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Das Quiz um die russische Aggression gegen die Ukraine: ein Fotorätsel

Wir bedanken uns bei allen Lesern von InformNapalm, die an unserem Aufruf zur sozialen Umfrage teilgenommen haben, die darin bestand, zu erraten, auf welchem Foto Vertreter der „DVR/LVR-Miliz“ zu sehen waren, und auf welchem – russische Soldaten. Das Ziel der Umfrage war herauszufinden, nach welchen Kriterien unsere Leser die russischen Invasionskräfte identifizieren würden.

Die überwiegende Mehrheit der Leser hat das Bild Nr. 2 ausgewählt. Auf diesem Foto sind der Meinung der Mehrheit nach russische Soldaten abgebildet.

Wir möchten ein wenig vorgreifen und anmerken, dass die Beobachtungsgabe und die analytische Herangehensweise unserer Leserschaft beweist, dass auch Menschen, die keine militärischen Experten sind, durchaus die Fähigkeit besitzen, Weizen vom Spreu zu trennen. Die Frage war in der Tat schwieriger, als wir dachten. Aber eins nach dem anderen.

Foto Nr. 2

Fangen wir die Analyse mit dem Foto Nr. 2 an. Das erste, was uns ins Auge fällt, ist dass die Männer auf dem Foto Schusswaffen in der Hand haben. Und zwar sind das alles militärische Waffen nach dem russischen Recht. Trotzdem haben die Männer nichts an sich, was sie eindeutig als Angehörige der russischen Armee identifizieren würde. Also sind das keine russischen Soldaten im klassischen Sinne (dazu gibt es Optionen „Aufständische“, „Freiwillige“, „Urlauber“). Aber…

Der Besitzer der Seite, auf der dieses Bild gepostet wurde (vk.com/id54533677), hat schon mal ein russisches AK-74M um den Hals hängen.

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Bild 2. AK-74M.

Das Foto wurde im Kuibyschewski Bezirk der Region Rostow aufgenommen, das schließen wir aus dem Geotag, der zu dem nächsten Foto gehört, das im gleichen Profil im sozialen Netzwerk und am gleichen Tag gepostet wurde.

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Geotag: Kuibyschewski Bezirk

Wir möchten Sie daran erinnern, dass Kuibyschewski Bezirk immer noch zu Russland gehört und dort russische Gesetze gelten, also ist das Tragen der militärischen Waffen von Personen, die keine Vertreter der staatlichen Gewaltorganen sind, strafbar. Das Interessanteste dabei ist, dass, wie wir alle wissen, die russische Seite stets behauptet hat, dass die „Freiwilligen“ sich ihre Waffen selbst besorgen, indem sie diese den ukrainischen Soldaten und Polizisten abnehmen, und nicht der russischen Armee. Auf dem Foto sehen wir einen klaren Beweis dafür, dass die russische Propaganda nicht ganz ehrlich ist: die „Aufständischen“ befinden sich auf russischem Territorium und sie sind bewaffnet!

Die russischen Skeptiker können dem natürlich entgegnen, dass das Foto mit den Maschinengewehren von den Kuibyschewer Jungs aufgenommen wurde, die vor ihren Freunden mit einem coolen Selfie ein wenig angeben wollten und diese Maschinengewehre für ihr letztes Geld in der „Waffenhandelsorganisation“ gekauft haben. Darauf haben wir auch eine Antwort: das nächste Foto zeigt die gleichen „Aufständischen“ im gleichen Wäldchen, aber diesmal mit einem russischen T-80 Panzer.

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Bild 3. T-80

Nicht mal der eifrigste russische Propagandist würde es wagen, einen Panzer von diesem Typ als einen „von der ukrainischen Armee erbeutet“ zu bezeichnen. Wie Sie sehen, sind das die gleichen Personen auf dem Panzer wie auf dem Bild Nr. 2. Also ist das Einzige, was der Kreml machen könnte, um die Situation im Rahmen des Anstandes und Gesetzes zu halten, die Beteiligten dieser Aktion für russische Soldaten (oder Vertreter der staatlichen Gewaltorganen) zu erklären. Bloß kommen in dem Fall noch einige Fragen dazu…

Also können wir diese Personen für Soldaten der russischen Armee erklären. Dann ist es allerdings so, dass wir auf die traditionelle Bitte des Kremls, ihnen die russische Armee in den Feldern von Donbass doch zu zeigen, ohne Zögern ein beliebiges Foto eines beliebigen bewaffneten „Kriegers“- eines von den unzähligen unbekannten „grünen Männchen“, die die Donezker Steppen überflutet haben- vorzeigen und behaupten können, dass das ein russischer Soldat sei. Was übrigens auch stimmen würde, denn so ist es schon auf der Krim gewesen.

