Ein internationales Tribunal über die Anführer Russlands ist das Hauptziel der Aktivisten, die russischen Militärs im Donbass auf die Spur kommen.
Vor einem Jahr, in der Mitte August 2014, begann man in der Ukraine erstmals über die massenhafte und keine punktierte Beteiligung regulärer russischer Militärs an den Kampfhandlungen im Donbass zu sprechen. Zum Anfang des letzten Sommermonats begann sich das Territorium der selbsternannten Republiken als Resultat erfolgreicher Vorgehensweise der ukrainischen Armee wie Chagrinleder zusammenzuziehen. Es kam der Moment, wo es schien – noch ein bisschen, noch ein Schritt, noch ganz klein wenig – und der Widerstand der „DVR“ und „LVR“ wird endgültig gebrochen sein. Nichtsdestotrotz gelang es den Kräften des sogenannten „Neurusslands“ nicht nur einen Teil der bereits verlorenen Territorien zurückzugewinnen, sondern auch neue zu besetzen, zum Beispiel sich dicht Mariupol zu nähern.
Vor einem Jahr, am 10. August, auf der Welle der Kampferfolge versuchten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Ilowajsk unter ihre Kontrolle zu nehmen- das war wohl der letzte umfassende Versuch der Armee, zur Offensive zu übergehen. Einige Wochen später hat sich dieser Versuch als eine schmerzhafte Niederlage für die ukrainischen Einheiten erwiesen. Nach Meinung vieler ukrainischer Beobachter und Militärs, und nicht nur ukrainischer, waren die Erfolge der „Separatisten“ unmittelbar mit der Verstärkung seitens Russland verbunden: wie mit dem Personalbestand, so auch mit schwerer Artillerie – in erster Linie mit den Mehrfachraketenwerfern und der Munition dazu.
Einen Löwenanteil an Zeugnissen der Anwesenheit russischer Militärs in der Ukraine machen die Angaben aus, die von den freiwilligen Aufklärern aus den sozialen Netzwerken beschaffen werden. So seltsam es erscheint, hat der Wunsch, sich auf dem Hintergrund irgendeines Schildes mit der Bezeichnung einer ukrainischen Ortschaft oder eines Panzers mit der Markierung, die von den Separatisten verwendet wird, bei den russischen Militärs auch nach einem Jahr nicht nachgelassen.
Mehr noch, manche haben gar „Selfie-Sticks“, die einer ganzen Gruppe von Kampfgefährten auf ein Bild zu kommen erlauben.
Ukrainische Freiwillige setzen die Einsammlung all der Photos und Videos dieser Art fort. Eine von Gruppen, die sich mit dieser Arbeit beschäftigt, ist InformNapalm (ein grosses Interview mit einem ihrer Teammitglieder- Anton Pawluschko– veröffentlichte Radio Svoboda bereits im Mai. Hier in deutscher Übersetzung: „Sie wissen alles, aber sie schweigen“). Wobei die OSINT-Aufklärung („Open Source Intelligence“- Aufklärung der offenen Quellen) sich nicht nur auf die Fotosuche im Netz beschränkt. Die Teilnehmer dieses Projekts sammeln die Koordinaten der Technik-Standorte und Stationierungsorte des Gegners, arbeiten mit Insidern, erfassen und übergeben die Information an die entsprechenden Staatsorgane, übersetzen diese auf Englisch, Deutsch und in andere Fremdsprachen.
InformNapalm ist eine Gruppe der Gleichgesinnten, die nicht nur in der Ukraine leben (inklusive der Territorien, die den Terroristen unterstellt sind), sondern in der ganzen Welt – von Georgien bis nach Südafrika. Wir haben die Aktivisten gebeten, ein paar einfache Fragen zu beantworten.
1. Wie und warum haben Sie angefangen, sich mit der OSINT-Aufklärung zu beschäftigen?
2. Welche von den von Ihnen aufgedeckten Zeugnissen der Beteiligung Russlands am Konflikt haben Sie am stärksten in Erinnerung?
3. Welche Schlussfolgerungen haben Sie für sich gezogen, während Sie sich mit diesem Projekt beschäftigten – über die russische Armee, über ihre Rolle im Krieg?
4. Können die Angaben, die mithilfe der OSINT-Aufklärung ermittelt wurden, zu Beweisen bei den zukünftigen Gerichten und Institutionen werden, wenn der Gegenstand ihrer Ermittlungen die Rolle Russlands im Krieg im Osten der Ukraine sein wird?
