Während die Russen einen weiteren „Helden eines Krieges, in dem sie nie waren“ vergessen haben, gibt es doch noch einige, die sich an sie erinnern: InformNapalm hat Informationen über einen russischen Zeitsoldaten gewonnen, der im August 2014 in der Ukraine getötet wurde.
Noch in der Anfangsphase der russischen Invasion in die Ukraine, Ende August 2014, wurde über den Tod eines Militärangehörigen der 17. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade, den Zeitsoldaten Marcel Araptanow bekannt (bis vor kurzem – Militäreinheit 65384, zur Zeit – Militäreinheit 71718; die Brigade wurde zum 70. Regiment innerhalb der neuen 42. Division umstrukturiert; Stationierungsort: Schali, Tschetschenien). Damals hatte diese Nachricht erhebliche Resonanz verursacht, unter anderem auch in Russland (Reportagen von TV Rain und fn24.ru). Zumal damals russische Behörden, die für Zensur zuständig sind, selbst ziemlich verunsichert waren und die Verbreitung der Information über die eigenen Kriegsverluste in Donbas nicht immer kontrollieren konnten.
InformNapalm war auf diese Nachricht ebenfalls aufmerksam geworden und hatte das persönliche soziale Netzwerkprofil des getöteten Zeitsoldaten und „Veteranen“ des russischen Einfalls in Georgien im August 2008 gefunden (zum jetzigen Zeitpunkt ist das Profil bereits gelöscht). Ein weiterer Grund für die Bekanntmachung vom Tod von Marcel Araptanow war ein offen kreml-kritischer Beitrag seiner Schwester Dinara, die ein Foto mit dem Abdruck des „ukrainischen Stiefels“ auf einem Porträt von Putin postete.
Anmerkung: Nachfolgend tauchte der Name von Marcel Araptanow in anderen Publikationen unserer Gemeinschaft auf, unter anderem in einem Beitrag vom 9. September 2014 mit den Beweisen für die Präsenz russischer Militärangehörige aus dieser Brigade in der Ukraine und in einem Beitrag vom 6. Februar 2015 über ein Denkmal für die Militärangehörigen der 17. SMSBr, die im August 2014 in der Ukraine getötet wurden.
Es sind 2,5 Jahre seit dem Tod von Marcel Araptanow vergangen. Er wurde am 12. August 2014 getötet, begraben hatte man ihn an seinem Geburtstag, dem 22. August, heimlich und ohne besondere Ehrungen, in seinem Heimatdorf Nowotajmasowo (Baschkirien). Damals berichtete die russische Propaganda im oben erwähnten Bericht von fn24.ru über den Tod des russischen Soldaten und behauptete, er sei angeblich auf dem russischen Territorium durch eine von der ukrainischen Seite aus abgeschossene „Grad“-Rakete getötet worden. Seitdem erinnert sich kaum einer an Marcel, inklusive seiner Schwester, die seit 2015 ihre Rhetorik geändert und mit der Zeit ihre Aktivität in den sozialen Netzwerken komplett eingestellt hat. Wahrscheinlich ist es die Folge der „Erziehungsarbeit“ des FSB und die „Belohnung“ gewesen, die die Familie als Entschädigung für ihr Schweigen bekommen hatte.
Doch scheinbar hatte Marcel auch einige wahre Freunde. Einer davon, sein Landsmann, ein gewisser Muslim Ismailow, hatte am 8 Februar 2017 in der Gruppe „17<<SMSBr>> Tschetschenische Republik Schali“ im Sozialnetzwerk VK einen Beitrag in Erinnerung an Marcel geteilt, der gerademal zehn Likes und keinen einzigen Kommentar bekommen hat.
Dieser Post wird interessant durch ein Foto des Ordens und der entsprechenden Auszeichnungsurkunde von Marcel Araptanow zum Tapferkeitsorden Nr. 70822, der postum auf Erlass des Präsidenten Putin vom 24. Dezember 2014 (Das Faktum der postum-Auszeichnung von Marcel Araptanow wurde bislang nicht festgestellt) erteilt wurde.
Anmerkung: Der Tapferkeitsorden ist eine staatliche Auszeichnung der Russischen Föderation. Damit werden Menschen ausgezeichnet, die sich durch Tapferkeit und Mut beim Schutz der öffentlichen Ordnung, Bekämpfung von Kriminalität, Rettung von Menschen bei Naturkatastrophen, Feuerbränden, Katastrophen und anderen Ausnahmesituationen ausgezeichnet haben, sowie für mutiges und entschlossenes Handeln beim Erfüllen von militärischer, ziviler oder dienstlicher Pflicht unter lebensgefährlichen Bedingungen.
Die Postum-Auszeichnung eines russischen Zeitsoldaten, der „zufällig durch ein aus der Ukraine abgefeuertes Geschoss getötet wurde“ fügt sich dabei in die Beschreibung der Voraussetzungen für den Erhalt dieses Ordens in keinster Weise ein. Es sieht so aus, als ob der Kreml und das russische Verteidigungsministerium letztendlich die Tatsache anerkannten, dass Marcel Araptanow in der Ukraine infolge der Kampfhandlungen getötet wurde und seine Auszeichung im Grunde ein Schweigepreis für seine Verwandten war. Vermutlich ist der Orden nicht der einzige Bonus für die Familie von Araptanow gewesen. Sein Grabmal wurde höchstwahrscheinlich ebenfalls aus der russischen Staatskasse bezahlt.
