Die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm verfolgt weiterhin das Geschehen rund um die Beteiligung russischer Streitkräfte am syrischen Konflikt. Vorgestern, am 28. Oktober 2015, wurden im Netz Photos der russischen Technik im Raum von Latakia (Ortschaft Al-Shelfatiyeh) veröffentlicht, auf denen Panzerwagen, bewegliche Führungsstellen, Artillerie und eine Kraftwagenkolonne zu sehen sind. In der Kfz-Kolonne wurden ausserdem Militärangehörige gesehen – ihrer sandfarbigen Uniform nach zu urteilen gehören sie zu Bodentruppen der russischen Streitkräfte. Allem Anschein nach hat Russland eine verdeckte Bodenoperation in Syrien begonnen, nach dem gleichen Szenario wie 2014 auf der Krim und später im Donbass.
Auf den vorgelegten Photos ist alles in besten Traditionen der russischen „Wehrmacht“: die Bordnummern auf der Panzertechnik sind genauso übermalt, wie wir das bereits im Donbass beobachteten, auf dem Autotransport fehlen die Nummernschilder, wie wir es von der Krim 2014 kennen.
Ins Bild ist ein Artillerie-Schlepper auf dem Chassis von KamAZ-63501 gekommen, der eine Haubitze zieht. Solche KamAZe stehen im Dienst von bloß ein paar Artillerieverbänden der Streitkräfte Russlands, unter anderem auch im Dienst der 291. Artilleriebrigade der 58. Armee des Heeres (Einheit Nr. 64670, Stationierungsort: Staniza Troizkaja, Inguschetien, Südliches Militärbezirk). Diese Artilleriebrigade wurde von uns mehrmals im Kontext der „rostow-ukrainischen Dienstreisen“ registriert und war an den Beschüssen des Territoriums der Ukraine beteiligt, die im Sommer-Herbst 2014 von mobilen Stellungen im Rostower Gebiet Russlands aus geführt wurden. InformNapalm berichtete darüber, siehe „Kampfweg der 291. Artilleriebrigade: von der Krim bis in den Donbass“ (russ.).
Entsprechend der letzten Information der ukrainischen Militäraufklärung verlegen die Russen die Artilleriedivision der 120. Artilleriebrigade der 41. Armee (Jurga, Kemerowo Gebiet, Zentrales Militärbezirk) mittels der Landungsschiffe nach Syrien. Diese Brigade war ebenfalls ein Gegenstand der InformNapalm-Untersuchungen im Kontext der „rostow-ukrainischen Dienstreisen“: „Abteilung der 120. Artilleriebrigade aus Jurga in Millerowo“ (dt.).
Anmerkung: Womöglich wurde die Information der Militäraufklärung bezüglich der Verlegung von Artillerieabteilung der 120. Artilleriebrigade etwas verspätet publik gemacht, und der in Syrien gesichtete KamAZ mit der gezogenen Haubitze MSTA-B gehört zur Bewaffnung dieses Artillerieverbandes. Man darf aber auch nicht ausschließen, dass etwas früher eine andere Artillerieabteilung der Streitkräfte Russlands mit den gleichen Schleppern und Haubitzen nach Syrien verlegt worden sein könnte, zum Beispiel aus derselben 291. Artilleriebrigade des Südlichen Militärbezirks.
Was die sandfarbige Uniform der Soldaten angeht, so ist es eine Uniform der Streitkräfte Russlands für das heisse Klima, die auf den russischen Okkupationsmilitärbasen in Georgien getragen wird – in Abchasien und im Raum von Zchinwali, auf den russischen Militärbasen in Armenien und Tadschikistan, wie auch in anderen Truppenverbänden des Südlichen Militärbezirks, darunter auch in den Militäreinheiten auf der okkupierten Krim. Dieselbe Uniform beobachteten wir bei den russischen „Mitarbeitern des Notstandsministeriums“, in Wirklichkeit aber russischen Soldaten der Luftlandetruppen (russ.) und Logistik-Abteilungen (dt.), während der Beförderung von Bewaffnung und Technik unter dem Deckmantel der putinschen „humanitären Konvois“ in den Donbass, darunter auch im August 2014.
Links zu Photo-Quellen in Syrien:
– FB-Gruppe „Syrien – die Revolution des gesegneten Schama“, 28. Oktober 2015;
– Twitter SobiWorld@FedorStepy: „Russische Streitkräfte in Latakia, Ortschaft Al-Shelfatiyeh“, 28. Oktober 2015.
Siehe thematische Links zur 291. Artilleriebrigade im Kontext des Krieges im Donbass:
- „Russland. Photos von Artilleriestellungen der Streitkräfte Russlands, die 2014 das Territorium der Ukraine beschossen“ (dt.)
- „Im Wolgograder Kreiswehrersatzamt werden Zeitverträge für den Kriegseinsatz im Donbass unterzeichnet“ (dt.)
Dieses Material wurde von Irakli Komaxidze exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

