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„Dumme“ Bomben für die Syrer: Eine Entlarvung der mythischen russischen Präzisionswaffen

InformNapalm stellt seinen Lesern einen Artikel vor, der von unseren Freunden von der Nachrichtenagentur „Newsader“ [1] vorbereitet wurde. Der Artikel beinhaltet viele interessante charakteristische Details der „dummen“ Bomben und „präzisionsfreien Waffen“, welche Russland bei der Militäroperation in Syrien einsetzt.

Der Hof eines Wohnhauses in der georgischen Stadt Gori ist der Schlüssel, um zu verstehen, ob die aktuellen Luftschläge der russischen Luftstreitkräfte in Syrien so „präzise“ sind wie das russische Verteidigungsministerium versichert. Genau das besagte Objekt wurde durch die russischen Luftstreitkräfte während der Aggression gegen Georgien 2008 angegriffen. An jenem Tag im August hatte der russische Pilot eine Panzerkolonne im Visier, verfehlte das Ziel allerdings und traf das Haus, berichtet Reuters.

„Kann man sagen, dass ihre Angriffe genau waren? Ich denke nicht“, sagt Awtandil Macharadse, ein Bewohner der Stadt Gori, während er vor dem neu erbauten Gebäude steht. Vorher gab es dort Ruinen zu sehen, die durch die russische Bombardierung entstanden waren.

Bis zum Beginn der Intervention in Syrien war der russisch-georgische Krieg die letzte Operation, bei der Moskau Luftangriffe geflogen hatte. Es gibt gewisse Unterschiede zwischen diesen beiden Operationen: Die syrischen Gegner Assads, die der Kreml versucht anzugreifen, haben keine Flugabwehrraketen, was den Russen erlaubt, etwas genauer zu zielen. Es gibt allerdings auch eine Gemeinsamkeit, welche die russische Operation in Syrien verständlicher macht, weil diese sich einer vollwertigen Analyse vom Boden aus entzieht, wo intensive Kämpfe zwischen Rebellen und regierungstreuen Truppen stattfinden.

Zuallererst ist nach drei Bombardierungen und deren Ergebnissen eines klar: Die russischen Luftstreitkräfte setzen hauptsächlich alte „dumme“ (ungelenkte, Anm. d. Übersetzers) Bomben aus sowjetischer Produktion ein, obwohl präzisionsgelenkte Waffen bei den Truppen vorhanden sind. Die Schlussfolgerung ergibt sich aus der Anzahl der Opfer der Luftangriffe in der Zivilbevölkerung. Verschiedenen Einschätzungen nach gibt es 60 bis über 100 Tote, einige Dutzend davon sind Kinder.

Das russische Verteidigungsministerium hat auf eine Anfrage betreffs der quantitativen Genauigkeit der Luftschläge in Syrien nicht reagiert, behauptet allerdings das russische Piloten niemals Ziele in dichtbewohnten Gebieten angreifen.

„Wir beobachten und untersuchen solche Behauptungen sehr genau [..]. Bevor ein Objekt der Terroristen zerstört wird, überprüft man die Information mehrfach und über mehrere Kanäle. Erst wenn wir 100-prozentig sicher bezüglich des Objekts sind, greifen die Luftstreitkräfte die Infrastruktur des IS mit präzisionsgelenkten Bomben an“, sagte der offizielle Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums, General-Major Igor Konaschenkow.

Fehlschläge

Batu Kutelija, der während des Konflikts 2008 Stellvertreter des georgischen Verteidigungsministers war, gab an, dass 50 Prozent der russischen Luftschläge auf georgischem Territorium ihre Ziele verfehlten und dass 40 Prozent der eingesetzten Bomben Blindgänger waren.

„Die russische Armee ist ein Erbe der sowjetischen Armee und für diese hatte die Zielgenauigkeit der Angriffe niemals eine hohe Priorität“, behauptete Kutelija in einem Interview.

Abgesehen von dem Vorfall im Wohngebiet erzählen georgische Beamte von Angriffen, bei denen ein Krankenhaus in Gori und ein öffentlicher Platz der Stadt getroffen wurden. Außerdem gab es Angriffe auf die Küstenverteidigung des Hafens von Poti sowie auf das Erholungsgebiet in Borschomi, wobei durch die russischen Bombardierungen mehrere hundert Hektar Wald abbrannten.

Am 12. August 2008 wurde ein weißes gepanzertes Fahrzeug mit einer Gruppe von Journalisten von Reuters durch Splitter von Streumunition beschädigt, die über Gori abgeworfen worden war. Dabei wurde gutbegründet angenommen, dass georgische Piloten nicht verantwortlich sein konnten.

