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RBK-Untersuchung: Woher kommen russische Soldaten in der Ukraine?

Maxim Solopow für RBK (RussianBusinessConsulting), den 2. Oktober 2014

RBK hat Daten über gefallene, verwundete und vermisste russische Soldaten in der Ukraine gesammelt und analysiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Mehrheit von ihnen in fünf Abteilungen der Luftlandetruppen gedient hat, die das russische Friedenskorps bilden. In der offiziellen Version, in der es heißt,  dass die Fallschirmspringer bei Manövern im Gebiet Rostow gefallen und nur Freiwillige in den Donbas gegangen sind, wurden viele Lücken entdeckt. Es hat sich auch herausgestellt, dass die staatlichen Medien gerade während der vermutlichen Beteiligung der russischen Armee am Konflikt über den Andrang der Freiwilligen im Donbas zu sprechen anfingen.

„Ich habe Kerzen für diejenigen aufgestellt, die gelitten haben oder ihr Leben dafür gegeben haben, die Menschen in Neurussland zu beschützen,“ sagte Wladimir Putin am 11. September, als er die Dreifaltigkeitskirche am Worobjewa-Berg in Moskau verließ. „Der Präsident meinte nicht russische Armeeangehörige,“ erklärte sein Pressesprecher, Dmitry Peskow, Putins Worte: „Russische Armeeangehörige waren da nie.“

Wer waren denn die Soldaten und die Offiziere, die aus der Ukraine lebendig oder tot zurückgekommen sind, wieviele waren es, warum schließlich, gelten (mindestens) drei von ihnen als vermisst?

Uljanowsker Fallschirmpringer

Am 28. August veröffentlichte Jegor Worobjew, Korrespondent des ukrainischen Fernsehsenders „Espresso-TV“, eine Reportage über die gefangengenommenen Soldaten der 31. Luftsturmbrigade der Luftlandetruppen Russlands, die in Uljanowsk stationiert ist. In diesem Video berichteten die Fallschirmspringer Ruslan Achmetow und Arsenij Ilmitow, wie sie zu Übungen ins russische Gebiet Rostow gekommen waren und sich aber schon am nächsten Tag in der Ukraine wiedergefunden haben. „Die Patronen wurden uns an der Grenze ausgegeben,“ sagt Achmetow im Video. Erst nach dem ersten Beschuss habe er verstanden, fährt er fort, dass um ihn herum keine Übungen stattfinden.

Das Video wurde im Dorf Mnohopillja in der Nähe von Ilowajsk südostlich von Donezk aufgenommen, wo sich ukrainische Armeeangehörige der Freiwilligenbataillone „Dnipro-1“ und „Donbas“ in der Einkesselung befanden. „Wir befinden uns in einem improvisierten Krankenhaus, im Gebäude der örtlichen Schule, hier wird ein Soldat der russischen Armee behandelt, der im Landeschützenpanzer verbrannt ist,“ mit solchen Worten beendet der ukrainische Journalist seinen Bericht.

Zwei Tage später ist er selbst gefangengenommen worden, der Journalist sei noch immer nicht nach Hause gekommen, erzählt uns seine Ehefrau Jelena Solodwnikowa.

Wie es aussieht, sind auch Ilmitow und Achmetow aus dem Krieg nicht zurückgekommen. Bekannte der Uljanowsker Fallschirmspringer aus sozialen Netzwerken haben auf eine Bitte von RBK die zwei Männer in einem Video des ukrainischen Journalisten identifiziert. In den Profilen der beiden Soldaten selbst gibt es keine neuere Informationen. Verwandte von Ilmitow und die Ehefrau von Achmetow haben ein Gespräch mit RBK verweigert.

Der Staatssekretär für Innere Angelegenheiten der Ukraine, Anton Heraschtschenko, glaubt, dass die Fallschirmspringer während des Beschusses der ukrainischen Armeekolonne umgekommen sind. Wie Heraschenko RBK gegenüber erläuterte, erfuhr er das von einem Kommandeur eines Freiwilligenbataillons. Der „Dnipro-1“ Bataillonskomandeur Jurij Beresa hat gegenüber RBK bestätigt, dass Ilmitow und Achmetow während der Schlachten bei Mnohopillja Ende August von seinen Soldaten in Gefangenschaft genommen wurden. „Ich habe persönlich Gespräche mit ihrem Kommandeur geführt – Kampfname „Kljon,“ erzählte Beresa. Seinen Worten nach waren neben den im Video erschienenen Fallschirmspringern noch um die 20 weitere russische Soldaten von ukrainischen Soldaten in Gefangenschaft genommen worden. Dass die Gefangenen in der russischen Armee dienten, wurde dem ukrainischen Offizier nur aufgrund mündlicher Angaben der Gefangenen selbst bekannt: Sie hatten keine Dokumente, und die während der Vernehmung aufgenommenen Protokolle gingen während des Ausbruchs aus der Einkesselung verloren.

„Ich habe ein Offizier-Ehrenwort gegeben, dass wir die Gefangenen freilassen werden, wenn uns erlaubt wird, aus der Einkesselung auszubrechen. In jedem Auto saß ein russischer Gefangener,“ behauptet Beresa. Aber am 29. August wurde bei dem Dorf Nowokaterinywka das Feuer auf die Kolonne eröffnet. „Das Auto mit ihnen (Ilmitow und Achmetow) wurde vor meinen Augen zerschossen,“ berichtet der Kommandeur.

