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Syrien: Auf der Basis Schaayrat wurden Behälter für chemische Waffen entdeckt

Am 7. April 2017 wurden 59 Tomahawk-Raketen von US-Kriegsschiffen aus auf den Flugplatz Schairat abgeschossen, der in der Provinz Homs in Westsyrien liegt. Dieser Angriff war die Antwort auf den Abwurf von Bomben mit dem Kampfstoff Sarin: Am 4. April 2017 hatte die Luftwaffe von Baschar al-Assad und seiner Verbündeten in der Person der Russischen Föderation die Stadt Chan Scheichun in Zentralsyrien angegriffen. Infolge des chemischen Luftangriffs [1] starben 100 Zivilisten, über 500 wurden vergiftet. 

Gestern gab es viele Spekulationen hinsichtlich dieses US-Angriffs. Erste Behauptung, die überall zu sehen war, war die Behauptung, dass die Amerikaner „nur alte MiG-21“ vernichtet hätten. Dem können wir nicht zustimmen: Auf dem Foto unten sehen Sie ein infolge des Tomahawk-Angriffs verbranntes Flugzeug – höchstwahrscheinlich ist es aber keine MiG-21, sondern ein Jagdbomber Su-22 der 677. (oder 685.) Fliegerstaffel der Luftwaffe Syriens. Gerade die Su-22 von der Basis Schairat hatten am 4. April die Stadt Chan Scheichun mit chemischen Waffen angegriffen.

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Zweite Behauptung bezieht sich auf die Boden-Luft-Raketensysteme S-400 (SA-21 Growler), die Russland noch 2015 nach Syrien geliefert hatte [3] und die diesen Angriff hätten angeblich abwehren können. Auch diese Behauptung ist leicht zu widerlegen:

Die russischen S-400 sind zur Bekämpfung von ballistischen Raketen bestimmt, und nicht von Marschflugkörpern. Zur Abwehr der Marschflugkörper verfügen die Russen über die S-300WM „Antei-2500“ (die in Syrien bislang nicht registriert wurden), mit minimaler Treffhöhe von 25 Metern (auf dem Papier), und die Panzir-S1 (das Flugabwehrsystem steht auf der Luftwaffenbasis Hmeimim) mit maximaler Treffweite von 20 Km und minimaler Treffhöhe von 15 Metern.

Die Flughöhe des Marschflugkörpers Tomahawk beträgt dabei 15-60 Meter. Das Panzir-S1-System kann maximal 10 Raketen in einer Minute abfangen, eine Tomahawk fliegt dabei mit einer Geschwindigkeit von 300 m/s (also circa 18 Km pro Minute). Also müssten die Russen zumindest 6 Flugabwehrsysteme auf der Basis Hmeimim haben, um rein theoretisch 59 Raketen auf einmal abfangen zu können (wobei wir nicht mal das Geländerelief berücksichtigt haben). Über die Effektivität der Raketen des Panzir-S1-Systems wissen wir nichts, die Hysterie der Russen aber, die gestern eilig Manöver mit Panzir-S1 in Burjatien abhielten, spricht dafür, dass die Basis Hmeimim nicht im Stande ist, einen von zwei amerikanischen Zerstörern ausgehenden Marschflugkörper-Angriff abzuwehren. Aus Wikipedia erfahren wir, dass die Marschflugkörper zwar ein einfaches Ziel für die Abwehr darstellen und durch einfache Flugabwehrsysteme nach Angaben des Radars S-400 vernichtet werden können, die Schwierigkeit besteht hier aber gerade in einem zeitgleichen Massenabschuss der Marschflugkörper. Darum muss das S-400-System zur Bekämpfung von Marschflugkörpern mit mehreren Panzir-S1-Flugabwehrsystemen ergänzt werden, die um das S-400-System herum entfaltet werden müssen.

Diese Tatsache hat die Russen wohl gestern auch dazu gebracht, ihren Hurrah-Patriotismus durch das diplomatische und propagandistische Rumgeheule zu ersetzen.

Und nun das Brisanteste: Dem russischen Propagandisten der RIA Novosti-Agentur, Michail Woskresensky, sind Einheitsbehälter für Kleinmunition (KMGU [4]) ins Bild geraten, die sowohl Splittersprenggeschosse als auch Streumunition in BKF-Kassetten enthalten können. In jeder Bombe BKF-P [4] sind 12 Kassetten mit dem chemischen Kampfstoff Soman (R-55) [5] enthalten.

Die Bilder [6]wurden auf der Luftwaffenbasis Schairat gemacht, nach dem erfolgten US-Angriff. Analoge Behälter kann man auch auf Bildern aus einer russischen TV-Reportage sehen, auf denen der Prozess der Vernichtung chemischer Waffen durch russische Militärangehörige auf einem Objekt zur Aufbewahrung und Vernichtung von chemischen Kampfstoffen in der Stadt Potschep (Gebiet Bryansk, Russland) festgehalten wurde: [1] [7], [2] [8].

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Das Team von InformNapalm kann nicht behaupten, dass in diesen Behältern tatsächlich chemische Kampfstoffe sind oder waren – Russlands Blockierung einer UN-Resolution, die eine Ermittlung auf der Basis Schairat vorsah, erscheint uns jedoch äußerst verdächtig.

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