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OSZE-Mission: Eyes Wide Shut

Was für Wunder man heutzutage im Internet findet! An zwei Grenzübergängen zwischen Russland und Ukraine sind Beobachtergruppen im Einsatz, die … nichts sehen. Nein, natürlich, wenn sie beschossen werden, dann hören sie, sehen sie, und vielleicht haben sie sogar Angst. Wenn es aber um reguläre russische Streitkräfte geht, verhüllt ein Nebelschleier und stockdunkle Finsternis die Augen der Beobachter. Womöglich geschieht dies aufgrund der Besonderheiten der Personalauswahl der Beobachter, womöglich hat es aber auch Gründe, die davon unabhängig sind. Ein Schlaglicht auf dieses Geheimnis wirft ein gewisser Andrej Kelin, der Vertreter Russlands bei der OSZE.

„Diese mythischen Kolonnen mit russischen Panzerfahrzeugen machen das Hauptmotiv aller Spekulationen aus,“ zitiert die russische TASS Kelins Worte in der Sendung des Fernsehsenders „Rossija24“: „Natürlich bewegen sich keine Kolonnen mit russischen Panzerfahrzeugen durch die Grenzposten, an denen sich Grenzbeamte und Beobachter befinden“  (Quelle: http://russian.rt.com/article/60031 [1]).

Eine größere Verhöhnung für die Weltgemeinschaft kann man sich kaum vorstellen. Der verantwortliche Vertreter des Konfliktschuldigen erklärt offen, dass die russischen Streitkräfte für ihr Eindringen auf das Territorium der Ukraine Umwege nutzen! Fragt sich, welche Beweise die Weltgemeinschaft noch braucht..

Wobei der zweite Teil von Kelins Zugeständnissen noch größere Verwunderung hervorruft:

Da gibt es gar keine russische Technik – da ist lokale Technik, teilweise repariert, teilweise zusammengestellt, gefunden,“ betonte der Vertreter (Quelle: http://russian.rt.com/article/60031 [1]).

Wie die Volkskönner unter Feldverhältnissen die T-72, BTR-80, MT-LB, „Nona-K“ (Panzermörser) zusammenbasteln, wissen wir schon. Wie auf der Basis der kolchoseigenen Maschinen-Traktoren-Stationen eine Großanfertigung von nigelnagelneuen LKWs KAMAZ-5350 und Ural-43206 in den Feldern entsteht – wissen wir auch. Wie die russische 200. selbständige motorisierte Brigade Verwundete aus dem Luhansker Flughafen herausbringt, hat uns das russische Fernsehen höchstpersönlich gezeigt.

Fairerweise müssen wir erwähnen, dass sogar die Beobachter etwas bemerkt haben.

„Am 11. November hat die Beobachtermission mehrere LKWs mit der Markierung „Grus 200“ bemerkt, die für den Leichentransport von im Krieg gefallenen Armeeangehörigen verwendet wird,“ steht im Bericht: „Die LKWs waren aus Russland in die Ukraine gekommen und sind mehrere Stunden später wieder zurückgefahren“.

Wenn man sich auf die Logik und die Politik der russischen Weisen stützt, so sind die Leichen in diesen LKWs auch durch „LVR-Volkskönner“ und nicht durch russische Mütter geboren worden. Aber diese Lüge ist sogar für einen Menschen erkennbar, der unter Bedingungen des entwickelten Sozialismus geboren und erzogen wurde. Für ausländische Staatsbürger kann das Verständnis für dieses Verhalten mit kulturellen Schwierigkeiten zusammenhängen. Darum empfinde ich es als meine Bürgerpflicht, die Information über den rechtswidrigen Aufenthalt der russischen Streitkräfte auf dem Territorium der Ukraine an die Weltöffentlichkeit zu bringen.

Dafür schlage ich allen vor, einen kleinen Spaziergang durch mein Gedächtnis zu unternehmen. Die Sache ist, dass während ich mich mit der Untersuchung des russischen Armeephänomens beschäftigte, ich mich oft bei dem Gedanken ertappte, dass ich so etwas „schon mal irgendwo gesehen habe“. Schaust du dir eine weitere Militärkolonne der „Volkswehr“ an, siehst nur nagelneue LKWs und „Urals“, siehst Menschen, die in eine nagelneue russische Uniform gekleidet sind und mit Granatwerfern GP-30 behängt sind, mit RPG-18 „Mucha“ und RPO aller Kaliber beklebt sind, krampfhaft ihre AK-47 mit Schalldämpfer wie auch AS „Wals“ oder SWDs, RPKs und MG PKs zusammenpressen – und beginnst sich die Frage zu stellen: „Wer sind sie denn? Bergarbeiter?“ Natürlich nicht. Nur hat die russische Obrigkeit es fertiggebracht, alle Reservisten vor den Augen des erstaunten Publikums in Friedenszeiten zu mobilisieren und sie vor die regulären Truppen zu stellen.

