Inal Ardsinba – ein russischer Staatsbeamter. Hauptberater des Präsidialamtes Russlands für GUS-Fragen, erster Stellvertreter des russischen Präsidentenberaters Wladislaw Surkow und Beauftragter für Verhandlungen mit der Ukraine im Kreml.
Im Januar 2017 berichtete die renommierte russische Wirtschaftszeitschrift „Wedomosti“, dass der Präsidentenberater Russlands Wladislaw Surkow den Leiter seiner Kanzlei verloren habe und dass dieser Rücktritt auf die veröffentlichte Artikelreihe der von ukrainischen Hackern gehackten Korrespondenz aus Surkows Kanzlei zurückzuführen sein könnte. Die benannten Dumps wurden exklusiv an die internationale Aufklärungsgemeinschaft InformNapalm zur weiteren Untersuchung übermittelt, ihre Analysen wurden auf unserer Webseite Ende 2016 veröffentlicht. Es folgte eine Fortsetzung, und die Hacktivisten haben neue Korrespondenz-Dumps freigegeben, die mit dem Amtsleiter der Präsidialverwaltung Russlands und erstem Stellvertreter von Wladislaw Surkow, Inal Ardsinba in Verbindung stehen.
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Chronik der SurkovLeaks
Im Oktober 2016 wurde der erste, SurkowLeaks genannte Datendump der Mailbox von Surkows Empfangsbüro prm_surkova@gov.ru in einer Größe von knapp 1 GB veröffentlicht. Die Korrespondenz enthielt Informationen über Medien- und Geschäftsinteressen der Russischen Föderation in der Ukraine, darunter auch in den besetzten Territorien; über Risiken der wirtschaftlichen Blockade der „DVR“ und „LVR“; ausführliche Personallisten und Kontaktdaten der Mitarbeiter des Präsidialamtes Russlands für sozialwirtschaftliche Kooperation; Personen- und Kontaktangaben der sogenannten „Führung der selbsternannten Republik Abchasien“ (RA); Vorschriften für die Durchführung von Agentenarbeit mit den „Schlüsselfiguren der RA“ und vieles andere mehr. In der Korrespondenz fand man sogar Screenshots der Pässe von Wladislaw Surkow und all seinen Familienmitgliedern.
Im November 2016 wurde der zweite Datensatz SurkovLeaks (Teil II) veröffentlicht. Diese Informationen wurden hauptsächlich der Mailbox pochta_mg@mail.ru entnommen, die einer Mitarbeiterin des Büros des Präsidentenberaters namens Maria Winogradowa gehörte. Der Dump enthielt 336 eingegangene und 87 gesendete Nachrichten in der Gesamtgröße von 340 MB. In der Korrespondenz wurde unter anderem auch Folgendes gefunden:
— Pläne für Maßnahmen zur Durchführung von Protokollpunkten nach Ergebnissen von Beratungen der trilateralen Kontaktgruppe. Beide Fassungen vom 29. und dem 30. Januar 2015 enthalten Punkte über den Abzug von Raketenwerfersystemen (TOS) auf 14 km. Aber schon in dem während des Gipfels am 11./12. Februar 2015 abgestimmten Maßnahmenkomplex zur Umsetzung der Minsker Vereinbarungen (Minsk II) wird der Abzug von TOS nirgendwo erwähnt;
— Listen mit Kandidatenvorschlägen für den Führungswechsel in den sogenannten Ministerien der „LVR“;
— „Maßnahmenkomplex X“ (über Destabilisierungsversuche in Charkiw);
— Föderalisierungspläne für die Ukraine;
— Bestätigung der Informationen darüber, dass Surkow den Kraftstoffmarkt in der „DVR“ unter seiner Kontrolle hält, was als einer der Gründe für die physische Liquidierung der Feldkommandeure der „D/LVR“ gesehen wird,
und viele andere Materialien.Die Veröffentlichung der zwei genannten Dumps verursachte eine Schockwelle in der westlichen Presse. Inhalte der Briefe wurden verifiziert, und ihre Echtheit wurde von internationalen Organisationen bestätigt. Die Authentizität der Daten wurde nicht nur von den Experten der Freiwilligengemeinschaft InformNapalm sondern auch von den Experten von Atlantic Council bekräftigt. Artikel über das Hacken der Kanzlei von Surkow erschienen in den Spalten weltbekannter Zeitungen und Medien, darunter BBC, TIME, Daily Mail, THE TIMES, Radio Free Europe / Radio Liberty, The Guardian und andere.
Westliche Experten konnten nur rätseln, manche von ihnen nahmen in ihren Interviews gar an, dass amerikanische Geheimdienste hinter den Hacks stehen könnten, weil das Begleitvideo zur Veröffentlichung der #SurkovLeaks ihrer Meinung nach auf sehr hohem professionellen Niveau gemacht wurde und sogar in mehreren Fremdsprachen, darunter auch Bulgarisch, übersetzt war. Es ist amüsant, dass die Informationsbegleitung von SurkovLeaks-Materialien seitens der Freiwilligen der internationalen Gemeinschaft InformNapalm wurde von Experten fälschlicherweise als die Arbeit der US-Geheimdienste eingeschätzt wurde.
