Unser InformNapalmTeam hat das russische Verteidigungsministerium ein weiteres Mal bei einer Lüge ertappt. Heute, am 2. Dezember 2015, präsentierte der Generalstab Russlands „Beweise für den Einkauf von Erdöl beim IS durch die Türkei“, die er mit visuellen „Zeugnissen“ bekräftigte. Auf einer Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums berichtete der frischgebackene Leiter der operativen Verwaltung des russischen Generalstabs Sergei Rudskoi über Erdöl-Einkäufe beim IS durch die Türkei und legte Foto- und Videobeweise vor.
Die Vertreter des russischen Generalstabs operierten hauptsächlich mit einem Satellitenbild eines Abstellplatzes mit „Schmuggel-Erdölprodukten“, das mit dem 14.11.2015 datiert ist, auf dem nach ihrer Zusicherung über 3000 Tankwagen und LKWs registriert wurden, die angeblich für den Transport in die Türkei bestimmt waren.
InformNapalm hat mithilfe von GoogleEarth diesen Abstellplatz gefunden und einen Screenshot des Geländes aus dem Archiv der GoogleEarth-Bilder vom 15.12.2004 gemacht (Anmerkung: mithilfe des Tools „Geschichte der Bilder“ sieht man diese Stelle verschwommen, wenn man aber hineinzoomt und mit dem Mauszeiger auf den Knopf „Bild speichern“ drückt, so zeigt GoogleEarth das Datum 15.12.2004).
Die Koordinaten der Stelle sind 37.1753294, 42.556057. Urteilt man nach den Satellitenbildern von Google und der „Logik“ des russischen Generalstabs, kauft der türkische Präsident Erdogan beim IS seit 2004 Erdöl ein, wobei der IS erst seit 2013 existiert. Vor 11 Jahren war dort auch ein Abstellplatz und die Fahrzeugdichte darauf war nicht kleiner als auf dem Foto des russischen Verteidigungsministeriums. Außerdem kann man Veränderungen in der Infrastruktur dieser Stelle während der letzten 11 Jahre beobachten.
Schade, dass man bei GoogleMaps keine früheren Bilder finden kann, sonst könnten wir etwas über die frühere Geschichte des „Islamischen Staates“ erfahren.
Nach dem oben Gesagten kann man behaupten, dass die gemeinsame Operation von InformNapalm, Google und Informationswiderstand erfolgreich war: Der russische Generalstab ist mal wieder bei einer Lüge ertappt worden. In diesem Zusammenhang möchten wir an die Erklärung des russischen Generalstabs vom Dezember 2014 erinnern, in der der Generalstabschef Gerassimow in Anspielung auf entlarvende Publikationen von InformNapalm und anderen OSINT-Teams, anmerkte, dass „primitive Fälschungen“ als Beweise für russische Militärpräsenz in der Ukraine dienen. Wer ist denn jetzt ein Lügner, Herr Gerassimow?
Diese Untersuchung wurde von Michail Kusnezow exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.
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