Es ist eine andere Situation entstanden, analog zu der Vorkriegssituation, nur das Gegenteil: Wenn damals zuerst die regulären Streitkräfte unter die Erde kamen und erst dann durch die Reserve und die „Volkswehr“ abgelöst wurden, so hat Putin diesmal beschlossen, die Veteranen und den kampfunerfahrenen jungen Nachwuchs als Erste unter die Erde zu schicken. Sie haben auch die Hauptrollen in den Filmen über die „Separatisten“ bekommen.

Die regulären Streitkräfte dagegen verstecken sich in den Büschen und Schneewehen, damit alle glauben, sie gäbe es in der Ukraine gar nicht.

Aber mit der Technik haben sie einen Fehlgriff getan. Allein 2012 hat die Armee Russlands 8.000 nagelneue LKWs bekommen, aus denen die Kolonnen der „Neurussland-Streitkräfte“ auch bestehen. Und diese für Russland trostlose Tatsache kann man nicht geheimhalten! Genauso wie man die taktischen Zeichen, die hier und da an den Seitenwänden einzelner Kraftwagen durchschlüpfen, nicht leugnen kann. Und Beispiele braucht man gar nicht lange zu suchen.

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Hier ist ein für die russische Armee (!) standardisierter KAMAZ-5350 „Mustang“ mit dem taktischen Zeichen derselben russischen Armee an der Tür zu sehen. Wenn man dem russischen Vertreter glaubt, so muss dieser KAMAZ aus Resten anderer Autos zusammengebastelt worden sein, die man auf den Schlachtfeldern aufsammelte. Aber das Datum, der 7. Juli, impliziert eben diese Kampfhandlungen noch gar nicht!

Und hier noch ein paar von der „Volkswehr“ zusammengebastelte KAMAZe, nur sind sie auf dem Territorium des Gebiets Rostow Russlands:

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https://www.youtube.com/watch?v=qEEVaPbQbL4

Jetzt stellen wir uns doch die einfachste Frage: Was ist das, Luhansker LKWs mit GRADEn, die russische Kilometer schlucken, oder doch eine Kolonne der russischen Streitkräfte? Die Antwort ist, glaube ich, sogar einem Ausländer klar. Zur selben Schlussfolgerung kommt man auch im Donezker Fall, mit dem wir begonnen haben, um so mehr weil der russische KAMAZ da nicht alleine war, sondern in Gesellschaft zweier SPWs und eines „URAL-43206“ (dieses Fahrzeug ukrainisch zu nennen bringe ich gar nicht über die Lippen).

Je tiefer in der ATO-Zone, um so mehr Ausrufezeichen!

Hier sehen Sie das nächste epische Werk, das über einen Zusammentreff der Spezialtruppen von Motorola und Baj berichtet, vom 12. Juni 2014:

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Und wieder ein Deja-vu. Noch eine Kolonne fünf Kilometer von Rostow entfernt:

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Warum fahren Fahrzeuge der „Volkswehr“ über das russische Territorium? Oder besser so: Warum fahren Kolonnen der russischen Streitkräfte in der Ukraine herum, und niemand erkennt sie aber als solche an? Selbst den Film über das Treffen der zwei Babajs kann man umbenennen, zum Beispiel in „Treffen der selbständigen motorisierten Schützenbrigade (Zeichen am LKW) und der Absolventen der nun aufgelösten 77. selbständigen Gardebrigade der Marineinfanterie“. Beide Abteilungen, wie Sie selbst verstehen, sind russisch.

Und weiter geht’s: Makijiwka am 7. August 2014. Eine Kolonne mit „GRAD“ und „Ural“-LKWs.

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Russische Markierungen schon wieder! Wessen Fahrzeuge sind es? Vom Marquis Karabas (Wladimir Putin). Ääähhh, ich wollte sagen: von Sachartschenko!

Slowjansk am 20. Juni 2014. Eine weitere Kolonne, die sich auf dem Weg zur Eroberung eines Panzerlagers befindet, und dabei sind aber in der Kolonne schon T-64 vorhanden… Suspekt irgendwie… Ansonsten alles wie gewohnt: „Ural-43206“, Schützenpanzerwagen, SU-23 am Anhänger. Alles wie gehabt, und nur ein hässliches Entlein hat die ganze Kolonne verpfiffen… Wessen weißes Quadrätchen ist denn da zu sehen?

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Aber ein besonders eindrucksvoller Kasus ist mit Kosaken während der Parade in Perewalsk passiert.

