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Gruppe InformNapalm: Lagebericht mit Stand vom 29. Oktober 2014

Der 30. Oktober 2014 wird zu einem Wendepunkt im zähen Konflikt im Südosten der Ukraine. Die Waffenruhe hat den Terroristen ermöglicht, eine Umgruppierung durchzuführen. Die russische „Militärhandelsorganisation“ ist wieder in den Gang gekommen: allein in den letzten zwei Tagen wurden 300 Militäreinheiten in die Ukraine verlegt. Die Hauptrichtung verläuft über Antrazyt nach Donezk und in Richtung Smila, sowie über Marijinowka nach Telmanowe und Komsomolsk. Es wurde eine Verlegung vonTechnik in Richtung Oleniwka und Horliwka gesichtet. Des Weiteren berichteten viele Insider des InformNapalmTeams von einem Personalwechsel bei den Banden: die unzuverlässigen lokalen Söldner wurden durch angereiste „Spezialisten“ aus Russland ersetzt.

Zum Beispiel wurde im Bezirk Petrowski in Donezk eine Rochade ausgeführt: Die Söldner aus Kargil wurden in die Gegend von Staromichajliwka verlegt, und nach Kargil sind viele russische Armeeangehörige gekommen. Ähnliche Situation auch in Horliwka, wo lokale Einwohner viele angereiste Menschen in Uniform gesehen haben, die sich von den Söldnern der lokalen Banden durch Disziplin und stramme Haltung unterscheiden. Auch melden unsere Beobachter die Installation von Flugabwehrraketensystemen in der Gegend von Donezk, Horliwka und Snischne (vermutlich FlaRak-Komplex S300). Die Luftwaffe auf den Flugplätzen in Russland selbst ist in volle Kampfbereitschaft versetzt worden…

Somit ist Russland für eine vollumfassende Invasion unterm Deckmantel der „DVR-Armee“ bereit. Nur wo?

Was den Artilleriebeschuss der Stellungen der ukrainischen Streitkräfte betrifft, so hat, nachdem  die Aktivität der Söldner in den letzten zwei Tagen etwas zurückgegangen war, zum Abend des 29.10.2014, eine massive Artillerievorbereitung angefangen. Es gab einen sehr starken Beschuss von Hirske. Höchstwahrscheinlich hängt dies mit dem Wunsch der Mosgowoj-Gruppierung zusammen, Lyssytschansk zurückzuerobern, was für die ukrainische Armee auch zum Verlust des Checkpoints Nr. 32 in der Gegend von Smila geführt hat. Die Mosgowoj-Gruppierung versucht, ihre rechte Flanke mit dem Siwerskij Donez zu decken und die Frontlinie auszurichten. Eben darum arbeiten sie daraufhin, den Halbkessel in Debalzewe abzuschneiden und Artemiwsk einzunehmen. Andernfalls riskiert Mosgovoj seine Streitkräfte in den Schlauch hineinzuziehen, der auf der Seite von Artemiwsk abgeschnitten werden kann. In der nächsten Zeit kann man einen Vorstoß in Richtung Horliwka-Artemiwsk und Perwomajsk-Artemiwsk erwarten. Und über das Kesselproblem wird eine Gruppierung aus Jenakijewe entscheiden.

Über Mariupol, genauer gesagt über den Sturmangriff auf die Stadt, wird viel geredet. Aber niemand wird die Stadt erstürmen. Wozu? Einfacher ist es, einen Vorstoß in Richtung Besimenne-Talakiwka-Wolodarske vorzunehmen und Berdjansk zu erreichen. Eine nördliche Umgehung der Stadt wird zum Abschneiden der Versorgungswege führen, und die Stadt wird früher oder später fallen. Und um die Stadt der Möglichkeit einer Seeversorgung zu rauben, sind schon im nordöstlichen Teil der Krim die FlaRak-Komplexe „Bastion“ installiert worden. Wobei, wenn eine Vormarschbewegung in Richtung Berdjansk beginnen sollte, sollte man auch einen Vorstoß aus der Krim über Tschonhar erwarten.

Andernfalls wird das Ziel, Kontrolle über den Landweg in die Krim zu bekommen, nicht erreicht. Unsere Quellen in Sewastopol berichten über ungeplante Renovierungsarbeiten an mehreren Landungsschiffen der Alligator-Klasse – dies ist ein indirektes Anzeichen für eine Vorbereitung einer möglichen Unterstützung der Durchschlagung eines Landkorridors von See aus.

Die Skeptiker werden widersprechen, dass die ukrainische Armee eine nördliche Umgehung der Stadt in der Gegend von Starohnatiwka verhindern wird. Richtig. Nur werden diese Streitkräfte Probleme mit der Angriffsgruppierung bekommen, die auf Wolnowacha aus Oleniwka vorstoßen wird (wir haben über die Militärtechnikverlegung dorthin schon mal geschrieben). Außerdem wird Starohnatiwka durch die Aktivität der bataillon-taktischen Gruppen gehemmt, die in Telmanowe stationiert sind. Darum haben die Terroristen eine Chance, einen neuen Kessel zu organisieren.

Was Schtschastja angeht, so verläuft hier der Siwerskij Donez, der einen Angriff der Söldner vom Süden aus zurückzuhalten hilft. Obwohl Russland es auch riskieren könnte, aus der Gegend von Woloschine vorzustoßen und somit den Dritten Weltkrieg anzufangen.

Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt.

Mit Stand vom 29.10.2014, 21.00 Uhr, als diese Zusammenfassung für die Veröffentlichung vorbereitet wurde, hat eine massive Artillerievorbereitung in allen obengenannten Richtungen angefangen…


Dieser Bericht wurde von Artjom Wassilenko und Roman Burko exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel.

CC BY 4.0

 

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