- InformNapalm (Deutsch) - https://informnapalm.org/de -

Russland verstärkt seine Militärpräsenz in Georgien: Neue S-300 FlaRak-Systeme im besetzten Abchasien

Russland verstärkt seine Präsenz in den besetzten Regionen von Georgien. Wir haben Beweise für die Verlegung von Zusatzmitteln, und zwar von Flugabwehrraketensystemen S-300 (FlaRak) nach Abchasien gefunden. 

Seit Gewährung von Visafreiheit für Georgier seitens der EU ist im vergangenen Monat eine Zunahme aggressiver Handlungen der russischen Besatzungskräfte in der georgischen Region Zchinwali und in Abchasien zu beobachten. Russische Militärangehörige und FSB-Grenzbeamte initiieren offene Provokationen – sie bauen neue militärische Objekte aus, befestigen künstlich erschaffene Grenzlinien, vergreifen sich am Eigentum von georgischen Zivilisten und entführen [1] georgische Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten.

Nach Ergebnissen von HUMINT/OSINT-Untersuchungen hat InformNapalm die Verlegung von russischen FlaRak-Systemen S-300 ins besetzte Abchasien registriert.

HUMINT

Die Erstinformation kam unmittelbar aus dem besetzten Abchasien, sie stammt von lokalen Einwohnern – Gegnern der russischen Besatzung und der sogenannten „Integration mit Russland“ (wenn man genauer sein will, der Assimilation). Nach Informationen aus zuverlässigen Quellen in Abchasien ist am 10. März 2017 ein Zug aus Russland in Abchasien eingetroffen – circa 30 Eisenbahnwaggons, darunter auch Tiefladewaggons, die mit großen Radfahrzeugen und sperrigen Metallkonstruktionen beladen waren.

OSINT

Zur Erfassung zusätzlicher Angaben über die Verlegung militärischer Fracht ins besetzte Abchasien hat InformNapalm soziale Netzwerke und andere potentielle Informationsquellen analysiert:

Zum Video gab es die Hashtags #militärtechnik #eisenbahn #zug und den Geotag „Lukoil“ (Koordinaten: 44°54′38″N, 38°52′58″E [2]). Das ist ein Bahnübergang an der Eisenbahnstrecke Noworossijsk-Krasnodar, an der administrativen Grenze zwischen Adygeja und dem russischen Gebiet Krasnodar.

[3]

[4]

Anmerkung: Mit Stand vom 15. März 2017 wurde das Video aus dem Instagram-Profil gelöscht [5] (IN-Repost [6]), was uns nicht weiter wundert, da viele aggressive Trolle ihre Kommentare unter dem Post hinterließen und die Verfasserin des Posts an die Geschichte einer Russin erinnerten, die 2008 ihrem georgischen Freund eine SMS über die Verlegung russischer Truppen nach Abchasien geschickt hatte, weshalb sie später wegen Spionage verurteilt worden war [7].

 

[8]

Anmerkung: Persönliche Angaben des russischen Militärangehörigen veröffentlichen wir erstmal nicht. Wir warten auf die Reaktion seiner Befehlshabenden)

Mehr noch, es ist uns gelungen, den Zug mit den FlaRak-Systemen S-300 zu identifizieren und die Tatsache zu beweisen, dass der Zug, der im besetzten Abchasien eintraf und auf der Eisenbahnstation der Stadt Gudauta entladen wurde, derselbe Zug ist, der im Video an der Grenze des Krasnodarer Gebiets Russlands zu Adygeja festgehalten worden war. Das wird nicht nur durch die visuelle Übereinstimmung des Zugs und Militärgeräts bestätigt, sondern auch durch die Nummer eines Tiefladewaggons: 44357945.

[9] [10]

Die Karte der Route des Zugs über die Nordkaukasische-Eisenbahn (Gebiet Krasnodar-Adygeja-Gebiet Krasnodar) und weiter ins besetzte Abchasien:

[11]

Offen bleibt dabei die Frage, woher dieser Zug kam. Wir haben einige Annahmen:

Somit registrieren wir eine weitere Militarisierung Abchasiens durch die russischen Besatzungskräfte. Wir nehmen an, es geht hier nicht um die Umrüstung des FlaRak-Regiments mit 2 S-300-Divisionen (deren Zustand nicht der beste war, siehe Fotos weiter unten), das in Russland nach seiner Invasion in Georgien 2008 aufgestellt worden war, auf neuere Waffensysteme. Höchstwahrscheinlich beschloss das russische Kommando seine Präsenz in Abchasien auf drei S-300-Flugabwehrsysteme-Divisionen zu erweitern und seine Flugabwehr auf der 7. russischen Militärbasis in Abchasien zu verstärken, um den Luftraum von Georgien und seine Schwarzmeer-Küste stärker unter Kontrolle zu nehmen. Höchstwahrscheinlich wird die neue S-300-Division in Otschamtschirsky (im Raum des Truppenübungsplatzes „Nagwalou“) oder im Galsky-Bezirk im besetzten Abchasien stationiert, wo seit Ende 2016 russische Besatzer besonders aktiv geworden sind [14]. Dieses Vorgehen Russlands steht womöglich mit der angekündigten Aktivierung [15] von NATO-Kräften im Schwarzmeerraum im Zusammenhang, darunter auch mit der Möglichkeit [16]der Nutzung des georgischen Hafens Poti durch NATO-Kräfte.

[17]

[18] [19]

Anmerkung: Die 7. russische Militärbasis (Einheit 09332, Gudauta, besetztes Abchasien, Georgien) hat außer Landtruppen auch Flugabwehrsysteme in ihrem Bestand, die in einer sogenannten „Gruppe der Raketendivisionen“ zusammengeführt ist. Außer gewöhnlichen Flugabwehrmitteln (SA-8 Gecko, „Strela-10“ (SA-13 Gopher) Flugabwehrsysteme und „Tunguska“-Flugabwehrpanzern) wurde in Abchasien auch ein FlaRak-Regiment mit S-300 bestehend aus zwei Divisionen mit jeweils 8 Startfahrzeugen aufgestellt. Die Divisionen sind beim Dorf Primorskoje (Gudauta-Bezirk) und Agudsera (Gulripschski-Bezirk) stationiert. [20]

Die 7. russische Besatzungsbasis ist einer der am meisten kämpfenden Truppenverbände der Streitkräfte Russlands, die Informationen über dessen „Heldentaten“ wurden von InformNapalm bereits in 29 OSINT-Untersuchungen festgehalten.

Mit den Inhalten der Datenbank mit Informnapalm-Untersuchungen, die die Teilnahme von über 75 russischen Truppenverbänden an Kriegshandlungen belegen und über 150 Vorfälle unter Teilnahme von russischen Militärangehörigen schildern, kann man sich unter folgenden Links bekanntmachen:


Dieses Material wurde auf der Basis eigener OSINT-Untersuchung von Irakli Komakhidze [57] exklusiv für InformNapalm [58] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [59]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [60] )

Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.