- InformNapalm (Deutsch) - https://informnapalm.org/de -

Lagebericht des InformNapalmTeams. Stand: 14.01.2015

Zum Verständnis der Information, die im Lagebericht bereitgestellt wird, lasst uns erst ein wenig die Bedingungen des Terrains begutachten. Auf die Karte ist die Demarkationslinie eingezeichnet, die in offenen Quellen erhältlich ist. Betrachten wir doch aufmerksam die Ortschaften, durch die sie verläuft. Fangen wir mit Mariupol an. Hier fließt der Fluss Kalmius. Eine Überquerung ist nur über Brücken in der Gegend der Ortschaften Mariupol, Sartana, Pawlopil, westlich von Hryhoriwka und in Hranytne möglich (in dieser Gegend erlaubt die Flussbreite, die hochgepriesenen mechanisierten Brücken zu benutzen). Wenn man bedenkt, dass es relativ einfach ist, die Überfahrten zu kontrollieren, wenn man die Stellen kennt, wo die höchste Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Überfahrt ist, so ist die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes in südlicher Richtung ziemlich niedrig. Indirekt bestätigt wird es auch durch Insiderinformationen aus Nowoasowsk bestätigt, die behaupten, dass es in der Stadt ruhig ist. Auch wird dies durch die vor ein paar Tagen stattgefundene Verlegung der Technik in die Gegend von Dokutschajiwsk bestätigt sowie durch die Konzentration der Militärtechnik in der Gegend von Starobeschewe.

Etwas früher haben wir in der Publikation „Russische Streitkräfte beschiessen die ukrainischen Stellungen aus einem Wohngebiet in Styla“ [1] die Fakten der Ankunft des Gegners in dieser Ortschaft am konkreten Beispiel angeführt.

15-yanvarya-svodka-1024x996

Ausgehend vom Obenerwähnten könnte man eine Vermutung über einen bevorstehenden Angriff auf Dokutschajiwsk-Wolnowacha anstellen. Besonders wenn man die Aktivität der Söldner in der genannten Richtung in den letzten Tagen in Betracht zieht („Terroristen haben einen Linienbus mit Zivilisten aus GRAD-Raketenrwerfern vernichtet. (Video 18+)“ [2]).

Wenn es hier nur kein „Aber“ geben würde… Laut Insiderinformationen haben die illegalen bewaffneten Formationen (IBF) angefangen, ihre Stellungen an der Ausfahrt aus Starobeschewe in Richtung der Ortschaften Rosdolne und Styla zu befestigen. Es entsteht eine gewisse Dissonanz: Auf der einen Seite annoncieren sie einen Vorstoß auf Wolnowacha, auf der anderen bereiten sie sich auf Abwehr vor. Wir merken uns diesen Moment – darüber sprechen wir noch weiter unten. Gehen wir weiter nördlich. Zwischen Oleniwka und Donezk erlaubt die Örtlichkeit, eine Offensive in die Gegend von Wuhledar zu entwickeln, aber das kann zu einer Offensive in den Kessel werden, denn die Flanken sind entblößt. Was den Petrow-Bezirk von Donezk angeht, so ist ein Angriff in Donezk-Marjinka-Richtung wegen des Wasserspeichernetzes im Raum von Kurachowe auch zur Niederlage verurteilt. Also, im Falle einer erfolgreichen Einnahme von Marjinka wird die Offensive keine Entwicklung erfahren.