In der Abteilung, in der die Fallschirmspringer gedient haben, wurde ein Gespräch über die Beteiligung ihrer Soldaten an den ukrainischen Einsätzen abgelehnt (so haben sich auch alle anderen Abteilungen verhalten, die weiter unten aufgeführt werden).

Die 31. selbständige Garde-Luftlandebrigade ist im Gebiet Uljanowsk stationiert. Die Uljanowsker Fallschirmspringer haben an der Herstellung der Verfassungsordnung auf dem Territorium von Tschetschenien teilgenommen. Seit 2005 ist die Brigade vollständig auf ein Vertragssystem umgestellt.

Nach vereinzelten Meldungen hat die 31. Luftsturmbrigade noch mindestens zwei Zeitsoldaten verloren. Im Militärkommissariat Baschkortostan wurde gegenüber der Nachrichtenagentur „Baschinform“ der Tod des 28-jährigen Soldaten Ilnur Kiltschinbajew aus dem Dorf Almjasowo im Gebiet Kugartschinsk bestätigt. Über Alexander Beloserow aus dem Dorf Nowaja Mayna im Kreis Melekessk, Gebiet Uljanowsk, wurde einmal im lokalen Fernsehen berichtet. Beide sind Ende August zu Übungen ins Gebiet Rostow verlegt worden, und beide kamen nach Informationen von Verwandten am 25. August ums Leben.

„Unser Landsmann Ilnur Kiltschinbajew ist den Heldentod gestorben, während der Verteidigung der zivilen Bevölkerung der Ukraine,“ stand in der gelöschten, aber im Cache zugänglichen Mitteilung auf der Website der Landsmannschaft des Gebiets Kugartschinsk. „Gefallen in Ausübung des Dienstes“ steht lakonisch auf der Trauertafel in der Schule, die Beloserow besucht hatte.

Die Profile der beiden sind längst aus dem sozialen Netzwerk „Vkontakte“ entfernt worden, die Ehefrau von Kiltschinbajew hat ein Gespräch mit RBK verweigert, Verwandte von Beloserow zu finden ist uns nicht gelungen.

Fallschirmspringer aus Kostroma

„Sie haben sich nicht verlaufen, sie haben einfach die Landkarten von 2015 benutzt,“ erzählt die Vorsitzende des Soldatenmütterkommitees von Kostroma, Ludmila Hochlowa einen Witz aus den sozialen Netzwerken über die Fallschirmspringer des in Kostroma stationierten 331. Garderegiments. Am 25. August hat der Sicherheitsdienst der Ukraine Bilder der Vernehmung von Zeitsoldaten aus Kostroma veröffentlicht, die einen Tag zuvor bei dem Dorf Serkalne im Gebiet Donezk der Ukraine festgenommen worden waren. Dieses liegt 36 Kilometer westlich der russischen Grenze und 10 Kilometer südlich von Mnohopillja, wo die Uljanowsker Fallschirmspringer festgenommen wurden.

Auf dem Bildschirm sind 9 bedrückt aussehende Männer in Camouflage-Uniform ohne Abzeichen, die der Reihe nach erzählen, wie sie in den Krieg hineingeraten sind. Das Video sollte die Kyjiwer Version über die Beteiligung der regulären russischen Armee an dem Konflikt bestätigen. Nach Aussagen der Soldaten sind sie zu den Manöverübungen ins Gebiet Rostow gekommen, wo sie bei dem Dorf Matwejew Kurgan stationiert wurden. Einige Zeit später haben die Fallschirmspringer den Befehl bekommen, eine Militärgerätkolonne zu begleiten. Die Grenze haben sie an einer unmarkierten Stelle überquert und wurden noch am selben Tag von ukrainischen Soldaten festgenommen.

Der offiziellen russischen Version zufolge haben sich die Fallschirmspringer während der Übungen verlaufen und sind zufällig auf das Territorium der Ukraine gekommen.

Am 31. August wurden die Armeeangehörigen nach Verhandlungen zwischen den Präsidenten Russlands und der Ukraine in Minsk an Moskau übergeben.

Nachdem die neun Gefangenen einige Zeit in Rostow und dann im Militärspital Burdenko in Moskau verbracht haben, wurden sie zurück nach Kostroma geschickt. Einer mit ernsthaften Brandverletzungen bleibt noch immer im Brandverletztenzentrum in Sankt-Petersburg (dieser Verwundete taucht nicht im Video des ukrainischen Sicherheitsdienstes auf), erzählten uns Verwandte der ehemaligen Gefangenen. Jetzt sind die freigelassenen Soldaten im Urlaub, auf Wunsch könnten sie den vertraglichen Dienst fortführen, sagte uns der stellvertretende Kommandeur der 98. Division, Oberst Alexander Hotulew. Darüber, ob es in dieser Abteilung Verluste gab, hat sich Hotulew geweigert zu sprechen. Die Verwandten der Fallschirmspringer erzählten dagegen, dass am 26. August genau dieser Offizier die Familien darüber informiert habe, dass es in der Division zwei Gefallene und zehn Verwundete gibt.

