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Russland sagt sich wieder mal von seinen Militärangehörigen los: Ein Aufklärer der 22. Speznas-Brigade GRU in ukrainischer Gefangenschaft

Am 24. Juni 2017 haben ukrainische Militärangehörigen aus der 93. selbstständigen motorisierten Brigade der Streitkräfte der Ukraine eine Diversionsgruppe der Terroristen liquidiert und einen regulären russischen Militärangehörigen aus der 22. Speznas-Brigade GRU Russlands gefangengenommen.

Kommandeur der 93. Brigade Wladislaw Klotschkow erklärte, dass im Lauf des Zusammenstosses mit der Diversionsgruppe des Gegners der Kommandeur dieser Gruppe, ein regulärer russischer Offizier, Alexander Schtscherbak, getötet wurde, vier weitere Kämpfer gefangengenommen wurden, darunter ein Staatsbürger Russlands, Einwohner des Gebiets Altai, Militärangehöriger der 22. Speznas-Brigade GRU Russlands Wiktor Agejew.

Das Verteidigungsministerium Russlands erklärte am Mittwoch, den 28. Juni 2017, dass Agejew angeblich noch 2016 gekündigt wurde und er kein regulärer russischer Militärangehöriger sei. Nichtsdestotrotz hat die seltsame Aktivität in seinem sozialen Netzwerkprofil und die Versuche, die Spuren zu verwischen, die Aufmerksamkeit von InformNapalm erweckt. Das Profil von Wiktor Agejew wurde von den russischen Geheimdienstmitarbeitern eilig in „Vitaly Popow“ umbenannt, genauso eilig wurden auch die E-mail-Adresse und die Telefonnummer, an die das Profil gebunden war, geändert. Sein Geburtsdatum wurde von 13. September 1995 auf den 13. August 1980 geändert, einige Fotos wurden gelöscht – alles zu löschen haben die tüchtigen Geheimdienstler aber nicht geschafft. InformNapalm nutzte den Cache des russischen Suchservices Yandex und hat die ursprünglichen Informationen gefunden und sie im Video festgehalten. Im April 2017 antwortete Agejew, der auf einem Foto in Uniform und mit Waffen in den Händen abgelichtet wurde, auf die Frage eines Kommentators, ob er einen Vertrag bei der Armee unterzeichnet hätte, mit „Ja“.

Das ist aber nicht der einzige Ansatzpunkt, der darauf hinweist, dass sich das russische Militärkommando von seinem Militärangehörigen (mal wieder) lossagt. Die Mutter von W.Agejew, seine Freunde und ehemalige Dienstkollegen haben gegenüber dem russischen BBC-Dienst bestätigt [1], dass Agejew im März 2017, nach dem Ablauf seines Wehrdienstes, einen Zeitvertrag bei der Armee unterzeichnet hatte. Die Mutter von Agejew Swetlana hat ihren Sohn in den Unterlagen erkannt. Ihren Worten nach, hat sie seit Mai 2017 nichts mehr von ihm gehört. Sie erzählte, dass er am 18. März 2017 einen Vertrag unterzeichnet hatte, laut welchem die Stadt Batajsk im Gebiet Rostow zu seiner neuen Dienststelle wurde. In der Stadt ist die 22. selbstständige Speznas-Brigade GRU Russlands stationiert.

Der Google hat keinen gespeicherten Cache zu Agejew, zeigt aber ebenfalls, dass das Profil bei VKFaces (VK id295647602, Archiv [2]) an den alten Namen gebunden ist:

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Wir möchten daran erinnern, dass die ukrainischen Streitkräfte bereits früher reguläre russische Militärangehörigen gefangengenommen hatten. Zum Beispiel, am 16. Mai 2015 waren Soldaten der 3. Speznas-Brigade GRU Russlands, Feldwebel Alexander Alexandrow und Kapitän Ewgenij Jerofejew [4], nahe der Ortschaft Schtschastja im Gebiet Luhansk in ukrainische Gefangenschaft geraten. Das Verteidigungsministerium Russlands hatte ebenfalls darauf verzichtet, diese Militärangehörigen anzuerkennen, hat sie aber 2016 gegen die ukrainische Abgeordnete Nadeschda Sawtschenko ausgetauscht, die in Russland zu 22 Jahren Haft verurteilt worden war. Es gab auch andere Fälle – Näheres dazu in unserem Artikel vom Dezember 2014: „Wieviele russische Berufssoldaten sind in ukrainische Gefangenschaft geraten?“ [5]


Dieses Material wurde von Andrej Lysyzin exklusiv für InformNapalm [6] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [7]

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