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Anti-Terror-Operation in der Ukraine. Zusammenfassung für den 28. Juli 2014

In der letzten Nacht wurde die Stadt Debalzewe von prorussischen Terroristen beschossen. Trotz wiederholter Versuche gelang es den Rebellen nicht, die Stadt zurückzuerobern.

Das gilt auch für die Ortschaft Popasna, wobei Gerüchte gestreut wurden, die bewaffneten Banden würden dorthin zurückkehren. Diese Information wurde über Zello-Informationskanäle der Terroristen und in den sozialen Netzwerken intensiv gepusht, um Desinformation zu verbreiten.

Außerdem wurden in der Nacht Versuche unternommen, die ukrainischen Truppen in der Nähe von Schachtarsk anzugreifen. Auch sie blieben ohne Erfolg.

Am Vormittag des 28. Juli wurde die Offensive der Kräfte der Anti-Terror-Operation (ATO) in Richtungen fortgesetzt, die wir in der Zusammenfassung vom 27. Juli [1] genannt haben.

Gegen 12 Uhr haben die Regierungstruppen Sawur-Mohyla eigenommen (eine strategisch wichtige Anhöhe in der Nähe der Stadt Snischne). Noch bis etwa 17 Uhr dauerten erbitterte Kämpfe um diese Anhöhe, danach wurden in der Gegend noch einzelne Schüsse gehört.

Wenn wir Informationen aus allen Lageberichten der ATO zusammenfügen, kommen wir zu dem Ergebnis, dass in der Nähe von Sawur-Mohyla Kräfte der Rebellen konzentriert waren, etwa in der Größenordnung einer mechanisierten Brigade.

Außerdem kam in dieses Gebiet immer wieder Verstärkung für die Terrroristen, zuerst durch die Grenzübergänge Marinowka und Dolschanskij, danach auch über Swerdlowsk und Rowenki.

Wenn wir bedenken, dass diese Anhöhe es Truppen ermöglicht, die Ortschaft Marinowka zu kontrollieren, können wir behaupten, dass wir die Kontrolle über diesen Grenzabschnitt erlangt haben.

Der Vorstoß der ATO-Kräfte ging in Richtung Dmitrowka und dann weiter in Richtung Snischne, wo die Reste der Rebellentruppen Zuflucht gesucht hatten.

Mit Stand vom 28. Juli, abends, ziehen die Rebellen ihre Kräfte in Snischne zusammen, sie versuchen die Truppen mit Ausrichtung auf Debalzeve, Tores und Shakhtarsk aufzustellen.

Obwohl ATO-Kräfte schon in Schachtarsk sind, ist die vollständige Befreiung der Stadt noch nicht in Sicht, besonders, wenn man Bewegungen von Kolonnen der Terroristen in Betracht zieht, die aus Donezk und Makijivka in Richtung Suhres und aus Snischne nach Tores und weiter nach Schachtarsk ziehen.

Gegen Abend sind in Informationskanälen der Rebellen einige Mitteilungen erschienen, in denen sie Informationen durchsickern lassen über einen Angriff auf Marinowka, Krasnopartisansk und Dolschanskij vom Territorium der Russischen Föderation aus.

Einerseits wäre es logisch, denn es würde die Möglichkeit geben, die Kräfte abzuziehen, die Snischne vom Süden angreifen, andererseits können solche Aktivitäten die Aufmerksamkeit von einem Angriff aus anderer Richtung ablenken, z.B. aus Starobeschewo.

Und es ist nicht bewiesen, dass Angriffe auf die oben genannten Grenzübergänge von Terroristen und nicht von russischen Berufssoldaten durchgeführt werden.

Die Informationen über die Anwesenheit russischer Militärexperten sowohl in den Grenzgebieten wie auch in den Reihen der Kampftruppen der sogenannten „Volksrepubliken von Donezk und Luhansk“ werden bekannt dank russischer Unterstützer der Ukraine, die diese Informationen im Netz veröffentlichen.

