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Lagebericht des InformNapalmTeams vom 24.03.2015

„Der Krieg liebt den Sieg und mag keine Dauer.“

Song Jiang

Wir haben den Lagebericht mit diesen Worten angefangen, weil sie genau das widerspiegeln, was in Donbass passiert ist. Die Waffenruhe, die nach dem Abzug der ATO-Kräfte aus Debalzewe eingetreten ist, war für beide Seiten nötig. Die Söldner trugen grosse Verluste (zum Beispiel haben sich die lokalen Söldner von Altschewsk krank gestellt und die Zeit in Krankenhäusern verbracht, um nicht später wieder an die Front zu kommen), die ukrainische Armee war wegen ihrem Abzug demoralisiert.

Später gab es den Abzug schwerer Bewaffnung. Im Unterschied zu ATO-Kräften, bewegten die Söldner ihre Technik im Kreis, indem sie diese über die Haupttransportwege abzogen und dann über die Feldwege wieder zurückbrachten. Mit welchem Ziel es gemacht wurde – ob sie die OSZE-Vertreter durcheinanderbringen oder ihre Kämpfer mit etwas beschäftigen wollten, damit die Disziplin nicht zerfällt- ist noch unklar. Klar ist nur eins: indem sie den Artillerieabzug imitierten, konnten die Söldner eine bedeutende Menge an mechanisierten Einheiten in vermutlichen Hauptrichtungen der Angriffe anhäufen. Ausserdem muss man die permanenten Gefechtsvorbereitung-Übungen der Gegner-Einheiten erwähnen, wie auch die Errichtung von Befestigungsanlagen in faktisch allen Richtungen.

Aber, wie es sich herausgestellt hat, hat die Waffenruhe doch eine Rolle gespielt. Durch welches Wunder auch immer, aber unserer Regierung ist es gelungen, die erste Tranche in der Grösse von 5 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfond zu bekommen. Genau dieser Umstand spielt für Moskau eine nicht unwichtige Bedeutung bei der Auswahl des weiteren Vorgehens. Erstens versteht nun Putin, dass ihm nicht mehr einfach nur so Angst eingejagt wird. Die „grosse Besorgtheit“ von Europa zur Situation in der Ukraine ist beendet, und Merkel hat nicht umsonst mit einer adäquaten Antwort auf die Angriffe auf Mariupol und den Norden von Donbass gedroht. Die Weltfinanzmänner haben ein Jahr lang dieses Geld unter Krämpfen „zur Welt gebracht“, und sind nun einfach nur verpflichtet, alles zumindest für eine Zeitlang so zu lassen, wie es nun ist.

Zweitens gibt es das verabschiedete Gesetz zum besonderen Status von Donezker und Luhansker Gebiete. Oder besser gesagt: die Weigerung, hier die russische Idee zu akzeptieren. Das stellt Russland faktisch unter einen grossen Druck der Weltgemeinschaft, und zwingt Putin, Möglichkeiten zur Nichtfinanzierung der okkupierten Territorien und einen anderen Weg zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine zu suchen.

Und hier hat man eben Möglichkeiten. Wir werden auf das Wesen des Krieges von „Kolomojskyj gegen alle“ nicht eingehen. Wie auch auf die neuen Perlen von Firtasch nicht. Putin hat andere Varianten: zum Beispiel Achmetow.

Genau mit Hilfe Achmetows wird Moskau Mariupol zu zerrütten versuchen. Was nicht bedeutet, dass Rinat Achmetow ein Agent Moskaus ist. Nur kann Moskau mit den Interessen von Achmetow ein schönes Spiel machen. Worin besteht es? Zum Beispiel darin, dass bei der stark beschädigten Infrastruktur von Donbass, die Betriebe von Achmetow wie durch ein Wunder vom Krieg verschont geblieben sind. Eben darum ist es gut möglich, dass die Prorussen Mariupol zerrütten und dann in die Stadt die Armee der sogenannten „DVR“ eingeführt wird. Wenn man noch die Versuche mit dem Berdjansker Flughafen berücksichtigt, ist diese Variante sehr wahrscheinlich. Daraus ergibt sich eben, dass während jemand noch die „Ukrtransneft“ aufteilt, sich wo anders ein weiteres Stück der Ukraine abspalten kann.

Aber, wenn die Gewaltvariante vorgezogen wird, so wird diese folgendermassen aussehen: auf dem Hintergrund des Geschehens in Kostjantyniwka, wo ein tragischer Fall passierte, führte der Gegner eine Verlegung der Kräfte an die nordwestlichen Ränder der Ortschaft Horliwka durch, höchstwahrscheinlich wurde dabei angenommen, dass die Missmut der Bevölkerung über den Tod des Mädchens zu Massenunruhen führen wird, welche der 81. Brigade die Hände binden werden, was einen Durchbruch in Richtung Horliwka-Dserschynsk-Kostjantyniwka zu vollbringen und die Einnahme der Stadt durchzuführen erlaubt.

Man sollte hier die abgestimmte Arbeit des Leitung des Verteidigungsministeriums wie auch der Medien hervorheben, die nicht nur die Bestrafung der Schuldigen auszuführen, sondern diesen Prozess auch im Informationsraum günstig zu präsentieren erlaubte. Wobei es noch zu früh ist, sich zu beruhigen- nach einer Information, die noch einer Prüfung bedarf, ist in Kostjantyniwka ein Söldnerkern angekommen, der die Situation in der Stadt zu destabilisieren versuchen wird.