Allerdings gibt es nachwievor keine zuverlässigen genauen Daten darüber, wie viele Zivilisten durch die russischen Luftangriffe in Georgien getötet wurden.

Man muss festhalten, dass auch Streitkräfte anderer Länder einige Mal verantwortlich für fehlgeleitete Luftangriffe auf Zivilisten waren. Dies geschah mehrfach im Rahmen von Luftoperationen der NATO und USA im Irak, Afghanistan, Jemen, Libyen und im Kosovo.

Erst vor kurzem starben durch einen Luftangriff der USA auf ein Krankenhaus in der Stadt Kundus mindestens 23 Menschen. Später hieß es, dass der Angriff auf das Krankenhaus auf Informationen von afghanischen Kräften beruhte, wobei sich unmittelbar im Krankenhaus Terroristen aufgehalten hätten.

Ein Vertreter des afghanischen Innenministeriums, Sedik Sediki sagte damals: „Etwa 10 bis 15 Terroristen hatten sich nachts in dem Krankenhaus versteckt und wurden daher angegriffen. Alle Terroristen, die sich dort aufhielten, wurden getötet, aber auch Ärzte. Wir werden alles tun, um die Sicherheit der Ärzte bei der Arbeit zu gewährleisten.“

Der Kommandeur der internationalen Streitkräfte in Afghanistan (Missionen „ISAF“ und nun „Resolute Support“) John Campbell entschuldigte sich beim Präsident von Afghanistan für den Luftangriff auf das Krankenhaus. Das Pentagon seinerseits versprach eine Untersuchung des tragischen Vorfalls.

Der Hauptunterschied der Vorfälle, die NATO- und US-Luftstreitkräfte oder russische Luftstreitkräfte verursacht haben besteht darin, dass der Westen offen seine Verantwortung am Tod von Zivilisten zugibt und in einigen Fällen entsprechende Untersuchungen durchführt. Die russische Seite dagegen besteht immer auf ihrer Unschuld und verweigert jegliche Aktionen, die zur Aufklärung der tatsächlichen Vorfälle beitragen könnten.

Sowjetische Karten

Georgische Militärangehörige sowie westliche Experten haben drei Gründe genannt, weswegen Russland sich für eine Verwendung von präzisionsgelenkter Munition entschieden hat.

Erstens, es ist Russland nicht gelungen die Flugabwehr Georgiens schnell auszuschalten. Nachdem eine georgische Raketenbatterie eine Tu-22 (Anm. d. Übers.: Die Tu-22(M) ist ein überschallfähiger Bomber, Aufklärer und Abschussplattform für Marschflugkörper) abgeschossen hatte, waren andere Piloten gezwungen, höher und schneller zu fliegen, was eine verringerte Treffergenauigkeit bedeutet.

In Syrien gibt es diese Einschränkungen nicht, da die Rebellen nicht über Waffensysteme verfügen, um strahlgetriebene Flugzeuge abzuschießen.

Der zweite Grund ist die fehlende Kompetenz der russischen Piloten.

Kutelija, ehemaliger Stellvertreter des georgischen Verteidigungsministers, behauptet, dass die russischen Luftstreitkräfte die Operation basierend auf alten sowjetische Karten durchgeführt haben, da es an aktuellen kartographischen Aufklärungsdaten mangelte. Seiner Einschätzung nach sind es genau die Abweichungen zwischen altem Kartenmaterial und der realen Situation auf dem Boden, die zu den vielen fehlgeschlagenen Angriffen führten.

Das Institut für Strategische Studien der USA hat in einem Bericht 2011 Folgendes festgestellt: Russland hat den militärischen Flughafen Wasiani bei Tbilissi aus der Luft zerstört, obwohl der Flughafen seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht militärisch genutzt worden war. Andererseits hat Russland dem Bericht zufolge nicht das Risiko auf sich genommen, die georgische Militärbasis bei Gori aus der Luft anzugreifen. Die Basis wurde erst nach dem Eintreffen russischer Bodeneinheiten zerstört.

Russische Offizielle behaupten, dass man in Syrien Aufklärungsdrohnen und Satellitenaufnahmen für die Zielbestimmung verwendet und dass ein Austausch von Aufklärungsdaten mit den Regierungstruppen stattfindet.

Präzisionsgelenkte Munition

Das dritte Problem, mit dem die russischen Streitkräfte im Krieg gegen Tbilissi konfrontiert wurden, ist die technische Abhängigkeit von konventioneller, ungelenkter Munition. Diese Einschränkung konnte die russische Armee auch in Syrien nicht überwinden, was aus den Ergebnissen der Bombardierungen hervorgeht.