5. Worin sehen Sie ihre Mission und wann wird man das Projekt schliessen können?
Irakli Komaxidze, 35 Jahre, Tiflis, Georgien, Offizier der Reserve, diente 15 Jahre lang in den Streitkräften Georgiens, zum jetzigen Zeitpunkt – Chefberater in Fragen der Sicherheit und Bewachung eines privaten Unternehmens.
1. OSINT-Untersuchungen sind für mich eine Art Hobby. Zum wichtigsten Impuls wurde die russische Aggression gegen die Ukraine. Die heimtückische Einnahme der Krim im Frühling 2014 und die darauffolgenden Ereignisse im Donbass haben meinen Wunsch bestimmt, den Ukrainern zu helfen, jene Gefahr zu erkennen, auf die wir in Georgien im August 2008 treffen mussten.
2. Aus den von mir durchgeführten Untersuchungen blieb mir vieles im Gedächtnis, aber den stärksten Eindruck haben die Materialien (hauptsächlich Fotos, Kommentare, Statusmeldungen und anderes) der russischen Okkupanten im Donbass hinterlassen, die ihre Anwesenheit in der Ukraine gar nicht gross verheimlichen. Sobald wir der breiten Öffentlichkeit ihre Gesichter zeigen, ihre Fotos und Nachnamen veröffentlichen, die Angaben zu Einheiten machen, denen sie angehören, verschwindet auch ihr grosstuerisches Gehabe und sie versuchen hastig, ihre Spuren zu verwischen. Aber nichts verschwindet aus dem Internet spurlos, alles, was mal gefunden wurde, wird aufbewahrt und gespeichert. „Manuskripte brennen nicht.“
3. Spricht man über die Rolle der russischen Armee im Donbass, sollte man anmerken, dass wenn es keine grosse Unterstützung seitens Russland gegeben hätte (wie mit der Bewaffnung und Technik, so auch mit einzelnen Einheiten), so wäre die Konfrontation der Söldner mit den regulären ukrainischen Streitkräften noch im Sommer 2014 beendet. Aber wahrscheinlich wäre es noch genauer zu sagen, dass es gar keine Konfrontation ohne die Kreml-Hand gegeben hätte.
4. OSINT-Aufklärung ist die Sammlung und Analyse der Information. Die Angaben, die mit entsprechenden Zeugnissen, Foto- und Videofakten mit Ortsanbindung, Kopien der persönlichen Dokumente russischer Militärs, Geotags und ihren eigenen Bekenntnissen ergänzt sind, können selbstverständlich als Beweise in den zukünftigen Militärtribunalen gegen die Russische Föderation und einzelne Amtsinhaber dienen.
Die Hauptmission des Projekts ist der Widerstand gegenüber der russischen Aggression auf dem Weg der Aufdeckung und öffentlicher Bekanntmachung der Information über die Anwesenheit der Militärangehörigen RF in der Ukraine.
5. Ich denke, die Schliessung des Projekts InformNapalm ist erst dann möglich, wenn Russland einen Kurs auf friedliches Zusammenleben nimmt, auf seine imperialistischen Ambitionen und die Verletzung der territorialen Integrität souveräner Staaten verzichtet, im besonderen von Georgien und der Ukraine, wie auch wenn es keine Bedrohung für die zivilisierte Welt mehr darstellt.
Witaly, 42 Jahre, lebt in einer Region des Luhansker Gebietes, die sich unter der Kontrolle der Separatisten befindet. Arbeitete vor dem Krieg im Bergwerk.
1. Ich kann mit meinen eigenen Augen die aus Russland ankommenden Züge mit Militärtechnik, Wagen- und Panzerwagenkolonnen sehen, die auf das Territorium der Ukraine durch die unkontrollierten Stellen der Staatsgrenze durchsickern. Ich kann das Gesehene mit den gefundenen Fotos in den sozialen Netzwerkprofilen der russischen Militärs vergleichen. Wie mir schien, war die Nische der OSINT (was die Abbreviatur bedeuten soll, habe ich übrigens erst im unserem Team erfahren) bei den ukrainischen Behörden schwach entwickelt, wenn überhaupt.
Ich habe beschlossen, dass während ich mich in der Okkupation befinde, ich meinem Land wenigstens auf dem Informationsweg helfen kann. In der Community InformNapalm habe ich Unterstützung erfahren, die Jungs analysieren nicht nur riesige Flüsse an Angaben aus den sozialen Netzwerken, sondern veröffentlichen auch sehr wertvolle Fakten, machen eine grosse Menge an Übersetzungen, erstellen Videos – das ist ein grandioses Teamwork.
