In der letzten Woche ist der ukrainische Informationsraum förmlich explodiert. Dank der Arbeit von Hacker sind Hintergründe von gleich mehreren für die Ukraine äußerst winchtigen Ereignissen bekannt geworden.
Aber alles der Reihe nach.
Und nun zum größten Erfolg der Hacker im Informationsraum in der letzten Woche: Am Montag, den 24. Oktober 2016, wurde bekannt, dass die Hackergruppe CyberJunta die persönliche Korrespondenz des Beraters des russischen Präsidenten Wladislaw Surkow gehackt hat, der verdächtig wird, Auftraggeber für die Morde an Maidan-Aktivisten am 18-20. Februar 2014 gewesen zu sein. Die Nachricht glich einer Explosion im Medienraum und wurde von vielen internationalen Medien aufgegriffen. Die Leser haben aber die Scan-Kopien der Daten aus der Korrespondenz von Surkow zunächst für nicht sonderlich überzeugend gehalten.
Am 25. Oktober reagierte aber schon der offizielle Kreml darauf: Der Pressesekretär von Putin, Dmitry Peskow, beantwortete die Fragen der Journalisten zu diesem Thema äusserst ausweichend (was im Grunde nichts neues für den Kreml ist). Er zweifelte aber das Faktum des Aufbrechens von Surkows Korrespondenz nicht direkt an und beantwortete die Frage mit einem Kompliment für Surkow, den er „einen talentierten Menschen, dem vieles zugeschrieben wird“ nannte.
Nach zahlreichen Anfragen von unseren Lesern wandte sich InformNapalm direkt an die Hacker und bat um zusätzliche Informationen und Beweise.
So wurden uns neue Einzelheiten bekannt und eine Datei mit Microsoft Outlook (.pst) aus dem E-Mail-Postfach prm_surkova@gov.ru zur Verfügung gestellt: DUMP RUH8, Dump auf GOOGLE.DRIVE (Dateigröße 1 GB).
Die Hacktivisten haben infolge ihrer Operation Zugang zum E-Mail-Postfach des Empfangsraums von Wladislaw Surkow prm_surkova@gov.ru erlangt, sowie zum Computer, der unmittelbar im Empfangsraum des Beraters des russischen Präsidenten stand. Ferner besitzen die Hacker nun auch Informationen über Peskow, die sie im Lauf des Angriffs auf die E-Mail-Accounts von Assistenten und Beamten der Verwaltung des russischen Präsidenten erhalten haben – das geht aber über den Rahmen dieser Publikation hinaus und wird später erläutert.
Veröffentlicht wurden dabei bislang nur Daten aus der Zeit zwischen September 2013 und November 2014. Gerade zu der Zeit fand die aktivste Phase des Aufbaus des kremlischen Projekts „Neurussland“ statt. Materialien aus 2015-2016 sind zurzeit an die Geheimdienste zwecks Analyse übergeben worden und können wegen ihres operativen Werts nicht publik gemacht werden.
In dieser Korrespondenz sind detaillierte Informationen über die Geschäfts- (1, 2) und Medieninteressen der Russischen Föderation in der Ukraine enthalten, darunter auch in den besetzten Territorien von Donbass. Ferner gibt es dort Informationen über die Risiken der „wirtschaftlichen Blockade“ von „DVR/LVR“, vollständige Listen und Kontakte der Mitarbeiter aus der Verwaltung des russischen Präsidenten, Angaben zur sogenannten „Führung“ der selbsternannten „Republik Abchasien“, Anweisungen zur Agenturarbeit mit den „Schlüsselfiguren von Abchasien“ und vieles mehr.
Auch die Scan-Kopien der Pässe von Wladislaw Surkow und seiner Familienmitglieder sind in der Korrespondenz enthalten, sowie Kopien ihrer Schengen-Visa (Wladislaw Surkow, Roman Surkow (Sohn), Natalia Dubowizkaja (Ehefrau), Maria Surkowa (Tochter).
Wie bekannt, steht Surkow seit 2014 auf der Sanktionsliste der EU, was ihn aber nicht daran gehindert hat, am 19. Oktober 2016 am Treffen im Normandie-Format in Berlin teilzunehmen. Aus der Korrespondenz erfahren wir außerdem, dass er und seine Ehefrau ein Schengen-Visum besitzen, das ihnen zwar noch 2011 von Italien erteilt worden war, nie aber aberkannt worden ist, was gleich die Frage aufwirft, ob und wie oft die Familie Surkow denn nun Europa trotz Sanktionen besucht. Und wenn diese Europa-Reisen sich bestätigen sollten, fragen wir uns, wie verbindlich die europäischen Sanktionen eigentlich sind, wenn gerade diejenigen, die jahrelang den Plan zur Eroberung der Ukraine und Errichtung der „Russischen Welt“ in Europa ausarbeiteten und seit zweieinhalb Jahren an der Spitze des russischen Krieges gegen die Ukraine und des virtuellen Krieges gegen den Westen stehen, weiterhin trotz Verbote in die EU einreisen dürfen.
- Zum Thema der russischen Präsenz in der Ukraine lesen Sie bitte unseren PDF-Bericht „Russische Waffen im Krieg gegen die Ukraine“ und andere Artikel unter Datenbank&Infografik
Die Angaben wurden von den Hackern der ukrainischen Cyberallianz exklusiv an InformNapalm zwecks Analyse und weiteren Veröffentlichung übergeben. Die Redaktion von InformNapalm trägt keine Verantwortung für die Erstquelle und die Herkunft der Angaben.
CC BY 4.0
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