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Russische Waffen in Mosul in den Reportagen der Kremlpropaganda

Die Militäroperation im Nahen Osten wird von der Russischen Föderation zur Erreichung eigener geopolitischer und ideologischer Ziele benutzt. Der formelle Krieg gegen die IS-Söldner wird von Russland in Wirklichkeit dazu gebraucht, auf einem riesigen Truppenübungsplatz tödliche Waffentypen gegen die Zivilbevölkerung Syriens auszutesten und Experimente mit dem Bewusstsein der Bürger Russlands zu veranstalten. In der nachfolgenden Publikation erläutern wir ein paar Metamorphosen russischer Propaganda, die ihre Lieblingsthese über die „bösen Amis“ abarbeitet. Wir zeigen, wie die Aussagen russischer Journalisten in Dissonanz zu ihrem eigenen Bild stehen, über dessen Inhalt ein unerfahrener Zuschauer sich wohl kaum Gedanken macht.

Seit dem Beginn der Militäroperation gegen den IS in Mosul, die die irakische Armee mit Unterstützung der Koalition mit den USA an der Spitze, durchführt, begannen russische Propagandisten diese Operation für gespiegelte Beschuldigungen auszunutzen. Im Stil der traditionellen Methode der russischen Diplomatie und ihrer Hauptthese „Selber so!“ versuchen russische TV-Sender die Situation im irakischen Mosul mit dem syrischen Aleppo zu vergleichen.

Das ganze letzte halbe Jahr über kippen zentrale russische TV-Sender ununterbrochen Geschichten über das irakische Mosul, das durch die Koalition angeblich vernichtet wird, auf die Köpfe ihrer Zuschauer aus. Jede Sendung wird von einem Video begleitet, in dem der unabdingbare Satz von folgenden Elementen vorhanden ist: Ruinen (klar wozu, nicht klar ist aber, wo genau), Zivilbevölkerung, die zwischen den Ruinen herumkriecht, durchfahrende Hummer (diese werden von den Propagandisten einmontiert, da sie keine Möglichkeit haben, die realen Kampffahrzeuge der Koalition zu zeigen). Das Hauptelement des plumpen Bildes aus dem kremlischen Ostankino „über Mosul“ sind aber Bilder von Beschüssen im Stil von „no comment“, auf die wider Erwarten russische Waffen und Militärgerät kommen. Dabei laufen die Reportagen unter schreienden Titeln à la „Mosul am Rande der humanitären Katastrophe!“, „In Mosul wurde eine Begräbnisstätte der Opfer von Angriffen der Koalition mit den USA an der Spitze entdeckt!“ usw.

Wenn man sich die Bilder der Angriffe aber genauer anschaut, versteht man den realen Preis dieser Reportagen. Denn sie halten Angriffe von irgendwelchen nichtidentifizierten Streitkräften auf irgendwelche nichtidentifizierte Objekte fest, die wohl irgendwo im Nahen Osten liegen. Also, es kann zwar Irak sein (aber nicht unbedingt Mosul), kann aber auch Syrien sein. Das Einzige, was man mit Sicherheit sagen kann, ist die Tatsache, dass die Angriffe in diesen Reportagen mit schweren Waffen geführt werden, die in diesen Raum meist von niemand anderem als Russland selbst geliefert wurden.

Wir führen ein paar Screenshots aus den Reportagen der russischen TV-Sender an, die auf ihrer Jagd nach einer „Sensation“ unwillkürlich interessante Einzelheiten zeigen.

Hier eine Reportage des Ersten TV-Kanals [1] vom 28. Februar 2017: „Das irakische Mosul ist am Rande der humanitären Katastrophe“:

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Eine andere Reportage [3] desselben Ersten TV-Kanals vom 11. März 2017: „Im Verteidigungsministerium Russlands herrscht große Verwunderung über die fehlende Reaktion der OPCW [4] auf den Einsatz von chemischen Waffen seitens des IS (Video [5]):

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Wie wir sehen, sind die Reportagen zwar verschieden, die Waffen aber, die innerhalb einer Stadt eingesetzt werden, bleiben die gleichen – das sind Tandemsschüsse zu Panzerbüchsen RPG-7 aus … dem IRAN. Wenn also jemand der Vernichtung von Mosul beschuldigt werden müsste, sind es ganz und gar nicht die USA und die Koalitionskräfte, sondern exakt die Gegenseite, die von Iran und selbstverständlich auch Russland unterstützt wird. Ferner erinnert das Ganze auch stark an das Vorgehen der „Donbas-Bergarbeiter“. Naja, weiter wird’s noch besser.

Reportage des Ersten TV-Kanals [7] vom 5. März 2017: „Irakische Armee mit Unterstützung der Amerikaner lässt von ihren Versuchen, Mosul zu befreien, nicht ab“:

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Der Hubschrauber Mi-35 greift mit Raketenwaffen Ziele an, die der Reportage nach irgendwo im Stadtraum liegen. Im Titel werden als Schuldige alle möglichen genannt, außer Russland, das für die Lieferung von den Hubschraubern dieses Typs und den Raketenwaffen in den Irak, Syrien und andere Länder verantwortlich ist. Später gelangt sogar der russische gepanzerte Mehrfachraketenwerfer TOS-1A „Solnzepjok“ ins Bild. 2016 hat Russland über 3 Stück dieses Waffensystems an Irak geliefert. Natürlich ist daran wohl auch die „Koalition mit den USA an der Spitze“ schuld.

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Und noch eine Reportage des Ersten TV-Kanals [13], vom 25. März 2017: „Die Luftangriffe der westlichen Koalition auf Wohnviertel in Mosul wurden zum Gegenstand von geheimen Beratungen bei der UNO“:

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Im Bild sehen wir den russischen Hubschrauber Mi-28L, der einen Angriff mit Raketenwaffen ausführt. Russische Korrespondenten gelangen diesmal erneut zur richtigen Zeit an den richtigen Ort, um die Arbeit der russischen Kampfluftfahrzeuge festhalten zu können. Mehr noch, obwohl sie in der Angriffszone sind, scheinen sie sich keine Sorgen darüber zu machen, dass der Angriff auch sie treffen könnte. Das sieht mehr nach einer abgestimmten, gut geplanten Zusammenarbeit zwischen denen, die den Angriff ausführen, und denen, die diesen festhalten, aus. Solche Beschüsse von zivilen Objekten auf Bestellung der russischen Propagandisten haben wir mehrmals auch im Donbas beobachtet [17], was die Vertreter der Kremlpropaganda im Grunde zu Mittätern von Kriegsverbrechen macht.

Schlussfolgernd kann man nun sagen, dass das Bild der russischen Propaganda und sein Inhalt nicht immer übereinstimmen und des Öfteren einen ganz anderen Sinn innehaben, weswegen es möglich wird, die Reportagen der Kremlpropaganda zwischen den Zeilen zu lesen. Aufmerksamkeit ist eine ziemlich nützliche Eigenschaft, um die russische Propaganda zu entwaffnen.

Wir möchten daran erinnern, dass am 10. Oktober 2016 der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Europaparlaments einen Resolutionsentwurf verabschiedete, in dem die Arbeit der russischen Medien mit den propagandistischen Materialien der terroristischen Gruppierung IS gleichgesetzt wurde [18].


Dieses Material wurde von IN-Redaktion auf der Basis einer OSINT-Untersuchung von Al Gri exklusiv für InformNapalm [19] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [20]; editiert von Klaus H. Walter. [21] Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [22] )

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