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Lagebericht per 20.01.2015

Das Hauptthema der letzten Tage ist und bleibt der Donezker Flughafen und auf ihn ist die gesamte Aufmerksamkeit der Leser gerichtet. Der Flughafen ist zu einer Art Fetisch geworden, und das hat der russischen Propaganda einen Ball zugespielt: nun können sie den Flughafen dafür nutzen, um die Aufmerksamkeit des Publikums problemlos umzulenken.

Wir wollen den Blickwinkel ein wenig erweitern, denn die Situationsverschärfung am Flughafen ist nur ein Ablenkungsmanöver vom gesamten Kriegsschauplatz. Dazu spielen auch der misslungene „Nebelausflug“ zum neuen Terminal und die ukrainischen Soldaten, die in Gefangenschaft geraten sind, einer adäquaten Wahrnehmung der Situation einen Streich.

Die Information über das Eindringen von zwei russischen bataillon-taktischen Gruppen mit einer Stärke von 600-800 Menschen auf das Territorium der Ukraine erfrischte alle ein wenig, hat aber keine genaue Vorstellung über die Absichten des Gegners vermittelt, angesichts der fehlenden offiziellen Information über die genaue Region seines Vorrückens. Aus eigenen Quellen ist es uns gelungen zu ermitteln, dass die erste bataillon-taktische Gruppe in Luhansker Gegend gesichtet wurde, und die Zweite – im Raum von Telmanowe in Richtung Mariupol. Ein Teil dieser Truppen ist zur Ablösung und Verstärkung von Einheiten gegangen, die Verluste erlitten haben.

Die Hauptrichtungen der Techniklieferung: Matwejew Kurgan-Ilowajsk, Nowoschachtinsk-Anthrazyt, Kamensk-Schachtinski-Luhansk. Hauptsächlich setzt sich alles in Schachtarsk (wo sich höchstwahrscheinlich die Reserve des Stabsquartiers befindet), Brjanka und Stachanow, Luhansk (Richtung Stanizija) ab.

Nun prüfen wir doch die Geschehnisse anhand der Analyse der vorangegangenen Lageberichte. [1] Nach dem Beginn der Erstürmung des Flughafens mit Kräften der ATO ist die Söldneraktivität im Raum von Dokutschajiwsk schlagartig gestiegen. Man begann, die Technik aus Starobeschewe und Komsomolske nach Dokutschajiwsk zusammenzuziehen. Ferner hat der Gegner eine Technikverlegung im Süden Richtung Mariupol unternommen.

Somit wurde die erste Etappe verwirklicht: ein Ablenkungsangriff. Die ganze Aufmerksamkeit wurde auf den Flughafen und den Sektor M umgelenkt. Am 20. Januar haben die Söldner begonnen, eine Offensive in Lyssitschansker Richtung zu entwickeln, das bezeugt das abwechselnde Zurückdrängen der Kräfte im Raum des 31. Blockpostens. Hier möchten wir anmerken, dass die abgestimmte Arbeit der Unterabteilungen der ukrainischen Streitkräfte den gegnerischen Kräften, die in Slawjanoserbskij Gegend angekommen sind, keine Möglichkeit gelassen hat, bedeutende Erfolge zu erzielen.

Nun sollte man Durchbruchsversuche in Artemiwsk-Richtung erwarten. Wenn man die abstrusen Tagesmanöver des Gegners in Horliwka unter der Deckung einer Beschussimitation in Betracht zieht, wird so eine Entwicklung immer wahrscheinlicher.
Möchten hier anmerken, dass dies bei weitem nicht die letzten Einfälle der russischen bataillon-technischen Gruppen sind, und am 21-22. wir höchstwahrscheinlich über neue Vorfälle hören werden.

Das Monitoring der sozialen Netzwerkprofile von russischen Militärangehörigen hat gezeigt, dass in der Nacht auf den 20.01 unter der Nebeldeckung die Einführung von mehreren weiteren Gruppen geplant ist. Indirekt bestätigt diese Angaben gewisse Regung der russischen Gruppierungen in den Stützpunkten bei Rostow-am-Don, wo sie über drei Monate stationiert waren. Viele Militärs prahlen vor ihren Freunden, dass sie heute Nacht auf Donezk gehen. Natürlich sollte man ein Informationsspiel nicht ausschliessen, aber die Absicht eines Austritts zum Kampfeinsatz ist deutlich zu beobachten.

Die Beobachter vermerken auch, dass die Anlieferung der Munition über Makijiwka nach Donezk über die H21-Bundesstrasse ihr Tempo verdoppelt hat. Wenn früher die LKW-Karavanen mit Munition morgens ankamen und abends schon wieder zurückfuhren, so machen sie nun 2 Hin- und Rückfahrten am Tag. Über die Bundesstrasse fahren insgesamt ca. 30-40 LKWs pro Tag durch, die Fahrzeuge fahren ohne Bewachung. Womöglich wurden die Munitionsdepots vom russischen Territorium im Rostower Gebiet nach okkupiertes ukrainisches Territorium des Luhansker Gebietes verlegt, was die Dichte der Munitionszufuhr vergrössern liess.

Man sollte auch die Möglichkeit eines Luftwaffeeinsatzes seitens Russlands nicht verwerfen – davon spricht die Panikförderung unter der lokalen Bevölkerung auf dem okkupierten Territorium von Donezk. Den Menschen wird eingetrichtert, dass die ukrainische Luftwaffe sie bomben wird, zugleich werden erneut Andeutungen auf das Auftauchen der „eigenen Luftwaffe“ bei den Söldnern verbreitet. Diese zwei Episoden lassen über die Vorbereitung der Provokationen aus der Luft schlussfolgern.

Prognose: mehrere Tage in Folge wird die Situation mit Ablenkungsmanövern weiterhin aufgeschaukelt, parallel werden lokale Angriffe ausgeführt, und danach könnte eine schockierende Provokation und ein Durchbruchsversuch der Frontlinie folgen.

Parallel könnten auch Szenarien mit Terrorakten oder Resonanzablenkungsmanövern im Nordeuropa aktiviert werden. Die heutige Festnahme von fünf russischen Bürgern in Frankreich unter der Anklage einer Vorbereitung von Terrorakten ist nur ein Vorbote.

Höchstwahrscheinlich werden wir den Tag der Sobornosti der Ukraine [2] (ein Feiertag in der Ukraine, Wiedervereinigung von Ost- und Westukraine in 1919) nicht in einer feierlichen, sondern kämpferischen Stimmung verbringen müssen. Haltet Euch am Glauben und der Überzeugung vom zukünftigen Sieg fest. Verfallt weder in Panik noch in Mutlosigkeit und wir werden unbedingt siegen.

P.S. Übrigens sind unsere Opponenten auch der Panik anheimgefallen. Aus zuverlässigen Quellen ist uns bekannt, dass im Kreml totales Chaos und Gewackel herrschen. Und sie haben einen Grund zur Panik: gegen sie ist die ganze zivilisierte Welt.

 

Dieses Material wurde von Analytikern des InformNapalmTeams [3] Artem Wasilenko [4] und Roman Burko [5] dank der Infomationsunterstützung der Insider und Freiwilligen von InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. [6] Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.