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Freigegebene SBU-Archive: Wie das Moskauer Patriarchat unter Kontrolle des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit gegründet wurde

von Irina Schlegel [1]

Das Lokalkonzil der Russischen Orthodoxen Kirche, auf dessen Basis das Moskauer Patriarchat 1945 entstand, fand unter Kontrolle des Volkskommissariats für Staatssicherheit statt, also des Vorgängers des KGB der Sowjetunion. Das belegen die Archive der ehemaligen KGB-Verwaltung der Ukraine, deren Geheimhaltungsvermerk der ukrainische Geheimdienst SBU nun aufgehoben hat. Ein Teil der Dokumente wurde nun in Form von Screenshots veröffentlicht [2] und wird aktiv in russischsprachigen Netzwerken besprochen.

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Aus den freigegebenen Dokumenten folgt, dass sich das Volkskommissariat des KGB der UdSSR und seine Abteilungen in den sowjetischen Republiken mit der Auswahl der Kandidaten als Mitglieder des Konzils beschäftigte. Zu diesem Zweck sollten „Personen ausgewählt werden, die unter Geistlichen und Gläubigen eine religiöse Autorität besitzen und gleichzeitig aber durch ihre Agentur- und Patriotenarbeit geprüft und regierungstreu sind“.

„Es ist äußerst wichtig sicherzustellen, dass unter den angedachten Kandidaten Agenten des Ministeriums für Staatssicherheit in Überzahl sind, damit sie im Konzil die von uns benötigte Linie verfolgen“, steht in einem Brief, der im September 1944 an lokale Verwaltungen von sowjetischen Republiken verschickt wurde und vom Leiter der 2. Verwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der UdSSR Fedotow und dem Leiter der 5. Abteilung derselben 2. Verwaltung Karpow unterzeichnet wurde.

Das Lokalkonzil, das im Winter 1945 stattfand, verabschiedete eine Verordnung über die Verwaltung der Russischen Orthodoxen Kirche und wählte in einer offenen Wahl den Metropoliten von Leningrad (Sankt Petersburg) Alexij Simanskij als Moskauer Patriarchen. Darüberhinaus billigte das Konzil auch den Namen der Russischen Orthodoxen Kirche als solchen.

Diese Tatsache überrascht uns nicht im Geringsten, denn über die Verbindungen zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und dem sowjetischen KGB (dem heutigen russischen FSB) erfuhren wir schon aus der Korrespondenz von Kirill Frolow, dem stellvertretenden Leiter des GUS-Länder-Instituts, Pressesprecher des „Vereins orthodoxer Staatsbürger“ und „verkirchlichten Experten“. Die Hacktivisten der ukrainischen Cyberallianz [7] hatten Ende Dezember 2016 dieses Datenmassiv aus seinem E-Mail-Account InformNapalm zur Verfügung gestellt, woraufhin wir eine ganze Artikelreihe unter dem Namen FrolovLeaks veröffentlichten, siehe:

Wir wiesen damals darauf hin, dass die Russische Orthodoxe Kirche ihren Einfluss unter den Gläubigen in der Ukraine dazu nutzt, um die Ideen der „Russischen Welt“ in der Ukraine durchzusetzen und die Ukrainer von der Idee zu überzeugen, sie seien von Russland untrennbar. Lange vor der Ukrainischen Revolution der Würde [15] im Jahr 2013-2014 hatte die Russische Orthodoxe Kirche, gesponsert von der russischen Gasprom, versucht, antiukrainische Stimmungen unter den Ukrainern zu säen [12] und die Geschichte der Christianisierung der Kyjiwer Rus an sich zu reißen.


[16]Dieses Material wurde von Irina Schlegel [17] exklusiv für InformNapalmDeutsch vorbereitet; editiert von Klaus H. Walter [18].

Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich (Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [19] )

Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

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