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Serbien: Warum die Wahrheit über serbische Söldner im Donbas serbische Diplomaten außer sich bringt

Ende Oktober zeigte sich [1] ein Vertreter des US-Außenministeriums, Hoyt Brian Yee [2], während seines Besuches in Serbien sehr besorgt über die Tatsache, dass Serbien mit einem Bein auf dem Weg in die EU steht und mit dem anderen aber in Russland. Er wunderte sich darüber, dass Russland sich um diplomatische Immunität für sein Personal im russisch-serbischen humanitären Zentrum in der Stadt Niš bemüht. Diese Worte riefen eine heiße Diskussion unter den serbischen Beamten hervor. Der Verteidigungsminister bezeichnete diese Aussage eines Vertreters des US-Außerministeriums als „Druckausübung“. Die Leiterin der serbischen Gruppe bei den Verhandlungen über den EU-Beitritt namens Tanja Mischtschewitsch sagte [3], dass Serbien politisch und strategisch klar auf die EU orientiert sei, und der Außenminister Serbiens Ivica Dačić sagte [4], dass Serbien in seinen Beziehungen zwischen dem Westen und Russland eine delikate Balance aufrechterhalten möchte.

In einem Interview [5] mit der Nachrichtenseite Balkan Insight merkte der ukrainische Botschafter in Serbien, Alexander Alexandrowitsch [6], an, dass zurzeit etwa 300 Serben an den Kampfhandlungen gegen die Ukraine beteiligt sind. Er habe dies der serbischen Seite mehrmals mitgeteilt, das Problem werde aber ignoriert – trotz der Tatsache, dass nach serbischem Recht die Teilnahme serbischer Bürger an Konflikten im Ausland verboten ist. Der ukrainische Botschafter machte auch darauf aufmerksam, dass serbische Politiker mehrmals die besetzte Krim besucht haben. „Unsere Abgeordneten reisen nicht nach Kosovo. Fußballspiele finden in neutralen Stadien statt, da wir Kosovo-Pässe nicht anerkennen. Ukrainer fahren auch nicht nach Serbien, um Serben zu töten,“ sagte der Botschafter.

Serbien wertete  [7]das Interview des ukrainischen Botschafters dennoch als Verletzung der Wiener Konvention. Tatsachen beim Namen zu nennen verletzt aber keinerlei Konventionen und Absprachen. Ein nicht enden wollender Ausdruck von Besorgnis zeigte bereits seine absolute Unwirksamkeit.

Anfang des Jahres schrieb InformNapalm über die russische Aktivität auf dem Balkan, unter anderem darüber, dass Serbien von Russland 6 MiG-29 Bomber, 30 T-72S-Panzer und 30 BRDM-2-Panzerfahrzeuge geschenkt bekommen hatte, siehe: „Balkan-Herbst“ vs. „Russischer Frühling“: Wie sich Russland 2016 am Balkan festklammerte“ [8].

Wozu braucht denn Russland eine diplomatische Immunität für russische Mitarbeiter eines Zentrums, das in ungefähr 100 km Entfernung von einer NATO-Basis liegt [9]? Auf der Webseite dieses Zentrums steht, dass sein Co-Direktor auf russischer Seite ein erfahrener Mitarbeiter des russischen Notfallministeriums namens W.P.Gulewitsch ist. In diesem Zusammenhang möchten wir daran erinnern, dass die russischen „humanitären Konvois“ [10] 2014 gerade unter der Schirmherrschaft des russischen Notfallministeriums über nichtkontrollierte Grenzübergangsstellen in die Ukraine eindrangen.

InformNapalm entlarvt, registriert und dokumentiert seit dem Beginn der russischen Aggression die Fakten der Beteiligung regulärer russischer Militärangehöriger am Krieg gegen die Ukraine. Manchmal gelangen in unsere OSINT-Netze auch ausländische Söldner. Zum Beispiel, als wir die Dumps des „Vereins der Donbas-Freiwilligen [11]“ analysierten, die uns von ukrainischen Hacktivisten [12]zur Verfügung gestellt wurden, haben wir einen Brief gefunden, der von einem gewissen Slaviš Mitrović handelte [13] – einem Staatsbürger Serbiens, der in den Bandenformationen „Prisrak“ und „Oplot“ im besetzten Teil des Donbas kämpfte. Er wurde verwundet und in einem Militärhospital in Sankt-Petersburg behandelt:

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Die Korrespondenz eines Mitarbeiters der Russischen Gortschakow-Stiftung zur Unterstützung öffentlicher Diplomatie offenbarte einen anderen Aspekt der „humanitären“ Tätigkeit Russlands, siehe: „$2 Millionen Dollar von Gasprom an Konstantin Satulin für Diversionstätigkeit“ [15].

Im Oktober 2014 verfasste Sergej Prawosudow, Chefredakteur des Magazins „Gasprom“ und Generaldirektor des Instituts nationaler Energie, eine analytische Notiz, in der er seine Sicht der russischen soft power [16] in Serbien und Bulgarien darlegte: „“Gasprom“ kann die Opposition nicht direkt finanzieren. Zum Beispiel, die Bewegung „Dveri“, die gegen den EU-Beitritt von Serbien auftritt. Um ihre Positionen aufrechtzuerhalten und zu stärken, muss Gasprom mit irgendeiner gesellschaftlichen Organisation zusammenarbeiten, die unter dem Deckmantel von humanitären Projekten aktiv an der gesellschaftlichen Meinung in Serbien und Bulgarien arbeiten wird“.

Wir hoffen, dass Serbien auf die Informationen, die von den ukrainischen staatlichen und freiwilligen Strukturen bereitgestellt wurden, entsprechend reagiert – zumindest entsprechend der eigenen Gesetzgebung, statt eine Demarche gegen angemessene Beanstandungen ukrainischer Diplomaten zu unternehmen.


Dieses Material wurde von Valentina Andrjenko exklusiv für InformNapalm [17] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel; [18] editiert von Klaus H. Walter [19].

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