Es ist wohl keine Neuigkeit, dass russische Okkupanten seit dem Frühling letzten Jahres (2014) großzügig Medaillen für die Teilnahme an Kampfhandlungen gegen die Ukraine vergeben. Die Medaille „Für die Rückkehr der Krim“ ist nach Ergebnissen der Krim-Okkupation, deren Einnahme auf die eine oder andere Art durch Russland anerkannt wurde, nun allen bekannt. Trotz der Behauptungen der russischen Amtspersonen, dass sich die russischen Streitkräfte an bewaffnetem Konflikt in der Ukraine nicht beteiligen, beobachtet man eine seltsame Tendenz zur massenhaften Auszeichnung von Militärangehörigen, die von den „Übungen bei Rostow“ oder aus der „ukrainischen Dienstreise“ (wie immer man es nennen möchte) zurückgekommen sind.
Die russischen Militärangehörigen – Teilnehmer der Kampfhandlungen im Donbas – werden massenhaft mit den Medaillen „Für militärisches Heldentum“ ausgezeichnet. Ähnliche Auszeichnungen haben wir bereits letztes Jahr beobachtet:
- Im September wurden Fallschirmspringer des 247. Luftlanderegiments der 7. Division der russischen Luftlandetruppen aus Stawropol ausgezeichnet.
- Im Januar wurden Panzerfahrer der 5. Panzerbrigade aus Burjatien ausgezeichnet. In Ausnahmefällen werden die russischen Militärangehörigen, die „bei der Ausführung ihres Dienstes“ ernsthafte Verstümmelungen bekommen haben, mit den Medaillen „Für Tapferkeit“ ausgezeichnet, wie es im Fall eines Zeitsoldaten der 8. Bergbrigade namens Osipow gewesen ist, der seinen Arm im Donbas verloren hatte.
Über die „ukrainische Dienstreise“ der Militärangehörigen des 7. russischen Okkupationsstützpunktes aus Abchasien (Georgien) haben wir ziemlich ausführlich Anfang Februar 2015 geschrieben. Damals haben wir auch über die Auszeichnung der Militärangehörigen gesprochen, die aus Donbas zurückgekommen sind: ein Insider erwähnte die Medaillen „Für Tapferkeit“, höchstwahrscheinlich ging es aber um die Medaillen „Für militärisches Heldentum“. Eine eigene Untersuchung von Ergebnissen einer „ukrainischen Dienstreise“ der Militärangehörigen des 7. Stützpunktes hat auch die russische Ausgabe „RBC“ durchgeführt.
Nach vorhandener Information wurde Anfang Februar dieses Jahres eine weitere bataillon-taktische Kampfgruppe aus dem 7. Stützpunkt erneut auf eine „ukrainische Dienstreise“ geschickt.
Schauen Sie unser früher veröffentlichtes Material „Aus dem Mandarinen-Paradies in die ukrainische Hölle“: Wie man russische Zeitsoldaten freiwillig-obligatorisch die Ukrainer zu töten absendet“.
Die Informationen von InformNapalm finden eine Bestätigung auch im Interview mit dem russischen Panzerführer Dorschi aus Burjatien.
