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Lagebericht per 17.11.2014

Nach Ergebnissen der letzten Woche haben wir mehrere bedeutende Veränderungen registriert, die auf die eine oder andere Art und Weise den Gesamtablauf der Konfrontation beeinflussen könnten.

Entsprechend der operativen Information haben die Anfang November von den ukrainischen Beamten festgenommenen Militärangehörigen Russlands (Eugen Tur und Alexander Bondaruk) Informationen über die allmähliche Reorganisation in den Reihen der Söldner preisgegeben und auch über die Durchführung von Säuberungsoperationen seitens der russischen Streitkräfte unter der Schirmherrschaft der russischen Geheimdienste ausgesagt, was sich im Verschwinden von unerwünschten oder schwach disziplinierten Söldnern und sogar von ganzen Gruppen äußert. Im Laufe dieses „Reorganisationsprozesses“ ist die Erschaffung einer einheitlichen Armee Neurusslands geplant, die den russischen Geheimdiensten strikt unterstellt sein wird. Zum heutigen Tag beobachten wir eine Verschärfung der Situation, die durch periodische interne Konflikte der Banden, Kosaken-Gruppen, „DVR“- und „LVR“-Gruppen hervorgerufen wird. Unter diesen Umständen ist eine Verstärkung von Gruppen regulärer Streitkräfte Russlands im Donbas zu prognostizieren, welche gegen die schlecht disziplinierten Banden ausgetauscht werden sollen.

Und nun zur Lage an der Front:

DONEZK

Die ganze Woche lang wurden die Kampfhandlungen im Raum des Flughafens von Donezk weitergeführt. Wobei die Söldneraktivität am Freitag etwas zurückgegangen ist, was wohl mit der Aktivitätssteigerung der Partisanenbewegung in Donezk im Zusammenhang steht, sowie mit der Notwendigkeit für den russischen Präsidenten, am G-20-Gipfel in Australien teilzunehmen. Was Donezk betrifft, so haben die Söldner angefangen, die Eisenbahnwege für die Anlieferung von schwerem Militärgerät, Waffen und Brennstoffen zu benutzen.

Hauptrichtungen: Die Bahnstation Muschketowe, was mit dem Vorhandensein einer großen Industriezone und eines Kraftwagenparks in ihrer Nähe zu erklären ist; die Bahnstation „Mandrykyne“, von der aus die Technik in den Petrow-Bezirk, zum Kombinat „Karhyl“, zum Checkpoint neben der Tankstelle „Gamalia“ und in die Gegend von Jeleniwka verdeckt verlegt werden könnte, denn bislang könnten die ukrainischen Streitkräfte eine Kolonnenbewegung bis zur Station „Jeleniwka“ bemerken, mit allen daraus folgenden Konsequenzen.

Lokale Einwohner berichten, dass sie Militärgerät auf einigen Ladeflächen gesehen haben, das seinen Umrissen nach wie Raketenkomplexe SS-21 (9K79-1 Totschka U) aussieht. Hier bleiben die Vorstoßrichtungen ohne Veränderungen: vom Petrow-Bezirk nach Kurachowe (mit einer Kampfstärke von bis zu einer bataillon-technischen Gruppe); vom Kuibyschewe-Bezirk über Pyski und Spartak nach Awdijiwka mit dem Ziel, den Flughafen einzukesseln. Über ihre weiteren Aufgaben schrieben wir im vorigen Lagebericht.

SÜDEN

Die Söldner konzentrieren ihre Kräfte in der Gegend von Jeleniwka, höchstwahrscheinlich wird ein Söldner-Vorstoß auf Wolnowacha geplant. Desweiteren ist die relative Stille im Sektor „M“ ziemlich beunruhigend. Dabei bestätigen unsere Insider das Eintreffen eines Raketenkomplexes BM-21 in Nowoasowsk. Gut möglich, dass bald tatsächlich ein Vorstoß in die von uns erwähnten Richtungen beginnt, mit dem Ziel, die Stadt von den Versorgungswegen abzuschneiden. Noch ein Beweis dafür ist die Verminung eines Wasserbeckens des Asowsches Meeres im Raum von Nowoasowsk.

Ferner ist eine Technikverlegung aus Amwrossijiwka und anderen Ortschaften im rückwärtigen Raum näher an die Kontaktlinie zu beobachten. Auch gehen bei uns Meldungen über die Suche der Söldner nach einem Ort ein, an dem man eine Brücke über den Fluss Kalmius schlagen kann. Dementsprechend wird der Vorstoß höchstwahrscheinlich vom Norden aus stattfinden, unter Umgehung von Mariupol und weiter Richtung Krim. Was auch die Aktivität der russischen Streitkräfte auf der Krim bestätigt: Zur Landenge werden Flugabwehr und Artillerie zusammengezogen. Obwohl es noch zu früh ist, von einem Vorstoß aus der Krim auf die Landenge zu sprechen, denn dieser ist nur im Falle eines erfolgreichen Vorstoßes der Söldner auf Berdjansk und dem Abzug von ukrainischen Streitkräften aus den Gebieten Mykolajiw und Cherson möglich.