2. Noch im Sommer 2014 habe ich persönlich beobachtet, wie die Kolonnen russischer Militärtechnik in einem ununterbrochenen Fluss ankamen. Mich hat es schockiert, dass erst nach den veröffentlichten Fotos und Videos dieser Kolonnen die ukrainische Führung anerkannte, dass es sie gibt. Das ist auch einer der Gründe für die Beschäftigung mit den OSINT-Untersuchungen und der Bekanntmachung der Angaben, damit die „Obrigkeit“ sich nicht herauswinden und die Verantwortung für ihre Untätigkeit ablegen kann, indem sie die Schottenwand der Unwissenheit vorschiebt.
In Bezug auf russische Militärs empfinde ich keinerlei Emotionen mehr – es sind für mich seltsame Wesen, die zerstören, töten, und dann freudig Selfies auf dem Hintergrund der Ruinen machen.
3. Seit ich mich mit den Untersuchungen beschäftige, habe ich verstanden, dass man die imperialistischen Instinkte der russischen Führung unmöglich zurückdrehen kann. Wenn die Welt sich nicht zum Besseren ändert und nicht entschlossener wird, wird die Armee RF nicht nur in der Ukraine, sondern auch in den anderen Ländern Europas auftauchen.
4. Selbstverständlich ja. Zum Beispiel wurden meine Angaben über die Bewegung der Kolonne mit russischen „Buks“ zur ukrainischen Grenze 14 Tage vor dem Abschuss der malaysischen Boeing mithilfe der Aufklärung des Profils eines russischen Soldaten des Grundwehrdienstes, Militärangehörigen des 147. Kraftfahrzeugbataillons (Einheit Nr. 83466) Dmity Subow ermittelt. Drei Wochen nach der Veröffentlichung haben diese Angaben ausländische Experten in ihren Berichten verwendet. Offensichtlich haben sie unsere Materialien in ihren Berichten berücksichtigt.
5. Die Hauptmission der Community ist Beweise zu finden und aufzubewahren, Angaben durchzuanalysieren und diese dem Leser in verständlicher Weise nahezubringen, denn operative Information kann sehr viel ändern. Sie kann zu wichtigen Beschlüssen auf hohem politischen Niveau führen. Endgültige Schliessung des Projekts InformNapalm ist meiner Meinung nach erst möglich, wenn die Russische Föderation sich in einzelne freundschaftliche Staaten aufteilt. In der Form, in der die Russische Föderation nun existiert, kann man keine Änderungen zum Besseren erwarten.
Victoria, 30 Jahre, Kramatorsk. Vom Beruf – Spezialistin in der Buchprüfung, Buchhalterin.
1. Eine wichtige Rolle bei meiner Entscheidung, mich mit der OSINT-Untersuchung zu beschäftigen spielte die Okkupation meiner Stadt im April-Juni 2014. Vor meinen Augen geschah die Einnahme der Stadtbehörden, der Bau von Barrikaden, das sogenannte „Referendum“ unter den Waffen. Die Angst, sich durch die Stadt zu bewegen, die Angst, etwas falsches auf der Strasse zu sagen, das Mitleid und die Hilfe für unsere Militärs während der Okkupation. Aber zum wichtigsten Beweggrund wurde für mich Debalzewe. Hunderte getötete Menschen, und Selfies der „Volkswehr“ auf dem Hintergrund der verbrannten Technik, Misshandlungen und Folter der Gefangenen… Meine Bekannten sammelten und brachten nach Artemiwsk die Militärs ein, die einfach über die Strasse liefen. Die Niederträchtigkeit der russischen Armee kennend, wie sie unsere Blockposten während der Waffenruhe mit schwerer Artillerie beschossen, habe ich beschlossen, dass über diesen Krieg die ganze Welt wissen muss.
Um die Aufmerksamkeit der Informationsagenturen auf die Beteiligung der russischen regulären Streitkräfte am Konflikt im Donbass zu lenken, habe ich mich an Irakli Komaxidze gewandt. Das erste war ein Link zum Foto des angeschossenen Raketenwerfers „Grad“ in Murmansk mit der Aufschrift „Für die Kinder im Donbass“.