Wir erinnern daran, dass die 17. SMSBr bereits in 15 Publikationen von InformNapalm figurierte. Hauptsächlich ging es in diesen Berichten um das militärische Eindringen und die Beteiligung von russischen Militärangehörigen an den Kämpfen im Donbas im Sommer-Herbst 2014. Es gibt allerdings auch Informationen über eine etwas spätere Teilnahme von Zeitsoldaten dieser Brigade am russisch-ukrainischen Krieg (Näheres dazu unter dem versteckten Link)
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Die 17. SMSBr in InformNapalm-Publikationen
- • 17. selbständige motorisierte Schützenbrigade des Militärbezirks Süd befindet sich in der Ukraine, 09. September 2014
• Panzerfahrer- russischer Offizier der 17. SMSBr und ein Teilnehmer der Kämpfe im Donbass, 13. Oktober 2014
• “Inglourious Bastards”: Memorial to Servicemen of the 17th Motor Rifle Brigade at Shali, Chechen Republic, 06. Februar 2015
• Ein Offizier der 17. Brigade RF wurde mit dem „Tapferkeitsorden“ für den Krieg im Donbass ausgezeichnet, 18. Juni 2015
• SFL „Msta-S“ der 17. SMSBr nahe Nowoasowsk, 12. August 2015
• The 17th Brigade in Donbas in Summer, 2014. Photo proofs, 27. April 2015
• Ein weiterer hybrider „Bergarbeiter“ aus der russischen 17. motorisierten Schützenbrigade, 10. Februar 2016
• Veterans of Donbas from the 17th Mechanized Infantry Brigade and their Orders of Courage, 15. Juli 2016
• Wie ein verlorener „Tapferkeitsorden“ zu einem russischen Offizier im Donbass führte…, 14. September 2016
• “F#cked-up brigade” – former contract soldier about 17th MRB of the Russian Army (Video), 7. Oktober 2016
• Опознаны мотострелки из Чечни, участвовавшие в боях на Донбассе, 2. Dezember 2016
•Опознан танкист 17-й ОМСБр ВС РФ: воевал на Донбассе, награжден медалью «За отвагу», 4. Januar 2017
• Russischer Panzerfahrer verrät seine Dienstkameraden aus der 17. selbständigen motorisierten Schützenbrigade, 09. Januar 2017 - Aufklärer der 17. Brigade der Russischen Streitkräfte identifiziert, die im Donbass gekämpft haben, vom 12.02.2017
- Идентифицированы разведчики-хвастуны 17-й ОМСБр, воевавшие на Донбассе, vom 19.02.2017
- • 17. selbständige motorisierte Schützenbrigade des Militärbezirks Süd befindet sich in der Ukraine, 09. September 2014
Die Datenbanken, die Informationen über die russischen Militärangehörigen und deren Beteiligung an den Kampfhandlungen in Ukraine an der Seite der russisch-terroristischen Streitkräfte, unter anderem auch über die Auszeichnungen (Die Auszeichnung mit dem „Tapferkeitsorden“ wurde bei zwei weiteren Militäragehörigen der 17. SMSBr registriert) sind unter folgendem Link zu finden: https://informnapalm.org/database.
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Bestand und Bewaffnung der 17. SMSBr
17. selbständige motorisierte Gardebrigade, Militäreinheit 65384 (Schali, Republik Tschetschenien)
Bestand: Führung, 1. motorisiertes Schützenbataillon, 2. motorisiertes Schützenbataillon, 3. motorisiertes Schützenbataillon, Speznas-Bataillon, Schützenkompanie (Scharfschützen), Panzerbataillon, 1. Panzerhaubitzen-Division, 2. Panzerhaubitzen-Division, Raketenartillerie-Division, Panzerabwehr-Artilleriedivision, Fla- und FlaRak-Division, Aufklärungsbataillon, Kampfdrohnen-Kompanie, Pioniertruppen, ABC-Kompanie, Funkbataillon, EloKa-Kompanie, Führungs- und Artillerieaufklärungs-Batterie (der Artillerieführung), Funkmessaufklärungszug (der Führung der Flugabwehr), Führungszug (der Führung der Aufklärungseinheit), Reparatur- und Instandsetzungsbataillon, Logistik-Bataillon, Kommandantendienstkompanie, Sanitätskompanie, Instrukteurszug, Trainerzug, Orchester.
Bewaffnung: 40 Einheiten T-72 B3, 1 T72 BK, 159 Einheiten MT-LBM 6MB und MT-LB BMK, 6 Einheiten GAS-233014 STS „Tigr“, 18. Einheiten BM-21 „Grad“ und 2B26 „Grad“, 36 Einheiten 152-mm Panzerhaubitze 2S19 „Msta-S“, 18 Einheiten 120-mm-Granatwerfer 2S12 „Sani“, 12 Einheiten 100-mm-Panzerabwehrkanonen MT-12 „Rapira“, 12 Einheiten 12 Einheiten Panzerabwehrraketenkomplexe 9P149 „Sturm-S“, 11 Einheiten BTR-80, 4 Einheiten BRDM-2, 12 Einheiten BM 9A33BM2(3) „Osa“, 6 Einheiten BM 9A34(35) „Strela-10“, 6 Einheiten ZSU 2S6M „Tunguska“, 27 Einheiten MANPADS 9K38 „Igla“.
Quelle: milkavkaz.net
Dieses Material wurde anhand eigener OSINT-Untersuchung von Irakli Komakhidze exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Zoya Schoriwna; editiert von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.
(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 )
Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

