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Angst und Abscheu unter den Donbas-Söldnern

Wir finden sie in Twer und Jaroslawl, in Rostow und Wladiwostok. In einer zerknitterten „Gorka“-Uniform mit einem eisernen, nach Rost riechenden Kreuz an der Brust – in jeder russischen Stadt gibt es Dutzende bis Hunderte von ihnen. Russische Söldner kommen nach Hause. Sie finden leicht Gleichgesinnte und vereinen sich in Veteranen-Organsationen, solche wie der „Verein der Donbas-Freiwilligen“ des ehemaligen „DVR-Premierministers“ Alexander Borodaj. Der FSB lässt sie nicht aus den Augen, denn ein Tier, das Blut geschmeckt hat, ist in erster Linie für sein Herrchen gefährlich. Die Suche nach russischen Söldnern ist eine Arbeitsrichtung der UCA. Über die Bearbeitung der Personaldaten von Söldnern, über den Hass und die Angst unter Teilnahme von Girkin/Strelkow, Polynkow/Chrustalik, Babinina/Gjursa und über die Konkurrenz um die „Veteranenressource“ erzählt heute der Sprecher der UCA Sean Townsend exklusiv für InformNapalm.

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Der Zusammenstoß des Oberkriegsherrn Girkin/Strelkow mit den Hackern geschah am 12. Oktober 2016 und begann wie üblich mit Schmerz und Erniedrigung. Das Livejournal und anderes mobiles Internet-Eigentum von Girkin war plötzlich irgendwohin verschwunden. Wir hatten gar nicht vor, in seinem Namen etwas zu schreiben. Sein lakonisches Zitat „Wir sind alle am Arsch“ kann man schwer übertreffen, aber wir mussten ihn ja irgendwie beschäftigen. Das Ziel des Angriffs war eigentlich Michail Polynkow mit dem Decknamen „Chrustalik“. Ehemaliger Gefängnisinsasse Michail Wladimirowitsch Polynkow erfüllte die wichtige Funktion eines Koordinators. Er wählte Kanonenfutter für Girkin aus und schickte die rekrutierten Russen nach Rostow in die Umschlaglager. In seinem VK-Profil [2] bewahrte Polynkow sorgfältig über 300.000 Nachrichten auf, wir haben darunter Vorstellungsgespräche und Listen mit Tausenden russischen Söldnern [3] gefunden.

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Die VK-Gruppen der Söldner verwandelten sich langsam in einen virtuellen Schlachthof. Die Abonnenten der VK-Gruppen „Freiwillige“, „Komitee des 25.Januar“, „Neurussland-Bewegung“ begannen wie Ratten nach allen Seiten zu flüchten. In nur wenigen Stunden verloren die Söldner-Gruppen über 30.000 Abonnenten. Dieses Publikum wurde mühsam zusammengesucht und stellte eine Futterbasis für russische Söldner dar – eine Quelle des Geldes, der Vorräte und des Kanonenfutters, die in einen Einflusshebel für politische Hochstapler konvertiert werden sollten.

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Wegen den Unruhen in den Reihen der Strelkow-Anhänger wurde zur Administratorin der Gruppen Elena Babinina (alias Alena Bojewa, alias Gjursa)  [6]ernannt – eine Separatistin aus Odessa, nach der wegen Mordes gefahndet wird und aktiv mit dem russischen „Verein der Donbas-Freiwilligen“ zusammenarbeitet, den noch immer der ehemalige „DVR-Premierminister“ Alexander Borodaj anführt.

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Womöglich war der russische „Anonymous“ Alexander Markin Babininina dabei behilflich. Ich muss Ihnen sagen, dass russische „Anonymous“-Vertreter dermaßen hart sind, dass sie zu der Zeit das Programm „TeamViewer“ als ihre Hauptmethode für Hackerangriffe einsetzten. Dem Opfer wurde angeboten, das Programm selbst zu installieren, um schleunigst Viren zu beseitigen und einen Schutz gegen die NATO- und SBU-Hacker zu haben. Markin und Babinina lernten sich im Lauf des Konflikts zwischen Babinina und Romanowa wegen der auseinander geklauten humanitären Hilfe kennen [8]. Russland hat eine lange Tradition des Diebstahls bei eigenen Leuten, wobei nicht nur humanitäre Hilfe, sondern selbst Hacker voneinander geklaut werden. Nachdem Markin wegen eines DDoS-Angriffs auf russische Banken vom FSB zunächst „gekidnappt“ und dann wieder freigelassen wurde, hat er die Marke „CyberBerkut“ an sich gerissen. Die Fakemacher-Gruppe mit dem gleichen Namen hörte auf zu existieren.