2. Aus dem Gesehenen haben mich am meisten die Selfies auf dem Hintergrund der Trümmer der „Boeing“ geschockt, die Fotos der Gefallenen im Donezker Flughafen, die „Gefangenen“-Parade… Diese Liste kann man endlos weiterführen. Es hat mich erschüttert, mit was für einer Leichtigkeit die Militärs der Streitkräfte RF sich auf den Weg machten, ihre Brüder zu töten. Und es geht gar nicht um ihren Befehl. Das ist irgendein allgemeiner Wahnsinn, der sie alle befallen hat. Ihnen wurde die Idee einer weltweiten Verschwörung gegen Russland suggeriert, über die Verfolgung der Russischsprachigen und über den „Faschismus“ in der Ukraine erzählt. Aber so etwas gab es hier nie. Ich kann wie Russisch so auch Ukrainisch sprechen, und niemand hat mir je verboten es zu tun, nicht mal wenn ich auf Reisen in der Westukraine war. Manchmal scheint es, als ob manche Russen einfach ihre Menschlichkeit und den Realitätssinn verloren haben.
3. Gerade Speznas RF führte die Einnahme der Kramatorsker Stadtverwaltung aus. In der ganzen Welt hat sich das Video mit dem Satz „Hinter den Porebrik!“ verbreitet. (Anm.d.IN-Red. „Porebrik“ ist ein russisches Wort für „Bordstein“, das nicht mal in ganz Russland, sondern nur in Sankt-Petersburg und Umgebung benutzt wird, in der Ukraine kannte man wohl dieses Wort nicht einmal, bis zu dieser Einnahme von Kramatorsker Stadtverwaltung, wo man behauptete, dass sie von der Kramatorsker „Volkswehr“ eingenommen wurde und man aber im Video mehrmals sehr deutlich dieses Wort von den maskierten Männern hörte, die das Gebäude einnahmen…) Bis zum 13. April 2014 kannten die Einwohner von Kramatorsk die Bedeutung dieses Wortes nicht einmal. Die Hilfe aus Russland kommt nicht nur in Form der lebenden Kräften, sondern auch in Form der Bewaffnung, deren Fluss die Terroristen in ihrem Briefwechsel und Gesprächen als den „Nordwind“ oder „Militärhandelsorganisation-Hilfe“ bezeichnen. Aber all diese Panzer, SPWs muss man tanken, und hier kommen die Tanker, die die Grenze überqueren. Ohne die militärische Hilfe RF könnten sich die Behörden der Ukraine mit den Einwohnern von Donbass längst einigen und alles in eine friedliche Richtung zurückdrehen, aber Russland brauchte kein Frieden, darum hat es auch diesen Krieg entfacht.
„Zurück hinter den Porebrik!“ Einnahme der Kramatorsker Stadtverwaltung:
4. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass sie es können, denn die OSINT-Untersuchungen entknoten den Faktenknäuel der Präsenz der Streitkräfte RF im Donbass. Angefangen bei dem Zug, mit dem die Militärs auf ihre „Dienstreise“ fahren und bis hin zu namenlosen Gräbern in den endlosen Steppen vom Donbass. Und das ist nicht einfach nur „Urlaub“, oder wie die Militärs selbst ihre Alben üblicherweise nennen: eine „Dienstreise“. Das ist ein Verbrechen, angefangen bei der gesetzwidrigen Überquerung der Staatsgrenze der Ukraine und bis hin zur Beteiligung an den terroristischen Formationen der „LVR“ und „DVR“. Für jedes Verbrechen werden sie sich früher oder später verantworten müssen.
5. Jemand kämpft in den Reihen der Streitkräfte der Ukraine oder der Nationalgarde. Meine Waffe ist dagegen die Information. Gerade ihr Heranbringen an die breite Öffentlichkeit sehe ich als die Hauptmission des Projekts „InformNapalm“. Wir werden nicht nur in der Ukraine gelesen, sondern dank der Übersetzungen auch in der ganzen Welt. Die Leser bekommen die Information über die Fakten der Aggression Russlands gegen die Ukraine und ziehen ihre Schlussfolgerungen über die Anerkennung Russlands als eine Konfliktseite selbst. Ich denke nicht, dass das Projekt InformNapalm geschlossen wird, nur wird der Fluss in ein anderes Bett geleitet. Ich hoffe auf die Unterstützung des Projekts seitens internationaler Organisationen, denn zum heutigen Tag tun die offiziellen Vertreter der Staatsstrukturen der Ukraine so, als ob es in unserem Land keine OSINT-Spezialisten gäbe, obwohl unsere Arbeit etwas anderes beweist.
Anton Pawluschko, 30 Jahre, Deutschland, Programmierer.