YouTube-Untertitel: Ruhm der Ukraine! Und wir sind wieder in der Lwiwer U-Bahn. Mit Hilfe von Bergarbeitern aus dem Donbas haben wir eine neue U-Bahn-Linie direkt unter die Büros von Kreml-Funktionären verlegt. Letzte Woche haben unsere Hacktivisten das Netz mit Dokumenten aus der Kanzlei des Präsidentenberaters der RF, Wladislaw Surkow, zum Kochen gebracht. Heute veröffentlichen wir einen neuen E-Mail-Dump. Darin findet man Föderalisierungspläne für die Ukraine und Projekte zur Änderung der ukrainischen Verfassung, geheime Absprachen unter Funktionären und versteckte Klauseln des Minsker Abkommens, Offshore-Manipulationen mit dem Kraftstoffschmuggel auf besetzten Territorien der Ukraine und noch vieles mehr. Heute enthüllen wir der Welt neue Geheimnisse der Kremlbeamten. Die Archive der von uns gehackten Systeme werden in Terabytes gemessen, und #SurkovLeaks ist nur der Anfang. Am Anfang war das Wort.
Hacktivisten der Ukrainischen CyberAllianz und der CyberJunta übermittelten an InformNapalm für weitere Analysen Dumps von weiteren zwei Mailboxen, die Personen aus Surkows Umgebung gehörten: fedor_fedorov53@mail.ru und viktor_vinogr@mail.ru.
viktor_vinogr@mail.ru: Im Laufe der Analyse wurde festgestellt, dass an diese Mailbox Briefe mit analytischen Notizen aus dem russischen Konsulat in Odessa verschickt wurden (genconrfodessa@mail.ru – genau diese E-Mail-Adresse ist als Kontaktadresse auf der Webseite des russischen Außenministeriums http://www.odessa.mid.ru angegeben). Nach der Bearbeitung der angehängten Dateien sind die Freiwilligen von InformNapalm zu dem Schluss gekommen, dass die Mailbox mit hohem Wahrscheinlichkeitsgrad Inal Batuwitsch Ardsinba, dem Hauptberater des Präsidialamtes Russlands für GUS-Fragen und erstem Stellvertreter von Wladislaw Surkow, gehört. Ardsinba betreute und finanzierte Projekte der sogenannten „sanften“ Föderalisierung der Ukraine: „Sloboda-Ukraine“, „Porto-franco“, „Volksrepublik Bessarabien“, „Mykolajiwer Volksrat“.
fedor_fedorov53@mail.ru: Diese Mailbox wird von Alla Alexandrowna Alexandrowskaja (sie leitete die Charkiwer Gebietsfiliale der Kommunistischen Partei der Ukraine und war von 1998 bis 2012 Abgeordnete des ukrainischen Parlaments) und ihrem Sohn Alexander Sergejewitsch Alexandrowskij benutzt. Sie waren die Ausführenden des Projekts „Sloboda-Ukraine“. Im Sommer 2016 wurde Alexandrowskaja in Charkiw verhaftet und befindet sich seitdem in Haft. Sie wird der Verletzung der territorialen Integrität des Staates und der unrechtmäßigen Vorteilgewährung durch einen Amtsträger (§110, Teil 2 und §369, Teil 3 des Strafgesetzbuches der Ukraine) verdächtigt. In der Sache wird auch gegen ihren Sohn Alexander ermittelt, der sich zur Zeit der Ermittlung im russischen Belgorod entzieht und von dort weiterhin subversive Tätigkeiten gegen die Ukraine betreut. Ihm wird ein Bestechungsversuch der Stadtabgeordneten der Stadt Piwdenne im Gebiet Charkiw vorgeworfen, um einen Appell nach Forderungen einer Föderalisierung an die Werchowna Rada durchzusetzen. Mehr dazu hier.
Schlüsselfiguren in der Korrespondenz
kolokol_2008@mail.ru: Anton Dawidtschenko, Vorsitzender der Jugendorganisation „Kolokol“ („Glocke“), Ausführer von Auftragsprovokationen in Odessa („Porto-franco“), Saporischja („Saporoger Arbeitsgruppe für Verfassungsreform“), Dnipro („Dnipropetrowsker Verfassungsforum“), Mykolajiw („Mykolajiwer Volksrat“) und Kyjiw.
mir-sargis@yandex.ru: Sargis Geworkowitsch Mirsachanjan, Assistent von Igor Lwowitsch Sotow (Partei „Gerechtes Russland“), Mitglied des Verteidigungsausschusses des russischen Parlaments. Betreut und finanziert politische Aktionen in osteuropäischen Ländern.
kursk18@gmail.com: Alexej Walentinowitsch Muratow. Abgeordneter der Partei „Einiges Russland“, offizieller Repräsentant der terroristischen Organisation “DVR“ in Russland.
