Nach Informationen unserer Insider wurden in der zweiten Novemberhälfte wieder Truppen ohne Abzeichen in einer einheitlichen Uniform verstärkt, die auf den durch die Terroristen okkupierten Territorien der Gebiete Donezk und Luhansk aktiv sind. Im Unterschied zu den Söldnern der Banden „DVR“ und „LVR“, die es bevorzugen, sich mit Fetzen von „Colorado“-Streifen (St-Georgs-Bändern) und mannigfaltigen Chevronen mit Emblemen von Neurussland und der nicht anerkannten Republiken zu behängen, sehen diese Soldaten wie reguläre Streitkräfte aus. Diese Vermutung basiert auf indirekten Anzeichen für ihre Zugehörigkeit zu regulären Streitkräften Russlands.
Als zusätzliche Faktoren ihrer Zugehörigkeit können die Angaben darüber dienen, dass diese Abteilungen auf der zweiten Verteidigungslinie stehen. Die erste Linie ist von der lokalen „Volkswehr“ und Söldnern besetzt. Nach Informationen unseres OSINT-Experten Irakli Komaxidze sind auch Vertreter des östlichen Militärbezirks Russlands an die ukrainische Grenze verlegt worden. So einen irrationalen Schritt seitens Russlands wie eine Verlegung von Abteilungen aus fernöstlichen Regionen kann man entweder mit einem Kräfte- und Mittelmangel des westlichen, südlichen und zentralen Militärbezirks erklären, oder mit einem psychologischen Faktor. Wie uns einst ein Veteran der ersten tschetschenischen Kampagne erklärte: „Durch das Fernrohr ist es einfacher, einen Feind anzuschauen, der sich durch seine Augen, Sprache, Hautfarbe oder seine Art von dir unterscheidet, als einen Slawen zu sehen, mit dem dich Blutsbande verbindet“. Gut möglich, dass sich die russischen Feldherren bei dieser Entsendung von Dagestanern, Tuwinern, Burjaten und der Vertretern anderer Nationalitäten in die Ukraine nach diesem Prinzip richten.
Nach manchen Angaben ist ein Teil des schweren Militärgeräts des Gegners zur Kontaktlinie verlegt worden – das kann auf einen Versuch der Kräfteumgruppierung hindeuten.
Die Einstellung der Finanzierung der okkupierten Regionen durch die Ukraine hat zur Aktivierung und wachsender Massenunzufriedenheit mit der Söldnerführung bei der lokalen Bevölkerung geführt, was die Entstehung von Untergrundinitiativen für den Kampf um soziale Rechte ausgelöst hat, wie auch radikale Widerstandsformen wie Aktivitäten von Partisanentruppen.
Wenn man bedenkt, dass die Wirtschaft der okkupierten Region faktisch zerstört ist und Russland wegen der Erdölpreissenkung nun selbst wirtschaftliche Probleme bekommen hat, so können die gegnerischen Kräfte weitere Vorstöße und Kriegshandlungen gegen die ukrainischen Armeestreitkräfte intensivieren, um die Aufmerksamkeit von den sozialen Problemen abzulenken, die nach den Minsker Absprachen in den Vordergrund gerückt sind.
Wenn man den Kriegsablauf seit April dieses Jahres analysiert, so haben die erfolgreichen Angriffshandlungen des Gegners die ukrainischen Regierungsvertreter bis jetzt immer gezwungen, sich auf neue Vereinbarungen mit den Terroristen und ihren Strippenziehern in Russland einzulassen. Als prägnantes Beispiel kann hier die Tragödie bei Ilowajsk dienen. Darum sollte man die Möglichkeit eines Übergangs zur aktiven Angriffsphase seitens der Söldner und ihnen unterstellten Abteilungen der russischen Streitkräfte nicht aus den Augen lassen.
