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Russische Geschenke für den IS: Was wurde auf der russischen Militärbasis in Palmyra zurückgelassen?

Die IS-Söldner haben ein Video vom Gelände der russischen Militärbasis in Palmyra veröffentlicht. Den Bildern nach, wurde die Basis in großer Eile verlassen und ist kaum beschädigt worden. Auf den Tischen im Lager sind sogar Teller mit Essensresten zu sehen. Die IS-Söldner erbeuteten dabei viele Waffen und Munition, die von den russischen Militärangehörigen unversehrt zurückgelassen wurden. Die Freiwilligen von InformNapalm haben beschlossen, das Video zu analysieren und eine Identifizierung von zurückgelassen Waffentypen durchzuführen. 

Wie man im Video sieht, wurden auf der Militärbasis zumindest eine automatisierte Kanone S-60 (57 mm Kaliber), vier Flugabwehrkanonen SU-23-2, Wechselläufe für die SU-23-2, ein mobiler Minenräumer UR-83P, optische Visiere PGO-7 für die Granatwerfer RPG-7, eine Bordkanone GSch-23L, ein Stapel Patronenkisten – 250 St. (circa 350 000 Patronen 7,62×39), Splittersprengmunition (125 mm), zumindest ein MG „Kord“ (12,7 mm) zurückgelassen. Auch erbeuteten die IS-Terroristen circa 200 automatische Schützenwaffen, hauptsächlich modernisierte Version von AK-47 (GRAU-Index: 56-А-212), sowie 30-40 Stück AK-74U (absolut neu) und circa 20 grosskalibrige DschK-MG (12,7 mm).

Also wurde auf dieser russischen Basis alles zurückgelassen, was sich ins Konzept der mobilen Partisanentaktik des IS einfügt und dazu gebracht wird: die grosskalibrigen DSchK-MGs für die „Dschihad“-Autos (vor denen die Assaditen panische Angst haben), Flugabwehrkanonen SU-23-2, Raketen für die Granatwerfer und eine große Anzahl von Schützenwaffen und Munition.

Im Ergebnis der Analyse von Satellitenbildern des Geländes dieser Militärbasis sind die Freiwilligen von InformNapalm zu interessanten Schlussfolgerungen gekommen.

Geolokalisierung:
Die Militärbasis liegt unweit vom Schloß Ibn-Maana auf dem Berg Dschebel Kassidi (34°33’46.0″N 38°15’26.0″E [1]). Das sieht man auch im Video.

[2] [3]

Man sollte anmerken, dass das Waffendepot, das im Video gezeigt wird, sich nicht auf der Basis selbst befindet, sondern näher an den Berg liegt. Über die Bestimmung der Militärbasis kann man anhand des Hubschrauberplatzes schlussfolgern (der etwas westlicher von der Basis liegt). Auch sieht man auf den Satellitenbildern drei grüne Zelte aus dem Bestand des sogenannten „autonomen Feldlagers“ APL-500, das zur Ausrüstung der Streitkräfte Russlands gehört.

In den drei Zelten können insgesamt bis zu 100 Menschen untergebracht werden.

Höchstwahrscheinlich diente die Basis als ein Ankunftsort für russische Befehlshaber, die mit Hubschraubern nach Palmyra kamen. Interessanterweise wurde das Feldlager APL-500 nicht in vollem Umfang in Palmyra aufgeschlagen. Es wurden nur einige Elemente in Form von drei Zelten und einer Kühlanlage (womöglich zur Lebensmittelaufbewahrung) entfaltet.

Kürzlich erklärte das russische Verteidigungsministerium in seiner Pressemitteilung, die es an russische Medien verschickte, dass die in Palmyra zurückgelassenen Waffen keine besondere Gefahr in sich bergen.

Am Beispiel dieser Analyse sieht man aber, dass es durchaus eine Gefahr besteht, denn der IS kann diese Waffen wunderbar im Rahmen seiner Kampftaktik einsetzen und russische Militärangehörige haben die Terroristen mit ausreichend Waffen für ihre „Dschihad“-Autos und Gun-Trucks versorgt.

Wir möchten daran erinnern, dass der Befehlshaber internationaler Koalitionskräfte mit den USA an der Spitze Steven Townsend sagte, dass die IS-Söldner verschiedene Waffentypen in Palmyra erbeutet haben könnten, darunter auch Luftabwehrmittel. Er merkte auch an, dass jegliche durch die Terroristen erbeutete Waffen eine Gefahr für die Koalitionskräfte darstellen.

Aus unseren eigenen Quellen ist uns bekannt, dass nach der Aufgabe und schändlicher Flucht aus Palmyra ein Streit zwischen den Assaditen, Iranern, „Hisbollah“ und Russen entfachte, wer als Erster das Schlachtfeld verlassen habe. Auch ist bekannt, dass Russland höchstwahrscheinlich nicht mehr um Palmyra kämpfen wird – diese Information wird auch durch offene Quellen bestätigt, zum Beispiel behauptete das Gleiche der Militärkorrespondent der „Gazeta.ru“ [4]Michail Chodarenok: er sagte, dass die militärische Führung Russlands wohl kaum die Rückeroberung von Palmyra beabsichtigt. Also werden die russischen „Geschenke“, die der IS auf der verlassenen Militärbasis in Palmyra vorgefunden hat, wohl bei den Terroristen bleiben.

Wir weisen darauf hin, dass wir in unseren früheren Untersuchungen im Raum von Palmyra die Militärangehörigen folgender russischer Truppenverbände festgehalten haben: 61. Marineinfanteriebrigade der Nordflotte RF [5], 120. Artilleriebrigade [6], 20. selbstständige motorisierte Schützenbrigade [7], sowie 7. Panzerbrigade [8] der Streitkräfte Russlands.

Interessanterweise gaben die russischen Propagandisten [9] am Tag nach der Aufgabe von Palmyra erstmals die Anwesenheit von russischen Spezialeinsatzkräften in Syrien zu. Indirekte Indizien, solche wie zurückgelassenen Bankkarten und Handys, lassen annehmen, dass sich als Letzte auf der Basis im Raum von Palmyra die Militärangehörigen der 24. Speznas-Brigade GRU des Verteidigungsministeriums Russlands aufhielten. Die Militärangehörigen dieser Brigade figurierten in unseren früheren Untersuchungen zu Donbass [10].

Die russischen Militärangehörigen, die mit einer „Für Befreiung von Palmyra“ oder „Fürs Entminen von Palmyra“-Medaille ausgezeichnet wurden, können diese wohl nun an die Sammler verkaufen…

Vollständige Datenbank mit Beweisen für die russische Präsenz im Donbass finden Sie unter folgendem Link: „Reguläre russische Armee in der Ukraine. Untersuchung und Infografik“ [11]


Dieses Material wurde von Michail Kusnezow [12] und Kusjma Tutow [13] exklusiv für InformNapalm [14] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [15]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [16] )

Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

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