In Georgien hatte man vorzugsweise die Frontbomber Su-24 und Su-25 aus Sowjetzeiten eingesetzt. Die waren ausschließlich mit ungelenkten Waffen (für Bodenangriffe, Anm. d. Übers.) ausgestattet, da das Navigationssystem GPS außer Funktion gesetzt worden war und das russische Pendant GLONASS noch nicht in Betrieb war.

Zum Zeitpunkt der Operation in Syrien war GLONASS einsatzfähig und wurde aktiv verwendet: Der neueste Frontbomber, die Su-34, welche 2014 bei den Streitkräften eingeführt wurde, hat präzisionsgelenkte Waffen abgeworfen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden Marschflugkörper des Typs „Kaliber“ von der russischen Marine im Kaspischen Meer verschossen.

Nichtsdestotrotz betonen Analytiker von Reuters, dass Moskau die neuen Waffensysteme eher sparsam verwendet. Bezeichnend ist, dass seit dem Start von 26 Marschflugkörpern am 8. Oktober 2015 einschließlich der vier abgestürzten Flugkörper, keine weiteren Starts erfolgt sind.

Außerdem gibt es unter den insgesamt 50 Flugzeugen der russischen Luftflotte in Syrien lediglich vier (oder weniger) der neuesten Su-34, die die neuen „Smart-Bomben“ führen, behauptet Aleksandr Golz, Kommentator und stellvertretender Hauptredakteur des Internet-Mediums „Eschednewnyj Schurnal“ (russ. Tagesanzeiger). Den Löwenanteil der Angriffe wird durch Su-24 und Su-25 getragen, welche alte sowjetische Bomben einsetzen.

„Der große Vorteil präzisionsgelenkter Waffen besteht in der höheren Trefferwahrscheinlichkeit“, sagt Nick de Larrinaga von dem auf Verteidigung und Waffensysteme spezialisierten Consulting-Unternehmen IHS Aerospace, Defence and Security.

„Nachteilig ist bei diesen Waffen der weitaus höhere Stückpreis“, sagt er abschließend.

Zivile Opfer der russischen Luftangriffe in Syrien

Seit weniger als vier Wochen, also seit dem Beginn der russischen Luftoperation ist eine Menge Information darüber vorhanden, dass durch die russischen Luftschläge zunehmend mehr Zivilisten sterben. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass den Russen sowohl präzise Waffensysteme als auch präzise Aufklärungsdaten fehlen – zumindest bezogen auf die offiziellen Zahlenangaben des russischen Militärs.

Die Nachrichtenagentur Qasioun berichtet regelmäßig über Zerstörungen im zivilen Sektor nach russischen Angriffen. An manchen Tagen gehen mehrere solcher Meldungen ein. In einer davon, vom 25. Oktober 2015, heißt es, dass nach Luftschlägen in einer ländlichen Gegend der Provinz Idlib mindestens drei Menschen starben – eine Frau und zwei Kinder.

Im Video unten sind den Kommentaren nach Kinder auf der Flucht vor russischen Luftangriffen in einem speziellen Fahrzeug zu sehen.

Luftangriffe in Wohngegenden sind derart intensiv, dass es trotz der großen Schwierigkeiten bei der formalen Registrierung solcher Vorfälle der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) gelungen ist, mindestens zwei solcher Angriffe festzustellen. Diese fanden am 15. Oktober 2015 in Norden der syrischen Provinz Homs statt und stellen Verstöße gegen das Genfer Abkommen dar. Bewohner vor Ort sind davon überzeugt, dass es sich um russische Flugzeuge handelte: Das Triebwerkgeräusch und die Flughöhe unterscheiden sich von syrischen Flugzeugen.

Zurzeit beträgt die Zahl ziviler Opfer durch Bombardierungen mindestens 59, darunter 33 Kinder. Human Rights Watch hat Russland zu einer Untersuchung dieser Vorfälle aufgerufen, aber Russland streitet jegliche Beteiligung ab.

„Zivilisten im Norden der Provinz Homs können sich entsprechend den vorrückenden Truppen weder verstecken noch fliehen. Russland muss sich davon überzeugen, dass es alle Mittel nutzt, um Zivilisten zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie die Möglichkeit haben Zielgebiete von syrischen und russischen Bombardierungen rechtzeitig zu verlassen“, sagte Nadim Houry, stellvertretender Direktor der Nahost-Abteilung von Human Rights Watch.