Ich habe das Bekenntnis des Panzerfahrers-Burjaten aus der 5. Panzerbrigade zu Ende gelesen, das Interview mit welchem die „Novaya Gazeta“ heute veröffentlichte. Ziemlich kühn, muss ich sagen, wobei er ja auch nichts mehr zu verlieren hat, aber er empfindet ja nicht mal einen Ansatz von Reue, also habe auch ich keinerlei Mitleid mit diesem sprechenden Kopf. Das Interview ist ziemlich aufschlußreich, es sind ein paar interessante Momente angesprochen worden, die von uns früher beleuchtet worden waren:
1. Die russische Quelle bestätigte die Informationen über die Absendung einer bataillon-taktischen Gruppe der 5. Panzerbrigade auf die „ukrainische Dienstreise“ – diese Information hatte InformNapalm bereits im November 2014 bereitgestellt:
- „Eine Abteilung der 5. Panzerbrigade des östlichen Militärbezirks im Verband der russischen Invasionskräfte“
- „Zusätzliche Informationen über eine Abteilung der 5. Panzerbrigade der Rostower Gruppierung der Invasionskräfte“
Dieselbe Quelle bestätigte auch die Entsendung anderer Einheiten des östlichen Militärbezirks ins Rostower Gebiet, was ebenfalls von InformNapalm erläutert worden war:
- „Orient-Express: Russland verlegt weiterhin Streitkräfte aus dem östlichen Militärbezirk“
- „Ussurijsk-Artilleristen der 305. Artilleriebrigade mit Kumpels in der Nähe von Rostow“
- „Gäste aus Sachalin: 18. Maschinengewehr-Artillerie Division im Verband der Invasionskräfte“
- „Nach Ulan-Ude wurden zwanzig 200-er geliefert“
2. Das Bekenntnis von Dorschi über die Februar-Ereignisse ist kein einzelner Fall der Teilnahme von Panzerführern der 5. Panzerbrigade an den Kämpfen im Donbas. Im Januar 2015 berichtete InformNapalm über die Auszeichnung der Panzerführer dieser Brigade mit den Medaillen „Für militärisches Heldentum“: „Die Burjaten der 5. Panzerbrigade werden mit der Medaille „Für militärisches Heldentum“ ausgezeichnet“
3. Auch wurden die Informationen von InformNapalm über eine gemischte bataillon-taktische Gruppe aus einer Abteilung der Luftlandetruppen und der „Kantemirowka“- Panzerbrigade bestätigt:
- „Identifizierung von russischen Einheiten, die an aktuellen Kämpfen im Donbas beteiligt sind“
- „Eine gemischte bataillon-taktische Gruppe (106. Luftlandedivision und 4.Panzerdivision) ist zu einem neuen Sprung in die Ukraine bereit“
Weitere interessante Details:
4. Es wurde vermerkt, dass die Militärangehörigen, die „zu Übungen nach Rostow“ verlegt wurden, dorthin freiwillig geschickt wurden, mit ihrer schweigsamen Zustimmung und ohne großen Zwang. Es gab wohl auch auch Verweigerer.
5. Niemand aus dem Militärkommando der Einheit oder dem russischen Verteidigungsministerium hat sich weder mit Dorschi noch mit seiner Familie in Verbindung gesetzt. Der Mutter von Dorschi wurde erst nach ihrem Besuch der Einheit in Ulan-Ude erklärt, dass ihr Sohn auf den Listen der in die Ukraine entsandten Soldaten dieser Einheit steht, was bedeutet, dass das Verteidigungsministerium seinen Verpflichtungen gegenüber dem Soldaten wohl nachgehen und seine Behandlung bezahlen wird.
Im Interview gibt es noch andere interessante Momente, aber das Wichtigste daran ist, dass es die Beteiligung der russischen regulären Streitkräfte am unerklärten Krieg gegen die Ukraine ein weiteres Mal bestätigt hat.
Dieses Material wurde von Irakli Komaxidze exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf den Autor und unsere Ressource erforderlich.
Den vollständigen Text des Interviews der „Novaya Gazeta“ kann man hier auf Englisch nachlesen: http://euromaidanpress.com/2015/03/02/the-story-of-a-russian-soldiers-war-in-ukraine-we-all-knew-what-we-had-to-do-and-what-could-happen/
Lesen Sie zum Thema auch:
- „RBC-Untersuchung: Woher kommen russische Soldaten in der Ukraine?“
- „Wieviele russische Berufssoldaten sind in ukrainische Gefangenschaft geraten?“
- „RBC-Untersuchung: Dienst wider Willen“
- „Lew Schlossberg: Wofür starben die Fallschirmspringer im Donbas?“
- „Gazeta.Ru-Untersuchung: Zeitsoldaten aus Murmansk haben sich geweigert, in die Ukraine entsandt zu werden“

