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Kreml öffnete die Büchse der Pandora: InformNapalm-Partisanen über ihre Methoden des Propagandawiderstands

InformNapalm hat den russischen Behörden ein Ultimatum gesetzt. Für jeden Verstoss gegen die Waffenruhe im Donbass veröffentlicht die Community Angaben zu russischen Piloten, die sich am syrischen Krieg beteiligen. Zum heutigen Zeitpunkt wurden bereits Angaben zu acht solchen Piloten offengelegt. Bald wird Information zu einem anderen Piloten aus Russland veröffentlicht.

InformNapalm ist eine internationale Freiwilligencommunity, die im Februar 2014 gegründet wurde, am Höhepunkt der Krim-Annexion, mit dem Ziel, die damalige Informationsblockade durchzubrechen und die Wahrheit über das Handeln der „höflichen Männchen“ aus Russland auf der ukrainischen Halbinsel zu berichten.

Nun ist das Schlachtfeld von InformNapalm die allseitige Beleuchtung der militärischen Aggression im Donbass, die Durchführung eigener Untersuchungen, wie auch die Suche nach Beweisen der Präsenz russischer Streitkräfte im Donbass. Auch untersucht InformNapalm die Katastrophe mit dem malaysischen Flug MH-17, der letztes Jahr von russischen Soldaten im Himmel über Donbass abgeschossen wurde. Ausserdem untersuchen die Freiwilligen die militärische Intervention von Russland in Syrien.

Gründer der Gemeinschaft ist Roman Burko [1] (auf dem Photo oben), ein Militärkorrespondent aus Sewastopol, Co-Gründer ist der Militäranalytiker aus Georgien Irakli Komaxidze [2]. Im Team arbeiten freiwillig verschiedene Spezialisten: IT-ler, Übersetzer, Journalisten, Programmierer. Physisch können sie sich zwar an verschiedenen geographischen Punkten der Welt befinden, kommunizieren aber per Internet. InformNapalm hat ausserdem seine eigene Informanten auf den okkupierten Territorien, welche die Angaben aus erster Hand auch weitergeben. Um möglichst viele Menschen auf der Welt zu erreichen wird die gesammelte Information in über 20 Sprachen übersetzt.

– Wie stark ist das Bild, das uns aus der ATO-Zone die Vertreter des Verteidigungsministeriums und andere Amtspersonen vermitteln? Worin bestehen die häufigsten Unterschiede?

– Häufig unterscheiden sich diese „ATO-Bilder“ von unseren gar nicht durch deren Wahrheitsgehalt, sondern durch die Aspekte der russischen Aggression, die von uns beleuchtet werden, durch die Art, wie man die erhaltenen Angaben wiedergibt.

Wir haben andere Instrumente der Situationsuntersuchung und andere Ziele als die Staatsstrukturen. Sie zählen Verstösse gegen die Waffenruhe, die Anzahl der Söldner zusammen. Wir finden aber konkrete Militärs, ihre Bewaffnung und Technik, wir führen eine Liste der dort festgehaltenen Abteilungen der Streitkräfte Russlands. Wir haben sozusagen die Arbeit aufgeteilt.

 

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– In welcher Beziehung stehen Sie zu den Vertretern der Staatsstrukturen? Zum Beispiel des Verteidigungsministeriums?

– Normale Beziehung zu einzelnen Offizieren. Wir unterhalten Beziehungen auf einem horizontalen Niveau, aber von der Führung verschiedener Staatsstrukturen bevorzugen wir uns fernzuhalten. Wir sind keine „Srada“ (ukr. „Verräter“)-Adepten, aber manchmal ist es besser abzuwarten, bis sich das Wesen des Menschen zeigt. Der Krieg ist ein Lackmuspapier, das sehr schnell demonstriert, wer was darstellt.

– Nennen Sie drei Ihrer Meinung nach wichtigste Errungenschaften Ihres Teams, Resultate Ihrer Arbeit.

– Wir haben der russischen Militärführung ein Ultimatum gesetzt [4]. Für jeden Verstoss gegen die Waffenruhe im Donbass legen wir persönliche Angaben zu russischen Luftwaffe-Piloten offen, die sich am Kreml-Abenteuer in Syrien beteiligen.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir bereits Angaben zu acht Piloten publik gemacht. Wir bereiten gerade ein neues Material zu einem weiteren Piloten der russischen Luftwaffe vor, der in Syrien gesehen wurde. Diesmal werden wir den Informationsleak aber nicht an Waffenruhe im Donbass binden, sondern an den Brief eines Menschen, der uns ein Video der schrecklichen Folgen [5] von Luftangriffen russischer Luftwaffe mit Kommentaren der Zeugen zuschickte.