Ähnlich ist es mit einem Angriff in Richtung Donezk-Krasnohoriwka. Dies wird auch durch Insiderinformationen bestätigt: Am Morgen des 14. Januar 2015 ist eine große Anzahl an Technik und lebenden Kräften aus ihren Stützpunkten an den westlichen Rändern des Bezirks Petrow herausgekommen und startete eine Bewegung nach Osten. Gehen wir noch nördlicher und stoßen auf den Donezker Flughafen. Die Situation in dieser Gegend ist bis zum Gehtnichtmehr aufgeheizt. Der Flughafen befindet sich in einer operativen Einkesselung. Die einzige Hoffnung ist die Artillerie der ukrainischen Streitkräfte, die dem Gegner keine Offensive auf die Abteilungsstellungen, die den Flughafen verteidigen, zu entwickeln erlaubt. Nach Informationen, die aus offenen Quellen erhalten wurde, sind drei Einheiten der TOS-2 „Buratino“ [3] zum Flughafen gekommen, es wird über die Möglichkeit der Anwendung von ballistischen Raketen „Totschka-U“ [4] gemurmelt. Auch sind nach Insiderinformationen Kräfte bis zu einem Panzerbataillon in der Nähe des Flughafens konzentriert. Was bringt dem Gegner die Einnahme des Flughafens und der Ortschaft Pyski? So blöd es klingt: gar nichts. Das Einzige, was die IBF (illegale bewaffnete Formationen) erreichen werden, ist das Zurückdrängen der ATO-Kräfte in den Raum des Karlower Wasserspeichers, und dann ist aber auch Ende. Darum kann man sagen, dass die Panik um den Donezker Flughafen künstlich gefördert wird. Die Mentalität des ukrainischen Volkes kennend, das seine Leute nie im Stich lässt, führen die Söldner parallel zur militärischen Operation auch eine informativ-psychologische durch, deren Ziel es ist, die Aufmerksamkeit von anderen, viel gefährlicheren Richtungen abzulenken, wie es mit der Ortschaft Ilowajsk gewesen war. Wobei man das Vorhandensein eines Panzerbataillons am nördlichen Rand von Donezk durchaus ernst nehmen sollte. Denn unter der Deckung einer Offensive auf den Flughafen kann der Gegner einen Angriff auf Donezk-Awdijiwka unternehmen und seine Offensive entlang der Verkehrsstraße N20 bei Umgehung von Werchnetorezke und Nowobachmutiwka auf Dserschinsk fortsetzen und damit die Frontlinie wiederherstellen.

Auf der anderen Seite ist die Söldneraktivität auch an den westlichen Rändern von Horliwka gestiegen, was von Angriffen auf konvergenten Linien zeugen kann. Nun gehen wir zur östlichen Richtung über. Hier, wie wir schon mal geschrieben haben, wird die Entwicklung einer Offensive auf die Ortschaft Schtschastja wegen des Wasserhindernisses bedeutend erschwert. Obwohl, in Anbetracht der großen Menge an Artillerie, die Variante der Entwicklung einer Offensive auf Stanyzja Luhanska möglich ist, mit dem Ziel, die Kontrolle über die Eisenbahnstrecke Stanyzija Luhanska-Jelan zu bekommen, was den IBF (illegalen bewaffneten Formationen) erlauben würde, die Verlegung von Technik aus Russland auf dem kürzesten Wege abzuwickeln. In diesem Fall wird der Gegner versuchen, die Führungsstellen und Stellungen der ukrainischen Artillerie in der Gegend der Ortschaft Schtschastja zu neutralisieren, aber hier ist ein anderes Mal alles an die Überquerungen des Flusses Siwerskij Donez geknüpft. Wenn es uns gelingt, diese zu halten, wird dieser Durchbruch zur Niederlage verurteilt sein, wenn nicht, wird der Gegner die Möglichkeit eines Ausgangs auf die Ortschaft Schtschastja von der östlichen und nördlichen Seite bekommen und DANN kann man anfangen, sich Sorgen zu machen.

