Die Offensive der „Streitkräfte Neurusslands“ (illegale bewaffnete Formationen, IBFs) mit dem Ziel, unter der Deckung von aktiven Kampfhandlungen am Donezker Flughafen den Kessel um Debalzewe zu schließen, hat sich am 25. Januar 2015 verschluckt. (Anmerkung: Während der Geltungsdauer der wackeligen Waffenruhe nach Minsker Abkommen ist es den Bandenformationen der „LVR/DVR“ gelungen, einen Abklatsch der Streitkräfte unter dem Protektorat des „Altrusslands“ (Russland) aufzustellen. Blitzkrieg ist den Terroristen zwar nicht gelungen, die Absicht war aber durchaus interessant.
Höchstwahrscheinlich hat hier der zuvorgekommene Angriff auf Stachanowe am Vorabend der Offensive eine Rolle gespielt, infolge dessen die Sturmtruppe des Gegners vernichtet wurde. Gerade dieser Angriff hat die IBFs (illegale bewaffnete Formationen) gezwungen, ihre faktisch nicht einsatzbereite Einheit – das Bataillon „August“ – zu nehmen und diese in die Schlacht bei Sanschariwka zu werfen.
Ähnliche Situation fand auch in Horliwka statt, wo ein Teil der Angriffsgruppe der Söldner vernichtet wurde. Die Aufgabe dieser Gruppe war, die Aufmerksamkeit der ukrainischen Streitkräfte von den Hauptrichtungen (Horliwka-Artemiwsk und Jenakijewe-Wuhlehirsk-Debalzewe) durch einen Angriff auf Dserschynsk abzulenken. Gerüchten zufolge wurde in der Gegend des Bergwerks Schewelewka eine bataillon-taktische Gruppe in ihrer Vorbereitungsphase auf einen Angriff in Richtung Horliwka-Artemowo zerschlagen, sowie auch die Stosskräfte im Raum von Balzi Skotowata vernichtet wurden, was die Stellungen zwischen den Ortschaften Horliwka und Dserschynsk festzuhalten erlaubte.
Was die Ortschaft Oserjaniwka angeht, so haben hier die IBFs (illegale bewaffnete Formationen) einen gewissen Erfolg erzielt. Aber der Anmarsch von Zusatzkräften in den Raum der Ortschaft Michalowka hat ihre Erwartungen nicht erfüllt. Die Gegnerkolonne wurde entlarvt, worüber die Journalisten informiert wurden, die in ihren Artikeln dem Personalbestand der Gegnerstreitkräfte gut Angst eingejagt haben. Das hat die Kolonne vom 24. bis zum 28. Januar in der Ortschaft aufgehalten. Womöglich war es eine Art Informationsoperation, die leider keine Fortsetzung bekommen hat.
Zum jetzigen Zeitpunkt wurde eine Verlegung der Kräfte in den Raum von Jenakijewe, Perwomajsk, Sorynsk registriert. Womöglich wird es hier Versuche geben, den Kessel auf konvergenten Linien im Raum der Brücke über dem Mironiwske Wasserspeicher (Verkehrsstraße M03) zu schliessen. Solche unverdeckten Aktivitäten der IBFs lassen Fragen offen. Höchstwahrscheinlich verstanden die Führungskräfte der IBFs in der Person der Russischen Föderation, dass die ursprüngliche Absicht einer Kesselbildung um den ATO-Stab entlarvt wurde, und ergriffen daraufhin notwendige Gegenmassnahmen.
In diesem Zusammenhang ist die Fortsetzung der Versuche, einen Kessel unter der Bedingung von großen Verlusten zu schließen, unlogisch. Nichtsdestotrotz bleibt die Wahrscheinlichkeit von Angriffen auf Mironiwski sowie auf Artemiwsk aus Perwomajsk und Horliwka relativ hoch. Besonders wenn man die annoncierte Arbeit der Diversionsgruppen im Rücken des Gegners entlang der Verkehrsstraße M03 berücksichtigt. Separat sollte man die Versuche der IBFs hervorheben, eine Offensive in Richtung Lyssytschansk zu entwickeln. Diese Versuche haben noch zu keinem Erfolg geführt, obwohl Lyssytschansk, wie wir es in den vorangegangen Lageberichten beschrieben hatten, für die IBFs einen deklarierten Charakter trägt: die Notwendigkeit, einen Anschein der Kontrolle über die Überfahrten über Siwerskij Donez zu erwecken, mit einer späteren Einführung von russischen Streitkräften und der Kesselbildung in Schtschastja.
In Donezk, nach dem Kontrollverlust über den Flughafen durch die ukrainischen Streitkräfte (wer daran Schuld ist, wird die Staatsanwaltschaft ermitteln) haben die IBFs keine substantiellen Vorzüge im Raum der Ortschaften Pisky und Awdijiwka bekommen. Aber es ist eine Angriffsvariante aus südlicher und nordöstlicher Richtung unter Umgehung von Awdijiwka mit dem Ziel der Kontrollübernahme über die Verkehrssstraße Donezk-Kostjantyniwka entstanden (erinnern wir uns hier an die Kolonne in Michajliwka und die Anwesenheit der Söldner in Oserjaniwka). Im Falle einer erfolgreichen Offensiventwicklung in der genannten Richtung könnten die terroristischen Streitkräfte einen Versuch unternehmen, Dserschynsk vom Westen aus umzugehen und bei Kostjantyniwka herauszukommen, mit dem darauffolgenden Angriff auf Artemiwsk vom Rücken aus (!).