Die 98. Luftlandedivision war in den Gebieten Iwanowo und Kostroma stationiert. Das 331. Regiment in Kostroma, das ein Teil dieser Division ist, war früher schon an der Beilegung der ethnischen Konflikte im Südkaukasus, Transnistrien, Jugoslawien und Nordossetien beteiligt. Im Jahre 2008 nahmen die Fallschirmspringer aus Kostroma am georgisch-ossetischen Konflikt teil.

Der erste gefallene Zeitsoldat aus dieser Abteilung, über den wir erfahren haben, war der am 2. September in Wladimir beerdigte Sergej Selesnew. Der Vertreter der Militärkommissariats sagte gegenüber der örtlichen Zeitung „Pro Gorod“, dass der Soldat während Übungen im Gebiet Rostow gefallen sei. Die Umstände des Todes eines anderen Fallschirmspringers, Andrej Piliptschuk, blieben ungeklärt. Über seinen Tod sprachen seine Verwandte und Freunde in den sozialen Netzwerken, später wurden diese Information von ihnen überall entfernt. Der Chefredakteur des „Hauptportals von Kostroma“, Kirill Rubankow, behauptet, dass eine Verwandte von Piliptschuk das Faktum der Beerdigung des Fallschirmspringers ihm gegenüber bestätigt habe. Mit RBK zu reden hat sie sich geweigert.

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Grabstätte von Selesnew, Foto: Oleg Yakowlew, RBK

In der Verwaltung des Kostromaer Friedhofs hat man RBK über die Beerdigung von drei „in der Ukraine“ gefallenen Militärangehörigen aus Kostroma erzählt. In der „Afghanen-Allee“, in der traditionsgemäß die in Brennpunkten Gefallenen beerdigt werden, tauchten nacheinander drei Grabstätten auf. Den Todesdaten auf den Grabsteinen nach zu urteilen, sind der 26-jährige Sergei Gerassimow, der 32-jährige Aleksej Kasjanow und der 27-jährige Ewgen Kamenew am 24. und 25. August bzw. 3. September gefallen.

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Grabstätte von Gerassimow, Foto: Ekaterina Kusmina, RBK

Die Ehefrau eines Kollegen von Gerassimow berichtete gegenüber RBK, dass der junge Mann im Panzeraufklärungszug des 331. Regiments vertragsgemäß diente. Sie selbst warte noch immer auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Gebiet Rostow. „Sie sagen: ja, wir waren in der Ukraine,“ behauptete unsere Gesprächspartnerin, die ihren Namen nicht zu erwähnen gebeten hat. Ihren Aussagen nach sei ihr Mann in den ersten Septembertagen vom Territorium der Ukraine ins Gebiet Rostow zurückgekehrt: „Buchstäblich gestern (am 3. September) hat man ihnen erlaubt zu telefonieren. Die Jungs wollen dort nicht bleiben.“

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Grabstätte von Kasjanow, Foto: Ekaterina Kusmina, RBK

Wieviele Fallschirmspringer aus Kostroma insgesamt zu Übungen in Rostow gefahren seien, weigerte sich Hutulew zu erläutern. Militärangehörige behaupten, dass zumindest ein Bataillon ins Gebiet Rostow geschickt wurde (die Bataillonsstärke liegt standardmäßig bei 400-500 Soldaten).

„Ich denke, bald sind die Übungen zu Ende… Zusammen mit der Verbesserung der politischen Lage,“ sagte Hotulew gegenüber RBK, wobei er Kommentare über die Beteiligung der russischen Armeeangehörigen an dem ukrainischen Konflikt verweigerte. „Die Mütter und die Nahestehenden haben sich beruhigt. Alles kehrt in seinen normalen Lauf zurück,“ schlussfolgerte der Oberst.

Die Pskower, Neurussland- und Rjasansker Fallschirmspringer

Als erstes Zeugnis der möglichen Beteiligung von Pskower Fallschirmspringern an den Gefechten in der Ukraine diente eine Mitteilung in ukrainischen Medien vom 20. August: In der Nähe des Dorfs Heorhiiwka (russ. Georgijewka) im Gebiet Luhansk hat die ukrainische Armee einen Landeschützenpanzer mit Dokumenten und Waffen von Armeeangehörigen der 76. Luftlandedivision, die bei Pskow stationiert ist, in ihren Besitz genommen. Ein Korrespondent des TV-Kanals „Inter“, Roman Botschkala, veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite Fotos, die dies belegen. Unter den im Panzer gefundenen Sachen waren je ein Pass und ein Führerschein auf die Namen von Nikolai Krygin aus dem Pskower Gebiet und Ilya Maksimow aus dem Gebiet Saratow sowie ein Kontrollbuch.

In dem Kontrollbuch befand sich eine lange Liste mit den Nachnamen von Fallschirmspringern. Beide russische Bürger dienten zu dem Zeitpunkt vertraglich in der Pskower Division, behaupten ihre Bekannten, die von RBK befragt wurden.

Der offizielle Vertreter des Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow witzelte: „Zu den zahlreichen „Heldentaten“ des ukrainischen Sicherheitsdienstes muss man nun noch etwas hinzufügen: den Ankauf von Diebesgut.“

Aber schon am 25. August wurden die Fallschirmspringer Leonid Kitschatkin und Alexander Osipow in Pskow beerdigt, deren Namen in dem Kontrollbuch erwähnt waren, das im Panzer gefunden worden war. Auf den Grabkreuzen stehen ihre Todesdaten: 19. und 20. August.

