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Folgen der „neurussischen Dienstreisen“ für die 8. Gebirgsbrigade der Streitkräfte Russlands

Das InformNapalmTeam beleuchtet weiterhin Fakten über die Beteiligung von russischen Streitkräften am Krieg im Donbass. Dabei stützen wir uns auf Angaben, die im Laufe von OSINT-Untersuchungen ermittelt wurden. Heute wird es um die „Dienstreisen“ der 8. selbstständigen motorisierten Schützen-Gebirgsbrigade (Einheit Nr. 16544, Stationierungsort: Tschetschenien, Dorf Borsoj) des Südlichen Militärbezirks der Streitkräfte Russlands gehen. Das Material wird durch Photofakten wie auch einen Briefwechsel der russischen Militärs und ihrer Nahestehenden untermauert.

Über die Beteiligung von Abteilungen der 8. Gebirgsbrigade an den Kampfhandlungen in der Ukraine berichteten wir bereits früher. In 2014, am Höhepunkt der sommerlich-herbstlichen Kämpfe im Donbass, wurde unter den russischen Abteilungen, die im Donbass kämpften, die taktische Gruppe dieses Verbandes aus Tschetschenien entdeckt. Nachdem russische Soldaten sich in der Ukraine bemerkbar machten und recht viele Spuren hinterliessen, griff das russische Kommando zu einer neuen Taktik für den Einsatz seiner Streitkräfte im Donbass [1]. Statt taktischer Gruppen aus dem Verband der standardmässigen Abteilungen begannen russische Generäle ihre Untergebenen unter den illegalen bewaffneten Formationen von „Neurussland“ zu zerstreuen.

So sehr die russische Seite aber auch versucht, die Fakten der Beteiligung ihrer Militärs am Krieg im Donbass zu verheimlichen, die Wahrheit kommt doch an den Tag. Trotz der Tatsache, dass russische Kriegsverbrecher aus ihrer Angst heraus, entdeckt zu werden und ins Blickfeld vom FSB zu geraten (was mit satten Strafen inklusive der strafrechtlichen Verfolgung droht), versuchen, ihre Zugehörigkeit zu Streitkräften Russlands auf jede mögliche Art und Weise zu verheimlichen, indem sie sich neue Profile in den sozialen Netzwerken zulegen, ihre Namen ändern, Photos löschen, und aus den Profilen alles ausradieren, was mit ihrem Dienst in der russischen Armee verbunden ist, ist es gar nicht so schwer, sie zu finden.

Heute stellen wir Ihnen drei angeblich „neurussische“ Söldner vor, die in Wirklichkeit Zeitsoldaten der 8. Gebirgsbrigade sind. Sie wurden anhand einer Reihe Faktoren und gegenseitiger Kontakte identifiziert, unter anderem auch anhand des Gruppenphotos vor einer Kaserne an ihrem Stationierungsort im Dorf Borsoj (Charakteristisch sind hier sowjetische Kasernen mit Backstein- und Betonsteinmauerwerk auf dem Gelände des ehemaligen 291. motorisierten Schützenregiments).

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1. Yaroslaw Strjapkow [6] (Archiv: Profil [7]; Archiv: Photoalbum [8]; Archiv: Freundesliste [8]) – Zeitsoldat der 8. Gebirgsbrigade. In seinem Photoalbum gibt es eine Reihe Photos aus Donbass (hochgeladen im Zeitraum Juli-September 2015), wie auch Photos aus Tschetschenien (hochgeladen zwischen März 2014 und 2015). Am interessantesten ist ein Photo auf dem Hintergrund der obengenannten Kaserne, das am 6. August 2015 hochgeladen wurde, wo seine Dienstkollegen und „Kampfgefährten“ aus Donbass erkannt wurden: die Nummer 2 Rustam Kurmukow und die Nummer 3 Wladimir Kisljakow, in deren Fotoalben wir die gleichen Photos aus dem Dorf Borsoj entdeckten und die ebenfalls im August 2015 hochgeladen wurden. Höchstwahrscheinlich entstanden diese Fotos während ihres Aufenthalts an ihrem permanenten Stationierungsort nach der Ausführung der Kampfaufgaben im Donbass (im Luhansker Gebiet der Ukraine).