Aktivisten sagen indes, dass die zivile Bevölkerung keinerlei Vorwarnung durch das russische Militär erhielt wie es die Kriegsordnung fordert.

Bei der Analyse der durch die Luftangriffe verursachten Verletzungen ergab sich, dass Russland sogenannte „Vakuumbomben“ einsetzt. Diese Waffen verteilen zunächst ein brennbares Material in Form von Aerosol. Diese Wolke wird gezielt gezündet, wobei die Explosion eine Stärke wie die kleinsten taktischen nuklearen Sprengköpfen aufweist, ohne die Strahlungseffekte.

„Russland berichtet von punktgenauen Angriffen, aber die Aussagen von Zeugen vor Ort und Videoaufzeichnungen zeigen, dass viele Zivilisten getötet wurden“, stellt Houry fest. „Russland muss alles unternehmen, um Zivilisten vor seinen Luftangriffen zu schützen.“

Der Presse-Sprecher des Kremls, Dmitrij Peskow, hat nach der ihm eigenen Art die Behauptungen über eine Verantwortung Russlands für zivile Opfer als „Zeitungsente“ bezeichnet.

„In den letzten Tagen haben wir sehr viele Meldungen, „Zeitungsenten“ und haltlose Behauptungen registriert über Konsequenzen der russischen Luftoperation in Syrien“, sagte der Staatsbeamte.

Innerhalb von nur drei Wochen hat die russische Luftoperation 370 Tote gekostet, ein Drittel davon sind Zivilisten, berichten syrische Menschenrechtsbeobachter. Entsprechende Berichte und Zahlen wurden am 23. Oktober veröffentlicht und man muss annehmen, dass seit dem noch mehr Zivilisten durch russische Bombardierungen umgekommen sind.

Das Fiasko der Moskauer Militärintervention in Syrien

Parallel dazu hat die syrische Opposition und US-amerikanische Experten mehrmals gesagt, dass die Militärintervention des Kremls bei einer Dauer von knapp vier Wochen keinerlei sichtbare (militärische, Anm. d. Übers.) Ergebnisse bewirkt in einem Konflikt, der bereits fünf Jahre andauert. Anfänglich hat das Verteidigungsministerium die Intervention positioniert als Mittel zur Unterstützung der Bodentruppen Baschar Assads. Aber die syrische Opposition hat die Offensive der regierungstreuen Kräfte von Damaskus, des Irans und der Hisbollah praktisch gestoppt und ihnen mit Hilfe von US-amerikanischen Panzerabwehrsystemen große Verluste zugefügt. Diese Systeme und die Munition dazu werden auf dem Luftweg durch Transportflugzeuge der USA geliefert.

Unlängst hat die Nachrichtenagentur Qasioun gemeldet, dass alleine bei der Front von Aleppo, wo regierungstreue Truppen eine großangelegte Offensive gestartet hatten, die Angreifer mehr als 200 Soldaten verloren haben. Genaue Zahlenangaben zu Verlusten von Militärgerät auf Seiten der Pro-Assad-Truppen fehlen noch. Es ist aber bekannt, dass an einem Tag (oder im Verlauf weniger Tage) die gemäßigte Opposition bei Kämpfen um Aleppo fünf Panzer und drei gepanzerte Schützentransporter zerstört hat, sowie eine Drohne russischer Herstellung abgeschossen und dabei 35 Soldaten des Gegners getötet hat [3](russ.).

Berichten aus Kampfgebieten zufolge haben Pro-Assad-Truppen in den betroffenen Gebieten nicht einmal taktische Siege errungen: Nach wochenlangen Kämpfen können sie nachwievor die strategische Straßenverbindung zwischen Damaskus und Aleppo nicht kontrollieren.

Militärexperten der Gruppe „Informationswiderstand“ bestätigen [4], „die Offensive der syrisch-iranischen Truppen unterstützt durch russische Luftstreitkräfte kommt, gelinde gesagt, nicht vorwärts“. Analytiker haben „schwache Koordination“ der der Pro-Assad-Truppen untereinander und fehlende operative Reserven festgestellt.

Nach Angaben des IW hat das Kommando der angreifenden Kräfte einige Faktoren nicht mit in die Planung einbezogen wie die starke Zunahme der Unterstützung der Rebellen durch die USA und Verbündete, „Probleme mit der Logistik hinter der Front“, eine relativ niedrige Effektivität der russischen Operation , schlechte Koordinierung zwischen iranischen und den Truppen Assads und die niedrige Kampfmoral der Regierungstruppen.