Ausser der Tatsache, dass wir diese Angaben veröffentlichen, übersetzen wir sie auch in verschiedene Sprachen inklusive Englisch, Deutsch, Schwedisch und Arabisch. Der Pressesekretär des russischen Präsidenten Dmitry Peskow begann sich daraufhin zu rechtfertigen und offizielle Erklärungen in der Presse abzugeben, als Antwort auf dieses Ultimatum. Der grösste arabische Nachrichten-Fernsehkanal Al-Arabia dagegen verglich uns [6] in einem Artikel auf seiner Website mit WikiLeaks und verlinkte unseren Twitter-Account.

Ende August präsentierten wir ausserdem eine große Datenbasis mit Infografik [7], in der wir unsere Untersuchungen und Publikationen zu russischer Militärpräsenz im Donbass zusammengetragen haben. In unserer Datenbank [8] sind über 120 eigener OSINT-Untersuchungen miteingeschlossen (Open Source Intelligence – die Aufklärung offener Quellen) – mit konkreten Fakten zur Identifizierung des Personalbestands, Bewaffnung und Technik von 61 Truppenverbänden der Streitkräfte Russlands. Diese Daten haben wir über ein Jahr lang zusammengesucht. Die Resultate dieser Arbeit wurden Militärattachés aus über 10 Ländern präsentiert und an die Vertreter des Informationspolitikministeriums der Ukraine übergeben, zwecks deren weiteren Präsentation auf verschiedenen Veranstaltungen.

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– Welche Angaben gelingt es Euch denn mithilfe von sozialen Netzwerken zu erhalten? Was verrät Russland?

– Russland verrät sich durch seine Eitelkeit. Und den Wodka. Soziale Netzwerke sind ein tolles Instrument für Informationsgewinnung über eitle Menschen. Russische Soldaten lieben es, Selfies von sich zu machen [10], Einzelheiten ihres Privatlebens zu veröffentlichen und mit ihren Waffen vor ihren Freunden zu prahlen. Aber der höchste Kunstflug bei einer OSINT-Untersuchung ist die komplexe Zusammenführung der Angaben. Des Öfteren wird dabei das Netz nur zu einem Teil des Puzzles.

Wir nutzen auch Satellitenbilder, Einträge auf den Foren, identifizieren nützliche Nuancen in Videos, die von den Söldnern selbst gedreht werden, oder auch von den russischen Journalisten oder Militärs. Wir haben auch unsere Geheimnisse zur Bearbeitung der Angaben aus den sozialen Netzwerken. Womöglich werden wir nach dem Krieg was davon preisgeben.

– Wie reagiert man auf ihre Publikationen im Donbass selbst? Besonders jene Menschen, die sich zu Russland hingezogen fühlten und für das Projekt „Neurussland“ auftraten?

– Die Menschen dort sind verschieden und jeder reagiert auf die russische Propaganda anders. Aber ich finde es beispielhaft, dass nach einem neuen Artikel oder einem Beitrag Menschen auftauchen, die uns persönliche Nachrichten schreiben und sich bedanken, unsere Information bestätigen, wobei sie diese mit Fakten ergänzen. So habe ich die Mehrheit meiner Informanten auf den okkupierten Territorien kennengelernt. Es sind sehr gute und patriotische Menschen, die die Ukraine lieben und aus allen Kräften versuchen, zu unserem Sieg in diesem Krieg zu verhelfen.

– Wie verändert sich überhaupt das Weltbild und die Situationswahrnehmung bei den Einwohnern von Donbass? Gibt es viele, die sich erst abspalten und Russland anschliessen wollten, und es nun bereuen? Was wollen die Menschen in Donezker und Luhansker Gebieten jetzt?

– Ich kann nicht beurteilen, ob es viele oder wenige sind, denn mein Umgangskreis im Donbass ist keine representative Auswahl. Das ist eher eine Frage an die Soziologen, als an unser Team.