Für diese Vorgehensweise gibt es noch andere Gründe, und zwar gewichtige. Der Autor des Fotos „Option Nr. 2“ zeigt ganz offen seine Zugehörigkeit zu der russischen Armee (http://vk.com/id54533677).

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Bild 4. Jura Tscherapito

Wenn wir annehmen, dass dieser Jura und all seine Kameraden auf den Bildern Soldaten der erwähnten 8. selbständigen motorisierten Schützenbrigade sind, so haben sie sich aber ganz schön weit vom Dorf Borsoi verirrt. Der Stationierungsort dieser Einheit liegt 1000 km von Juras jetzigem Standort entfernt. Über die Gründe für diesen kleinen Ausflug können uns vielleicht die Einzelheiten der Uniform dieser Menschen vom Foto-Rätsel etwas verraten.

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Bild 5. Die Schlauchbinde und die Armbinde

Die Schlauchbinde.

Eine Schlauchbinde, um den Gewehrkolben gewickelt, hat man oft bei den Maschinengewehren der „freiwilligen Aufständischen“ während der Kämpfe in Donbass gesehen. Dieses Phänomen gehört nicht zur Dienstordnung, daher würden die Soldaten ein solches Teil nicht ohne guten Grund um ihre Dienstwaffe wickeln. Weiße Stoffstreifen und Isolierband um den Waffengriff können eine Methode sein, um die eigenen Kameraden im freien Gelände leichter erkennen zu können. Das Gleiche gilt für die Stoffstreifen, die sich der nächste „Krieger“ um Arm und Bein gebunden hat.

Die Armbinde.

Die Armbinde gehört nicht zur Dienstordnung in der russischen Armee, wird aber oft bei den „Separatisten“ gebraucht. Also, wenn wir davon ausgehen, dass auf dem Foto Nr. 2 russische Soldaten abgebildet sind, müssen wir ihre Beteilgung an den Kämpfen im Südosten der Ukraine anerkennen. Ach ja, der GAZ-66 mit dem weißen Quadrat bestätigt das auch.

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Bild 6. GAZ-66

Foto 1.

Die Geschichte mit dem Foto Nr. 1 ist ganz ähnlich, nur mit einem kleinen Unterschied: es wurde in der Ukraine aufgenommen. Und Fragen, was dieses Foto angeht, haben wir nur zu einem „Aufständischen“: Alexei Mironow (http://vk.com/id239030223).

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Erstens besitzt er eine beachtliche Auswahl an Kleidung.

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Bild 7. Der Anzug

Mann muss zugeben, dass 4 Arten der Felduniform ein ausgesprochener Luxus selbst für die Musketiere des Königs Ludwig XIV wäre, geschweige denn für die einfachen „Bergwerk-“ und „Landwirtschaftsarbeiter“.

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Bild 8. Maschinengewehr

Wir möchten Sie daran erinnern, dass das Maschinengewehr RPK-74M eine Standardwaffe der russischen Armee ist.

Nach der Analyse des Fotorätsels kommen wir zusammen mit unseren Lesern zu dem Schluss, dass sowohl auf dem ersten als auch auf dem zweiten Foto keine einfachen „Aufständischen“, sondern mindestens die von Russland unterstützten Söldner und/oder Soldaten der regulären russischen Armee zu sehen sind.

Und hier noch eine kleine Zugabe zu den russischen „verirrten Freiwilligen“:

Dieses Material wurde von Al Gri speziell für InformNapalm [10] vorbereitet; übersetzt von Olena Köpnick [11]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unser Projekt erforderlich.