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Ein Söldner der IBF „Somali“ bildet russische Militärangehörige der 7. Militärbasis in Abchasien aus

Im Laufe einer weiteren OSINT-Untersuchung hat InformNapalm im Profil eines russischen Söldners der illegalen bewaffneten Formation (IBF) „Somali“ namens Ewgenij Sobolew Fotos entdeckt, auf denen er sich als Schießinstrukteur vor russischen Militärangehörigen zeigt, was indirekt auf seine eventuelle Zugehörigkeit zu regulären Streitkräften Russlands hinweist.

Diese Fotos wurden auf dem im Gebirge gelegenen Truppenübungsplatz Zebelda im Bezirk Gulripschski des besetzten Abchasiens aufgenommen. Dieser Truppenübungsplatz gehört zur 7. russischen Militärbasis (Militäreinheit 09332, Gudauta, Abchasien, Georgien) und wird aktiv zur Kampfausbildung und Vorbereitung sowie Schießübungen der motorisierten und aufklärerischen Abteilungen dieses Besatzerverbandes der 49. Armee des Heeres des Südlichen Militärbezirks Russlands genutzt.

Auf den Fotos ( 1, 2, 3 ), die am 10. Juni 2017 ins Profil von Sobolew hochgeladen wurden, sind individuelle Feuervorbereitungsübungen für die Soldaten der 7. Militärbasis auf dem Truppenübungsplatz Zebelda festgehalten. Der Instrukteur Sobolew zeichnet sich von den Schülern deutlich ab. Er ist in eine unvorschriftsmäßige Uniform und eine modernisierte Schutzweste gekleidet, besitzt eine standardmäßige Aluminium-Feldflasche und trägt eine Armbinde mit der Aufschrift „Leiter der Übungen“. Auf einem der Fotos haben wir außerdem ein grünes Schild entdeckt: „Schulung der Treffsicherheit“.

 

Anmerkung: Gerade Anfang und Mitte Juni 2017 berichteten russische Medien über eine intensive Einzelvorbereitung von Militärangehörigen der 7. Militärbasis und einen monatlichen Feldzug der Abteilungen dieses Truppenverbandes unter Teilnahme von erfahrenen Instrukteuren, darunter auch auf dem Truppenübungsplatz Zebelda.

Ewgenij Sobolew (Anatolij Terentjew)

In sozialen Netzwerken:

Im Februar 2017 wurde E.Sobolew in die Datenbank von „Myrotworez“ eingetragen, im Status eines russischen Söldners aus der Stadt Joschkar-Ola, der am Krieg im Donbas beteiligt war. In der Datenbank gibt es aber nur die Links zu seinem Profil und zu einer Gruppe der „Föderation der Kampf-Sambo Russlands“ in Joschkar-Ola.

Anmerkung: Den Stammlesern von InformNapalm könnten die Fotos mit Ewgenij Sobolew bekannt vorkommen – und das stimmt auch. Sobolew war abgebildet auf Gruppenfotos der „aufständischen Bergarbeiter“ in unserem Artikel „Russian Army conscript seen in Donbas“ vom 13. Dezember 2016, in dem es um die Identifizierung eines Militärangehörigen der russischen Armee handelte, der sich als „DVR-Söldner“ namens Dikyj ausgab.

Ausgehend von der Analyse der Angaben über E.Sobolew können wir behaupten, dass er 2012-2013 seinen Wehrdienst bei den russischen Luftlandetruppen leistete, und zwar in der 83. Luftsturmbrigade (Militäreinheit 71289, Ussurijsk). Während seines Wehrdienstes nahm er an internationalen Manövern des Lehrzentrums in Spassk teil. Im Sommer 2015 begab er sich als Söldner auf den Weg in den Donbas.

Wir nehmen an, dass seine Luftlandetruppen-Erfahrung Sobolew geholfen hatte, „Karriere“ in der Bandenformation „Somali“ zu machen, in der er als wertvolles Personalmitglied angesehen wurde, von den russischen Betreuern bald zu einem Zeitsoldaten der russischen Streitkräfte befördert und einer Abteilung der 7. Militärbasis zugeteilt wurde – mit dem dreifachen Lohn, der allen regulären russischen Soldaten, die im Donbas kämpfen, zusteht. Unsere Annahme über die Zugehörigkeit von Sobolew zur 7. Militärbasis wird auch durch seine zahlreiche Kontakte in sozialen Netzwerken bestätigt – viele von ihnen sind russische Zeitsoldaten, die in Aufklärungsabteilungen in Abchasien dienen.

In diesem Kontext möchten wir daran erinnern, dass die russische 7. Militärbasis nicht nur ein Truppenverband der russischen Streitkräfte ist, der eine Region Georgiens besetzt hatte, sondern auch einer der meist kämpfenden Truppenverbände der russischen Armee ist.  Informationen über die Beteiligung von Militärangehörigen dieser Basis am Krieg im Donbas ist in über 30 (!) OSINT/HUMINT-Untersuchungen von InformNapalm vorhanden. Dies sind sowohl frühere „rostow-ukrainische Dienstreisen“ der taktischen Kampfgruppen und Artillerie im Sommer-Herbst 2014 als auch spätere individuelle „Dienstreisen“ von Zeitsoldaten dieser Basis in den Jahren 2015 und 2016 (siehe. 1, 2, 3).