1. Mit den OSINT-Untersuchungen begann ich mich direkt nach den Erschiessungen am Maidan zu beschäftigen. Ich fing an, die russische Spur zu suchen, bemerkte zugleich eine grosse Anzahl an Militärs und Informationen über sie in den sozialen Netzwerken. Dann interessierte ich mich für die Stimmungen unter den ukrainischen Soldaten während der Krimer Krise. Mich „wunderte“ das enge Bündel zwischen der „Krimer Volkswehr“ und den russischen Militärs – wie den ehemaligen, so auch tätigen. Parallel fing ich an zu schauen, was denn für russische Einheiten sich an der Blockierung der ukrainischen Garnisonen auf der Krim beteiligen.
2. Von Anfang an war ich darüber verwundert, dass russische Soldaten ihre Anwesenheit in der Ukraine gar nicht sonderlich verheimlichen. Das früheste Foto eines russischen Soldaten in meinen Untersuchungen ist mit dem 3. Mai 2014 datiert. Das ist mehrere Monate vor dem Ilowajsker Kessel. Die Frage über den „Volksaufstand“, „Bürgerkrieg“ habe ich für mich gleich am Anfang aufgehoben: es gab zu viele Russen und russische Militärs in der Ukraine in diesem Konflikt.
3. Die Schlussfolgerung, die ich für mich gezogen habe, seit ich mich mit den Untersuchungen beim Projekt InformNapalm beschäftige: ohne die russische Armee und Geheimdienste gäbe es diesen Krieg gar nicht! Die russische Armee selbst hat sich dabei in Wirklichkeit als gar nicht mal so bedrohlich entpuppt. Viel PR, aber wenn man sich die Profile von Soldaten aus den einfachen motorisierten Schützeneinheiten anschaut, so ist da nicht mal die Uniform überall neu, die Sturmhelme sind alt usw.. Ich rede gar nicht von der Bewaffnung und Kampfwagen. Diese ganze Angriffsstärke ist nur für ein paar Spezialeinheiten ausreichend. Die Stärke der russischen Armee ist ein Produkt des russischen Fernsehens. Natürlich ist sie stark im Vergleich zur ukrainischen, aber in einer Konfrontation mit der NATO oder USA verliert sie offensichtlich und nach allen Parametern.
4. Sie können nicht nur – sie werden zu einem Gegenstand der Betrachtung in den zukünftigen Gerichtsverhandlungen und Tribunalen. Unsere Angaben, die Zeugnisse der lokalen Bevölkerung (und glaubt mir, das ist eine Schatzkammer für die zukünftigen Untersuchungen), zufällig aufgenommene Photos, ein zufällig im Video aufgetauchter russischer Panzer oder Militär – all das wird man verantworten müssen. Und wir sollten nicht vergessen, dass früher oder später die russischen Militärs selbst zu reden anfangen- jene, die die Situation rechtzeitig einschätzen und in den Westen überlaufen, oder wer einfach mit den Privilegien oder dem Ruhm umgangen wird. In dieses putinsche Abenteuer sind zu viele Menschen involviert- lange verheimlichen wird man es nicht können. Es werden sich immer Zeugen finden, die über die Verbrechen des putinschen Regimes erzählen wollen werden.
5. Die Hauptmission ist der ideologische Kampf gegen die russische Propagandamaschine. Kiseljow und Russia Today können berauscht vom „Bürgerkrieg“ in der Ukraine erzählen, aber sollen sie doch ganz einfach erklären, was die russische Armee und ihre Militärtechnik im Donbass tut. Unsere Mission ist, dass am Ende weder im Westen noch im Russland jemand über irgendwelche „Separatisten“, „Volkswehr“ oder andere Märchen erzählen kann. Mit leichtem Herzen wird man über die erfüllte Mission des Projekts erst sprechen können, wenn die ukrainische Armee sich die Kontrolle über das ganze ukrainische Territorium zurückerobert. Darunter auch über die Krim. Danach kommen noch die Gerichtsverhandlungen und die Reparationen. Diesen idiotischen Krieg, der von Russland entfesselt wurde, werden wir weder verzeihen noch einfach so stehen lassen. Russland wird für all das zahlen müssen. In unsere Community sind nicht einfach nur Freiwillige aus der ganzen Welt involviert – viele mussten an ihrem eigenen Beispiel der russischen Aggression begegnen: jemand hat sein Haus verloren, der andere- seine Familie, der Dritte – seine Nächsten und Verwandten. Für uns ist dieser Krieg nicht für ein Territorium, sondern für die Geister und Seelen der Menschen.
Quelle: Mark Krutow für svoboda.org; übersetzt von Irina Schlegel.