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Grabstätte von Kitschatkin, Foto: Ilya Wasjunin

Dank der Untersuchung des örtlichen Abgeordneten Lew Schlosberg und von Journalisten der Zeitung „Pskower Gubernija“, die als erste von diesen Beerdigungen berichtet hatten, erfuhr das ganze Land von den Verlusten bei der 76. Division. Die Mutter von Maximow hielt sogar eine Pressekonferenz ab, auf der sie erklärte, dass sie keinerlei Informationen von den Militärs darüber bekommen könne, wo sich ihr Sohn befindet. Er hat sich dann in Pskow eingefunden, erzählte später Maximowa unserer Redaktion, was seine Papiere in einem verbrannten Panzer in der Ukraine aber verloren haben, hat er bis jetzt nicht erklären können.

Die 76. Gardeluftlandedivision ist im Pskower Gebiet stationiert. Die Pskower Fallschirmspringer waren an der Beilegung der ethnischen Konflikte in Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kirgisistan, im Baltikum, Transnistrien, Nord- und Südossetien beteiligt. Von 1994 bis 1995 nahm diese Division am bewaffneten Konflikt in Tschetschenien teil. 2008 waren sie am georgisch-ossetischen Konflikt beteiligt. Im August bedankte sich Verteidigungsminister Sergei Schojgu bei den Gardisten für ihre Teilnahme am Einsatz auf der Krim 2014.

Journalisten und die Nutzer der sozialen Netzwerke haben Dutzende VKontakte-Profile gefunden, die den Pskower Fallschirmspringern gehören und zum letzten Mal am 15. und 16. August von ihren Inhabern besucht wurden. Lokale Medien in Woronesch, Orenburg und Komi berichteten unter Verweis auf die Militärkommissariate und die Verwandten von Gefallenen über den Tod von Anton Korolenko, Dmitry Ganin und Maxim Mesenzew (alle haben in der Pskower Division gedient). Nähere Informationen über ihre Todesumstände besaßen die Militärkommissariate nicht.

Lew Schlosberg erklärte im Gespräch mit RBK, dass die Verwandten der Gefallenen üblicherweise ihre Informationen nicht mal anonym teilen. Seiner Meinung nach lassen sie sich ohne Hoffnung auf die Rückkehr ihrer Angehörigen von höheren Armeerängen leichter beeinflussen, im Gegenzug für soziale Auszahlungen.

Nach seiner Einschätzung wurden etwa 2.000 Soldaten der 76. Division an die Grenze mit der Ukraine verlegt.

Außer den Pskower, den Kostromaer und Uljanowsker Fallschirmspringern kamen im Laufe der Gefechte im Osten der Ukraine noch zwei Dutzend Fallschirmspringer aus anderen Abteilungen unter ungeklärten Umständen ums Leben. Die Zeitung „Tschita.ru“ meldete unter Verweis auf das Militärkommissariat den Tod eines Tschitiners bei Übungen bei Rostow, Nikolai Scharaborin, der in Luftlandetruppen in Noworossijsk diente. In dieser Stadt ist die 7. Gardeluftlandedivision stationiert. Später wurde Scharaborin in einer Nachrichtensendung des staatlichen russischen Fernsehens als Freiwilliger bezeichnet, der sich der Volkswehr angeschlossen habe, und als sein Todesort wurde das Gebiet Donezk in der Ukraine angegeben.

Über den Tod des 21-jährigen Astrachaners Ildar aus dem 137. Gardenregiment der 106. Gardenluftlandedivision, die im Gebiet Rjasan stationiert ist, berichtete ein Experte des Soldatenmütterkomitees, Anatolij Salin. Der Menschenrechtler nannte zwar den Namen nicht – nur das genaue Todesdatum ist angegeben: der 28. Juli. Seiner Mutter zufolge wurde der Soldat kurz zuvor nach Nowoschachtinsk (Gebiet Rostow) verlegt. Die Zeitung „Kaspij.info“ nannte den Namen des Soldaten: Maksutow. Journalisten entdeckten im Profil des Fallschirmspringers im Netzwerk „VKontakte“ folgende Statusmeldung: „Auf in die Ukraine!“. Salin sagt, dass die Soldatenmutter, die sich anfangs selbst an die Bürgerrechtler gewandt hatte, zu einem bestimmten Moment den Kontakt zu ihnen abgebrochen hat.

Die 7. Gardenluftlandedivision ist im Gebiet Krasnodar stationiert und in den Städten Noworossijsk, Stawropol und Anapa untergebracht. Die Divisionssoldaten lösten Friedensaufgaben in Abchasien und nahmen aktiv an Antiterroreinsätzen am Nordkaukasus teil. Die Gardeluftlandedivision ist im Gebiet Rjasan stationiert. Die Divisionssoldaten beteiligten sich an der Ordnungswiederherstellung während der antiarmenischen Unruhen in Aserbaidschan und an den Antiterroreinsätzen am Nordkaukasus.

