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Russische Söldner: Vertragsdienst bei den russischen Streitkräften nach dem Aufenthalt im Donbass

Anm.d.Red.: Zwischen 2014 und 2016 erstellte die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm eine Datenbank mit über 160 Fällen [1] der Anwesenheit von regulären russischen Militärangehörigen im Donbass und noch eine mit Angaben zu 39 modernsten russischen Waffensystemen [2] und Militärgerätmodellen, die im Donbass registriert wurden.

In der Datenbank sind Angaben zu Soldaten und Offizieren aus 75 verschiedenen Truppenverbänden Russlands enthalten. Dabei konnten wir folgende Vorgehensweise beobachten:
– die Ankunft einzelner Militärangehöriger und ganzer Truppenverbände in den Trainingslagern im Rostower Gebiet (das Territorium, das an den unkontrollierten Abschnitt der ukrainischen Staatsgrenze im Osten des Landes angrenzt);
– die Verlegung getarnter Truppen und ihre Zuweisung zu den IBFs als Ausbilder oder zur Versorgung der „zweiten Staffel terroristischer Kräfte“.

Im Laufe der Vorbereitung dieser Untersuchung wurde jedoch eine grundsätzlich neue Vorgehensweise entdeckt: Die Anreise der Söldner (russischer Staatsbürger) in den Donbass und Sammlung der Kampferfahrung und erst danach – ihre anschließende Aufnahme in die Streitkräfte RF als Zeitsoldaten.


Es hat sich herausgestellt, dass die kriminelle Vergangenheit und terroristische Tätigkeiten mancher Staatsbürger der Russischen Föderation nicht nur kein Hindernis für den Dienst bei den Streitkräften RF darstellen, sondern den Karriereaufstieg sogar fördern. Dabei werden ehemalige russische Söldner – Staatsbürger der RF, die gegen die Ukraine in Donbass gekämpft haben – als Belohnung auf das Territorium der besetzten sonnigen Krim abkommandiert, um dort ihren Militärdienst zu leisten.

Die Komplettierung der Truppenverbände der Streitkräfte Russlands, die lange Zeit vor Maidan und der Annexion der Krim angefangen hatte, wird auf der besetzten Halbinsel bis heute fortgesetzt. Das russische Militäramt stellt unter anderem Zeitsoldaten in die Truppenverbände des sogenannten ersten Schlages an, wie beispielsweise das Luftsturmbataillon der 810. selbstständigen Marineinfanteriebrigade der Schwarzmeerflotte, stationiert in Sewastopol. Es wurde festgestellt, dass an entsprechenden Komplettierungsstellen in den Rostower und Wolgograder Gebieten Russlands Offiziere der erwähnten Brigade aktiv arbeiten, um die Kandidaten unmittelbar vor Ort zu studieren: ihre physische und moralisch-psychologische Diensttauglichkeit, Loyalität zur heutigen Politik Russlands etc. Allem Anschein nach wird die Söldnererfahrung bei den zukünftigen Zeitsoldaten nur begrüßt.

  1. Der Kampfgefährte von „Bes“ wurde nach Sewastopol abkommandiert

Zum charakteristischen Beispiel eines Militärangehörigen, der für den Dienst auf dem Territorium der besetzten Krim gewählt wurde, kann der unten vorgestellte Staatsbürger Russlands genommen werden.

Persönliche Angaben:

xodasevich [3]Iwan Chodossewitsch [4] (Archiv des Profils [5], Fotoalben [6], Kontakte [7]), geboren am 25. Dezember 1989 oder 1990 (das Geburtsjahr konnte nicht genau ermittelt werden), wohnhaft in Wolzhskij, Wolgograder Gebiet, verheiratet (Ehefrau Anna [8]), hat einen Sohn. Hat bei dem Wolzhskij Institut für Wirtschaft, Pädagogik und Recht studiert. In 2011-2012 – Wehrpflichtiger bei den Streitkräften RF, Unteroffizier.

Laut uns vorliegenden Daten wurde Iwan Chodossewitsch nach der Vorlage entsprechender Dokumente und einem Vorstellungsgespräch mit einem Offizier der 810. Marineinfanteriebrigade als Zeitsoldat angestellt und zum Stellvertreter des Zugskommandeurs bei dem genannten Truppenverband bestellt (s. Korrespondenz).

kichitsy [10]Der frischgebackene Zeitsoldat Iwan prahlt in seinem Sozialnetzwerkprofil ganz offen damit, dass er vor kurzem am bewaffneten Konflikt im Osten der Ukraine teilgenommen hatte, und gibt mit persönlicher Bekanntschaft mit solch‘ ominösen Gestalten, wie „Bes“, „Strelkow“ und anderen an.

