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Russische Fallschirmjäger der 31. Luftsturmbrigade stürmten das Krimer Parlament in ukrainischen Berkut-Uniformen

InformNapalmTeam hat eine weitere Untersuchung vorbereitet, die durchblicken lässt, wie russische Fallschirmjäger mit Maskerade und Verkleidung den Anschein eines inneren Konflikts auf der Krim erschufen.

Die Lügen der russischen Behörden über die „Selbstwehr der Krim“ hielten gar nicht lange stand: bereits ein paar Monate nach der Annexion haben die Russen offiziell zugegeben, dass es gar keine „Selbstwehr“ oder „Volkswehr“ auf der Krim gab – es war schlicht und einfach russische Armee, die im März 2014 ohne Abzeichen oder sonstige Erkennungszeichen die ukrainische Krim eingenommen hatte.

Je weiter wir von jenen Ereignissen entfernt sind, desto mehr Einzelheiten dieses Krim-Abenteuers kommen ans Licht. Erinnert Ihr Euch noch, was Girkin-Strelkow über die Abstimmungen auf der Krim sagte: „Die Abgeordneten wurden von der Volkswehr zusammengetrieben und dann in den Konferenzraum gebracht, damit sie eine Entscheidung treffen. Ich war einer der Volkswehr-Kommandeure und habe all das mit meinen eigenen Augen von innen heraus gesehen…“

Außer den verkleideten „grünen Männchen“ wurde permanent das Thema der „lokalen Selbstwehr“ aufgebauscht, der die ehemaligen ukrainischen Mitarbeiter der Staatsstrukturen angeblich stramm und willig beitraten. Aber die willigen und strammen Verräter haben sich am Ende als verkleidete russische Berufssoldaten entpuppt. Erinnert Ihr Euch an den berühmt gewordenen russischen Fallschirmjäger Nikolaj Koslow, der seine Beine im Donbas verloren hat?

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Nikolay Koslow mit seinem Vater. An Nikolays Brust hängt die Medaille „Für die Rückkehr der Krim“.

Wie „Novaya Gazeta“ [2] berichtete, diente der 21-jährige Nikolaj Koslow, entsprechend den Angaben des Kreiswehrersatzamts von Osersk, von Beruf Automechaniker, bis Juni 2013 Wehrdienst in der Militäreinheit Nr. 73612 der 31. selbstständigen Luftsturmbrigade, ab dem 1. August 2013 in derselben Brigade unter Vertrag.

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Nikolaj (links) in der Uniform der ukrainischen Polizei. Foto aus dem „Vkontakte“- Profil seines Vaters. Mai 2014

Zur ersten Kampfaufgabe von Nikolaj Koslow wurde die Krim. Zunächst hatte Nikolai „die neue Regierung“ in der Uniform der jungen unbekannten höflichen Menschen und dann in einer Berkut-Uniform bewacht.

Nun wurde das Foto von Nikolaj in einer ukrainischen Polizeiuniform im Internet breit verbreitet.

Viele haben vermutet, dass russische Fallschirmspringer in Gestalt der ukrainischen „Berkuts“ beim Auseinanderjagen des Maidan im Februar 2014 beteiligt waren. Der Onkel des russischen Fallschirmjägers Sergei Koslow ist sich sicher, dass das Foto im Flur des Oberrats gemacht worden ist, den Nikolaj höchstwahrscheinlich auch als „Berkut-Vertreter“ bewachte.

Mit der Medaille „Für die Rückkehr der Krim“ ist Nikolaj zurück nach Uljanowsk gekommen und hat geheiratet. Und im August 2014 war er wieder in der Ukraine, wo er bald auch seine Beine verlor und diesmal als Invalide nach Hause zurückkehren musste.

Die Verwundung von Nikolaj hat verschiedenste Reaktionen bei seinen Familienmitgliedern hervorgerufen. Der Onkel des Fallschirmjägers, Sergei Koslow, ein IT-Spezialist aus Moskau, schrieb über die Verwundung seines Neffen auf seiner FB-Seite: „Er ist nun ein beinloser Invalide. Bis zum Ende seines Lebens. Die Krim ist nun unser…“, der Vater aber, Wsewolod Koslow, lobte das Verhalten seines Sohnes als eine Heldentat eines wahren Soldaten.

„Die Jugend ist dumm – sie posten überall im Internet ihre Fotos: aus der Ukraine, aus der Krim…“ schrieb dagegen tiefsinnig der Onkel Sergei Koslow.

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Tatsächlich, untersucht man die Profile russischer Fallschirmjäger aus der 31. selbstständigen Luftsturmbrigade aus Uljanowsk, so lassen sich gleich mehrere russische Soldaten finden, die sich als „Berkut“ verkleideten. Zum Beispiel der russische Fallschirmjäger Alexej Iwanow (https://vk.com/id206011833 [6], Archiv: https://archive.is/Cy1Pe [7]) in der Uniform der ukrainischen Berkut:

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Foto von Alexej Iwanow bei „VKontakte“

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Kommentare zum Foto

Archiv mit den Kommentaren zum Foto: https://archive.is/DP98y [10]

Sehen wir uns die Details mal genauer an. Der Teppichläufer mit dem goldenen Muster sieht recht vertraut aus. Dieser Läufer ist nämlich nicht bloß einmal in die Reportagen über die Einnahme des Krimer Parlaments und Ministerrats, sowie in Nachrichtenbildern mit offiziellen Meldungen über verschiedene Auszeichnungen, die in diesem Saal stattfinden, ins Bild geraten.

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Auf dem Foto stimmen sowohl das Parkett, als auch der Teppichläufer und das Deckenrelief überein. Es sind indirekte Anzeichen, welche die bereits vorgelegten Fakten nur zusätzlich bestätigen.

Somit ist die auf der Krim vollführte Maskerade der russischen Fallschirmjäger aus der Uljanowsker 31. Brigade, die sich als ukrainische Berkut kostümierten, nur ein Teil des Szenarios, das zwecks der Aufdrängung der Idee eines „Bürgerkrieges“ erschaffen und seitens der Russischen Föderation organisiert wurde. Stellen wir uns nur einmal vor, was passiert wäre, wenn ukrainische Soldaten damals auf diesen „ukrainischen Berkut“ geschossen hätten – das wäre zum absoluten Sieg der kremlischen Drehbuchautoren geworden und hätte die ganze Welt an diesen erfundenen „Bürgerkrieg“ glauben lassen.

Die Fortsetzung dieses Szenarios beobachten wir nun auch im Donbas…


Dieses Material wurde von Anton Pawluschko [12] exklusiv für InformNapalm [13] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [14]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unser Projekt erforderlich.

CC BY 4.0