Zum Beispiel waren im Briefwechsel eines Analytik-Zentrums [11], der von den Hackern des Anonymous International gehackt und veröffentlicht wurde, die Unterstützungszahl von 15% für die „DVR“ und Russland angegeben. Ich habe keine Gründe, diesen Zahlen nicht zu glauben, denn die meisten Menschen sind einfach nur müde vom Krieg. Wahr ist aber auch, dass sie an ihrem Unheil nicht diejenigen beschuldigen, die ihre Städte okkupierten, sondern die Ukraine – dafür, dass sie sie nicht beschützt hat.

– Wie würden Sie die Situation im Donbass jetzt charakterisieren? Wie überzeugend und wahrhaft sind die Erklärungen darüber, dass der Krieg zu Ende sei?

– Wenn ich die Situation komplex bewerte, und nicht bloß nach offiziellen Lageberichten aus Donbass, so denke ich, dass der Hauptsturm noch vor uns liegt. Der Gefahrengrad steigt weiter an. Dieser Konflikt im Zentrum Europas ist schwer einzufrieren, trotz aller Minsker Abkommen.

– Aus welchem Grund ziehen Sie so eine Schlussfolgerung, dass der Hauptsturm noch vor uns liegt?

– Wir beobachten gerade die zweite Windung der Eskalation. Russland hat in Syrien mehrere Jahre lang die Methoden eines heimtückischen und verdeckten Krieges geprobt, und dann wurden diese Methoden in der Ukraine verwirklicht. Und nun wird die offene Phase des Krieges unter Einsatz der russischen Luftwaffe und ballistischer Raketen erprobt. Wir müssen auf so ein Geschehen vorbereitet sein.

 

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– Aber warum soll denn Russland wieder offensiv werden? Wieder für die Unabhängigkeit der „DVR“ kämpfen? Die vorigen Versuche sind doch durchgefallen.

– Nein, sie brauchen keine „DVR“, sie brauchen die ganze Ukraine. Wo genau die Falle erwartet werden kann, ist schwer zu sagen. Die Mariupol-Küste könnte unter Beschuss von Kriegsschiffen gestellt werden – wie in Syrien, oder es könnte unter dem Vorwand einer Antiterroroperation gegen „eine IS-Zelle in der Ukraine“ die Luftwaffe eingesetzt werden. Es kann ein beliebiger Anlass gefunden werden. Ich möchte die Leser nicht verschrecken, aber ich persönlich glaube nicht daran, dass Russland das Feld räumt.

-Was können Sie zu MH-17 sagen? Sie haben eine Untersuchung durchgeführt und diese der niederländischen Polizei zur Verfügung gestellt, nicht wahr? Wie hat sie diese Materialien benutzt? Arbeiten Sie mit Niederlanden an weiteren Untersuchungen zusammen?

– Die Freiwilligen von InformNapalm nahmen an der Sammlung von Beweisen für die Mittäterschaft Russlands an der Vernichtung der malaysischen Boeing-777 im Himmel über Donbass aktiv teil. Materialien von zwei InformNapalm-Untersuchungen sind an die Polizei der Niederlanden übergeben worden.

Die erste Untersuchung [13] war mit der Identifizierung von Verlegung einer Kolonne mit Boden-Luft-Raketenkomplexen BUK zur ukrainischen Grenze verbunden, deren Photos wir im sozialen Netzwerk-Profil des russischen Wehrdienstleistenden Dmitry Subow gefunden hatten, einem Soldaten des 147. KfZ-Bataillons aus der Militäreinheit Nr. 83466. Diese Verlegung wurde genau 14 Tage vor der Tragödie mit MH-17 ausgeführt. Nach der Publikation wurde der Account von Dmitry Subow schleunigst gelöscht und es wurde versucht, die Information auszuradieren, aber wir hatten sie schon in Archiven abgespeichert und sie ist noch immer zur Einsicht öffentlich zugänglich.

Die zweite Untersuchung [14]von InformNapalm betraf den Schlepper Volvo, der die BUK über das Territorium transportierte, das von den Söldnern kontrolliert wurde. Das Photo dieses Schleppers, als ein Beweisstück, gibt es auch in den Berichten der Ermittlergruppe. Auch haben die Freiwilligen von InformNapalm die genaue Lage des Technikdepots der Söldner bestimmt, wo der genannte Schlepper im Oktober gesehen wurde, bereits mehrere Monate nach der Tragödie – das war unweit des Bergwerks Udarnik in der Stadt Snischne, auf einem Territorium, das von den Söldnern kontrolliert wird. Man sollte an der Stelle auch anmerken, dass die Gegend des Absturzes von Boeing-Trümmern der Raum von Schachtarsk war und diese Stadt etwa 20 Kilometer von Snischne entfernt liegt, wo wir das Auftauchen dieses Volvo-Schleppers eben festgehalten haben.