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2. Rustam Kurmukow [18] (Archiv: Profil [19]; Archiv: Fotoalbum [20]; Archiv: Freundesliste [21]) – Zeitsoldat der 8. Gebirgsbrigade. In seinem Fotoalbum gibt es Fotos seines „neurussischen“ Lebens, mit den Dienstkollegen aus der 8. Gebirgsbrigade und seinen neuen Kampfgefährten aus einer IBF von „Neurussland“. Auch findet man hier ein August-Photo auf dem Hintergrund der Kaserne in Tschetschenien, wie auch ein Photo seines Truppenausweises Nr. 100 915 A mit der Angabe seiner Speziallaufbahn (Anm.: „100“- Ausbildungs- und Tätigkeitsbezeichnung der Schützenbrigaden; „915“- Dienststellung-Kennziffer: Schütze; „A“- Landetruppen der Streitkräfte Russlands) [22].

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3. Wladimir Kisljakow [38] (Archiv: Profil [39]; Archiv: Photoalbum [40]; Archiv: Freundesliste [41]) – Zeitsoldat der 8. Gebirgsbrigade. Im Fotoalbum von Kisljakow gibt es nur wenige Fotos in der Rolle eines „neurussischen“ Söldners, auch hier sind August-Photos auf dem Hintergrund der Kaserne in Tschetschenien vorhanden.

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Unter den Kontakten dieser Personen gibt es auch andere Militärs der Streitkräfte Russlands, die sich unter der Maske eines „freiwilligen“ Söldners verstecken, an ihrer Identifizierung und Aufdeckung wird noch gearbeitet.

Zusätzlich möchten wir eine Reihe Screenshots von der Seite der Gruppe „Borsoj. 291. Regiment, 8. Gebirgsbrigade, Einheit Nr. 44822 und Nr. 16544“ [47] aus dem sozialen Netzwerk Vkontakte anführen.

vk.com-8omsbr [48]– Bereits auf der ersten Seite dieser Gruppe wird in einem Post vom 16. August 2015 um einen gefallenen Soldaten getrauert, einen gewissen Dmitry Sumenkow [49]. „Trauern mit euch, Jungs. Soll dieser Krieg verdammt sein.“

 

 

 

 

 

 

 


 

ubili-2 [50]Nicht weniger interessant sind auch andere Posts in dieser Gruppe: im Abschnitt „Diskussionen“ findet man unter dem Thema „Telefonnummern. Einheit Nr. 16544“ [51] einen Briefwechsel zwischen den Nahestehenden der russischen Soldaten der 8. Gebirgsbrigade aus dem Zeitraum August-November 2014. Laut diesem Briefwechsel befand sich die Brigade zu dem Zeitpunkt bei einer Kampfaufgabe, im Laufe welcher der Bruder von Max Tschaptykow [52] getötet wurde.

 


 

byl-byly-na-Ukrayne [53]Im selben Abschnitt „Diskussionen“ unter dem Thema „Jungs, erzählt mal bitte, wie der Dienst läuft? Wo ist Plus und wo der Minus)“ [54] gibt es einen interessanten Kommentar vom ehemaligen Soldaten dieser Einheit, Alexander Tolstopjatenko [55], vom 18. Juni 2015 (Anm.d.Übers.: der Stil des Kommentars wurde beibehalten) : 

„Ein Typ hat hier zwei Verträge abgedient, kündigt nun mit Urlaub, im letzten Jahr wurde er nicht bezahlt, weggehen durfte man auch nicht, waren in der Ukraine, so sieht’s aus. Der Dienst ist nun zu Ende und kein Schwein braucht dich. Ich war gekommen, wollte dienen, hab mir die Scheisse hier angesehen, nach einer Woche wollte ich schon weg, behandeln dich wie Dreck, Bedingungen null, Essen geht so, und das in der Brigade. Im Kreiswehrersatzamt sagt man, alles sei cool, die Jungs dienen. Aber in zwei Wochen hat kein einziger Soldat, inklusive der Offiziere, gesagt, dass ihn der Dienst zufrieden macht. Alle sind grimmig. Die Lokalen dienen hier gar nicht, wurde mir so im Kreiswehrersatzamt gesagt. 50% Kasachen, 30% Kaukasier, 20% maximal sind Russen – sie leisten auch die Dienstschichten ab, sind meistens die gleichen, den anderen erlaubt es ihr Glaube nicht, das war’s im Grunde. Und auf dem Truppenübungsplatz ist wohl total Scheisse, sagen die Jungs, und dabei sind sie da jedesmal halbes Jahr lang, und es wird kein zusätzliches Geld gezahlt, keine Dienstreisekosten, nichts.“