Gehen wir zur nördlichen Richtung zurück. Nach Informationen, die von Insidern des InformNapalmTeams erhalten wurden, wird seit zwei Tagen ein Truppenrückzug aus der Ortschaft Tores nach Norden registriert, in der Stadt sind nur noch wenige Militärs geblieben. Desweiteren wurden am Morgen des 14. Januar die Ortschaften Nikischine und Kamjanka beschossen. Was vom Beginn einer Gegneroffensive auf Debalzewe aus südlicher Richtung zeugen kann. Aber wieder mal: Lasst uns die Karte aufmerksam betrachten – wir sehen, dass das Terrain hier stark durchkreuzt ist (mit Wasserspeichern), was die Bewegung schwerer Technik erschweren wird, darum ist eine Offensive nur entlang der Verkehrsstraße MOS und aus Kirowske auf Olhowatka möglich, in der Absicht die ATO-Abteilungen in Nikischine und Kamjanka abzuschneiden. Diese aber weiter nach Debalzewe zu entwickeln wird der Gegner wahrscheinlich nicht schaffen. Zu diesem Zeitpunkt werden die ATO-Kräfte beginnen, sich zum südlichen Teil der Debalzewe-„Tasche“ zusammenzuziehen, und es werden Angriffe auf Artemiwsk aus Horliwka und Perwomajsk folgen. Warum? Weil die Ausrichtung der Frontlinie für die IBF (illegalen bewaffneten Formationen) unverzichtbar ist… Diese entlang des Mironiwske [5] Wasserspeichers auszurichten macht keinen Sinn, denn ein Angriff nach Norden wird nicht gelingen, darum muss man die Frontlinie entlang der Ortschaften Horliwka-Artemiwsk-Perwomajsk ausrichten. Höchstwahrscheinlich wird direkt danach ein Angriff auf Perwomajsk-Solote-Lyssitschansk folgen, wozu auch die Deckung der linken Flanke der Angriffsgruppierung durch Kräfte in Artemiwsk beitragen wird. Zum Ziel dieses Angriffs wird die Übernahme der Kontrolle über die Überfahrten über den Siwerskyj Donez mit einer weiteren Ausfahrtsmöglichkeit nach Schtschastja aus nördlicher Richtung.

Was die Frage nach dem Vorhandensein der Kräfte für diese Variante bei den Söldnern angeht, so haben wir Angaben, die das Vorhandensein einer großen Menge an Raketenwerfersystemen in der Gegend von Brjanka bestätigen, des Weiteren kommen von Insidern Informationen über Technikstationierung in den Bergwerken von Stachanow [6]. Auch wird in letzter Zeit die Diskreditierung des Brigadekommandeurs der Söldner, Alexej Mosgowoj, betrieben, der außer Kontrolle der „LVR“ geraten sei, was der militärisch-politischen Leitung Russlands und der „LVR“ erlaubt, im Falle einer Niederlage von Mosgowoj ungeschoren davonzukommen. Außerdem verstärkte sich nach Insiderinformationen die Söldneraktivität an den nordöstlichen Rändern von Horliwka. Und die Informationsanalyse aus offenen Quellen bescheinigt Dauerbeschüsse durch die Söldner sowohl der zivilen Bevölkerung als auch der ATO-Stellungen in derselben Richtung.

Man muss verstehen, dass es keine zeitgleiche vollwertige Angriffe in alle Richtungen geben wird. Für so ein Manöver haben die illegalen bewaffneten Formationen doch nicht genug Kräfte. Eben deswegen verstärken die Söldner die Verteidigungsstellungen in Starobeschewe und imitieren dabei die Angriffsvorbereitung auf Dokutschajiwsk-Wolnowacha. Sie werden in der nördlichen Richtung einen Teil der Reserve aus dem Hinterland  (Schachtarsk, Tores, Krasnyj Lutsch) einführen müssen. Weil sie sich vor dem Angriff der ukrainischen Streitkräfte fürchten, befestigen sie ihre Flanken.

In das Gesamtbild der Ereignisse passt auch eine Information aus dem Separatistenmilieu der Stadt Slowjansk, in der Behauptungen über die bevorstehende Rückkehr der Söldner in diese Stadt Behauptungen aufgestellt werden. Das ist nur in dem Fall möglich, wenn die illegalen bewaffneten Formationen ihre Kontrolle über Artemiwsk wiederherstellen (wobei es auch eine Prahlerei zur Panikförderung sein kann).


Dieses Material wurde von militärischen Analytikern der Gruppe InformNapalm Artem Wasilenko [9] und Timur Melik [10]vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [11]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf InformNapalm [12] erforderlich. 

CC BY 4.0