Nichts hat an jenem Tag die Anwesenheit der russischen Streitkräfte auf dem Territorium dieser ukrainischen Stadt verraten: weder eine Menge bewaffneter Männer noch „Mustang“ noch die T-72 noch die SA-18 Grouse, die auf einem anderen T-72B sitzt. Nichts. Und dann ganz zum Schluss kommt dieses Wunder…

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Die russische Flagge hätte man doch vor der Parade abkratzen sollen, wie man es mit anderen Fahrzeugen gemacht hat! Ihr seid doch geborene Luhandoner (der Legende nach)!

„Das Rote Kreuz nimmt 200er Strafkommandos mit“:

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Den Filmtitel sollte man auch abändern: „Ukrainische Streitkräfte nehmen unter Aufsicht der Okkupanten aus dem Land der „weißen Flecken der Geschichte“ ihre gefallenen Soldaten vom Gefechtsfeld mit“. Und wenn jemandem die weißen Kreise bis unter einer Anzahl von 101 wie bei den Dalmatinern noch nicht ausreichen – hier noch eine weitere Auswahl:

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Indem die Informationsagentur „Reuters“ die Fotosammlung ausgelegt hat, spuckte es einfach in die Seele von Andrej Kelin.

Der russische „Ural“, der die KAMAZe, die den ATO-Kräften gehörten, vom Territorium der Ukraine evakuiert, lässt bei der Transformationstheorie eines bei-Kampfhandlungen-völlig-zerstörten-Schrottes in moderne-russische-Panzerfahrzeuge keinen Stein auf dem anderen. Es ergibt sich, dass die Luhandoner Volkskönner nicht im Stande sind, die alten KAMAZe (und auf dem Foto ist wohl ein alter KAMAZ 53212 abgebildet) nicht nur infolge der natürlichen Physikgesetze in etwas anderes zu verwandeln, sondern auch weil die russische Armee diese alten KAMAZe nach Russland abschleppt.

Donezk. Vor dem Sturm auf den Flughafen:

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Der unglückselige GAZ-62-LKW ist mit russischen taktischen Zeichen nur so besät, obwohl der Kameramann es nicht an die große Glocke hängte.

Noch ein erstaunliches Treffen bei Luhansk: schon wieder Panzerwagen und schon wieder ein Quadrat mit einem Kreis!

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Erinnert Ihr Euch, womit wir angefangen haben? Wenn nicht, schaut doch das erste Foto zu diesem Artikel an. Und nun erinnert Euch an all die „verirrten“ BMDs, SPWs mit der Symbolik der russischen Armee, die im Laufe des letzten halben Jahres in der Ukraine entdeckt wurden. Erinnert Euch an die T-72, der ukrainischen Armee bekannten und unbekannten, nichtsdestotrotz aber der Ukraine nicht gehörenden Modifikationen.

Erinnert Euch an die endlosen Kolonnen der Armee-KAMAZe und „Urale“, die in die Ukraine jedweden artilleristischen Dreck vom Typ „Nona-S“ und D-30 Haubitzen, „Wassiljok“ und 2B14 „Podnos“ hinziehen. Als eine zusätzliche Würze für diese Kolonnen erinnert Euch an die „GRADE“, SPWs und 2S3 „Akazija“ mit 2S1 „Gwosdika“. Erinnert Euch an russische „Partisanen“ (diejenigen, die über 30 sind), die mit Patronengurten wie mit Girlanden behängt sind. Erinnert Euch doch und sagt mir, wer hier der Separatist ist? Die russische Armee ist in der ATO-Zone auf einer permanenten Basis und hat auch nicht vor, irgendwohin abzuziehen. All die Technik und die Streitkräfte, die an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen wurden, haben sich an der Aggression beteiligt, beteiligen sich oder werden sich an der Aggression beteiligen.

Meine Herrschaften Europäer, ich hoffe doch, dass es nach solch‘ einer ausführlichen Erklärung sogar Euch klar geworden ist, wie die russische Armee aussieht und warum man dem nicht trauen sollte, was der Kreml sagt.

Und den Herrschaften Beobachtern schlage ich vor, all die im letzten halben Jahr der Untätigkeit erworbenen Mitteln zu sammeln und sie als Hilfe an jene ukrainische Bürger zu übergeben, denen durch die Aggression Russlands Schaden zugefügt wurde. Vielleicht werdet Ihr ja nach so einer Aktion auch etwas im Internet erkennen können.


Dieses Material wurde von Al Gri speziell für InformNapalm [16] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [17]Beim Nachdruck des Materials ist ein Link zur Quelle und zum Autor beizufügen.

CC BY 4.0