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Detaillierte Informationen zum Generalmajor der russischen Streitkräfte, der der Vernichtung von MH17 verdächtigt wird

Wir veröffentlichen heute die Untersuchung der Aktivisten der gesellschaftlichen Organisation „Europrostir“ Oleh Baturin und Sergei Petrenko, die exklusiv für InformNapalm vorbereitet wurde. In diesem Material werden Informationen über einen russischen Kriegsverbrecher, Generalmajor Sergei Dubinsky erläutert, der der Vernichtung der MH17-Boeing im Donbass 2014 verdächtigt wird.


„Separatisten“ und ihre Wohnorte

Im Frühling 2015 wurde in den ukrainischen Medien folgende Nachricht verbreitet: [1] „Auf einer Audioaufnahme im Fall der malaysischen Boeing wurde der GRU-Generalmajor Russlands Petrowski identifiziert“.

[2]Die von der niederländischen Staatsanwaltschaft und dem ukrainischen SBU abgefangenen und veröffentlichten Gespräche [3] über die MH-17 Katastrophe erlaubten einen ihrer Teilnehmer als Sergei Nikolajewitsch Petrowski (Dubinsky) zu identifizieren, der sich hinter dem Rufzeichen „Chmury“ versteckte. In jenem veröffentlichten Gespräch [4] sagte Chmury, dass er die Armee im April 2014 im Rang eines Generalmajors verlassen habe. „Chmury“ ist auch als „Petrowski“, „Sergei Nikolajewitsch“, „Plohoj Soldat“ und „Pianij Rodger“ bekannt. Etwas mehr Informationen über ihn kann man auf der Webseite „Myrotworez“ [5] finden. Die Freiwilligen haben festgestellt, dass der echte Name von „Chmury“ Sergei Nikolajewitsch Dubinsky ist, geb. am 9. August 1962. Er war der sogenannte „stellvertretende DVR-Verteidigungsminister“, „Leiter der Aufklärung der DVR-Armee“ und „Held Neurusslands“.

Aber alles der Reihe nach.

Aus verständlichen Gründen hat so eine Person wie „Chmury“ unser Interesse geweckt. Darum begaben wir uns auf den Weg ins Dorf Welikaja Nowoselka, das im Westen des Donezker Gebiets der Ukraine liegt. Dort verlief die Kindheit von Sergei Dubinsky, dort lebte er mehrere Jahre vor dem Beginn der Militäraggression Russlands gegen die Ukraine. Über die verschiedenen „Etappen seines großen Wegs“ und über vieles andere erzählten uns seine Freunde, deren Namen wir natürlich nicht nennen können.

Die Familie Dubinsky kannten in Welikaja Nowoselka sehr viele. Der Vater war ein Ingenieur, die Mutter – eine Lehrerin. Beide sind nicht mehr am Leben. In 1980-90ern diente Sergei bei den Streitkräften der UdSSR und später – bei den russischen Streitkräften. 1985-87 war er der stellvertretende Kommandeur und später Kommandeur einer Aufklärungskompanie des 181. motorisierten Schützenbataillons in Kabul (Afghanistan). Den Worten seiner Freunde nach, wurde er mit den Orden „Roter Stern“ und „Für den Vaterlandsdienst bei den Streitkräften der UdSSR“ ausgezeichnet.

1997 kündigte Sergei Dubinsky und ging in Rente, bis 2002 lebte er im Rostower Gebiet Russlands. Später ließ er sich von seiner Frau scheiden, er hat eine Tochter und einen Sohn. Im Frühling 2002 wurde er im Rang eines Oberstleutnants aus der Reserve des Südlichen Militärbezirk Russlands einberufen und zum Dienst im Verband der Vereinten Kräftegruppierung am Nordkaukasus entsendet. 2002-2004 diente er als Kommandeur der 974. Kommandantenkompanie (Einheit 22727) und als Aufklärungsleiter der 194. Kommandantenkampfgruppe. 2004 kündigte er wieder, seine persönliche Akte ging aber verloren und so blieb er de facto im Dienst. Dabei gelang es ihm trotzdem, Dokumente für die Rentenauszahlung auszufertigen – später wird das russische Gericht ihn dazu verpflichten, diese Rente an den Staat wieder zurückzuzahlen. Gerade diese Episode wurde wohl zum Ausgangspunkt für seine spätere Teilnahme am Krieg im Donbass.