Zum Beispiel werden in einigen Regionen der Russischen Föderation, wie Einheimische uns erzählen, direkt in den örtlichen Behörden der Wehrverwaltung Freiwillige für den Krieg in der Ukraine angeworben. Vor allem werden Artilleristen und Panzerschützen gesucht. Die Summe, die Russland als Preis für das Leben seiner Bürger bestimmt, beläuft sich auf 100000 bis 250000 Rubel im Monat (oder eben eine vorzeitige Rückfahrt im Kühlwagen).

Ukrainische Streitkräfte setzen die Offensive auf Perwomajsk und Lisitschansk fort (der erwartete komplette Rückzug der Terroristen aus Lisitschansk ist immer noch nicht erfolgt).

Außerdem bekamen wir Information dazu, dass ein Teil der Rebellen aus Luhansk sich in Richtung Pervomajsk aufgemacht hat. Und Luhansk hat heute Verstärkung bestehend aus sieben Panzern erhalten.

Da kommt die Frage auf: Wenn auf Karten, die aus offiziellen Quellen stammen, die Ortschaften Nowoswetlowka und Chrjaschewate als „unter Kontrolle von ATO-Kräften“ deklariert werden, wie konnten die Panzer Luhansk in einem intakten Zustand erreichen? Dies bleibt ein Rätsel.

So geht dann der Nachschub an terroristischen Kräften während der vergangenen Tagen von der Grenzortschaft Iswarino durch Krasnodon nach Luhansk weiter. Am 28. Juli brach wieder eine weitere Kolonne mit Terroristen, bestehend aus etwa 10 KAMAZ-LKW aus der Russischen Föderation in die Ukraine auf. Es sollte beachtet werden, dass die ATO-Kräfte heute auf Stellungen der Terroristen in der Nähe von Nowoswetlowka und Nowoannowka (im Gebiet Luhansk) Luftangriffe geflogen haben.

ATO-Kräfte rücken weiterhin offensiv auf Awdijivka vor und treiben die Umzingelung von Horlivka voran. Ein Durchbruch nach Donezk von Horlivka aus begann schon am späten Nachmittag des 28. Juli 2014, während noch am Morgen die Terroristen Wohngegenden der Stadt beschossen hatten. Die Terroristenkolonne, die nach Donezk unterwegs war, wurde in der Ortschaft Krasnyj Partisan aufgehalten. Zur Zeit der Erstellung der aktuellen Karte und der Zusammenfassung des Lageberichts liefen die Kämpfe in dieser Gegend ab. Zusätzlich gab es Meldungen über mögliche Behälterexplosionen bei dem Unternehmen „Styrol“. Am Abend wurde durch Zeugen sogar behauptet, dass sie Rauch gesehen haben. Man kann nur hoffen, dass alle chemischen Präparate rechtzeitig aus der Firma entfernt worden waren.

Im Hinblick auf Donezk bereiten sich Terroristen als Reaktion auf die Offensive in Richtung Marjinka und Awdijivka wohl darauf vor, den Flughafen zu stürmen. Darüber hinaus wurde eine Kräfteverlegung in Donezk selbst festgestellt. In den nächsten Tagen werden wir versuchen, die Situation um und in Donezk näher und genau zu beleuchten.

Heute begann eine Offensive der ATO-Kräfte auch in Richtung Uspenka von Lutuhino aus (Gebiet Luhansk). Dort ist aber alles nicht so rosig. In den letzten 24 Stunden erlitt das Freiwilligen-Bataillon „Ajdar“ große Verluste. Wie das Pressezentrum des Bataillons berichtet hat, wurden am letzten Tag in den Gefechten bei Lutuhino 13 Kämpfer getötet und 10 verletzt.

Nach all den Ergebnissen des Tages, trotz aller tragischen Momente, demonstriert die ukrainische Armee im Großen und Ganzen eine koordinierte Initiative in der Umsetzung von Offensiven. Dabei bekommen sie oft Hilfe von der ortsansässigen Zivilbevölkerung. Die Menschen sind müde von ihrer Angst vor Beschuss und verärgert über die hinterhältige Praktiken der Terroristen, weil ihr Leben dadurch ständig bedroht wird. Die Einwohner helfen durch die Weitergabe von wichtigen Informationen über die Lage vor Ort, was einen positiven Einfluss auf das Ergebnis der ganzen Operation bewirkt. In letzter Zeit erwarteten Terroristen sehr oft keine Angriffe auf bestimmte Stellungen in der Überzeugung, dass niemand ihre Koordinaten weitergibt, aber mit jedem Tag, mit dem sie die Erfolge der ukrainischen Armee sehen, wird die Anzahl der Informanten und der Überläufer immer größer, weil niemand gerne auf der Seite der Verlierer steht.

