Die ganze Welt vereinte sich in ihrer Forderung an die Militärführung Russlands, die ukrainische Pilotin Nadeschda Sawtschenko aus dem Gefängnis zu entlassen. Die Diplomaten setzen sogar Drohungen in Form von Sanktionslisten bezüglich Personen ein, die sich unmittelbar an dem Prozess beteiligten. Zur jetzigen Zeit wurde die „Sawtschenko-Liste“ noch nicht in Kraft gesetzt, denn faktisch gab es noch gar kein Urteil, aber allem Anschein nach läuft alles darauf hinaus, dass am 21.-22. März 2016 die Entscheidung des Gerichts verkündet wird. Trotz aller Lücken und Unstimmigkeiten der Anklage, die mehrmals durch Fakten, die von der Verteidigung von Sawtschenko bereitgestellt worden waren, zerschlagen wurden, fordert die russische Staatsanwaltschaft ab 23 Jahre Haftstrafe für Nadeschda.
Die sogenannte „Sawtschenko-Liste“ der EU ist eine Kopie der anderen Liste, die bereits am 24.02.2015 veröffentlicht worden war. Zu dem Zeitpunkt waren in dieser Liste aber 35 Namen angeführt, die EU-Diplomaten kürzten die Liste auf 29 Personen, wobei sie die ganze „Elite“ mit Putin an der Spitze auf der Liste stehen gelassen haben. Die Liste besteht aus Aufzählungen von Namen und Dienststellungen, die einem Durchschnittsbürger im Grunde wenig zu sagen haben.
Also, ersteinmal die Richter im Sawtschenko-Fall, die in die vorläufige Sanktionsliste der EU gekommen sind:
I Die erste Partie besteht aus Richtern aus Woronesch, die sich mit ihren Entscheiden gleich nach der rechtswidrigen und erzwungenen Ausfuhr von Sawtschenko auf das Territorium Russlands ausgezeichnet hatten.
Litowkina Tatjana Alexandrowna – Richterin am Gebietsgericht in Woronesch, leitete die Sitzung des Berufungsgerichts zum Fall N. Sawtschenko am 25.07.2014. Hat die Berufung der Anwälte bezüglich der Haftstrafe von Sawtschenko bis zum 30.08.2014 abgelehnt.
II Als nächstes kommen Moskauer Richter, die über gehörige Erfahrung verfügen und durch wichtige Gerichtsverfahren bekannt sind.
Pasjunin Jurij Anatoljewitsch – Richter am Stadtgericht in Moskau. Wies am 22.12.2014 die Berufungsklage der Verteidiger von N. W. Sawtschenko bzgl. ihres Haftaufenthalts bis zum 13.02.2015 ab.
Karpow Artur Gennadijewitsch – Richter am Landesgericht Basmannyj in Moskau. War am 10.02.2015 für die Verlängerung des Haftaufenthalts von N. Sawtschenko bis zum 13.05.2015 verantwortlich. Kommt ursprünglich aus der Militärstaatsanwaltschaft. War beteiligt am kontroversen „Jukos-Prozess“ und 2011 bis 2012 am Prozess von „Magnitskij“, wobei er einige Klagen bzgl. der Untätigkeit von Untersuchungsbehörden abwies. Im Jahr 2012-2013 nahm er am Gerichtverfahren in der Sache „Bolotnaja“ teil. Seine Präsenz auf einer weiteren Sanktionsliste wird ihm kaum ungewöhnlich vorkommen.
Mochow Andrej Walerjewitsch – Richter am Stadtgericht in Moskau. Wies am 25.02.2015 die Berufungsklage der Verteidiger von N. W. Sawtschenko bzgl. ihres Haftaufenthalts bis zum 13.05.2015 ab. Am 12.09.2012 hat er als Mitglied eines Kollegiums die Kassationsklage bzgl. der Verhaftung von Wladimir Akimenkow im „Bolotnaja“-Fall abgelehnt.