Bei der Auswertung der Situation und der Entwicklung möglicher Angriffe sollte man berücksichtigen, dass die IBFs große Verluste in letzter Zeit getragen haben. Indirekt wird es durch eine zusätzliche Verlegung der Verstärkung für die IBFs aus dem Personalbestand der Streitkräfte Russlands aus der Nähe von Sankt-Petersburg nach Rostow bestätigt.
Man muss hier besondere Aufmerksamkeit auf die westlichen Ränder von Donezk lenken. In den letzten Tagen wurde dort gesteigerte Söldneraktivität registriert. Im Raum des Bergwerkdorfes Trudowskaja ist eine vorgeschobene Führungsstaffel eingerichtet worden. Auch wurden in dieser Gegend die Popstars der IBF-Medien „Giwi“ und „Motorola“ gesichtet.
Möglich ist ein Angriffsversuch der Söldner auf Donezk-Kurachowe. Auch wurde eine Technik- und Munitionsverlegung auf die westlichen Ränder des Bezirks Petrowski registriert, obwohl gestern, am 27. Januar, ein Teil der Söldnertechnik durch die ukrainische Artillerie vernichtet wurde. Eine verstärkte Aktivität der Söldner im Raum der Ortschaften Oleniwka, Dokutschajiwsk, Komsomolske, Styla zeugt auch von der Möglichkeit dieses Angriffes. Außerdem fiel am 25-26. Januar in den Raum von Nowoasowsk eine große Panzertechnikkolonne aus Russland ein, die sich in Richtung Telmanowe bewegt.
Ursprünglich haben wir als den wahrscheinlichsten Angriff den Angriff Dokutschajiwsk-Styla-Wolnowacha mit einem weiteren Ausgang auf die nördlichen Ränder von Mariupol betrachtet, aber nach einem misslungenen Raketenwerfer-Beschuss der Stadt durch die IBFs wird die Gruppierung der Streitkräfte Russlands es nicht riskieren, in diese Richtung vorzustoßen (zu viel Aufmerksamkeit). Die Richtung Styla-Dokutschajiwsk-Wuhledar dagegen, mit einer Flankensicherung durch einen Angriff Donezk-Kurachowe, scheint uns äußerst verlockend zu sein. Das wird den Söldnern wenigstens in einer der Richtungen erlauben, die vom Anführer der IBFs Sachartschenko erklärten Linien (administrative Grenzen des Donezker Gebietes) im Raum von Welyka Nowosilka zu erreichen.
Indirekt wird die hochwahrscheinliche IBF-Aktivität gerade in südlicher sowie südöstlicher Richtung durch die Sprengung der Eisenbahnbrücke im Raum der Ortschaft Rosiwka bestätigt, welche die Mobilitätsmöglichkeiten der Streitkräfte der Ukraine bedeutend verringert hat.
Alles in diesem Lagebericht Geschriebene sollte man nicht als ein Dogma betrachten, denn die IBFs haben substantielle Verluste bei dem Verwirklichungsversuch ihrer primären Absicht getragen und besitzen wahrscheinlich noch keine Kräfte für eine Weiterführung der aktiven Handlungen, man sollte aber stets daran denken, dass die Streitkräfte Russlands sehr wohl diese Kräfte besitzen, die an den Grenzen konzentriert sind. Offensichtlich ist, dass man vom Gegner nichtstandardisierte Entscheidungen erwarten kann.
Auf permanente Informationseinwürfe über das Vorhandensein eigener Flugzeuge und Hubschrauber bei den IBFs folgten zuvorkommende Angriffe der ukrainischen Artillerie auf die Konzentrationsstellen des Militärgeräts der IBFs in Luhansk, um den Spekulationen zum Thema der Luftwaffe ein Ende zu setzen. Tja, die Flugzeuge haben wir schon gesehen, nun sollte man die Aufmerksamkeit auf die Hubschrauber lenken, die von den terroristischen Kräften für Angriffe eingesetzt werden könnten. Wir erinnern daran, dass wir im September 2014 Fotobeweise für Konzentration von russischen Kampfhubschraubern KA-52 „Alligator“ im russischen Gebiet Rostow präsentiert hatten, die sich in unmittelbarer Nähe zur ukrainischen Grenze befanden.
Denkt daran, welch‘ auch immer dreiste und heimtückische Handlungen der Gegner unternimmt, zieht er unvermeidlich die Schlinge um seinen Hals weiter zusammen. Denn auf unserer Seite ist die Wahrheit – und sie ist ein starker Verbündeter…
Dieses Material wurde von Artem Wasilenko und Roman Burko unter aktiver Informationsunterstützung der Gruppe InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unser Projekt erforderlich.
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