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Anti-Terror-Operation in der Ukraine. Zusammenfassung und Stand zum 1. August 2014, 12:00 Uhr

In den letzten 24 Stunden wurde eine weitere Eskalation des Konfliktes in der Ukraine durch aktives Mitwirken der Russischen Föderation verzeichnet. Aus Russland werden weiterhin Truppen und Technik zur Verstärkung der terroristischen Gruppen in Donbass geliefert.

Gestern gelangten Mitarbeiter der OSZE-Mission zum Grenzposten Iswarino. Leider können sie diese Grenzstrecke lediglich beobachten, während die eigentliche Lieferung der Verstärkung an die Terroristen etwas höher über die Dörfer Sewernyj, Popowka, Bolschoj Suchodol verläuft. Alle drei Richtungen der genutzten Routen münden in einer Straße. Diese verläuft nahe des Bergwerkes Sudocholskaja-Wostotschnaja einschließlich der Einfahrt in die Stadt Suchodilsk selbst (Bezirk Krasnodon), wo sie über die Schassejnaja Straße die Route M4 erreicht. Eine neue Kolonne gepanzerter Einheiten der Russischen Föderation (RF), die in der Nacht auf den 31. Juli eingeschleust wurde, vereinigt sich mit früher hierher gebrachten Einheiten, um einen Angriff gegen das Bataillon „Donbass“ der ATO-Kräfte zu starten. Beim heutigen Stand der Dinge erkennt man deutlich drei Varianten der möglichen Angriffe:

  1. In Richtung Faschtschejewo könnte der Gegner einen Versuch gegen die ATO-Kräfte starten, die sich aus Debalzewe nach Krasnyj Lutsch bewegen werden.
  2. In Brjanka werden Kräfte gesammelt, eventuell für einen Vorstoß in den Rücken ukrainischer Truppen, die versuchen, Perwomajsk zu befreien.
  3. Der Schlag aus Brjanka und der Weg nach Debalzewe, welcher genutzt werden könnte, um die ATO-Kräfte zu zerschlagen: In die Südgruppe, die nach Schachtarsk geht und in die Nordgruppe, die Perwomajsk befreit.

Wir haben bereits negative Erfahrungen aufgrund unserer Sorglosigkeit bezüglich der Sicherung des Hinterlandes in Amwrosijiwka und Saur-Mohyla gesammelt. Diese müssen in der Zukunft berücksichtigt werden, um neue Fehler zu vermeiden.

In den vergangenen 24 Stunden setzten die Terroristen ihren Beschuss der Positionen ukrainischer Kräfte im Bereich Saur-Mohyla und Uspenka fort. In Amwrosijiwka, wie wir bereits gewarnt haben, fühlten sich die Terroristen der „Donezker Volksrepublik“ (DVR) dermaßen wohl, dass sie ATO-Einheiten und Grenzschutztruppen weitere Verluste zugefügt haben.

Hier ist ein Erklärungsversuch.

Entspannt durch die Meldungen über die ‚glänzenden Siege‘ im Südosten von Donezk, hat die Wachsamkeit der ATO-Kräfte  nachgelassen. In dieser Zeit wendeten die Terroristen eine Partisanen-Taktik an, indem sie die Kräfte der ATO durch ihre Reihen ließen und anfingen hinter ihrem Rücken zu agieren. Ungefähr so geschah das in der Nacht in Amwrosijiwka. Als Amwrosijiwka vorher auf unseren Karten jenseits der Zone der ATO-Kontrolle aufzeichnet wurde, war gerade so ein Fall gemeint.

Als ukrainische Kräfte Nowyi Swet befreiten und die Offensive nach Donezk vom Süden aus fortsetzten, Ilowajsk im Sprung eroberten und weiter ohne Sicherung des Territoriums aus südöstlicher Richtung marschierten, Marijinka passierten und nach Donezk aus dem Südosten weitergingen, haben sie im Hinterland große Gruppen der Terroristen gelassen. Da niemand diese Gebiete sichern konnte und die Truppen der territorialen Verteidigung ebenfalls beschlossen hatten, die Initiative selber zu ergreifen, haben ukrainische Kräfte sofort einen Schlag nahe Wassiljewka abbekommen. Der Schlag wurde von der Seite des Dorfes Mokrojelantschik verübt, das man eigentlich für frei hielt. Ungefähr dieselbe Situation kam auch auf der Höhe Saur-Mohyla zustande. Man eroberte die Höhe, festigte Positionen, befreite jedoch nicht Snischne, bewegte sich aber nach Rowenki und Swerdlowsk.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings schicken die Terroristen ihre Truppen aus Rowenki nach Djakowo. Klar, dass man einen Korridor zu den in Kraskopartisansk gebliebenen Kameraden durchschlagen müsste. Nach Beschuss durch Grad-Mehrfachraketenwerfer haben diese dort aber bereits bittere Erfahrungen gesammelt und saßen in gut befestigten Stellungen. Dafür erlaubte die Bewegung in dieser Richtung den Terroristen, aus Snischne Schläge gegen Saur-Mohyla durchzuführen und hat beinahe schlimme Konsequenzen nach sich gezogen. Da stellt sich die Frage, warum das Hinterland der Truppen auf der Höhe von Saur-Mohyla nicht gesichert wird? Oder müssen wir weiterhin durch einen ungesicherten Durchgang in Richtung Iswarino mit neuen ‚Kesseln‘ rechnen?