Darauf beschränkt sich die Liste auch. Aber seit März 2015 gewann der Gerichtsprozess nur an Fahrt und zog immer weitere Beteiligte hinzu, deren Angaben das InformNapalmTeam gefunden hat:
An dieser Stelle möchten wir anmerken, dass in Bezug auf die Richter Karpow, Melechin und Muscnikowa der SBU und die Staatsanwaltschaft der Ukraine Verdacht wegen illegaler Inhaftierung von Sawtschenko erhoben hat.
Außer der Richter erhob der SBU einen Verdacht gegen Personen, die für die Darstellung von fabrizierten Beweisen gegen N.Sawtschenko verantwortlich waren.
Ermittler, die nebst Manschin ebenfalls in die vorläufige EU-Sanktionsliste eingetragen worden sind:
Am 27.08.2015 im Bestand des Gerichtskollegiums haben die „Haie“ der russischen Themis die Entscheidung über die Verlängerung des Haftaufenthalts von Sawtschenko umgesetzt.
Infolge der nachfolgenden Änderung des Austragungsorts der Gerichtsverhandlung im Sommer 2015 wurde auch die Richterbesetzung ausgewechselt, mit denen die Sanktionsliste ebenfalls ergänzt werden sollte:
Mit der veränderten Geografie des Ermittlungsverfahrens verändert sich auch die Beziehung zu Medien im Gerichtssaal. So wurden während der Gerichtssitzungen ausschließlich Foto- und Videoaufnahmen von Anwälten und Nadeschda Sawtschenko erlaubt. Es besteht ein strenges Verbot für Fotos von den Richtern und Vertretern der Staatsanwaltschaft.
Das Kollegium der Donezker Stadtrichter im Rostower Gebiet, das auch die abschließende Entscheidung im Fall Sawtschenko treffen wird:
Anm. d. Red.: In der linken Kopie des Gerichturteils gibt es mehrfach einen Rechtschreibfehler bei der Bezeichnung eines Fahrzeugs. Statt „Volkswagen“ wird „Volzwagen“ benutzt. Dieser Fehler wird in der alltäglichen Sprache teils akzeptiert, erstaunt aber im Kontext einer so wichtigen Gerichtsverhandlung und unterstreicht eindrücklich die Kompetenz der betreffenden Justizmitarbeiter.
In die vorläufige EU-Sanktionsliste sind auch die Vertreter der Anklage nicht eingeschlossen worden, die sich davor fürchten, dass Fotos von ihren Gesichtern während der Gerichtssitzungen in Donezk (Russland) gemacht werden:
Dank des Videos von „Rossija-24“ aus dem Sitzungssaal in Rostow-am-Don können wir ihm nun „in die Augen schauen“:
Nadeschda Sawtschenko ist aber nicht die einzige Staatsbürgerin der Ukraine, die unberechtigterweise in russischer Haft festgehalten wird, es gibt noch mindestens 20 Ukrainer, die aus politischen Gründen in russischen Gefängnissen sitzen. Man muss im Grunde auch eine „Senzow-Liste“, „Koltschenko-Liste“ etc. erstellen. Hier ist es aber eher die Fehlkalkulation der Verteidigung: Maximale Bekanntmachung würde mehr Aufmerksamkeit auf die Teilnehmer dieser Prozesse ziehen. Wir denken aber, dass es noch nicht zu spät ist und die ukrainische Sanktionsliste durchaus mit den Vertretern der russischen Themis ergänzt werden kann, die über die restlichen Ukrainer Urteile verhängt hatten. Dank der professionellen Verteidigung von Nikolai Polosow, Ilya Nowikow und Mark Feigin wurde der Fall Sawtschenko tatsächlich breit bekannt. Wir wenden uns an Verwandte, Bekannte, Verteidiger von ukrainischen Insassen in russischen Gefängnissen und bitten sie, uns die Namen der Richter, Staatsanwälte usw. bereitzustellen, die je unberechtigte Anklagen erhoben und Urteile verkündet hatten. Lasst uns die Listen zusammen erstellen!