Die Grenadiere

Am 27. August gab der ukrainische Sicherheitsdienst die Festnahme eines weiteren russischen Soldaten bekannt – des 19-jährigen Peter Hochlow. In einem von der Behörde veröffentlichten Video behauptet der in Nowousensk (Gebiet Saratow) Gebürtige, er sei Soldat der 9. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade, die in Nischnij Nowgorod stationiert ist. Er wurde von Roman Schubzow identifiziert, der mit ihm zusammen den Grundwehrdienst leistete. Schubzow hat seine Worte auch bestätigt. Des Weiteren erklärte er, Hochlow sei in einem Internat aufgewachsen, da seine Eltern verstorben waren.

Der Soldat im Video sagt, dass er am 23. Mai 2013 seinen Grundwehrdienst angetreten hatte und neun Monate später einen Zeitvertrag über den Dienst in der 9. Brigade unterschrieben habe. Zwei Monate später wurde sein Bataillon in Alarmbereitschaft versetzt, sie wurden in Züge gesteckt und ins Rostower Gebiet geschickt. Dort hat sich die Truppe im Wald aufgestellt. Einen Monat später habe der Kommandeur befohlen, die Schützenpanzer auszufahren, sie zu einer Kolonne aufzustellen und alle Nummernschilder und andere Abzeichen abzuschmirgeln, erzählte der Soldat. Später, behauptet Hochlow, wurden 14 solcher Panzer an irgendwelche „Tschetschenen“ in der russischen Grenzstadt Donezk übergeben.

Aus Hochlows Erzählung folgt, dass er, sobald er von der Entlohnung gehört habe, die angeblich die Volkswehr bekomme, freiwillig seine Garnison verlassen und sich der Volkswehr angeschlossen habe. Am 8. August entfernte sich Hochlow mit seinem Dienstkollegen Ruslan Garafijew von der Truppe, und beide begaben sich ins ukrainische  Gebiet Luhansk. Dort gerieten sie am 27. August bei dem Dorf Nowoswetlowka an die Ukrainer.

Das Waisenkind der 9. motorisierten Schützenbrigade

Jetzt versuchen sein Bruder Sergej Hochlow, der im Kinderheim mit ihm zusammen aufgewachsen ist, und die Braut des Soldaten Hochlow, Anna, mehr über das Schicksal des Gefangenen zu erfahren. „Im Militärkommissariat haben sie uns gesagt, er habe die Garnison verlassen. Ich glaube nicht, dass er einfach so nur für die Kamera redet. Er war bei den Übungen im Rostow. Wenn er beschlossen hätte, irgendwohin zu gehen, hätte er mich angerufen,“ sagte Sergej Hochlow unserer Redaktion. Verwandte von Ruslan Garafijew zu finden ist uns nicht gelungen. Im ukrainischen Sicherheitsdienst hat man sich geweigert, das Schicksal der russischen Soldaten zu kommentieren.

Aber auch die Version, dass sich ein Soldat der 9. Brigade freiwillig in der Ukraine befand, ist zweifelhaft. Die „Komsomolskaja Prawda“ hat die Geschichten von zwei anderen Zeitsoldaten aus derselben 9. Brigade – Armen Dawojan und Alexander Woronow – veröffentlicht, die „an der Grenze zur Ukraine“ im russischen Gebiet Rostow gefallen sind. Angeblich haben ihre Dienstkollegen der Zeitung mitgeteilt, dass die jungen Männer am 14. Juli starben, als sie Flüchtlinge beschützten und unter Beschuss kamen. Dieser Artikel wurde später von der Webseite der Zeitung entfernt.

Der Brigadenvertreter, dessen Telefonnummer Sergej Hochlow vom Militärkommissariat erhalten hatte, legte sofort auf, als unser Korrespondent ihn anrief. Mit den Verwandten von Dawojan und Woronow in Verbindung zu treten ist uns auch nicht gelungen.

Allem Anschein nach wurden bei den „Übungen im Rostower Gebiet“ auch Grenadiere aus anderen Einheiten eingesetzt.

Die 21. selbstständige motorisierte Schützenbrigade ist in der Gegend von Tozkoje im Gebiet Orenburg stationiert. Die Soldaten dieser Brigade nahmen an den Friedensoperationen in Transnistrien und Abchasien teil, sowie an den beiden tschetschenischen Kriegen.

Ende August berichteten die Medien in Irkutsk, Astrachan und Baschkortostan unter Verweis auf Militärkommissariate und Verwandte über die Beerdigungen von Wadim Larionow, Konstantin Kusmin und Marcel Araptanow aus der 17. und der 18. selbstständigen motorisierten Brigade, die in Tschetschenien stationiert sind. Alle drei sind nach der offiziellen Version „im Dienst“ während der Übungen bei Rostow gestorben. Die Gründerin der Facebookgruppe „Grus-200“ (“Fracht-200”) Elena Wassiljewa veröffentlichte  die Kopie des Befehls zur Aufhebung jeglicher Verpflegung ab dem 4. September für sechs Militärangehörige derselben Truppe: Der 25-jährige Unterfeldwebel Wiktor Karpuchin, der 27-jährige Grenadier Nikita Surkow, der 29-jährige Oberfeldwebel Witalij Gluschenko, der 35-jährige Stabsfeldwebel Alexander Nikulin, der 37-jährige Oberstabsfeldwebel Nikolai Mylnikow und der 35-jährige Oberstabsfeldwebel Sergej Dymow. Wassiljewa behauptet auch, dass sie alle ebenfalls gefallen sein könnten.

Diese Informationen zu bestätigen oder zu widerlegen ist uns zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Materials nicht gelungen.