Der Information aus offenen Quellen nach zu urteilen, reparierten die Söldner die Eisenbahnwege in der Ortschaft Debalzewe, was ihnen die Versorgung der Einheiten, die sich nah an die Berührungslinie befinden, bedeutend erleichtert.

Aber der Angriff entlang der Bundesstrasse M03 Debalzewe-Artemiwsk ist wegen dem Vorhandensein eines Wasserspeichersystems zwischen den Ortschaften faktisch unmöglich. Dafür sehen aber die Angriffe aus Horliwka und Perwomajsk auf Artemiwsk ziemlich verlockend aus. Um so mehr, falls den Söldnern gelingt, die Ortschaft Kostjantyniwka einzunehmen.

Im Falle der Einnahme von Kostjantyniwka werden die Söldner höchstwahrscheinlich nicht versuchen, durch die Ortschaften Druschkiwka und Oleksijewo-Druschkiwka bei Kramatorsk herauszukommen, denn wahrscheinlich erinnern sich die Generäle der Streitkräfte Russlands an die traurige Erfahrung des Ersten Tschetschenischen Krieges, dafür ist das Vorrücken in Richtung Slowjansk über die M03 eine für sie wunderbare Variante.

Dabei sollten wir nicht vergessen, dass bald alles grün wird, und wir uns gut an die Sommer-Kampagne des letzten Jahres erinnern, als sich die unbedeutenden Söldnerkräfte gegen die ATO-Kräfte gerade im Norden des Gebietes ziemlich gut behaupteten, indem sie Partisanentaktik anwandten. Ausserdem erlaubt die Kontrolle über Kostjantyniwka eine Offensive auf Krasnoarmijsk zu entwickeln, was den Söldnern die westlichen Tore des Gebietes zu kontrollieren erlauben wird.

Das Szenario einer Offensive auf Krasnoarmijsk unter die Lupe zu nehmen haben uns die Ereignisse gezwungen, die oben beschrieben wurden, und zwar: der Krieg Kolomojskyjs gegen die Oligarchen und Obrigkeit. Man möchte daran erinnern, dass es in Dnjepropetrowsk, dessen Einwohner hauptsächlich bei „Juschmasch“ arbeiten und der Löwenanteil dessen Produktion wiederum auf Russland orientiert ist, bis heute keinerlei Anzeichen von Separatismus nur dank dem Vorgehen von Gouverneur des Gebietes gab. Der Druck auf Kolomoiski kann zur Destabilisierung der Lage in der Region mit allen daraus folgenden Konsequenzen führen…

Wir haben im vorangegangenen Bericht schon mal geschrieben, dass die Einnahme der Ortschaft Artemiwsk den Söldnern die Versorgung der ATO-Kräfte zu erschweren erlauben wird. Ferner wird die Besetzung von Artemiwsk den Söldnern die linke Flanke zu decken und eine Offensive auf die Ortschaft Lyssytschansk zu entwickeln erlauben, mit dem Ziel der Kontrollübernahme über die Überfahrten.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man auf die Stelle mit den Koordinaten N48,819444° E38,588033° lenken, wo sich im Raum von Ustiniwka die Furt über den Fluss Siwerskyj Donez befindet, die vom ehemaligen Polygon geblieben ist. Die Kontrolle über diese wird den Söldnern ihre Technik auf das nördliche Flussufer zu verlegen und zur Ortschaft Stschastje vom Norden aus zu kommen erlauben.

In Materialien von Irakli Komaxidze kann man die Anhäufung einer Angriffsgruppe des Gegners im Raum der Ortschaft Millerowo nachverfolgen, was einen Angriff von der Seite Russlands unter dem Deckmantel eines Übergangs über Siwerskyj Donez im Raum von Lyssytschansk und Ustiniwka sehr wahrscheinlich macht.

Analogisch sollte man besondere Aufmerksamkeit auch der Stanyzja Luhanska widmen, wo die Söldner schon mal versucht haben, den Fluss zu überqueren und einen Blockposten auf dem nördlichen Flussufer zu errichten. Was die Richtung Wesela Gora-Stschastje angeht, so möchten wir nochmal an Siwerskyj Donez erinnern – die Söldner-Aktivität in der angegebenen Region kann nur einen ablenkenden Charakter haben.

Gehen wir weiter unten nach Süden. Die Söldner setzen die Kräfte-Anhäufung für einen Angriff auf Awdijiwka fort. Womöglich liegt der Grund in der Kokerei, womöglich – in der Notwendigkeit, die ATO-Kräfte möglichst weit von der Bundesstrasse M04 abzudrängen, um eine Kontrolle über die Technikverlegung der Söldner zu vermeiden. So oder so werden die Söldner ihre Versuche, Awdijiwka einzunehmen, nicht sein lassen.

Wenn man noch südlicher geht, so muss man hier eine erhöhte Aktivität der Söldner im Raum von Dokutschajiwsk und Starobeschewe vermerken. Der Gegner setzt die Anhäufung der Technik für einen möglichen Angriff auf Wolnowacha und ferner auf Wolodarske und Manhusch mit dem Ziel, Mariupol von den Versorgungswegen abzuschneiden, fort. Dabei ziehen sie die Technik in den Raum von Schyrokyne zusammen, in dem Versuch, die ATO-Kräfte dorthin zu locken. Man sollte auch ein mögliches Landen im Raum von der Ortschaft Berdjansk erwarten, was im Licht der letzten Manöver der Marineinfanterie der Streitkräfte Russlands auf der Krim aktuell wird.

 

Dieses Material wurde vom Militäranalytiker des InformNapalmTeams Artem Wasilenko unter aktiver informativer Unterstützung der InformNapalmGruppe vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf den Autor und unser Projekt erforderlich.

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