Die Geschichte mit den russischen GRU-Speznas-Kämpfern, die am 16. Mai 2015 im Lauf der Kämpfe bei Schtschastja in ukrainische Gefangenschaft geraten sind, wurde nicht nur von einem Großteil der ukrainischen sondern auch von internationalen Medien aufgegriffen. Es ist aber offensichtlich, dass Hauptmann Jerofejew und Feldwebel Alexandrow nur die Spitze eines Eisbergs sind, was die Präsenz der russischen Streitkräfte auf dem okkupierten Territorium der Ukraine im Gebiet Luhansk angeht.
Der Blogger Anton Pawluschko, der sich mit der OSINT-Aufklärung der russischen Militärpräsenz in der Ukraine beschäftigt, hat eine spezielle Untersuchung für InformNapalm durchgeführt, bei der er Angaben zum Kommandeur der Gruppe gefunden hat, dessen Namen die beiden Speznas-Kämpfer im Laufe ihrer Vernehmung genannt hatten.
Rufen wir uns diese Angaben kurz ins Gedächtnis. Hier die Angaben von Alexandrow: „… Wir betraten das Territorium der Ukraine am 26. März 2015. Wir gehörten zum 2. Bataillon, der Trupp war 220 Mann stark. Der Bataillonskommandeur hieß Napolskich Konstantin Nikolajewitsch, Major, Staatsbürger der Russischen Föderation. Auf das Territorium der Ukraine drang das 2. Bataillon mit insgesamt drei Aufklärungsgruppen ein.“
Nun zum Hauptmann Jerofejew: „… Ich gehörte zum 2. Trupp der 3. Garde-Speznasbrigade. Stellvertretender Kommandeur des Trupps war Major Napolskich. Er ist ein Staatsbürger der Russischen Föderation, ein regulärer Militärangehöriger…“
Wir möchten gleich anmerken, dass Major Napolskich kein Gruppenführer, sondern nur sein Stellvertreter ist. Warum es so ist – das muss man noch herausfinden, womöglich war dem Kommandeur etwas passiert und Major Napolskich hat nun vorübergehend das Kommando übernommen.
Und hier haben wir aber eine neue Option gefunden: die Hochschulbildung. Es handelt sich um die Offizierhochschule in Kasan. Abschluss 2005. Was bedeutet, dass gerade dieser Konstantin Napolskich ein Offizier sein kann. Seinem Alter nach zu urteilen, könnte auch sein Dienstrang einem Majorsrang der Streitkräfte Russlands entsprechen. Die Hochschule ist eine Offizier- und Truppenschule, darum können ihre Absolventen als Kommandeure verschiedenen Truppenarten zugeordnet werden.
Für Skeptiker sollte man an dieser Stelle anmerken, dass die Offizierhochschule in Kasan bis zum Jahr 2004 eine Filiale der Tscheljabinsker Panzerhochschule war, später wurde sie auf Erlass des Verteidigungsministers der Russischen Föderation zu einer selbstständigen Offiziershochschule ernannt, und zwar zu einer Panzeruniversität. Und soll Euch die Panzer-Fakultät und die späteren Dienststellen ihrer Absolventen bei den Speznas-Abteilungen nicht in Verlegenheit bringen.
Wir möchten daran erinnern, dass der berühmte Aufklärer Wiktor Suworow (echter Name: Wiktor Resun), ein ehemaliger Mitarbeiter der legalen GRU-Residentur der UdSSR in Genf und ein Schriftsteller, der im Bereich des historischen Revisionismus einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat, auch Absolvent einer Truppenschule ist und seine erste Dienststelle Kommandeur eines Panzerzugs war. Das hinderte ihn nicht daran, später Offizier einer Aufklärungsabteilung zu werden.
Was die selbstständige Speznas-Brigade aus Togliatti angeht, so werden in einem Bericht des russischen BBC unter dem Titel „Ehemaliger Dienstkollege von Jerofejew: „Unsere Einheit war eine „Paradeeinheit“ die Bekenntnisse eines dem in der Ukraine gefangengenommenen Hauptmann Eugen Jerofejew ehemalig unterstellten Offiziers angeführt, der betont, dass die Offiziere, die in der Brigade das Kommando übernehmen, keinerlei Sonderausbildung besitzen.
„Es gibt die Meinung, dass dort (in der 3. selbstständigen Speznas-Brigade in Togliatti) irgendwelche Terminators dienen. Nein, wenn man die Offiziere anschaut, so studieren sie am Anfang in ganz normalen Truppenhochschulen… Nach ihrem Abschluss werden sie verschiedenen Brigaden zugeteilt, bekommen eine Dienststelle und einen Status. Ich würde diese Ausbildung nicht als irgendeine Super-Ausbildung bezeichnen,“ betonte der ehemalige Militärangehörige dieser Brigade in seinem Kommentar für BBC.
All diese Indizien aus sozialen Netzwerken kann man als indirekt betrachten – unsere Vermutungen wurden von unseren Quellen bei entsprechenden Behörden jedoch bestätigt. Auch wurde uns mitgeteilt, dass sich unsere Informationen zu Major Konstantin Napolskich, der die GRU-Gruppe in Luhansk anführte, ebenfalls bestätigen lassen.
InformNapalm mit „besten Grüßen“ an die Militäraufklärung Russlands (GRU); übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unser Projekt erforderlich.
CC BY 4.0