Wir betonen, dass selbst wenn unsere Annahme über die Zugehörigkeit von Sobolew zur Militäreinheit 09332 falsch sein sollte, die Tatsache bestehen bleibt, dass ein russischer Söldner, der im Osten der Ukraine gekämpft hatte, nun aktiv an der Ausbildung des Personalbestands der 7. Militärbasis der russischen Streitkräfte beteiligt ist, deren Militärangehörige im besetzten Teil des Donbas mehrmals registriert wurden.

Klicken Sie auf das Plus-Zeichen, um den Text auszuklappen:

  • Bestand und Bewaffnung der 7. Militärbasis

    Die 7. Militärbasis (Militäreinheit 09332, Gudauta, besetztes Abchasien, Georgien) der 49. Armee des Südlichen Militärbezirks Russlands wurde nach der russischen Invasion Georgiens von 2008 im Jahr 2009 aufgestellt. Die Basis wurde auf der Basis der 131. selbständigen motorisierten Schützenbrigade aus Maikop aufgestellt, die bei der Erstürmung von Grosny am Silvester 1994-1995 durch tschetschenische Aufständische zerschlagen worden war.

    Die Struktur dieses Besatzungstruppenverbandes in Abchasien schließt eine Landkomponente in Form einer verstärkten schweren Brigade mit ein: 4 motorisierte Schützenbataillons, Panzerbataillon, 2 Artilleriedivisionen, je eine Raketenartilleriedivision, Scharfschützenkompanie, Drohnenkompanie und Aufklärungsbataiilon sowie weitere selbständige Abteilungen und Logistik-Einheiten. Der Personalbestand ist nach einem gemischten Prinzip komplettiert worden – mit Wehrdienstleistenden und Zeitsoldaten. Alle Versuche des Kommandos, die Basis ausschließlich mit Zeitsoldaten zu komplettieren, waren erfolglos. So wurde nur ein motorisiertes Schützenbataillon zu 100% aus Zeitsoldaten vervollständigt, das den Kern einer Kampfgruppe in Bataillonstärke bildet, die regelmäßig zu Angriffen gegen die Ukraine im Donbas hinzuzgezogen wird.

    Die Hauptbewaffnung der Militärbasis in Gudauta sind etwa 50 St. T-72B3 Panzer (die die alten T-90 Panzer ablösten), mehr als 150 St. BTR-82 und BTR-80, 36 St. 152 mm Panzerhaubitzen „Akazija“, 18 St. Raketenwerfer „Grad“, sowie andere Waffen und Militärgerät. Die wichtigsten Truppenübungsplätze, die die Besatzer zur Kampfvorbereitung vor Ort benutzen, sind der Truppenübungsplatz Nagwalou an der Schwarzmeerküste und der Truppenübungsplatz Zebelda in den Bergen. Die Abteilungen der 7. Militärbasis, darunter auch motorisierte Schützeneinheiten, Aufklärung- und EloKa-Einheiten, verrichten ihren Dienst entlang der Linie der administrativen Grenze in der Rajon Gali und im Kodori-Tal.

    Darüber hinaus gehören zur Basis: 

    • eine Flugkommandantur, die regelmäßige Flüge von Flugzeugen und Hubschraubern der Luftwaffe Russlands zum Flugplatz in Gudauta gewährleistet;
    • eine FlaRak-Divisionen-Gruppierung (die folgende Flugabwehrmittel besitzt: FlaRak-Komplexe „Osa“, „Strela-10“) sowie ein FlaRak-Regiment bestehend aus drei Divisionen mit Flugabwehrraketensystemen S-300 (24 St.), die ihren Bereitschaftsdienst in den Orten Agudsera und Primorskoje verrichten;
    • eine funktechnische Abteilung, deren strukturmäßige Mittel auf dem Territorium des Flughafens Babuscher in Suchumi platziert sind.

     


  • Die 7. Militärbasis in InformNapalm-Untersuchungen


  • UPD Anmerkung der Redaktion: Der „Somali“-Söldner Ewgenij Sobolew (Anatoly Terentjew) bestätigte ein paar Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels unsere Annahme, dass er ein Zeitsoldat der 7. Militärbasis ist: Sobolew hat (wohl auf Empfehlung der russischen Geheimdienste, die für Informationssicherheit verantwortlich sind) die drei Fotos vom Truppenübungsplatz Zebelda aus seinem Profil gelöscht. Man kann sich leicht davon überzeugen, wenn man die Links vergleicht: Hier ist unser Archiv vom 3. Oktober 2017, mit den Fotos vom abchasischen Truppenübungsplatz – https://archive.is/ptvKl und hier ist das Archiv seines Albums vom 4. Oktober 2017, bereits ohne diese Fotos – https://archive.is/7BE7E


    Dieses Material wurde auf der Basis eigener OSINT-Untersuchung von Irakli Komakhidze exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel.

    Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich (Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 ).

    Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

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