Zu den positiven Ereignissen der vergangenen Tage gehört auch die Tatsache, dass das ukrainische Militär im Rahmen einer Spezial-Operation einen Su-25-Piloten aus dem besetzten Gebiet in Sicherheit brachte. Der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko hat angeordnet, die Teilnehmer dieser Rettungsoperation auszuzeichnen.

Aber wir sollen uns durch die Erfolge nicht blenden lassen, weil in den Grenzgebieten auf ukrainischen Territorien Einwohner immer wieder von der Anwesenheit von Aufklärungseinheiten und verkleidetem russischen Soldaten berichten. Die sie anhand charakteristischer sprachlicher Merkmale, offensichtlicher militärischer Disziplin und „anderem Aussehen“ erkennen. Insbesondere sollten in dieser Hinsicht die Gebiete von Charkiw und Sumy beachtet werden. In diesen Gebieten sind in den kommenden Tagen plötzliche Durchbruchversuche und Ereignisse zwecks der Destabilisierung der Situation möglich.

Prognose: Angesichts der Anhäufung von Terroristen in der Gegend von Tores und Suhres, kann man mit einen Durchbruchsversuch von beiden Seiten in Richtung Schachtarsk rechnen. Gleichermaßen können Terroristen Angriffe nach Popasnaya und von Horlivka aus nördlich von Swetlodar durchführen, um die Umzingelung durchzubrechen und beide Gruppen zu vereinen. Dafür müssten sie einige Kräfte aus dem Gebiet in der Nähe von Lisitschansk abziehen. Darüber hinaus sind Angriffe von russischem Territoirum aus auf die obengenannten Grenzgebiete möglich, genauso wie ein Durchbruch in Richtung Starobeschewsk mit dem Ziel, die Versorgung der Terroristen in Donezk zu gewährleisten.

Heute gab es auch Meldungen, die besagen, dass die russischen Panzer in voller Kampfbereitschaft an der russisch-ukrainischen Grenze stehen. Wie berichtet von Einwohnern in der Nähe der Siedlung Kantemirowka (Gebiet Woronesch).

Auf internationaler Ebene gab es auch spürbare Veränderungen zugunsten der Ukraine. So fanden am 28. Juli 2014 Verhandlungen zwischen den Präsidenten von Frankreich, den Vereinigten Staaten und den Regierungschefs von Großbritannien, Italien und Deutschland statt. Bei den Verhandlungen kam wieder die Frage über die nächsten schärferen Sanktionen gegen Russland wegen der ukrainischen Krise auf. Nach den Gesprächen erklärten die Regierungschefs der fünf Länder, es sei notwendig dem Kreml weitere Sanktionen aufzuerlegen, um Russland zum Frieden zu bewegen und weitere Unterstützung des internationalen Terrorismus durch Russland zu stoppen.

Die Ukraine führt einen klassischen großen Krieg gegen die Terroristen im Osten des Landes. Wahrscheinlich standen bisher keiner Terrorgruppe in der Geschichte aller Kriege so viele Waffen zur Verfügung wie diesen „separatistischen Kämpfern“, einschließlich schwerer Waffensysteme. Die zynische Manipulation und das Verdrehen von Fakten durch Russland wurden weltweit erkannt, als das, was sie sind: Der Versuch einen selbst ausgelösten blutigen Konflikt in der Ukraine zu vertuschen, der unaufhörlich mit Ausrüstung und Waffen aus der Russland gesponsert wird. Terrorismus auf Gebiet des ganzen post-sowjetischen Raums — das ist ein Vorbote der neuen Weltkriege, wenn die Welt nicht zusammenzucken und rechtzeitig keine entsprechenden und ernsthafte Maßnahmen ergreifen wird…

Übersetzt von Olena Köpnick [2] und Irene Roor [3]/ Viktor Duke [4]