 

 

 


Ziemlich aufschlussreich ist die Korrespondenz von Iwan Chodossewitsch mit einem anderen „Verteidiger der russischen Welt“, dem Moskauer Dmitrij Beljaew [11] (Profil gelöscht, erhalten ist nur das 2 Jahre altes Profilarchiv [12]), mit dem sie zusammen im Bestand der sogenannten „Volkswehr“ kämpften. Den zahlreichen Fotos auf ihren Seiten nach, befanden sich die Söldner in der Nähe von Krasnodon (Luhansker Gebiet, Ukraine)

d-b [13]perepiska-boevikov [14]

Die Fotos von den Seiten der oben genannten Staatsbürger RF in sozialen Netzwerken belegen ausdrucksvoll, was genau sie auf dem ukrainischen Territorium taten:

1 [15]

Abgeschossenes Luftfahrzeug der ukrainischen Streitkräfte

2 [16]

Zerstörte Stellung der ukrainischen Streitkräfte

3 [17]

Krasnodon

II. Von der „Feier“ auf das Schiff

Die Fregatte des Projekts 11661 (Typ „Gepard“), die in der Werft von Selenodolsk auf Bestellung von Vietnam gebaut und in der Werft „Saliw“ in Kertsch aus dem Transportzustand in den benutzungsfähigen Zustand gebracht worden war, wurde neulich nach Noworossijsk zwecks weiterer Prüfungen verlegt.

Noch in Selenodolsk wurde das Schiff mit einer Ablieferungsmannschaft der Schwarzmeerflotte RF (Sewastopol) komplettiert.

ludvix [22]

Im Bestand der Mannschaft wurde ein bekannter Söldner gefunden – der Bewohner von Sewastopol Wladislaw Ljudwitschuk [23] (Archiv des Profils [24], Fotoalben [25], Kontakte [26]), geboren am 8.April 1987, wohnhaft in Sewastopol (besetzte Krim, Ukraine), verheiratet (Ehefrau Natalija). Früherer Militärangehörige der Streitkräfte der Ukraine.

2014-2015 übte er aktive terroristische Tätigkeit auf den besetzten Territorien des Luhansker Gebiets der Ukraine im Bestand des sogenannten „selbstständigen Bataillons zur besonderen Verwendung „Amur“.

Ljudwitschuk hat Probleme mit Alkohol und illegalem Waffenbesitz, was er auch gar nicht verheimlicht – seinem Profil im sozialen Netzwerk nach. Seine früheren „Errungenschaften“ halfen ihm möglicherweise dabei, die „sorgfältige Auslese“ durch Komplettierungsbehörden der Streitkräfte RF zu passieren und zur Schwarzmeerflotte RF zugewiesen zu werden, mit der Anstellung auf einem neuen Schiff, das mit ultramodernen Raketenwaffen ausgerüstet ist.

01 [27] 02 [28]

03 [29] 04 [30] 05 [31]

Somit ist nachgewiesen, dass manche russische Staatsbürger, die auf ukrainischen Territorien gekämpft haben, in den Reihen der russischen Armee als Zeitsoldaten durchaus gefragt sind und ihre Söldnervergangenheit kein Hindernis bei der Auswahl zum Dienst bei den russischen Streitkräften darstellt. Besonders wichtig ist, dass ehemalige Söldner ihren Dienst ausgerechnet auf der Krim leisten.

Es bietet sich eine Frage an: Entweder erleiden die Streitkräfte RF ein Defizit an potentiellen Zeitsoldaten oder die oben beschriebenen persönlichen Eigenschaften, Fertigkeiten und Tätigkeitscharakter der Kandidaten stellen die beste Empfehlung für den Dienst bei den Streitkräften RF dar.


Dieses Material wurde von Oleg Baturin [32] und Dmitry Lisunow [33] („Europrostir“) exklusiv für InformNapalm [34] vorbereitet; übersetzt von Volodymyr Cernenko [35]; editiert von Irina Schlegel [36]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [37] )

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