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Lagebericht von InformNapalm per 16.11.2015

Das erste Mal seit einem halben Jahr setze ich mich hin, um eine Analyse des Geschehens an der ATO-Front zu schreiben. Dies zu tun ist gerade sehr schwierig, denn in der Information, die von den Insidern eingeht, gibt es viel Verwirrung. Ich dachte daran, eine Karte vorzubereiten, aber die Information zur genauen Demarkationslinie besitzt nicht mal der Generalstab. Mal die eine, mal die andere Abteilung, auf beiden Seiten, nimmt irgendeine Ortschaft oder Höhe ein und zieht sich dann wieder zurück.

Es begann eine massive Assimilierung der Söldner und der Versuch ihrerseits, auf das befreite Territorium hinauszufahren, darum ist es nun unbekannt, welche Orte denn als die der ukrainischen Kontrolle Unterstellten gelten sollen und welche nur als solche erscheinen. Darum habe ich die optimalste Variante gewählt und die Karte genommen, deren Demarkationslinie der Lage vom Juni 2015 entspricht, als unser letzter Lagebericht veröffentlicht wurde.

Was haben wir hier. Nach der Terroranschlägen in Europa, die der russische Präsident dem IS zuzuschreiben bemüht ist, kam wieder die Wahrscheinlichkeit der Wiederaufnahme von Kampfhandlungen im Osten der Ukraine auf.

Betrachten wir doch für den Anfang die Richtungen, zu welchen die Insider von InformNapalm die meisten Infos gegeben haben.

Donezk. In Donezk wurde die Ankunft von 600 Menschen aus Kaukasus registriert. Des Weiteren fand eine Veränderung in der Führung von „Wostok“-Brigade statt, wo zur Ablösung der lokalen Söldner die Urlauber aus Russland gekommen sind. Nach einer Information, die noch einer zusätzlichen Prüfung bedarf, wurde im Raum des Bergwerks „Lidijewka“ eine Division der Raketenwerfer „Uragan“ in Gefechtsbereitschaft versetzt. Es wird Technik- und Personalbestand-Bewegung über die Petrowskaja-Strasse in Richtung von Marjinka beobachtet. Somit kann man annehmen, dass auf den westlichen Rändern von Donezk die Kräfte für einen Angriff auf Marjinka und Krasnohoriwka konzentriert werden. Was bringt es den Söldnern?

Den Ausgang auf die Ortschaft Kurachowe und die Kontrolle über dem Kurachower Heizkraftwerk, als ein Druckmittel auf Rinat Achmetow.

Ein weiterer Beweis für die Vorbereitung der Söldner auf eine mögliche Offensive in westlicher Richtung ist die Ankunft einer grossen Anzahl von beweglichen Führungsstellen und EloKa-Systemen. Noch eine Gruppierung wird im Raum des Donezker Flughafens aufgestellt.

Nach Insider-Informationen fahren 4 EloKa-Systeme, eine bewegliche Führungsstelle und ein Ural mit Personalbestand über die Universität-Strasse in Richtung des Flughafens.

Höchstwahrscheinlich werden diese Kräfte nicht für die Erstürmung von Peski konzentriert, sondern für eine Offensive zwecks der Einnahme von Awdijiwka. Davor werden die Terroristen aber versuchen, die ATO-Kräfte vom Bergwerk „Butowskaja“ abzudrängen.

Als Bestätigung kann man folgende Information anführen: „40 LKWs fahren über den Makijiwka-Ring in Richtung Donezk. Kein humanitärer Konvoi. Plus 2 Urale mit Menschen. Alle Fahrzeuge mit russischen Nummernschildern“, „Aus Charzysk sind gerade in Makijiwka irgendwelche Raupenfahrzeuge eingetroffen (keine Panzer). Fahren sehr langsam in Richtung Stadtzentrum“. Am 14. November wurden ausserdem Wanderfahrzeuge [1] der Besatzungstruppen Russlands entdeckt.

Somit wurden in Donezk 2 Angriffsgruppierungen aufgestellt. Und wir können bereits den Beginn vom Abtesten der Abwehr unserer Soldaten beobachten. So war in der Nacht von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag in den Bezirken, die als Hauptrichtungen der Angriffe angegeben wurden, ziemlich laut.

Die zweite Stelle, auf der wir einen Akzent legen möchten, ist Horliwka, die vor zwei Tagen von Giwi, Motorola und einem russischen General besucht wurde. Dabei wurde erklärt, dass Artemiwsk bald wieder unter die „DVR“-Kontrolle kommt. Man muss sich zwar noch keine Sorgen machen, aber mich macht die Tatsache stutzig, dass östlich von Horliwka (im Raum von Bulawinskoje) eine Artilleriegruppe und viel Personalbestand mit Technik entfaltet werden. Wobei in dem Raum die Terroristen ein Ausbildungszentrum haben – es kann auch einfach nur von Vorbereitung für weitere Übungen zeugen. Zugleich kann es aber auch von der Möglichkeit einer Offensive aus dem Inneren zeugen.

Dabei sollte man berücksichtigen, dass angereiste Feldkommandeure und der Kurator auf den Kalininski Bezirk von Horliwka aufmerksam gemacht haben, der zusammen mit dem Dorf Golmowski eine Gefahr für unsere Soldaten darstellt, die in der Ortschaft Sajzewo ihre Verteidigungsstellungen beziehen. Des Weiteren wurde am 14. November 2015 Bewegung von Panzern, BTR und SPWs in Richtung Saizewo registriert.

Somit entsteht der Eindruck über die Möglichkeit der Gegenschläge mit dem Ziel, unsere Soldaten in Saizewo einzukreisen, und die Kontrolle über die T0513-Bundesstrasse zu bekommen, um dann in Richtung Artemiwsk auszurücken. Und genau in dem Moment, wo die ATO-Kräfte versuchen werden, das Vorwärtskommen des Gegners in der genannten Richtung aufzuhalten, wird der Angriff aus dem Inneren kommen, aus Bulawinskoje. Das Ziel des Angriffs wird der Vorsprung im Raum von Mironowski sein, und zwar seine Einnahme, die Übernahme der Kontrolle über die M03-Bundesstrasse und der Ausgang auf Artemiwsk vom Süden aus.

Da die Söldner die Hoffnung verloren haben, Dserschynsk von Horliwka aus einnehmen zu können, konzentrieren sie nun die Kräfte im Raum der Schirokaja Balka (in diesen Raum sind diese Woche mindestens 5 SPWs gekommen) und in Richtung von Werchnetorezkoje (am Freitag haben sie bereits versucht, den Blockposten in Werchnetorezkoje abzutesten). Die Einnahme von Werchnetorezkoje gewährleistet den Söldnern den Ausgang auf Awdijiwka vom Norden aus und die Schliessung des Kessels um die Stadt herum.

Im Falle der Einnahme von Awdijiwka bekommen die Terroristen die Kontrolle über die H20-Bundessstrasse, was ihnen die Möglichkeit gibt, eine Offensive in Richtung Konstantinowka zu entwickeln.

In diesem Material wurden nur die Regionen berücksichtigt, zu welchen wir ausreichend Information für eine Analyse besassen. Wir werden die Information noch präzisieren und die Analyse auch zu anderen Frontstellen durchführen.

Dieses Material wurde von Artjom Wasilenko [2] exklusiv für InformNapalm [3] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [4]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.