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Titan-Schema der Rohstofflieferungen an Firtaschs Fabrik auf der Krim

Seit dem Beginn der Krim-Blockade am 29. September 2015 sprechen viele davon, dass es unmöglich sei, ukrainische Rohstoffe an die Fabrik „Krim-Titan“ von Dmitry Firtasch in Armyansk zu liefern, da die einzige Eisenbahnlinie zwischen Festland und der Halbinsel von Aktivisten zubetoniert worden ist.

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Bereits Ende Januar 2016 kursierten Informationen über mögliche Routen für die Umgehung der Blockade. Es wurde angenommen, dass das Ilmenit (der wichtigste Rohstoff für „Krim-Titan“) aus dem Bergbau- und Aufbereitungskombinat in Irschansk (Schytomyr Gebiet) kommt, nachdem es per Eisenbahn über Charkiw, dann Russland nach Noworossijsk transportiert wird, um dann mit den Fähren zum Endpunkt auf der Krim geliefert zu werden. Die Suche der Wagons ist in so einem Fall sehr schwierig.

Radio Swoboda berichtete unter Hinweis auf eigene Quelle im Mykolajiw-Seehafen, dass das Ilmenit (Titaneisenerz) unter dem Deckmantel von etwas anderem transportiert werden könnte. Der Seeweg war eine logische und kostengünstige Möglichkeit Rohstoffe zu liefern.

Der Experte von „Maidan of Foreign Affairs“ Yuri Smeljanskij vermutet, dass der Rohstoff für „Krim-Titan“ sowohl über den Hafen von Mykolajiw, als auch über den von Odessa transportiert werden kann: „Ein Schleppschiff bringt zum Beispiel einen Schleppkahn (ein Schiff ohne eigenen Antrieb) aus einem ukrainischen Hafen ins offene Meer, hängt ihn ab und ein anderer Schlepper bringt ihn zur Krim. Der Schlepperwechsel erfolgt auf hohem See. Der Schleppkahn selbst hat keine Kennzeichen, seine Bewegungen lassen sich nicht verfolgen,“ – sagt der Experte.

Diese Nachricht wurde bereits von Politikern für ihre PR-Kampagne ausgenutzt. Der Vorsitzende der interfraktionellen Abgeordnetengruppe „Krim“ im ukrainischen Parlament Oleksiy Gontscharenko sprach in seinem Kommentar für „Krim. Realien“ [2] (eine Rubrik bei Radio Swoboda) über die Notwendigkeit, die Umstände der ukrainischen Lieferungen von Rohstoffen an die Fabrik „Krim-Titan“ zu untersuchen. Zu diesem Zweck hatte Gontscharenko sogar vor, eine parlamentarische Untersuchung einzuleiten, aber in der Datenbank des Parlaments gibt es leider bis heute keine Anfrage zu diesem Thema.

Alle fragten sich: Woher kommt der Rohstoff? Es wurde behauptet, es sei sehr unwahrscheinlich, dass ukrainische Unternehmen in der Lage sein werden, die Lieferungen auf die Halbinsel fortzusetzen. Aber unser Informant verschaffte uns einen Zugang zu den Informationen über die Ausfuhr von Titaneisenerz und Konzentraten und widerlegte damit diese Behauptungen. Alle nachfolgenden Analysen beruhen auf der Grundlage von erhaltenen Daten.

Export [3]

Exportvolumen des ukrainischen Titaneisenerzes im Jahr 2015

Laut Frachtzollanmeldungen wurde von dem ukrainischen Titan-Konzentrat – Ilmenit (Produktcode 2614000010) im Jahr 2015 198.937 Tonnen exportiert. Kostenpunkt: 645 000 000 UAH.

Postavchik [4]

Exporteure des ukrainischen Titaneisenerzes im Jahr 2015

Die größten Exporteure des ukrainischen Ilmenits im Jahr 2015 waren: staatliches Wolnogorskiy GMK (Bergbau- und Hüttenkombinat) (73 444 Tonnen), staatliches Irsсhanskij GOK (Bergbau- und Aufbereitungskombinat) (33 886 Tonnen), Produktionshandelsfirma „Velta“ (56.771 Tonnen).

Die Hauptabnehmer des ukrainischen Ilmenits im Jahr 2015 waren: Russland (99 919 Tonnen), Tschechische Republik (49.843 Tonnen), Mexiko (20 115 Tonnen), China (16.061 Tonnen), Kasachstan (10 169 Tonnen).

Pokupatel [5]

Geographie der Exportlieferungen des ukrainischen Ilmenits im Jahr 2015

Warum sind wir auf die Exportlieferungen so aufmerksam geworden? Die Rohstofflieferungen in die Freihandelszone „Krim“ per Eisenbahn wurden in Folge der Blockade eingestellt, so dass der einzige Weg für die Fabrik „Krim-Titan“ den Rohstoff einzukaufen war, den Kauf über die Exportverträge abzuwickeln. Wir beschlossen die Experten-Versionen zu dem Thema zu analysieren.