Im selben Abschnitt unter dem Thema „Nötige Information“ [56] findet man einen Briefwechsel vom 24.-26. August 2015, zwischen einem gewissen Andrej Samojlenko [57], der einen Vertrag in der 8. Gebirgsbrigade unterzeichnen möchte, und einem ehemaligen Zeitsoldaten der 8. Gebirgsbrigade, der aufgrund seines Gesundheitszustandes bereits gekündigt hat, Anatoli Osipow [58] (der uns übrigens gut bekannt ist – wegen seiner „Für Tapferkeit“-Medaille, worüber wir im Dezember 2014 geschrieben haben [59]).

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Andrei Samojlenko: – Welche Abteilung, weiss ich noch nicht. Sie sagen, der Lohn ist dreifach. Kannst du mir deine Telefonnummer geben, möchte ein wenig über den Dienst reden?

Osipow: – Den dreifachen Lohn gibt es, aber ich bin nicht mehr in der Brigade. Habe aus gesundheitlichen Gründen gekündigt.

Samojlenko: – Gibt es Kampfhandlungen?

Osipow: – Ja, bin ohne einen Arm zurückgekommen.

Samojlenko: – Scheisse… habt Ihr oft Kameraden verloren?

Osipow: – Gab’s auch. Bruder, ich weiss gar nicht, was ich dir raten soll, aber ehrlich gesagt wünsche ich dir in Russland zu dienen, und nicht am Kaukasus.

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P.S. Wahrscheinlich ist es eine Ironie des Schicksals, aber das Vorspiel zum Lied „Man soll uns nicht bemitleiden…“ aus dem Video [66], das auf der Gruppenseite der 8. Gebirgsbrigade gepostet wurde, gibt das Schicksal des in der Ukraine verstümmelten Osipow und seiner getöteten Dienstkollegen wider, die die verbrecherischen Befehle des Militärkommandos Russlands ausführten. Man braucht sie nicht zu bemitleiden, denn sie hatten kein Mitleid. Die Soldaten der 8. Gebirgsbrigade waren im Krieg, aber wenn man sich ihre Aussagen anschaut, empfanden sie kein Gefühl des Triumphs. Allen russischen Okkupanten, ob in der Ukraine oder Georgien, droht das gleiche Schicksal: in der Ruhmlosigkeit zu sterben oder als Invalide weiterzuleben, ohne die Möglichkeit zu haben, mit ihren Medaillen zu prahlen, die sie in einem Krieg bekommen haben, den es nicht gibt.

InformNapalm bedankt sich bei unseren Freunden und Kollegen aus dem „Myrotworez“-Zentrum [67] für die Bereitstellung der Information zu den obengenannten Personen.

Die 8. Gebirgsbrigade wurde im Kontext „rostow-ukrainischer“ Dienstreisen mehrmals von uns registriert, siehe unter folgenden Links:

„8. Gebirgsbrigade der Streitkräfte Russlands in der Ukraine“ [68], 22. September 2014 (deutsch);

„Aufklärungsabteilungen der 8. Gebirgsbrigade an der Grenze zur Ukraine“ [69], 8. Oktober 2014 (russisch);

“Show Must Go On” [70], 30. Oktober 2014 (englisch);

„Für Tapferkeit“-Medaille“ [59], 9. Dezember 2014 (deutsch);

„8. Gebirgsbrigade der Streitkräfte Russlands im Verband der LVR-“Volksmiliz“ [71], 17. Juli 2015 (deutsch).

Dieses Material wurde von Irakli Komaxidze [72] exklusiv für InformNapalm [73] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [74]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unser Projekt erforderlich.