NORDEN

Der Gegner richtet die Frontlinie in der Gegend der Verkehrsstraße T1303 weiterhin aus, wo sich der Checkpoint №31 in der Defensive befindet. Dank dem Verlust des Checkpoints №32 hat der Gegner die Kontrolle über den Siwerskyj Donez in der Gegend von Trjochizbenka faktisch übernommen, aber die Terroristen werden sich wohl nicht auf eine einzige Übergangsstelle verlassen. Eben darum wird ein Vorstoß in Richtung Lyssytschansk und Rubischne mit dem Ziel die Kontrolle über die Brücken zurückzuerobern für sie aktuell bleiben. Anschließend ist ein Vorstoß auf Schtschastja vom Norden aus möglich.

Noch ein Leckerbissen für die Söldner bleibt Artemiwsk. Falls Artemiwsk eingenommen wird, werden die Söldner den Kessel um Debalzewe schließen und bekommen freien Weg nach Slowjansk und Kramatorsk. Wenn man die Vermehrung der Diversions- und Aufklärungsgruppen der Söldner im Norden der Region in Betracht zieht, wie auch ihr besonderes Interesse an den Verkehrsstraßen N20 und M03, ist dies genau der Plan.

Aber Debalzewe bleibt genau der Brocken, der sie daran hindert, diesen Plan zu realisieren. Sich faktisch in der Einkesselung befindend, bindet die ATO-Gruppe die Söldnerbewegung aus Horliwka und Perwomajsk. Darum werden die Söldner das Kesselproblem in der ersten Phase lösen müssen, parallel zu Mariupol. Höchstwahrscheinlich kann der Vorstoß in Richtung Horliwka-Holmiwskyj-Switlodarsk mit einem Ausgang auf Mironiwskyj-Wasserspeicher und dem Abschneiden der Versorgungswege erwartet werden. Und weiter sind hier Vorstöße auf konvergierenden Linien aus Jenakijewe und Altschewsk möglich (übrigens ist die Söldneraktivität hier erhöht, und in Horliwka gab es am 15.11.2014 eine Provokation).

Was Schtschastja betrifft, so bleibt hier die Prognose ohne Veränderungen. Der Quantität von BM-21 nach zu urteilen, die im Raum von Wessela Hora eingetroffen sind, kann man sagen, dass eine Imitation der Artillerievorbereitung durchgeführt wird, um die Aufmerksamkeit der ukrainischen Streitkräfte von anderen Richtungen abzulenken.

Auch sind wir heute auf sich überschneidende Informationen aufmerksam geworden. Wie vor ein paar Stunden Yuri Butusow, Chefredakteur von Zensor.NET, erklärte:

Die Checkpoints an den Grenzen zu den Gebieten Charkiw, Dnipropetrowsk und Saporischschja melden abrupte Aktivierung der Transportbeförderung aus der Ukraine in die von Russland okkupierten Gegenden des Donbas und der Krim. Mehrfach ist die Anzahl der Lastwagen gestiegen, die zu den Terroristen fahren, berichten die Soldaten. Die Handelsgesellschaften fahren in erster Linie Lebensmittel aus…“

Unsererseits haben wir im Laufe des 16. November mehrfach Informationen von Donbas-Einwohnern erhalten, dass im Söldner-Milieu Gerüchte über die Notwendigkeit umlaufen, sich in den nächsten 2 bis 3 Tagen mit Lebensmitteln zu versorgen, denn danach werden Kampfhandlungen beginnen und die Lebensmittelversorgung werde eingestellt.

Wenn diese Gerüchte auf realem Boden fußen, wird es klar, warum die Lebensmittelversorgung gerade jetzt so plötzlich aktiv geworden ist.


Dieses Material wurde von Artem Wasilenko, Militäranalytiker der Gruppe InformNapalm, und Roman Burko, Koordinator des InformNapalm-Projekts vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel

Die Information wurde auf der Basis von offenen Quellen und Informationen von Insidern vorbereitet. Die Informationen wurden speziell für die Websiten “InformNapalm“/”BurkoNews” erfasst. Beim Kopieren und Verwenden des Materials ist ein Link zum Autor und zu unserem Projekt beizufügen.

CC BY 4.0

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