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Also, die Freiwilligen von InformNapalm haben herausgefunden, dass am 13.11.2015  (also zwei Monate nach dem Beginn der Krim-Blockade) 6219,8 Tonnen Ilmenit durch den Anbieter Privatgesellschaft „Ukrainian Chemical Products“ im Rahmen eines Exportvertrages an GmbH „Titanium Investment“ geliefert wurden. Ähnliche Lieferungen gab es auch am 18.11.2015 (9701,0 Tonnen) und am 14.12.2015 (11 250,6 Tonnen). Die Gesamtmenge betrug 27 171,4 Tonnen, die Rohstoffkosten betrugen 73,7 Mio. UAH.

Auskunftsinformation: 

Somit wird klar, dass der Exporteur und der Käufer des Ilmenits ein und dieselbe Person ist, aber mit unterschiedlichen Niederlassungsregistrierungen: in der Ukraine und Russland. Die Exporte im Rahmen eines solchen Liefervertrages stehen mit der ukrainischen Gesetzgebung nicht im Widerspruch, da die Zollabfertigung auf der Grundlage der eingereichten Unterlagen erfolgt. Am Anfang hat das ukrainische Mutterunternehmen, die Privatgesellschaft „Ukrainian Chemical Products“, das Ilmenit möglicherweise von einem der Bergbau- und Aufbereitungskombinaten erworben, das den Rohstoff bis zum Verladeplatz entsprechend dem Exportvertrag mit dem moskauer Mutterunternehmen GmbH „Titanium Investment“ lieferte.

Lassen wir uns das Verfahren der Zollabfertigung von Gütern genauer anschauen. In allen drei Fällen wurde die Ware entsprechend den CPT-Bedingungen (Incoterms – internationale Handelsbedingungen) geliefert, d.h. bis zum vertraglich festgelegten Ort. Zollaufsichtsstellen für den Export von Ilmenit und sein Lieferort sind:

– 13.11.2015 – Zollstation „Grigorjewka“, Hafen Yuschnyj;
– 2015.11.18, 2015.12.14 – Zollstation „Ilyitschewsk“, Seehafen Illitschewskij.

Das Ilmenit wurde in diesen Häfen verladen und die Zollbehörden werden wohl wissen, mit welchen Schiffen das Ilmenit aus den Häfen in Odessa Region abtransportiert wurde und wem die Schiffe gehören.

Ferner kommt die Frage auf: Wie gelangt der Rohstoff unmittelbar auf die Krim?

Nach der Verordnung des Ministeriums für Infrastruktur der Ukraine №255 vom 16.06.2014 wurden auf der vorübergehend besetzten Krim die Häfen in Kertsch, Sewastopol, Feodossija, Jalta, Jewpatorija geschlossen. Jeder Anlauf von Schiffen in diese Häfen würde gegen die Ordnung eines besetzten Gebietes und gegen die Souveränität der Ukraine verstoßen. Folglich können als Verladestellen von Schiffen mit dem ukrainischen Ilmenit für „Krim-Titan“ entweder die geschlossenen Häfen auf der Krim dienen oder die Häfen, die nicht für den internationalen Handel benutzt werden. Ende Dezember 2015 sagte der russische Verkehrsminister der Krim Andrew Bezsalow, dass das Ilmenit für die Herstellung von Titandioxid auf die Krim durch den Hafen von Kertsch gelangt.

InformNapalm hat Informationen über die Lieferung von Ilmenit-Erz im Jahr 2015 aufgedeckt und den Rohstoffverkehr um die Fabrik von Firtasch auf der Krim enthüllt. Allerdings sollten umfassende Informationen über das Volumen dieser Lieferungen von der Regierung der Ukraine auf Anfrage der zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden. Ein Korrespondent von Radio Svoboda [8] hat Anfragen zu dem Thema an das Ministerium für Wirtschafts- und Handelsentwicklung der Ukraine schon mal geschickt, diese blieben jedoch unbeantwortet.

Die Aufdeckung von Informationen über Schiffe und Verladestellen des ukrainischen Ilmenit wird es ermöglichen, Sanktionen gegen die Reeder einzuführen, die gegen die ukrainische Gesetzgebung verstoßen haben. Ein klares Verständnis seitens der Reeder, dass Anläufe ihrer Schiffe in die Häfen der Krim überwacht werden und sie dafür bestraft werden können, wird zu einem wirksamen Faktor in einer echten und nicht bloß deklarierten Seeblockade sein.

 

Dieses Material wurde auf der Basis eigener OSINT-Untersuchung von Victory Krm [9] exklusiv für InformNapalm [10] vorbereitet; übersetzt von Andrij Topchan [11], editiert von Irina Schlegel [12]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

CC BY 4.0