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Im Auftrag des Terrors: Russische Fallschirmjäger und Landungstruppen auf der Krim

Terrorszenario auf der Krim

In der Zeit zwischen dem 25. und dem 30 Juli 2016 hielt die neuaufgestellte Nationalgarde der Russischen Föderation zusammen mit dem russischen Verteidigungsministerium erste Manöver zum Thema „Terroristische Bedrohung auf der Krim“ auf dem Truppenübungsplatz Prudboi im Wolgograder Gebiet ab. Im Lauf der Manöver, an denen über 4500 Militärangehörige und 500 Militärgerät-Einheiten beteiligt waren, wurde sowohl der Einsatz von Kampfhubschraubern und Artillerie trainiert, als auch eine Landungsoperation, und zwar die Landung von Fallschirmjägern aus Flugzeugen des Typs IL-76 und Hubschraubern Mi-8.

Dabei lautete das Leitmotiv der Manöver „Einnahme einer Ortschaft auf der Krim durch ausländische Terroristen“. Das Szenario zur Erschaffung eines Aggressionsanlasses wurde also im Feld durchgespielt und fand seine informative Fortsetzung eine Woche später unmittelbar im nördlichen Teil der Krim.

Das Ausmaß und der Charakter der Manöver deutete aber eher auf die Ausarbeitung einer Offensive hin, als auf Manöver im Rahmen der Liquidierung einer lokalen terroristischen Bedrohung. Der russische Propagandist Dmitry Kiseljow würde dazu wohl sagen: „Zufall? Denke ich nicht…“

Umdislozierung „Zurück in die Zukunft“

Das grösste Interesse rufen aber nicht mal diese Fakten hervor, sondern die Tatsache, dass unter dem Vorwand von Manövern einige russische Abteilungen hastig auf die Krim verlegt worden sind. Fassen wir mal zusammen:

Zwischen dem 2. und dem 6. August sind auf der Krim folgende Truppen eingetroffen:

Manöver im Krasnodarer Gebiet

Zugleich werden aus dem zentralen Teil Russlands Logistikabteilungen, darunter hochmobile Kräfte, ins Krasnodarer Gebiet Russlands verlegt. So sind noch am 3. August 2016 einige Abteilungen und Militärgerät des 100. selbstständigen Logistikregiments (Stadt Kalininez, Moskauer Gebiet) in die Stadt Krymsk verlegt worden. Dieses Regiment zeichnet sich durch hohe Mobilität aus und ist für eine operative Verlegung an einen beliebigen Punkt geeignet, im Falle eines Ausnahmezustands. 

Deshalb sind die Abteilungen wahrscheinlich auf dem Flugplatz der Stadt Krymsk stationiert worden: von dort aus können sie bei Bedarf per Luft nach Syrien, Krim und an jeden anderen Brennpunkt operativ verlegt werden.

Dabei wurde während der ersten Augusttagen aktive Bewegung von Kolonnen mit verschiedenem Militärgerät beobachtet. Lokale Einwohner beobachteten Kolonnen mit Panzerfahrzeugen und LKWs sowohl mit den lokalen Fallschirmjägern als auch mit neuangetroffenen Marineinfanteristen des 727. selbstständigen Bataillons. Diese Kolonnen bewegten sich zwischen Anapa und Noworossijsk. Es wurde auch Umdislozierung von Abteilungen in den Hafen von Noworossijsk registriert, wo die Landungsschiffe stehen.

Aufpumpen der Krim

Auf der Krim selbst, am Truppenübungsplatz Opuk, wird währenddessen seit Juli abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den Sturmbrigaden von Marineinfanterie, Küstentruppen, Panzertruppen, Artillerietruppen, Funk- und Logistik-Abteilungen trainiert. An diesem Training sind die Abteilungen der 126. Küstenbrigade, 810. Marineinfanteriebrigade, 8. Artillerieregiments, 68. selbstständigen Marine-Pionierregiments, 133., 99. und 78. Logistiktruppen und andere Einheiten beteiligt und erarbeiten simultane Aktivität bei Angriff und Abwehr. Auf den Krimer Strassen wurde bedeutende Steigerung der Anzahl von Kolonnen mit militärischen LKWs, Panzerfahrzeugen, Panzer auf Schlepper und Küstenraketenkomplexen „Bastion“ registriert. Und im Norden der Halbinsel, im Krasnoperekopski-Bezirk, berichteten Augenzeugen von regulärem Transport von Militärgerät, LKWs, Schlepphaubitzen und Raketenwerfern „Grad“ per Eisenbahn.

Schlussfolgerung

Somit wurde die provokative FSB-Erklärung über die Vorbereitung eines Terroranschlags auf der Krim und die angebliche Aufdeckung von einem ganzen „Agentennetz des ukrainischen Militärnachrichtendienstes“ zu einer logischen Fortsetzung der Manöver und der Vorbereitung einer neuen russischen Aggression.

Die Sonderverlegung von hochmobilen Abteilungen und Sturmtruppen aus Murom und dem Moskauer Gebiet auf die Krim und ins Krasnodarer Gebiet Russlands deutet auf aggressive Pläne des Kremls hin. Dabei bleibt die Frage offen: Was genau werden die Pioniertruppen aus Murom auf der Krim entminen? Welche Stadtobjekte sollen sie zu erstürmen helfen? In welche Region mit „Ausnahmezuständen und Katastrophen“ sind die Moskauer Logistikabteilungen bereit vom Flugplatz in Krymsk aus geflogen zu werden?

All die obengenannten Militäreinheiten sind auf der Krim ein paar Tage vor der Erschaffung der Legende mit der Festnahme von „ukrainischen Diversanten“ und dem theatralisierten Auftritt des russischen Präsidenten aufgetaucht, der uns mit dem Zaunpfahl einer „entsprechenden Antwort“ winkte.


Dieses Material wurde von Dmitry Lisunow (Mediaclub des gesellschaftlichen Dialogs „Euroraum“) exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich. 

CC BY 4.0

 

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