2005 zog er zu seiner Mutter nach Welikaja Nowoselka. Wie uns seine Freunde erzählten, hatte er nach der Scheidung seine Dienstwohnung seiner Ex-Frau überlassen und sonst gab es keinen Platz für ihn in Russland. Also lebte er bei seiner Mutter in der Ukraine und gab seine Rente für Frauen und Alkohol aus. Das reichte meist für ein paar Tage, den Rest des Monats lebte er von der Rente seiner Mutter und lieh sich Geld bei Bekannten und Freunden. Er trank so viel, dass er den Spitznamen „Pjanyj Rodger“ („Betrunkener Rodger“) bekam. Eine Zeit lang lebte Sergei in Nowoselka und zog dann in ein kleines Häuschen im Dorf Storoschewoje. Dort lebte er bis zum Juni 2014.

2011-2012 begann im Leben von „Chmury“ eine Pechsträhne. Während einer Revision in den Einheiten des Südlichen Militärbezirks Russlands wurden illegale Rentenauszahlungen an ihn entgedeckt. Es begann eine Gerichtsverhandlung – am Ende wurde „Chmury“ verpflichtet, die Rente, die er seit 2004 bekam, zurückzuzahlen. Dubinsky wandte sich ans Kommando des Südlichen Militärbezirks Russlands mit der Bitte, seine persönliche Akte wiederherzustellen und seine Kündigung zum Renteneintrirtt rechtskräftig zu beurkunden. Zur Lösung dieser Fragen wandte er sich im März 2012 an die Personalabteilung des Südlichen Militärbezirks Russlands, wo er der Einheit 11659 (22. Speznas-Brigade GRU Russlands, Dorf Stepnoj, Rostower Gebiet) zugewiesen wurde – dort sollte er auf die Kündigung vorbereitet werden.

Im April hatte „Chmury“ seinen Kopf durchgesetzt und wurde im Rang eines Obersts entlassen. Dabei stand er in den Personallisten seiner Einheit nur fiktiv, denn während dieser ganzen Zeit lebte er faktisch auf dem Territorium der Ukraine. Höchstwahrscheinlich hatte Dubinsky irgendwelche Beziehungen in der Einheit, denn solche Privilegien sind ganz und gar nicht üblich. Im Gegenzug gelangte er auf die Listen der „Donbass-Urlauber“ des GRU Russlands, der sich damals auf die Aggression gegen die Ukraine vorbereitete. Als Bestätigung dafür kann die hastige Abfahrt von „Chmury“ nach Russland im Juni 2014 und sein darauffolgendes Auftauchen in Slowjansk in Gesellschaft seines Kampfgefährten aus der Zeit der Zweiten Tschetschenischen Kampagne Igor Strelkow-Girkin dienen. In Slowjansk wurde er zum „stellvertretenden Kommandeur der DVR-Armee“. Auf dem besetzten ukrainischen Territorium stellte Sergei Dubinsky eine Speznas-Kompanie und eine Aufklärungsabteilung auf, deren Stab sich zunächst in Kramatorsk befand. Später stellte er auf der Basis seiner „Abteilungen“ die sogenannte „Hauptverwaltung für Aufklärung der DVR“ auf, die er auch leitete.

Anfang 2015 verliess „Rodger“ die „DVR“ und begab sich endgültig nach Russland.

In Welikaja Nowoselka erzählte man uns, dass Sergei Dubinsky einen Bruder hat, Roman Dubinsky, geb. 1967, Staatsbürger der Ukraine, verheiratet, der zurzeit ruhig in Kiew lebt, wo er die von ihm gegründete „Flora-Engineering“ GmbH leitet. Diese Angaben werden durch das Staatsregister der juristischen Personen bestätigt.

Womöglich ist es für viele interessant, wie es kommen konnte, dass eine derartig ominöse Persönlichkeit nicht ins Blickfeld der ukrainischen Geheimdienste geraten ist. Leider haben wir keine eindeutige Antwort auf diese Frage – wir haben nur festgestellt, dass nach seiner Abreise nach Russland „Chmury“ spurlos verschwunden war. Aber nur für eine Zeit lang – bis es uns gelungen ist, seine neue Adresse in Russland zu finden:

Molodeschnaja Straße 4W, Dorf Bolschoj Log, Aksayski-Bezirk, Rostower Gebiet, Russland. Koordinaten: 47°18’15.8″N 39°54’49.7″E. Hier ist ein Foto von dieser Adresse bei GoogleMaps (das Foto ist von 2012):

[6]

Somit bieten wir allen Interessenten die Möglichkeit an, unseren „Held“ zu besuchen: Von Journalisten bis zum Staatsanwalt, der Dubinsky eine Gerichtsvorladung überreichen kann. Wir rufen auch die Weltgemeinschaft dazu auf, in erster Linie diejenigen, die ihre Nahestehenden in der MH-17 Katastrophe verloren haben, diesen „neurussischen Patrioten“ zu besuchen und ihm in die Augen zu schauen.


Dieses Material wurde von Oleh Baturin [7] und Sergei Petrenko exklusiv für InformNapalm [8] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [9]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [10] )

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