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Man kann nur rätseln, auf welche Weise sich die Paranoia und das gegenseitige Mißtrauen bei den Russen mit einer fantastischen Naivität vereinen. Für den „Verein der Donbas-Freiwilligen“ führte dieser Charakterzug bereits mehrmals zum großen Übel. Noch im E-Mail-Account der berüchtigten Assistentin des Vereinsleiters Marija Koleda (eine äußerst interessante Person, die sowohl mit Nadeschda Sawtschenko als auch mit den Terroristen aus den nichtanerkannten „Republiken“ im Briefwechsel stand: Download hier [10]) kann man ziemlich interessante Unterlagen finden. InformNapalm schrieb [11] darüber, wie den russischen WirSindDaNichtlern ihre im Donbas abgerissenen Beine in Rostow wieder angenäht werden. Wir haben uns auch mit der Buchhaltung des Vereins bekannt gemacht [12]und wissen [13] Bescheid über alles, inklusive der Kosten der Wurst auf einer weiteren Beerdigung eines russischen „Urlaubers“. Aber gehen wir zu Personalbögen über:

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Später tauchte in den Personalbögen ein Punkt über die Zustimmung zur Bearbeitung von Personaldaten auf, entsprechend der russischen Gesetzgebung (wessen sonst auch? Doch nicht der „Donezker Volksrepublik“). Das war ein toller Schritt, was die Informationssicherheit angeht. Warum will ein vernünftiger Mensch sich in einem ehrlosen Krieg registrieren lassen? Die Antwort ist einfach: Wenn man diesen Fragebogen ausfüllt, bekommt man von dem Verein das Brustabzeichen „Donbas-Freiwilliger“. Dieses „Abzeichen“, das die russischen Söldner sich absolut freiwillig dranhängen, lässt sie später auch identifizieren:

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Das Syndrom eigener Größe und die Involvierung in den Katechon-Krieg des von Gott gesegneten Volkes gegen die Vernunft erlaubt den Russen nicht, die beifällige Seite ihrer eigenen Identität anzuerkennen – eben jenen ungewaschenen Paysan, der melancholisch in die Tiefe seines Alokoholdeliriums wie ein unterentwickeltes Kind blickt. Der einzige Ausgang aus diesem Widerspruch ist, die fundamentalen Unvollkommenheiten mit den Machenschaften irgendwelcher mächtigen, aber zur Niederlage verdammten Feinden zu erklären. Spüren Sie die schizophrene, ähm, dialektische Herangehensweise?

„Angaben über ungefähr eintausend Freiwillige aus Russland, die einst in den Donbas gefahren sind, um die „russische Welt“ zu verteidigen, ihre Adressen, Familienmitglieder und Kinder sind irgendwie beim SBU gelandet, ein Teil davon ist schon öffentlich. Ein Teil noch nirgendwo. Wie ist es möglich geworden? Was ist das: Server-Angriff oder ein geplanter Leak? Und welche Gefahr birgt es für jene, deren Kampfvergangenheit und somit auch Zukunft nun in den Händen ukrainischer Sicherheitsdienste ist?“, fragt die russische Zeitung Moskowski Komsomolez im Artikel „Eine Ratte unter uns: Russen, die im Donbas kämpften, wurden verraten“ [16].

Der Verein schlug mit Hilfe seiner FSB-Betreuer lustlos zurück. Die wissbegierigen Kämpfer für die „russische Welt in der ganzen Welt“ können in ihrer Freizeit mal darüber nachdenken, wozu ein Mitarbeiter der FSB-Abteilung „K“ ihre Fragebögen liest, inwieweit er tatsächlich ein „ehemaliger“ ist und ob die Tschekisten überhaupt „ehemalig“ sein können?

„Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass alle Fragebögen der Vereinsmitglieder nur auf dem Papier vorhanden sind und im elektronischen Format fehlen, kann keine Rede von einem E-Mail-Angriff sein. In diesem Fall haben wir es mit einer zielgerichteten Weitergabe von Personaldaten der Vereinsmitglieder direkt von einem konkreten Menschen an konkrete Menschen zu tun“, erklärte in einem Interview ein ehemaliger Mitarbeiter der „K“-Abteilung des FSB Igor Maschkow. „Unterwassersteine im Verein der Donbas-Freiwilligen“ [17].