Interessanterweise haben beide Untersuchungen die Freiwilligen von InformNapalm durchgeführt, die sich permanent in der Kampfzone aufhalten – an der Frontlinie und im Rücken der Gegnergruppierungen. Darum ist es ziemlich schwer, sie als Sofa-Kämpfer zu bezeichnen, wie es bei Bloggern üblich ist. Sie sind Bürger der Ukraine, die ihr Leben dafür riskieren, die alles Mögliche für den Sieg tun, unter anderem auch an der Informationsfront.

Wie ich bereits sagte, besitzt unsere Arbeit in dieser Richtung kein System, sie ist situativ. Wenn es uns gelingt, eine nützliche Info zum Thema MH-17 zu finden, rufen wir die Hotline an und geben die Information an die Polizei der Niederlande weiter. Wir sind aber nicht speziell damit beschäftigt.

– Kann man erwarten, dass alle an dieser Katastrophe Schuldigen bestraft werden? Diejenigen, die die BUK transportierten, die die Raketen abgeschossen und jene, die den Befehl abgegeben hatten – werden sie alle bestraft?

– Ich denke, die Ausführer sind längst zum Wurmfraß im Donbass geworden. Was die Auftraggeber angeht, so liegt die Frage der Unabwendbarkeit ihrer Bestrafung nicht in meiner Kompetenz, sondern in Kompetenz der höheren Kräfte.

– Wer gewinnt im Informationskrieg, der all diese Zeit zwischen Russland und der Ukraine läuft? Wird es Russland mit seinen gekreuzigten Jungs, Gimpeln und russischsprachigen Babys gelingen, das Ziel zu erreichen? Verliert die Ukraine bei irgendetwas?

– Die Frage ist rhetorisch. Sie sollen die Beamten aus den Staatsstrukturen beantworten, die sich mit der Informationspolitik beschäftigen. Unsererseits, als Bürger und Patrioten, tun wir alles was wir können, um diese Situation durchzubrechen. Aber gegen Goliath hat es keinen Sinn, die Griffe eines griechisch-römischen Ringen anzuwenden, er muss mit punktförmigen und gezielten Angriffen aus der Distanz zum Sturz gebracht werden.

– Wieviele solche Schläge braucht es denn noch, um ihn endgültig zu stürzen?

– Der entscheidende Schlag muss nicht nur informativ versetzt werden.

– Nennen Sie uns die Hauptfehler, die die Ukraine begangen hat, im Lauf dieses Konflikts. Was könnte nun anders sein, wenn wir richtig gehandelt hätten?

– Es gab viele Fehler. Angefangen bei den Begriffen, die in Bezug auf die Okkupationskräfte benutzt wurden, und bis hin zur Unentschlossenheit, kraftvolle Willensentscheidungen zu treffen.

– Ok, was ist denn der grösste Fehler?

– Der Hauptfehler sind die Halbmassnahmen und die Doppelstandards. Unsere ausländische Partner mögen keine Doppeldeutigkeit in der Interpretation der getroffenen Entscheidungen. Und dieser Fehler begleitet die Mehrheit der Schritte seitens der Ukraine. Wir müssen die Fangarme der Moskauer Krake entweder ganz von uns abschneiden und all unsere Kräfte auf die Durchführung der Reformen werfen, eine totale Mobilisierung der ukrainischen Gesellschaft durchführen, nach dem Muster der Schweiz, oder aber aufhören zu jammern, dass Europa all zu vorsichtig und passiv in seiner Politik ist.

Trotz des geflossenen Blutes, trotz all der Beweise zur Präsenz von russischen Streitkräften im Donbass, trotz der Tatsache, dass Putin sein Projekt „Neurussland“ schon selber aufgegeben hat, trotz des veröffentlichten Berichts zu MH-17 – es gibt in Russland trotzdem Menschen, die Putin unterstützen, die ernsthaft glauben, dass Amerika an allem Schuld sei, die glauben, dass das Flugzeug von der Ukraine abgeschossen wurde. Warum? Weil sie auf permanenter Basis in einer speziell für sie erschaffenen Informationsmatrix leben. Viele verstehen, dass ihre Matrix und die Realität des Öfteren entgegengesetzt sind. Aber kaum jemand findet die Kraft, um aus diesem System auszusteigen.

