Das internationale Freiwilligenteam InformNapalm und die Kollegen des Zentrums „Mirotworez“ („Friedensstifter“) decken auch weiterhin aktive russische Militärangehörige im Dienst illegaler bewaffneter Formationen „Neurusslands“ auf. In diesem Fall gilt unser Interesse einem Russen, der Anwärter auf den Dienst als Zeitsoldat bei der 74. selbständigen motorisierten Schützenbrigade des Zentralen Militärkreises ist.
Im Fokus unserer Untersuchung steht ein russischer Staatsangehöriger, der in einer Aufklärungseinheit einer illegalen bewaffneten Vereinigung der sogenannten „Donezker Volksrepublik“ auf ukrainischem Territorium unter dem Kriegsnamen „Altaj“ kämpft.
Persönliche Daten: Ewgenij Aleksejewitsch Starkow, geboren am 24.12.1995, lebt in der Region Altaj in Barnaul. In sozialen Netzwerken findet man ihn bei „VKontakte“ (archiviertes Profil, Fotoalbum und Kontaktliste) und „OK“ (archiviertes Profil, Fotoalbum und Kontaktliste). Zwischen 2013 und 2014 hat E. Starkow den Wehrdienst in der Einheit Nr. 58133-20 absolviert, einer Kompanie für elektronische Kampfführung in der Stadt Bratsk, Gebiet Irkutsk. Die Kompanie gehört der Fernmeldetruppe EloKa der russischen Luftwaffe bzw. Flugabwehrtruppe an. Schon damals zeigte er Affinitäten zu „Verkleidungen“. Nach Ende des Militärdienstes arbeitete er im Bereich Instandsetzung bei der staatlichen Bahngesellschaft. Aber bereits im Sommer 2015, Ende Juni, begann er Dokumente zu sammeln, die für einen Vertragsabschluss mit dem russischen Verteidigungsministerium notwendig waren. Es ging dabei um den Dienst als Zeitsoldat bei der 74. selbständigen motorisierten Schützenbrigade der 41. Armee des Zentralen Militärkreises (Einheit Nr. 21005 in Jurga, Gebiet Kemerowo).
Es ist schwer zu sagen wie es zu dieser Entwicklung kam, d.h. wir kennen nicht den aktuellen Status von Starkow. Vor seiner Abreise in den Donbass posierte er jedenfalls maskiert in einer Uniform vom Typ „Gorka“ mit einer Einsatzweste. Das sind Ausrüstungsgegenstände, die wahrscheinlich von seinen Arbeitgebern beim russischen Verteidigungsministerium ausgegeben worden waren.
Vom 20. Oktober 2015 rückwirkend um drei Monate zählt Starkow bereits als im „Widerstand“ kämpfend. So oder so kämpfte er im Rahmen illegaler bewaffneter Gruppen gegen die Ukraine und es gibt es bei Starkow als russischem Staatangehörigen nur zwei Möglichkeiten:
- Er steht als Soldat unter Vertrag und wurde zwecks „Weiterbildung“ in den Donbass abkommandiert.
- Als Bedingung für einen Vertragsabschluss wurde er aufgefordert zu „zeigen, was er kann“, indem er in den Donbass zieht. Nach dem Einsatz würde er mit Sicherheit in den russischen Militärdienst aufgenommen werden.
Unsere Annahmen sind durch konkrete Fakten begründet. Dazu kommt außer dem Trend, russische Zeitsoldaten zwecks „Weiterbildung“ zu den illegalen bewaffneten Formationen der „Donezker und Luhankser Volksrepublik“ („DVR“/„LVR“) in den Donbass zu schicken (siehe Artikel „Im Wolgograder Kreiswehrersatzamt werden Zeitverträge für den Kriegseinsatz im Donbass unterzeichnet“) etwas anderes hinzu: Es werden bevorzugt jene russischen Staatsbürger als Zeitsoldaten eingestellt, die bereits Kriegserfahrung bei individuellen Einsätzen im Donbass gesammelt haben. Beispielsweise hat InformNapalm Ende Januar 2016 einen „ehemaligen“ Kämpfer der Bande „Sparta“ entlarvt, der von der Wehrverwaltung in Lipezk als Zeitsoldat nach Murmansk beordert worden ist („Heute ein “Sparta”-Terrorist im Donbass, morgen ein Zeitsoldat der russischen Streitkräfte“).
Das ist auch nicht das erste Mal, dass Militärangehörige der 74. motorisierten Schützenbrigade bei illegalen bewaffneten Gruppen „Neurusslands“ auffallen. Im Oktober 2015 hat InformNapalm einen Soldaten dieser Einheit aus Jurga entdeckt. Dieser war Zeitsoldat bei den russischen Streitkräften und Kämpfer des 3. Bataillons „Hooligans“ der „LVR“ in Personalunion (siehe Artikel „Russische Zeitsoldaten der 74. motorisierten Schützenbrigade kämpfen im Donbass unter dem Deckmantel des “LVR”-Bataillons „Hooligans““).
Die 74. motorisierte Schützenbrigade war bereits mehrfach Teil früherer Publikationen von InformNapalm. Im November 2014 (eng.) wurden Fotos von Militärangehörigen der Einheit in grenznahen Feldlagern sichergestellt, von wo aus überfallartige Angriffe auf den Donbass geführt worden waren; außerdem Kopien von sogenannten Vertraulichkeitserklärungen („über die Geheimhaltung vertraulicher Information in Kontext der Ausführung von Spezialoperationen im Namen der Interessen der russischen Föderation“) dieser Einheit und Aufnahmen eines im Donbass abgeschossenen T-72-Panzers der 74. Brigade (eng.).
Das Material dieser Publikation wurde im Rahmen einer OSINT-Untersuchung des internationalen Freiwilligenteams InformNapalm bei Mitwirkung der Kollegen des Zentrums „Mirotworez“ zusammengetragen; übersetzt von Viktor D. Duke.
(CC BY) Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