Die Friedensstifter aus Samara

Bei den Manövern im Rostower Gebiet befanden sich außerdem auch Soldaten der 15. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade der Friedenstruppen, die im Dorf Roschinskaja im Gebiet Samara stationiert sind, erzählte unserer Redaktion der Leiter der „Union der Luftlandetruppen- und SEK-Veteranen von Samara“, Wiktor Kalinitschew. Zwei Verwandte der Soldaten sagten unter der Bedingung der Anonymität gegenüber RBK, dass die Soldaten am 3. September nach einer langen Pause wieder Kontakt aufgenommen hätten.

Die Schwiegermutter eines Zeitsoldaten und der Bruder eines anderen behaupten, dass die Friedensstifter Ende August in der Ukraine waren. Am 2. September sind sie angeblich übers ukrainische Krasnodon ins russische Gebiet Rostow zurückgekommen und haben danach auf die nächste Abkommandierung in die Ukraine gewartet.

Die Ehefrau eines weiteren Zeitsoldaten aus der Samarer Brigade erzählte der Zeitung, dass ihr Mann, der lange keinen Kontakt mit ihr hatte, sie Ende August von einer ukrainischen Nummer angerufen habe. Ihr Mann sagte ihr, dass er sich irgendwo im Rostower Gebiet bei Manövern befinde. Das Telefon mit der ukrainischen SIM-Karte habe der Mann angeblich von einem Flüchtling bekommen.

Über eventuelle Verluste beim Personal gibt es keine Informationen. Die Truppenabteilung weigerte sich, mit der Redaktion zu reden. „Es gab Übungen im Rostower Gebiet, aber unsere Soldaten gibt es in der Ukraine nicht. Das hat schon unser Oberbefehlshaber erklärt,“ antwortete Kalinitschew kategorisch.

Die 15. selbstständige motorisierte Brigade der Friedenstruppen ist in Tschernoretscheje, Samara stationiert. Es handelt sich um die erste Sondereinheit für Friedensschaffung, die Ende 2004 aufgestellt worden war. Sie wird mit Berufssoldaten komplettiert.

Friedenskräfte

„Die Welt hat sich grundlegend verändert. Wie man es aus der Vergangenheit gelernt hat, können Friedenstruppen unerwartet gebraucht werden,“ sagte Verteidigungsminister Sergej Schojgu, als er am 6. August die 15. Brigade besuchte. Damals konnten nicht alle in der Samarer Abteilung verstehen, was genau der Minister meint.

Alle Militäreinheiten, deren Soldaten während der Übungen im Rostower Gebiet gefallen oder in die ukrainische Gefangenschaft geraten sind (mit Ausnahme der motorisierten Brigaden) bilden die Basis der Friedenstruppen Russlands. Der stellvertretende Kommandeur der Luftlandetruppen in Sachen Friedenseinsätze, Generalmajor Alexander Wjasnikow, bezeichnete alle aufgeführten Einheiten der Luftlandetruppen als Friedenstruppen. Seinen Worten nach wurde die Aufstellung der Friedenskräfte mit über 5.000 Mann Stärke exakt zum August 2014 beendet.

Die Frage der Aufstellung von speziellen Friedenskräften kam nach der Operation in Ossetien vor fünf Jahren auf, erinnert sich der Leiter des Militärprognosezentrums Anatolij Zyganok. Seinen Worten nach unterscheiden sich die Friedenskräfte von anderen Kräften durch eine Sprachenvorbereitung (alle lernen Englisch und andere Fremdsprachen), die Fähigkeit, in Zeiten von Massenunruhen zu agieren und mit der Polizei und anderen Machtstrukturen anderer Staaten zusammenzuarbeiten, sowie durch die Bereitschaft nicht nur zu militärischen, sondern auch zu humanitären Operationen. Im Heute wurde der Status der Friedenskräfte nur einer Brigade der Landtruppen und allen obengenannten Luftlandetruppeneinheiten zugewiesen, wobei es Friedenstruppen auch bei den inneren Truppen Russlands gibt.

Im Frühling nahmen die Kostromaer, die Pskower und die Uljanowsker Fallschirmspringer zusammen mit Soldaten aus anderen Einheiten an der Operation zum Anschluss der Krim teil. Als Schojgu den Suworow-Orden überreichte, der der 76. Division durch den Präsidentenerlass vom 18. August verliehen wurde, bedankte er sich persönlich bei den Soldaten für die Teilnahme an der Krimoperation. Mit Medaillen für die Rückkehr der Krim wurden auch der gefallene Zeitsoldat Kiltschinbajew sowie der bei Donezk festgenommene Kostromaer Fallschirmspringer Jegor Potschtojew ausgezeichnet. Es gibt Fotos von diesen Medaillen in vielen persönlichen Netzwerkprofilen von Soldaten aus den obengenannten Einheiten.

Wie gekämpft wurde

Anfang August waren Donezk und Luhansk fast vollständig blockiert. Das Territorium der selbsternannten DVR und LVR hatte sich seit dem Beginn der Kampfhandlungen auf ein Viertel verringert. Zurückgetreten sind Alexander Bolotow und Alexander Borodaj – die zu dem Zeitpunkt auffälligsten Leiter der DVR und LVR, am 14. August ist der Verteidigungsminister der DVR, Igor Strelkow, zurückgetreten, der am Anfang des bewaffneten Widerstands gegen Kyjiw stand. Auf den Webseiten der russischen Nationalpatrioten tauchte der Ausdruck „Moskau spült Neurussland weg“ auf.