„Praktische Beispiele dieser „Offensive“ sprechen eine deutliche Sprache“, schreiben die Autoren abschließend in ihrem Bericht. „Im Verlauf der letzten zwei Tage hatte alleine die kombinierte iranische Expeditionsbrigade 412 „Militärberater“ verloren. Das entspricht einem Bataillon der iranischen Revolutionsgarde, „Armeerentnern“ und iranischen „Freiwilligen“. Pro Tag bewegten sich Assads Sturmtruppen im Vorort Joubar (nordwestlicher Teil von Damaskus) um ganze 500 Meter vorwärts“, stand in einem aktuellen Bericht des IW.

Dabei führen die Experten von IW auch an, dass Russland sich genötigt sah, acht gebrauchte, türkische Hilfsschiffe für den Gütertransport nach Syrien zu kaufen. Außerdem seien Produktionskapazitäten des russischen Rüstungssektors nicht ausreichend für die Luftoperation. Der Autor des Berichts stellt fest, dass das russische Unternehmen „Taktische Raketensysteme“ nun in drei Schichten arbeitet, obwohl man es alles andere als mit einem globalen Konflikt zu tun hat.

„Es scheint, dass eine einmonatige Operation in einem fernen, heißen Land das Unternehmen dazu zwingt in drei Schichten zu arbeiten, da Waffen aufgebraucht worden sind bzw. Nachschub notwendig ist. Offensichtlich ist damit nicht gesagt, dass sämtliche Raketen verschossen worden sind, aber alleine die Tatsache einer solchen Umstellung bei einem überschaubaren Konflikt spricht für sich selbst. Hinzu kommt, dass das Gros der durch die russischen Luftstreitkräfte eingesetzten Waffen keine präzisionsgelenkten Raketen sind, sondern alte Bomben des Typs OFAB-250-270“, schreibt der Analytiker (Anm. d. Übers.: OFAB-250-270 ist eine sowjetische freifallende Bombe mit Splitter-Sprengwirkung in einem signifikanten Radius).

Er bewertet es kritisch, dass russische Schiffe den Beschuss mit Marschflugkörpern in den letzten drei Wochen nicht wiederholt haben.

„Es ist möglich, dass es keine weitere Notwendigkeit gab, aber die Verwendung von nur 26 dieser furchteinflößenden Waffen sieht seltsam aus vor dem Hintergrund von über 900 Flugeinsätzen der Luftstreitkräfte“, bemerkt der Experte und ergänzt, dass die Waffen auf veralteten sowjetischen Anlagen gefertigt werden.

Das Konstruktionsbüro „Novator“ befinde sich in einer sehr deprimierenden Lage. Eine Generalüberholung der hochgradig abgenutzten Anlagen habe erst eben begonnen und mehr als 56 Prozent der Anlagen für die Herstellung des „Kaliber-NK“-Marschflugkörpers seien älter als 20 Jahre, heißt es in dem Bericht.

Der Autor sagt zusammenfassend Folgendes über die aktuelle Operation in Syrien: „[Das ist] der Versuch mit neuesten in begrenzter Anzahl auf veralteten Anlagen hergestellten Raketen den Westen einzuschüchtern. Gleichzeitig führt ein einzelner Zerstörer (der USA, Anm. d Red. Newsader) bis zu 90 Tomahawk-Marschflugkörper.“

Die Erfolge der syrischen Opposition hängen damit zusammen, dass sich Washington und Riad Anbetracht der russischen Intervention in Syrien auf eine verstärkte Unterstützung der Aufständischen geeinigt haben. Die entsprechende Übereinkunft wurde vom US-Außenminister John Kerry und dem saudischen König Salman ibn Abd al-Aziz getroffen. Hintergrund dafür ist, dass die Gegner Assads die vorgebliche russische „Unterstützung“ abgelehnt hatten. Die Rebellen, die seit vier Wochen russischen Angriffen ausgesetzt sind, haben den Vorschlag des Kremls sehr skeptisch aufgefasst. Einer der Anführer der Freien Syrischen Armee (FSA), Faris Bajusch, sagte, „Russland soll die Bombardierungen der Kommandostellen der FSA einstellen, bevor man uns Hilfe anbietet, um die wir nicht gebeten haben.“

Auf dem Foto [6] (Human Rights Watch) ist sogenannte Streumunition bzw. ein Bomblet zu sehen, welches von einer Kassettenbombe stammt, die in Syrien abgeworfen wurde

Quelle: Aleksandr Kuschnarj, Newsader [1]; übersetzt von Viktor Duke [7]