Es wurde eine Bewegung von Panzerwagenkolonnen in die Gegend von Komsomolske und Telmanowe registriert. Diese Tatsache spricht für einen möglichen Vorstoß nördlich von Mariupol. Hier bleibt das Szenario der möglichen Handlungen ohne Veränderungen. Die Aktivierung der russischen Streitkräfte auf der okkupierten Krim kann ein Anzeichen für die Vorbereitung eines Einbruchs in die kontinentale Ukraine sein, oder es ist nur die Folge des fortlaufenden „Muskelspiels“.
In den letzten Tagen sind die Aktivitäten der Söldner um Debalzewe herum angestiegen. Mehrere Tage in Folge wurde auf den Stab dieses Sektors das Feuer geführt. Zu vermerken ist eine Truppenverstärkung der gegnerischen Kräfte in Jenakijewe, Krasny Lutsch und in Richtung Perwomajsk-Altschewsk. Die aufgeführten Fakten sprechen von einer möglichen Vorbereitung auf eine Angriffsoperation mit dem Ziel der Erschaffung eines Kessels um Debalzewe herum.
Was Donezk angeht, so ist ein Vorstoß auf die Ortschaft Marijinka höchstunwahrscheinlich, denn die Angriffsgruppierung der Söldner wurde in der Gegend des Donezker Fahrzeugwerks (47°55’37″N 37°38’46″E) faktisch vernichtet, was ihre Pläne wohl ein wenig vereitelt hat.
Wobei man dieser Richtung weiterhin Aufmerksamkeit schenken sollte, wenn man den nicht aufhörenden Fluss von Militärtechnik nach Donezk berücksichtigt.
Einer der Schlüsselmomente hier ist die vergrößerte Möglichkeit, Truppen vom Territorium Russlands aus entlang der Verkehrsstraße R22 aus Millerowo (Russland) in Richtung Schtschastja (Gebiet Luhansk) einzuführen. Darauf deuten die erneuten Bombardierungen unserer Armeekräfte jenseits der Grenze Russlands hin, sowie die mehrfache Grenzüberschreitung seitens der Luftwaffe Russlands in der Gegend von Krasna Taliwka. Dieses Geschehen ist die einzige Möglichkeit für den Feind, Schtschastja einzunehmen, das vom Süden aus durch ein natürliches Wasserhindernis geschützt ist – den Fluss Siwerskyj Donez. Auch ist ein stetiger Zufluss an schwerer Militärtechnik zu vermerken, die aus dem Raum von Iswarine durch Krasnodon transportiert wird.
Genau dieses „Recht auf Angriff“ der russischen Streitkräfte aus der Krim und vom Territorium Russlands aus möchten auch die „DVR/LVR“-Anführer durchsetzen, indem sie die Situation der humanitären Katastrophe im Donbas hochschaukeln. Sie provozieren den Kreml weiterhin mit allen Mitteln ebenso wie mit ihren Aufrufen wie #putinführedietruppenein.
UPD 27/11/14: Nach der Veröffentlichung dieses Materials bestätigte sich unsere Annahme über einen Versuch der Söldner, eine humanitäre Katastrophe zu provozieren: Von unseren Lesern aus dem Gebiet Luhansk ging bei uns eine Nachricht ein, in der stand: „Die Söldner haben den Einwohnern von Stanyzja Luhanska erklärt, dass sie ab dem 1. Dezember die Lebensmitteleinfuhr aus Stanyzja nach Luhansk verbieten. Womöglich wollen sie eine Revolte der Einwohner von Stanyzja gegen die ukrainische Armee provozieren. Denn die Einwohner von Stanyzja leben hauptsächlich vom Verkauf ihrer landwirtschaftlicher Produkte in das ukrainische Luhansk und ins russische Gebiet Rostow“.
Die Karte bleibt unverändert.
Dieses Material wurde von Artem Wasilenko, Militäranalytiker der Gruppe InformNapalm, und Roman Burko, Koordinator des Projekts InformNapalm, vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck des Materials ist ein Hinweis auf InformNapalm erforderlich.
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