Am 16. August, als die Gefechte schon auf die Vororte von Donezk und Luhansk übergegriffen hatten, berichtete der neue Premierminister der DVR, Alexander Sachartschenko, plötzlich über eine Verstärkung: 150 Militärtechnikeinheiten (etwa 30 Panzer, der Rest sind Schützenpanzer, Landeschützenpanzer und Schützenpanzerwagen) und „1200 Mann Besatzung, die vier Monate lang eine Ausbildung auf dem Territorium Russlands gemacht haben“. „Sie wurden in dem kritischsten Moment hier reingelassen,“ sagte Sachartschenko, als er bei der Sitzung des Oberrats der DVR auftrat. „Nur einzelne Personen in der Republikleitung wussten, dass es in den nächsten Tagen ernsthafte Veränderungen geben und der Feind eine entscheidende Niederlage erleben wird,“ sagte der nach Moskau zurückgekehrte Strelkow später unserer Redaktion.

Im Endeffekt kam der ukrainische Vormarsch am 19. August zum Erliegen, und am 20. August begann der Gegenangriff der Volkswehr. In die russischen staatlichen Medien ist die Siegesrhetorik aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückgekehrt: Man fing an, von Ilowajsker und Mariupoler „Kesseln“ zu sprechen, in welche die ukrainische Armee gekommen sei. Tatsächlich, am 27. August sind zwischen den Ortschaften Ilowajsk, Amwrosijiwka und Starobeschewe mehrere Tausende ukrainische Militärangehörige eingekesselt worden. Östlich von Mariupol startete eine frische Gruppierung, die mit Militärtechnik aufgerüstet war, eine Offensive gegen die Ukrainer.

Am 28. August sprach der ukrainische Präsident Petro Poroschenko zum ersten Mal öffentlich über die Invasion der russischen Armee in die Ukraine. Einige Stunden später stellte Putin in einer Ansprache an die Volkswehr „ernsthafte Erfolge in der Unterbindung der Kyjiwer Militäroperation“ fest und rief dazu auf, „einen humanitären Korridor für die ukrainischen Militärs, die sich in der Einkesselung befinden, zu öffnen“.

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22.08.2014

Die Gegenoffensive der Volkswehr konnte ohne die Unterstützung der auf der Basis der regulären Armee aufgestellten bataillon-taktischen Gruppen nicht gelingen, findet der ukrainische Militärjournalist Konstantin Maschowetz. Das jetzige Vorgehen dieser Gruppen ist die taktische Basis der russischen Luftlandetruppen, sagt der russische Experte Anatolij Zyganok. Diese bataillon-taktischen Gruppen sind vor ungefähr zehn Jahren aufgetaucht, vor der Operation in Südossetien, wo sie ihr Bestes gegeben haben, sagt er. So eine Gruppe wird auf der Basis eines Regiments oder eines Bataillons aufgestellt, seltener auf der Basis einer Division oder einer Brigade, ihre Stärke ist der Standardstärke eines motorisierten Bataillons (450-500 Soldaten) gleich. So eine Einheit wird mit Artillerie, Militärtechnik, sowie Soldaten und Offizieren verschiedener Berufszweige wie Aufklärer, Pioniere, Fernmeldemänner usw. aufgefüllt. Die Verstärkung der aus Fallschirmspringern aufgestellten bataillon-taktischen Gruppen durch Grenadiere und Panzersoldaten ist eine ganz normale Praxis, fügt der Militärexperte Alexander Chramtschichin hinzu.

Der Alliierte Oberbefehlshaber für Europa (SACEUR) der NATO-Armeekräfte, General Philipp M. Breedlove, schätzte die maximale Anzahl der auf dem Gefechtsterritorium aktiven Kräfte der russischen Armee auf 10 bataillon-taktische Gruppen. Der Journalist Maschowetz und der ukrainische Brigadekommandeur Beresa glauben, dass es mindestens drei bis vier bataillon-taktische Gruppen gibt. Die letzte Zahl entspricht ungefähr der Maßstabgröße der Verstärkung, über die Sachartschenko am Vorabend der entscheidenden Gegenoffensive gesprochen hatte.

Im Verteigungsministerium Russlands wird die Aussage von Breedlove mit einem eigentümlichen Humor widerlegt: „Vier Armeebataillone mit Technik ist keine Nadel im Heuhaufen. Und wir reden gar nicht über die zehn bataillon-taktischen Gruppen, die sich dort angeblich schon vor einer Woche aufgehalten haben sollen. Solch‘ starke Aussagen seitens eines mehrsternigen Generals, der sich dabei ausschließlich auf eigene Reflexionen stützt, sind zumindest leichtsinnig,“ steht in der Pressemitteilung des russischen Verteidigungsministeriums.

Aber auf eine Anfrage von RBK mit einer Bitte um Aufklärung der Todesumstände von über zehn Militärangehörigen aus verschiedenen Einheiten während der Übungen im Rostower Gebiet, sowie über das Schicksal von Ilmitow, Achmetow und Hochlow hat das Verteidigungsministerium nicht geantwortet.