Nun zu Schachtarsk und zur Route N 21. Zum Morgen des 1. August war die Route noch nicht abgeriegelt. Die Terroristen haben ihre Kräfte in Sugres weiterhin konzentriert, um die Kontrolle über diese Route zu sichern. Nach Sugres gelangte sehr viel Technik, insbesondere Mehrfachraketenwerfer. Die ukrainischen Truppen haben begriffen, dass ein Schlag seitens dieser Route nicht möglich ist und bewegten sich nach Schachtarsk aus der Richtung Rassypnoje. Und hier stellt sich die Frage, warum diese Offensive nur in Richtung Schachtarsk ging und Sugres vergessen blieb? Wartet man etwa schon wieder auf einen neuen Schlag in den Rücken?

Die Terroristen konzentrieren weiter Truppen entlang der Route M04 (Krasnodon, Molodogwardejsk, Nowoannowka, Nowoswetlowka). Ebenso erwarten die Terroristen die Ankunft ukrainischer Kräfte aus Richtung Olchowaja. Man rechnet mit einem Angriff auf Iswarino. Somit ist ein Teil der Kräfte im Bereich Lutugino von den Hauptkräften bereits abgeschnitten worden. Es besteht jedoch Hoffnung, dass es ukrainischen Truppen gelingen wird, Luhansk von der östlichen Seite endgültig einzukreisen und einen Korridor für diese Gruppe zu errichten. Sonst könnte der Fall von Krasnopartisansk wieder eintreten.

In Richtung Norden von Donezk aus haben die ATO-Kräfte Awdijiwka befreit und fingen mit der Befreiung von Jassynuwata an. Somit ist die Einkreisung von Horliwka fast vollständig. In diesem Zusammenhang könnte man mit Gegenschlägen der Terroristen aus Donezk in besagter Richtung sowie mit einem Durchbruch aus Horliwka über Pantelejmonowka rechnen.

Nun ein kleiner Diskurs über äußere Bedrohungen: Die Menge der russischen Truppen an der Grenze zur Ukraine wächst weiter. Dabei können die Angriffe seitens Russlands am ehesten in den Regionen Charkiw und in Sumy verübt werden.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass in den vergangenen 24 Stunden in den Wäldern beim Städtchen Korolewez (Region Sumy) ein Fahrzeug vollgestopft mit Waffen und Munition gefunden wurde. Vielleicht sind das die Spuren der Vorbereitung durch Spezialkräfte für Vorstöße in dieser Richtung.

Nicht zu vergessen ist auch eine große Ansammlung der feindlichen Kräfte in Rostower Gebiet sowie im Aufmarschgebiet vor dem Übergang zum Festland seitens der besetzten Krim. Erfreulich ist nur eins: Um ihre Kräfte hier sammeln zu können, muss Russland zuvor Truppen aus anderen Richtungen abziehen – eine Tatsache, die beweist, dass auch Russland große Probleme hinsichtlich einer kampffähigen Armee hat. Das heißt auch: Falls russischen Truppen doch in die Ukraine einmarschieren, werden sie sich dort nicht lange halten können, da ihre Ressourcen recht beschränkt sind. Außerdem ist anzumerken, dass die ukrainischen Streitkräfte innerhalb der 4 Monate des Krieges mehr an Erfahrung gewonnen haben, als Russland nach zehn Jahren Krieg in Tschetschenien. Warum? Die Tschetschenen hatten doch keine Panzer, Flugabwehrsysteme etc. Und wenn die ukrainische Armee unter solchen Bedingungen nach nur 4 Monaten jetzt anfängt, die Situation unter Kontrolle zu bringen, dann wird es dem Feind recht teuer kommen. Und eine offene Konfrontation mit Russland würde keinesfalls dem letzten netten Ausflug ähneln…

Übersetzt von Irina Diana Bulanowa/Viktor Duke

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