Liste der ukrainischen politischen Insassen:
- Nadeschda Sawtschenko, 34 Jahre, ihr drohen von 20 bis 25 Jahren Haft;
- Oleg Senzow, 39 Jahre, zu 20 Jahren Haft verurteilt, der genaue Ort seines Haftaufenthalts ist unbekannt;
- Alexander Koltschenko, 26 Jahre, zu 10 Jahren Haft verurteilt, Ort des Haftaufenthalts unbekannt;
- Nikolai Karpjuk, 51 Jahre, ihm drohen bis zu 15 Jahren Haft, befindet sich in Grosny;
- Alexey Tschirniy, 43 Jahre, zu 7 Jahren Haft verurteilt, befindet sich in Magadan;
- Gennady Afanasjew, 25 Jahre, zu 7 Jahren Haft verurteilt, befindet sich in Syktyvkar
- Stanislaw Klych, 41 Jahre, ihm drohen ab 15 Jahre Haft bis zu lebenslänglich, befindet sich in Grosny
- Achtem Tschijgos, 52 Jahre, drohen ab 15 Jahre Haft, befindet sich in Simferopol;
- Alexander Kostenko, 29 Jahre, zu 3 Jahren und 11 Monaten Haft verurteilt, befindet sich in Kirowo-Tscherepowez;
- Walentin Wygowski, 32 Jahre, zu 11 Jahren Haft verurteilt, befindet sich in Moskau;
- Sergei Litwinow, 32 Jahre, ihm drohen bis zu 12 Jahren Haft, befindet sich in Rostow-am-Don;
- Yuri Soloschenko, 73 Jahre, zu 6 Jahren Haft verurteilt, befindet sich in Nischni Nowgorod;
- Ali Asanow, 33 Jahre, ihm drohen bis zu 8 Jahren Haft, befindet sich in Simferopol;
- Mustafa Degermendschi, 26 Jahre, ihm drohen bis zu 8 Jahren Haft, befindet sich in Simferopol;
- Nuri Primow, 40 Jahre, ihm drohen bis zu 10 Jahren Haft, befindet sich in Simferopol;
- Rustem Waitow, 31 Jahre, ihm drohen bis zu 10 Jahren Haft, befindet sich in Simferopol;
- Ferat Saifullajew, 33 Jahre, ihm drohen bis zu 10 Jahren Haft, befindet sich in Simferopol;
- Yuri Iltschenko, 37 Jahre, ihm drohen bis zu 20 Jahren Haft, befindet sich in Simferopol;
- Heiser Dschemilew, 34 Jahre, wurde zu 3,5 Jahren Haft verurteilt, befindet sich in Astrachan;
- Wiktor Schur, 58 Jahre, wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt, befindet sich in Tatarstan.
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Anmerkung
Kangaroo Court (англ. kangaroo court) — ein englisches Idiom, das ein illegales, ungerechtes Gericht bedeutet, Selbstjustiz, Inszenierung einer Gerichtsverhandlung, Parodie auf eine Gerichtsverhandlung. Dieser Ausdruck wird in Bezug auf ein Gericht verwendet, das formell die Prozedur einhält, aber ein schnelles und im Voraus vorbereitetes Urteil verkündet.
Beispiele für „Kangaroo Court“ gibt es in vielen Ländern.
Zum Beispiel dauerte eine Gerichtsverhandlung im Irak 1958, zu Zeiten des Obersts Abdul-Karim Kasem, 15 Minuten und endete mit der Verkündung eines Todesurteils.
Als Kangaroo Court wird auch das Internationale Tribunal von Russell zu Untersuchungen von Kriegsverbrechen, die in Vietnam begangen wurden, bezeichnet.
Als Kangaroo Court bezeichnet der Berichterstatter der britischen Zeitung „The Guardian“ Ken Good die Gerichtsverhandlungen über die Insassen der amerikanischen Militärbasis Guantanamo.
Ein ähnliches Idiom gibt es auch in Russland – das „Schemjakin Gericht“ und im XXI. Jahrhundert – „Basmannisches Recht“.
Dieses Material wurde von Victory Krm exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel; editiert von Viktor Duke. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.
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