Kein Urlaub an den Stränden

Das Verteidigungsministerium erklärte die Mehrheit der Fakten über die Anwesenheit seiner Militärangehörigen in der Ukraine damit, dass es sich um Freiwillige handele, die während ihres Urlaubs in den Krieg gefahren seien. In der DVR und LVR hat man sich an dieselbe Linie gehalten.

Sobald die Weltmedien begannen, über russische Soldaten zu sprechen, die in der Ukraine sterben, nahmen die russischen staatlichen Medien das Thema der im Donbas kämpfenden Urlauber-Soldaten auf, was die Untersuchung der Firma „Medialogie“ für RBK belegt. Nach Angaben des Monitorings und der Analyse der Medien sind im August und September auf den drei wichtigsten Fernsehsendern der Russischen Föderation 36 Sendungen mit Erwähnungen von Armeefreiwilligen aus Russland ausgestrahlt worden. 34 davon wurden nach dem 25. August gesendet.

Am 4. September wurde im Ersten TV-Kanal die Beerdigung des Kostromaer Fallschirmspringers Anatolij Trawkin gezeigt, der in der Ukraine gefallen ist. „Vor einem Monat ist er in den Donbas gefahren, ohne seinen Angehörigen etwas zu sagen. Das Abteilungskommando betont, dass Anatolij Urlaub genommen hat, um in die Gefechtszone zu fahren,“ sagt der Fernsehansager des Ersten TV-Kanals.

Aber die Sendung ruft mehr Fragen hervor als Antworten zu geben. Es gäbe in einer Einheit, dem 331. Luftlanderegiment in Kostroma, einen gefallenen „Freiwilligen“ in der Ukraine, außerdem noch Gefallene „bei Übungen im Rostower Gebiet“, sowie zufällig in der Ukraine verirrte Zeitsoldaten, und sie alle sind in Uniformen ohne jegliche Abzeichen gekleidet. Noch einer sei verwundet.

Das ist die einzige Einheit, deren Kommando über die eigenen Soldaten nicht sagen kann, dass sie alle freiwillig dort waren: Das Video der Verhöre von Soldaten im Dienst widerlegt es. Oberstleutnant Hotulew aus der Kostromaer Abteilung hat sich geweigert, RBK gegenüber die Ursache für die Verwundung des verirrten Fallschirmspringers zu erklären. Die Todesursachen der übrigen während der Übungen gefallenen Soldaten werden im Südlichen Militärbezirk untersucht, sagte der Offizier. Der Presseoffizier des Militärbezirks hat RBK nicht geantwortet.

Außerdem verbietet ihr Vertrag den Militärs eine Teilnahme an Kriegsgefechten während ihres Urlaubs auf direkte Weise – darauf machte uns das Mitglied des Menschenrechtsrats beim russischen Präsidenten und Leiter der bürgerrechtlichen Gruppe „Bürger. Armee. Recht“, Sergej Kriwenko, aufmerksam. „Der Armeeangehörige teilt dem Kommando mit, wohin genau er in den Urlaub geht, und in die Kampfzone auf dem Territorium eines anderen Staates zu fahren ist gesetzwidrig,” erklärte der Bürgerrechtler. Seinen Worten nach hätte ein Fallschirmspringer, der sich auf den Weg in den Donbas machte, in diesem Fall seine Befehlhabenden belügen müssen und keinen Anspruch auf soziale Garantien und Auszahlungen im Falle seiner Verwundung oder Tod erheben können, was auch für postume militärische Ehren gilt.

Trotzdem sprechen viele Verwandte von Verwundeten und Gefallenen, die von RBK befragt wurden, von Versprechungen über die Auszahlungen wegen Verwundung oder Tod.

Am 2. September versprach der stellvertretende Verteidigungsminister Nikolai Pankow bei einem Treffen mit Bürgerrechtlern, die Todesumstände von jedem einzelnen Militärangehörigen bei „Rostower Übungen“ zu untersuchen. Kriwenko überreichte daraufhin dem General die Liste aller Gefallenen, auf der seinen Worten nach 15 Nachnamen stehen. Eine Antwort hat er bis jetzt noch nicht bekommen.

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Wie NATO-General Breedlove behauptet, sind nach den Minsker Verhandlungen noch immer 4 bataillon-taktische Kampfgruppen der russischen Armee in der Ostukraine geblieben. Insgesamt handele es sich um bis zu 1500 Soldaten. Das Verteidigungsministerium Russlands erklärte diese Angaben als „Spekulationen“.

Nachsatz: Wie später bekannt wurde, sind die Uljanowsker Fallschirmspringer Ruslan Achmetow und Arsenij Ilmitow, die von den Soldaten des bei Illowajsk eingekesselten Freiwilligenbatillons „Dnipro-1“ in Gefangenschaft genommen wurden, am Leben geblieben und sind in ihre Garnison der 31. Brigade zurückgekehrt. Sie sind beim Durchbruch der Ukrainer aus der Einkesselung nicht getötet worden, wie es der ukrainische Innenminister Anton Heraschtschenko behauptet hatte. Dies wurde aus einer am 6. September veröffentlichten Reportage von Lifenews bekannt.


Quelle: Maxim Solopow für rbc. ru [6]; übersetzt von Irina Schlegel, [7] korrigiert von Klaus H. Walter. [8]