– Was kann man tun, um den Menschen die Augen aufs Geschehen zu öffnen?

– Sie reloaden. Und der Reload wird bald beginnen. Er wird schmerzvoll sein und nicht alle werden ihn ertragen können.

– Auf welche Weise wird dieser Reload verlaufen?

– Auf sehr blutige. Seine Chance in einem friedlichen und blühenden Land zu leben haben sie verpasst. Indem Russland den Krieg gegen die islamische Welt entfesselte, hat es sich ein Urteil unterschrieben. In der Zukunft wird es dieses Land auf der Weltkarte nicht mehr geben.

– Nach der Ukraine ist Russland zu Syrien übergegangen. Haben Sie eigene Untersuchungen zu diesem Thema gemacht? Haben Sie Freiwillige in Syrien oder stützen Sie sich auf die Angaben im Internet, Photos, Videos u.ä.?

– Russland hat die Ukraine nie verlassen. Nur ist der Informationsfokus mehr nach Syrien gerutscht. Aber die russische Armee ist auf den okkupierten Territorien im Donbass noch immer aktiv [15] und in unseren Untersuchungen wird das permanent festgehalten. Insider berichten auch von den Bewegungen der Söldner und Technik von VRSK (vereinte russisch-separatistische Kräfte).

Was Syrien angeht, so ja – wir haben Informanten und Übersetzer aus Syrien. Wir stehen im Kontakt zu Zivilisten und zu den Kämpfern der Freien Syrischen Armee.

– Was denken Sie, was kann Russland und Putin aufhalten? Wie und wann hört er auf, auf das Fremde zu schielen?

– Die imperialistischen Ambitionen des Kremls kann nur eine totale Umformatierung aufhalten. Im Zuge derer alle Viren vollständig liquidiert sein müssen, und das Territorium auf grosse Anzahl „logischer Festplatten“ aufgeteilt und den nationalen Minderheiten zur Verfügung gestellt werden muss. Das Gefängnis der Völker muss zerschlagen werden. Aber der Prozess der Zerstörung wird ziemlich schmerzhaft werden.

Zum Beispiel starben nach Angaben des OSDH [6] 45 Menschen infolge eines weiteren russischen Luftangriffs auf den Raum von Jabal Akrad. Und nach Informationen der Kämpfer der Freien Syrischen Armee, zu denen wir im Kontakt stehen, beläuft sich die Zahl der getöteten Zivilisten auf mehr als 50 Menschen. Unter den Getöteten war auch der Kommandeur der 1. Küstendivision Basil Samo, der in den Reihen der freien syrischen Armee gegen das Regime von Baschar al-Assad kämpfte. Ein paar Stunden nach diesem Ereignis tauchten im arabischen Internetsegment Plakate mit den Aufrufen auf, einen Kampf gegen die „russischen Kriegsverbrecher“ zu führen.

Ein paar Wochen davor wurde Russland gar Dschihad erklärt. Und nicht nur von den geistigen Anführern von Saudi Arabien, sondern auch von den IS-Söldnern. Das bedeutet, dass Russland bald von Terrorakten und Unruhen zerrissen sein wird, im Zuge derer das russische System abzustürzen beginnt und das Land im Chaos versinkt. Indem der Kreml eine militärische Intervention in Syrien begann, öffnete er die Büchse der Pandora.

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– Wieviele Menschen arbeiten im InformNapalmTeam? Wieviele Menschen im technischen Feld, wieviele unmittelbar mit Untersuchungen beschäftigt?

– InformNapalm ist keine Organisation, sondern eine internationale Freiwilligencommunity. Wir sind eher ein Bienenschwarm als eine geordnete Struktur. Ich habe nie gezählt und führe auch keine Statistik über Menschen, die auf die eine oder andere Art im Rahmen unserer Informationsinitiative agieren. Den Rückgrat der Gruppe machen 10-15 Menschen aus. Es gibt sehr viele Menschen, die ab und zu mal helfen, periodisch. Viele unsere Freiwillige arbeiten auch, dienen in der Armee oder helfen noch anderen freiwilligen Initiativen, und beschäftigen sich mit dem Projekt in ihrer Freizeit. Die Arbeit wird situativ erbracht. Also, wir haben kein System – es gibt einen Funken der Idee, der in eine Informationsflamme auflodert. Das ist das ganze Geheimnis.

Roman Burko [1] im Interview an „Novoje Wremja“ [17]; übersetzt von Irina Schlegel [18].