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Legendenbiographie eines „ehemaligen“ russischen Militärs aus dem 7. Stützpunkt in Abchasien

Eine Legendenbiographie. „Ich leistete meinen Wehrdienst ab, es gab keine Arbeit in Anapa, also kam ich in den Donbas“ – aus dem Verhör eines „ehemaligen“ Soldaten des 7. Stützpunktes.

Auf dem Youtube-Portal „ATO-Video“ wurde am 28. Juni 2015 ein Video mit dem Verhör eines bei Beresowe gefangengenommenen Separatisten (?) veröffentlicht.

Siehe: „ATO Ukraine. Gefangene Separatisten bei Beresowe. 28.06.2015“

https://youtu.be/g_3ZU0whDbQ

Im Video (bei 1:56 min) wird flüchtig ein Russe befragt (sein Name wird nicht genannt, was ein Minus für die ATO-Soldaten ist), geb. 1995, aus Anapa, der behauptet, ein „ehemaliger“ Militärangehöriger einer Scharfschützen-Kompanie des Aufklärungsbataillons des 7. „Friedenstruppen“-Stützpunktes zu sein (Einheit Nr. 09332, Südlicher Militärbezirk, okkupiertes Abchasien, Georgien). Nach der Ableistung seines Wehrdienstes sei er angeblich zurück ins heimische Anapa gekommen, wo es keine Arbeit gab, woraufhin er beschloss, in den Donbas zu fahren – ihm wurden nämlich 10.000 Rubel monatlich dafür versprochen. Die seinen Worten nach aber nie ausgezahlt wurden.

Seine Aussage stellen wir direkt in Frage.

Es ist völlig unlogisch: Ein ehemaliger Militärangehöriger einer Scharfschützen-Kompanie des 7. Stützpunktes fährt auf eigenen Wunsch hin in den Donbas, um in der „DVR“ für 10.000 Rubel (200$) zu dienen, wobei im selben 7. Stützpunkt Zeitsoldaten aktiv rekrutiert werden und der Lohn eines Militärs, der einen Vertrag unterschreibt, im Durchschnitt 50.000 Rubel (1000$) beträgt.

Vermutung: Der gefangengenommene Russe ist ein aktiver Zeitsoldat aus dem 7. Stützpunkt, der eine wenig überzeugende Legende erzählt (oder ihm wurde nachträglich gekündigt, sobald er in Gefangenschaft geriet).

Es läuft darauf hinaus, dass den in „Neurussland“-IBFs (illegale bewaffnete Formationen) abkommandierten russischen Militärs – abgesehen von dem ihnen zustehenden Lohn – noch zusätzliche 10.000 Rubel für ihre „ukrainische Dienstreise“ versprochen werden, die sich wohl die IBFs auszuzahlen verpflichtet haben.

Nach Beobachtungen von InformNapalm ist das russische Kommando in letzter Zeit zu einer neuen Taktik des Einsatzes seiner Militärangehörigen im Donbas übergegangen. In „Ruheperioden“ und Zeiten der „Geltungsdauer der Minsker Verhandlungen“ verzichten die Russen auf den Einsatz ihrer üblichen taktischen Gruppen (bataillon-taktische und kompanie-taktische) und kommandieren nun kleine Gruppen ihrer Militärs zur Verstärkung ab, hauptsächlich Militärspezialisten: Bewaffnungsspezialisten, Aufklärer, Scharfschützen etc., die sich unter die IBFs-Söldner mischen.

Zu diesem Thema legt InformNapalm demnächst neues überzeugendes Material vor.

Dass aktive Militärangehörige des 7. russischen Stützpunktes aus Abchasien in den russisch-ukrainischen Krieg involviert sind, wurde nicht nur einmal von uns bewiesen, siehe thematische Links:

Anmerkung: Dieses Thema wurde noch am 21. Juni von unserem Kollegen Anton Pawluschko zur Sprache gebracht, in dessen Notiz Fotos des gefangengenommenen Russen mit dem modernisierten Dragunow-Scharfschützengewehr angeführt wurden, das nur im Dienst der Streitkräfte Russlands steht.

Das Video wurde uns von unserem Freund საქართველო უპირველესყოვლისა zur Verfügung gestellt.


Dieses Material wurde von Irakli Komaxidze exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf den Autor und unser Projekt erforderlich.

CC BY 4.0

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