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Russische Streitkräfte für Spezialoperationen – das Neue ist das längst vergessene Alte…

Das ist ein Text, den Irakli Komaxidze [1], einer der Autoren vom InformNapalmTeam, am 15. April 2014 geschrieben hatte… Vieles davon hat sich bewahrheitet…

In Verbindung mit den letzten Ereignissen in der Ukraine wird die Frage aktuell, wer denn jetzt die subversive Tätigkeit betreibt, die man so gern für die Tätigkeit irgendwelcher Separatisten ausgibt.

Alles ist auch so klar: Das ist Russland. Aber lasst uns das mal näher betrachten.

Anfang 2013 präsentierte der Generalstab Russlands offiziell die Kräfte für Spezialoperationen, die man als eine hochmobile, gut ausgebildete und ausgerüstete Kräftegruppierung klassifizierte, die zur Ausführung verschiedener Aufgaben im In- und Ausland mithilfe gewisser Methoden bestimmt ist…

Was sind denn diese „Kräfte für Spezialoperationen“? Das ist nichts anderes als der regenerierte Speznas GRU des Generalstabs Russlands, unter Einbeziehung neuer Realien und Aufgaben, die nun vor ihnen gestellt werden.

Ein wenig Geschichte: Speznas GRU wurde zu Zeiten des Kalten Krieges erschaffen. Im klassischen Verständnis hatte der Speznas GRU Aufgaben des strategischen und operativ-strategischen Charakters. Er wurde für die Durchführung der Diversionsoperationen auf den Territorien anderer Länder oder im Rücken des Gegners, für die Durchführung von Spezialaufklärung, der Gegendiversions- und Gegenpartisanenoperationen, wie auch für Organisation der Partisanenbewegung im Rücken des Gegners bestimmt. Unter anderem ist eine seiner Hauptaufgaben die Vernichtung der Atomraketenabschussanlagen des Gegners.

Die postsowjetische Periode war ziemlich schmerzhaft für den Speznas GRU, der ursprünglich eine strategische Bestimmung hatte, seit den Zeiten des afghanischen Krieges und der kaukasischen Kampagnen aber in gegenterroristische Kräfte eines taktischen und operativ-taktischen Niveaus „umqualifiziert“ wurde und seinen alten Biss verlor.

Die Weltkonflikte der letzten zwei Jahrzehnte zeigten, das die vorigen Methoden der Kriegsführung unter neuen Bedingungen nicht mehr funktionieren. Wenn man bedenkt, dass sich das putinsche Russland das Ziel der Wiederherstellung vom vergangenen Einfluss der sowjetischen Zeiten gesetzt hat, brauchten die Russen etwas neues, beziehungsweise das gut vergessene Alte. Eine gute Lektion erteilte Russland auch der russisch-georgische Krieg 2008, als der Speznas GRU für die Durchführung von „Erzwingung des Friedens“ eingesetzt wurde, und keine Möglichkeit hatte, im Rücken der georgischen Kräfte zu agieren und die Artillerie- und Luftabwehreinrichtungen zu vernichten, geschweige denn „Partisanen zu spielen“.

Diese Lektion hat Russland gelernt: Direkt nach dem Krieg 08.08.2008 machte sich der Generalstab an die Reformierung vom Speznas, es gab mehrere Versuche der Umunterstellung von Speznas-Brigaden mal in die einen dann in die anderen Hände, mit begleitender Umrüstung, Umbewaffnung und Hinzuziehung von Zeitsoldaten. Im Süden von Russland sind es die 10. und die 22. Speznas-Brigade.

(Später wurden auch Beweise für die Anwesenheit dieser Brigaden in der Ukraine von Irakli Komaxidze gesammelt und auf unserer Website veröffentlicht:

– 18. September 2014: „Die 22. selbstständige GRU Speznas-Brigade befindet sich in der Ukraine“ [2];

– 21. September 2014: „Die 10. selbstständige Speznas-Brigade befindet sich in der Ukraine“ [3];

– 3. Juni 2015: „Militärangehörige der 22. Speznas-Brigade, die im Luhansker Gebiet agiert, wurden identifiziert“ [4].)