Öl ins Feuer des Verdachts goss Anna Karjakin, die Ehefrau des ehemaligen Vorsitzenden der Republikanischen Versammlung (Oberrat, Volksrat – sie haben sich wohl  noch immer nicht für einen Namen entschieden) Alexei Karjakin [18]. Sie beschuldigte Babinina/Bojewa direkt eines Komplotts mit den Hackern und des Angriffs auf Strelkow-Gruppen. Das Foto, welches die Hacker auf den Information-Ruinen der Gruppen hinterlassen haben, spricht für sich selbst. Wer, außer des Vereins der Donbas-Freiwilligen, hätte noch einen lächelnden Putin hinterlassen können?

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Zum selben Schluss kam auch Polynkow/Chrustalik selbst, aber irgendsoeine „Gjursa“ ist für ihn bloß ein kleiner Bauer. Polynkow beschuldigte den Präsidentenberater Wladislaw Surkow (#SurkovLeaks [20]), mit dem Girkin einen demonstrativen Konflikt führt, seit er so grob aus dem Donbas zurückgerufen wurde.

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Die Ehre des Reconquista-Offiziers war plötzlich gefährdet. Und Babinina wurde von Vergeltung eingeholt. Alle Gruppen von Babinina/Bojewa wurden nach einer feindlichen Übernahme der Hacker vernichtet. Damit die Ermittlung dieses Zwischenfalls rechtens geschieht, wurden ihre Gruppen mit den Bannern „300 Strelkower“ geschmückt.

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Nach solchen Beweisen war die epische Schlacht zwischen Gjursa und Chrustalik nicht mehr zu vermeiden. Unbeteiligte Banditen holten Popcorn raus [23], Polynkow gebar das Machwerk „Die Seine unter Fremden“ [24] und Bojewa – das „Dreißig Silberlinge der Girkin-Anhängsel“ [25]. Man kann unendlich lange drei Sachen beobachten: wie das Wasser fließt, wie die Menschen arbeiten und wie ein „Neurusse“ explodiert. Die Kommentare mit gegenseitigen Beschuldigungen und zahlreichen Versionen zu lesen ist ein unvergleichbares Vergnügen, und da das alles auf der Webseite archiv.is festgehalten wurde, wird es beim besten Willen nicht wieder gelöscht werden können.

Gjursa: Also, ihr Girkin-Anhängsel, die lautstark darüber schreien, was für Patrioten sie sind und dabei Gruppen vernichten, die sich mit Hilfe für den Donbas beschäftigen und Hochstapler aufdecken. Für wen arbeiten denn diese Patrioten? Und gibt es unter ihnen aufrichtige Idioten oder bekommen sie alle Entlohnung vom SBU? Oder ist es kein Auftrag des SBU, sondern von Awakow höchstpersönlich? Irgendjemand möchte mich unbedingt diskreditieren. Aber das überlassen wir den russischen Rechtsschutzbehörden.

Chrustalik: Ich hoffe, niemand wundert sich noch, warum 3.000 Fragebögen unserer Freiwilligen aus dem Verein zum SBU  gelangt sind. Wenn hinter euch Arschlöchern die Surkow-Verwaltung steht, bedeutet es noch lange nicht, dass Ihr eine Macht darstellt. Die Kraft ist in der Wahrheit. Und die Wahrheit ist unser. Und früher oder später werdet ihr das alles verantworten.

Wer hat denn die Donbas-Terroristen verraten? Elena Babinina, Michail Polynkow, Alexander Markin, Igor Girkin und Alexander Borodaj. Wegen des Faktums des Hackerangriffs haben Gjursa und Chrustalik Denunziationen gegeneinander an den FSB geschrieben. Im Namen der Ukrainischen CyberAllianz möchte ich mich an den Föderalen Sicherheitsdienst Russlands (FSB) wenden: Fasst Sie alle! Bislang hat von ihrem gegenseitigen Hass, Selbstzufriedenheit und unendlicher Dummheit nur Google gewonnen. Es sind mehrere hundert Webseiten mit dem Hashtag #polynkoff aufgetaucht [26]. Die Freiwilligen von InformNapalm und die UCA-Hacktivisten begrüßen aufrichtig den Erfolg der gigantischen Suchmaschine!


Dieses Material wurde exklusiv für InformNapalm [27] vorbereitet. 

Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich (Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [28] ).

Die Angaben wurden von den Hackern der ukrainischen Cyberallianz exklusiv an InformNapalm zwecks Analyse und weiteren Veröffentlichung übergeben. Die Redaktion von InformNapalm trägt keine Verantwortung für die Erstquelle und die Herkunft der Angaben.

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