Eckpunkte der Korrespondenz
1) Projekt zur Machtübernahme im Gebiet Saporischschja. Verschickt in einem Archiv (die Hacktivisten entschlüsselten das Passwort: wq1234567890) mit einem Brief von Alexej Muratow am 12.11.2014. Dem Archiv war auch ein Lebenslauf des Projektbetreuers, eines „DVR“-Terroristen und ehemaligen Leiters des Sicherheitsdienstes der „Partei der Regionen“ namens Wladimir Nikolajewitsch Nowikow (Deckname „Alabaj“) beigefügt.
2) Liste der angeworbenen aktiven und ehemaligen Mitarbeiter des Innenministeriums in Odessa. Die Liste wurde am 11.01.2015 zusammen mit einem Brief einer gewissen Luisa Mamedowa (E-Mail-Adresse luiza.mamedova.81@mail.ru) verschickt.
3) Bericht über in Odessa durchgeführte Provokationen in der ersten Februarhälfte 2015 mit entsprechenden Publikationen in den Medien. Der Brief wurde am 16.02.2015 von derselben Luisa Mamedowa verschickt.
4) Anton Dawidtschenko, Vorsitzender der Jugendorganisation „Kolokol“ („Glocke“) erstattet Bericht über die Finanzierung der Aktionen und Veranstaltungen im ersten Halbjahr 2015 (als Beispiel führen wir die ersten drei Briefe an). In den Briefen kommen Kosten vor, die für den Einkauf von Publikationen in den Medien und auf Internet-Portalen bereitgestellt wurden. Betragsangaben sind in US-Dollar.
Gesondert möchten wir anmerken, dass alle Aktionen als Fotos und Videos dokumentiert und in separaten Mails verschickt wurden. So erschienen in Odessa 2014-2015 oft antiukrainische Graffitis – strikt nach Zeitplan und in Absprache mit Moskau.
5) Kurzresümee der Jugendorganisation „Kolokol“ („Glocke“). Darin wird präzisiert, dass es Gruppen dieser Organisation in drei Städten gab: Odessa, Mykolajiw und Cherson. Auch eine Preisliste und Beispiele durchgeführter Arbeiten sind angegeben.
6) Brief von Anton Dawidtschenko mit einer Liste der zur Durchführung von Gewaltaktionen in der Ukraine angeheuerten Sportler (sogenannte Tituschki).
7) Dawidtschenko erstattet Bericht über bezahlte Publikationen auf Internet-Portalen (RBC, Bagnet, From-ua.com, golos.ua, 112, ukranews) und teilt den Preis für die Veröffentlichung einer Mitteilung in ukrainischen Fernsehprogrammen mit (es wurden keine Beweise für tatsächliche Veröffentlichungen bei diesen Sendern in der Korrespondenz gefunden, wahrscheinlich werden hier nur Preise für Werbeinhalte mitgeteilt).
8) Surkows Assistent Ardsinba leitet ein Dokument mit Stichpunkten für einen Gesetzesentwurf der Ukraine „Über die besondere Entwicklungsregion Sloboda-Ukraine“ an Alexandrowskij zur Kenntnisnahme weiter:
9) Alexandrowskij schickt Ardsinba eine Kostenkalkulation für die Durchführung von Gesellschaftsveranstaltungen des Gesellschaftsrates „Sloboda-Ukraine“ zu.
10) Alexandrowskij legt Ardsinba einen Plan für die bevorstehenden Lokalwahlen 2015 im Gebiet Charkiw zur Abstimmung vor und bittet um Zuteilung der nötigen Finanzierung.
Dies bestätigt, dass ein Teil der Wahlkampagne im Gebiet Charkiw unter unmittelbarer Finanzierung aus Russland stattfand.
11) Ein gewisser Semjon Simonow (simonov_semen86@mail.ru) schreibt Alexandrowskij, dass eine der Demonstrationen zur Unterstützung des Gesetzes der Ukraine über die besondere Entwicklungsregion Sloboda-Ukraine vom Charkiwer Stadtrat verboten wurde. Simonow teilt auch mit, dass der Sender „Simon TV“ (Mediengruppe „Objektiv“) die versprochene Sendezeit absagt und vorschlägt, das bezahlte Geld über den Wahlfonds der Partei „Neuer Staat“ zurückzuerstatten.
Auf diese Weise wurden also dank der von den ukrainischen Aktivisten gewonnenen nichtöffentlichen Daten weitere Einzelheiten darüber aufgedeckt, wie Wladislaw Surkow über seinen Assistenten und Kanzleivorstehers subversive Tätigkeiten in der Ukraine ausübte und Bandenformationen betreute.
Die Angaben wurden von den Hackern der ukrainischen Cyberallianz exklusiv an InformNapalm zur Analyse und weiteren Veröffentlichung übergeben. Die Redaktion von InformNapalm übernimmt keine Verantwortung für die Erstquelle und die Herkunft der Angaben.
(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 )
Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.
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