Abgesehen von der Reanimierung der Speznas-Brigaden wurden im Eilverfahren auch neue Kampfeinheiten aufgestellt. Im Süden Russlands ist es die 100. experimentelle Aufklärungsbrigade, das 25. Speznas-Regiment und die 346. Speznas-Brigade (die Aufstellung der letzten zwei wurde mit der Sotschi-Olympiade zeitlich abgestimmt).

(Auch diese wurden später in der Ukraine  oder an ihren Grenzen registriert:

– 19. September 2014: „Die 346. selbstständige Speznas-Brigade befindet sich in der Ukraine“ [5];

– 11. November 2014: „Die 100. selbstständige Aufklärungsbrigade an der Grenze zur Ukraine“ [6])

Parallel wurde im Vorort von Moskau, Kubinka, das Zentrum der Sonderbestimmung erschaffen, das man dem neuen Kommando der Kräfte für Spezialoperationen des Verteidigungsministeriums unterstellte. Für die Durchführung von Spezialoperationen im Ausland zog man den Speznas des Verteidigungsministeriums „Senesch“ hinzu, der aus über 500 Militärs besteht und ausschliesslich mit Offizieren und Fähnrichen komplettiert ist.

Auch kann das Kommando der Spezialkräfte auf dem operativen Weg andere Kräfte einsetzen, darunter auch die Speznas-Brigaden GRU, Luftlandetruppen, Marineinfanterie. Im Inland wird beabsichtigt, für die Spezialoperationen die Innentruppen, die FSB-Abteilungen und die Gefängnis-Spezialkräfte hinzuzuziehen.

Das Video des Fernsehkanals „Westi 24“, das vor einem Jahr, in 2013, gezeigt wurde:

Während der Ereignisse auf der Krim wurde sehr deutlich, dass den Grossteil der Arbeit zur Blockierung und der Einnahme der ukrainischen Militärobjekte der GRU-Speznas verwirklichte. Unter anderem wurden dort die 10. [3] und die 22. Speznas-Brigade [4] aus dem Süden Russlands registriert. Gesteuert wurden sie vom Generalstab Russlands und dem obengenannten Kommando der Spezialkräfte.

In den heutigen Ereignissen im Südosten der Ukraine figurieren die gleichen Speznas-Kräfte wie auf der Krim. Mit der Organisation und Koordination von „Separatisten“-Aktivitäten beschäftigen sich Offiziere der Spezialkräfte, deren Tätigkeit wiederum von den Aufklärungsgruppen aus dem Bestand der Speznas-Brigaden gewährleistet (verdeckt) wird.

Was kann man ihnen denn entgegenstellen, wenn sie wie eine Krake ihre Fangarme ausgebreitet haben? In erster Linie sollte man die Spionageabwehr-Tätigkeit mit den Kräften der Sicherheitsdienste, des Innenministeriums und Armee-Speznas der Ukraine verstärken. Die Aufklärungsgruppen und ihre Komplizen aufdecken, keine grosse Anstalten um sie machen und sie auf der Stelle vernichten. Die Gefangenen sollte man vorschriftsgemäss befragen und ihre Videoaussagen in allen Medien präsentieren, und diese mit den entsprechenden Beweisen und Fakten belegen. Diese Operationen müssen durch die Streitkräfte der Ukraine gewährleistet werden, welche die Grenze sichern und das Eindringen neuer Feindeskräfte wie auf dem Landweg so auch per See und Luft verhindern sollen. Das ist ein Krieg…

Irakli Komaxidze, ehemaliger Militärangehöriger, und heute – ein Blogger, der sich auf Militärthematik spezialisiert.

 

Dieses Material wurde von Irakli Komaxidze [1] speziell für InformNapalm [7] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [8]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf den Autor und unser Projekt erforderlich.