foto selbst ein, dass es in Syrien aufgenommen wurde:

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Beim Einzoomen kann man auf dem Brustabzeichen seines Überanzugs seinen Rang, Beruf und den Namen erkennen:

3-1 [10]

Jeder Bordingenieur ist Mitglied des Besatzung eines Luftfahrzeugs, das heißt, er gehört nicht zum gewöhnlichen Wartungspersonal. Dabei ist Frolow höchstwahrscheinlich ein Besatzungsmitglied eines Transportfliegers vom Typ An-124 (und nicht eines IL-76), worauf ein anderes Foto [11] von seinem Arbeitsplatz hindeutet:

летчик2 [12]

Die Koordinaten der Luftwaffenbasis „Seschtscha“: 53°42’58″N  33°20’35″E. Und die genaue Lage auf der Karte [13]:Karta-3

Die Luftwaffenbasis aus der Luft:

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Bis vor kurzem fehlten konkrete Foto- und Videomaterialien, die das 566. Lufttransportgeschwader mit den Ereignissen in Syrien in Verbindung gebracht hätten. Obwohl die Funkaufklärung mehrmals Überflüge „syrischen Charakters“ festgehalten hat, in denen Seschtscha und andere Punkte der Transportflieger-Ader (Krymsk, Mosdok, Tolmatschewo und andere) vorkamen. Darüberkann man sich unter folgenden Links informieren:

– Flug RA-82035 (Seschtscha-Pskow-Syrien): http://mil-avia.livejournal.com/114905.html [15]
– Flug RA 82037 (Seschtscha-Tolmatschewo-Syrien) (?): http://milavia.blogspot.com/2015/10/3-82037-124-76.html [16]
– Flug RA-82035 – ein Überflug aus Mosdok nach Seschtscha, wobei die Sache fast in einem Unfall endete: http://mil-avia.livejournal.com/123436.html [17]

Somit weisen all diese Angaben darauf hin, dass die Transportflieger aus dem Bestand des 566. Lufttransportgeschwaders am Konflikt in Syrien teilnehmen, womit sie den Regimen von Assad und Putin behilflich sind, und folglich an den Verbrechen gegen die syrischen Zivilisten mitwirken.

Entsprechend den offiziellen Angaben im Bericht [18] der internationalen Menschenrechtsorganisation Syrian Network for Human Rights (SNHR) sind bis zum 17. Dezember 2015 insgesamt 570 Zivilisten, darunter 152 Kinder und 60 Frauen, als Folge der russischen Luftangriffe gestorben. Dabei gingen in den Bericht nur bestätigte Informationen ein, deswegen kann die wahrscheinliche Zahl der Opfer russischer Luftwaffe unter der zivilen Bevölkerung Syriens viel größer sein.


Dieses Material wurde auf der Basis eigener OSINT-Untersuchung von Nikolay Mahno [19] exklusiv für InformNapalm [20] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [21]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich. 

CC BY 4.0