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TOP-12 von InformNapalm 2015. Chronologie des Kampfes.

Am Ende des Jahres zieht man üblicherweise Bilanz und setzt sich neue Ziele. Unsere Gemeinschaft InformNapalm beschloss, diese Tradition zu würdigen und die Ergebnisse unserer Tätigkeit 2015 zusammenzufassen. 

„Nicht das Gold, wie die allgemeine Meinung verkündet, sondern gute Soldaten sind die wahre Triebfeder des Krieges, denn für’s Gold findet man nicht immer gute Soldaten und gute Soldaten finden aber immer das Gold.“ – Dieses Zitat des italienischen Philosophen Niccolo Machiavelli beschreibt sehr genau das Wesen der Arbeit unserer internationalen Community InformNapalm. Die Aufklärer und Übersetzer unseres Teams haben auf blankem Enthusiasmus ein System des effektiven Informationskampfes aufgebaut, das viele Staatsstrukturen beneiden können, die über große Finanzmittel und Befugnisse verfügen. Das ganze letzte Jahr widmete sich InformNapalm dem informativen Wegbrennen des Feindes, mittels zuverlässiger Fakten und gut strukturierter Information. Unser Team ist einem Bienenschwarm gleich, der penibel auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet: Auf den Sieg über den Aggressor.

Darum ist unsere grösste Errungenschaft 2015 die Verstärkung und Erweiterung der Ressource, die Vergrößerung ihrer Sprachredaktionen und die Entstehung eines einmütigen, festen Teams, dessen Mitglieder, die sich in verschiedenen Ecken der Welt befinden, erfolgreich zusammenwirken und ein effektives Informationsprodukt erschaffen.

Jede OSINT-Untersuchung von InformNapalm kann als ein Beispiel erfolgreicher und mühsamer Arbeit wahrgenommen werden, wir möchten uns aber an die Resonanzereignisse dieses Jahres erinnern und die Chronologie unserer wichtigsten Publikationen wiederherstellen.

1) Nach der Unterzeichnung des ersten Minsker Abkommens im September 2014 war es lange Zeit unmöglich, detaillierte Information zur Demarkationslinie im Donbass zu finden. Aber im Dezember 2014 haben sich die Freiwilligen der Community das Original der elektronischen Version der operativen Karte beschafft, die dem engsten Umfeld des „LVR“-Anführers I.Plotnizkij zur Verfügung stand. Am 8. Januar 2015 wurde diese Karte auf der InformNapalm-Website veröffentlicht und zum Download freigegeben und somit auch zu ihrer Betrachtung und Analyse durch die breite Öffentlichkeit. Auf der Karte sind die Seiten angegeben, die dieses Dokument vereinbart hatten. Darunter figurierten Plotnizkij selbst, die Vertreter der ukrainischen Seite wie auch der OSZE-Beobachtungsmission. Diese Karte [1] hat vielen die Augen auf die wahren Hintergründe dessen geöffnet, warum die einen oder anderen Territorien besetzt worden waren.

2) Am 19. Februar 2015 haben die Freiwilligen von InformNapalm Angaben zur Bewaffnung der Streitkräfte Russlands zusammengetragen und sie in einer Infografik „Top-10 Beweise der russischen Aggression in Donbass“ [2] veröffentlicht. Dies war unser erster Versuch, die Angaben eigener OSINT-Untersuchungen zur Identifizierung von schweren Bewaffnung, die im Dienst der Söldner steht, aber den Streitkräften Russlands gehört, zusammenzufassen. Das Material haben wir in 12 Sprachen übersetzt.

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3) Am 11. März 2015 initiierte InformNapalm die soziale Aktion „Donbass Leaks“, im Rahmen welcher wir ein Massentrolling der terroristischen Kräfte in den sozialen Netzwerken durchführten, um die Aufmerksamkeit der OSZE-Mission auf einige Objekte zu lenken, wo die Söldner ihr Militärgerät lagerten. Wir teilten genaue Koordinaten [4] der Objekte mit, die wegen der Waffenruhe von der ukrainischen Artillerie und anderen Truppenverbänden nicht beschossen werden konnten, für eine Inspektion der OSZE-Mission aber durchaus zugänglich waren. Unsere Vorgehensweise rief einen echten Aufruhr in den Reihen der vereinten russisch-separatistischen Kräfte hervor. Im Lauf des Flashmobs schütteten zahlreiche Aktivisten die Internetaccounts von OSZE mit Links zu Angaben von InformNapalm mit den Koordinaten der Objekte zu (1 [5], 2 [6], 3 [7], 4 [8]).

4) Am 17. April 2015 veröffentlichte [9]InformNapalm ein Material, [9] das man als einen Vorboten für nachfolgende Tragödien wahrnehmen kann. Im Artikel „Russland – Sponsor des internationalen Terrorismus, von IS bis L(D)VR“ [9] wurden konkrete Beispiele von Verbindungen der russischen Agenten mit den IS-Terroristen angeführt. Auch berichteten wir, dass die Geheimdienste des Westens und Israels einen geheimen Besuch eines hochrangigen russischen Beamten bei den IS-Anführern in Irak und Syrien festgehalten haben.

Ein halbes Jahr später, im Herbst 2015 begann die Russische Föderation unter dem Deckmantel eines Kampfes gegen die Söldner des „Islamischen Staates“ den Genozid gegen das syrische Volk. Durch die Bomben der Luftwaffe Russlands sind Hunderte Zivilisten gestorben, dabei blieben die IS-Söldner ausserhalb der Zone russischer Luftangriffe.

Am 27. April 2015 führte ein Freiwilliger von InformNapalm, der auf dem okkupierten Territorium der Ukraine wohnt, eine OSINT-Untersuchung durch [10], im Laufe derer im sozialen Netzwerk-Profil eines Wehrdienstleistenden des 147. Transportbataillons des Verteidigungsministeriums Russlands (Militäreinheit Nr. 83466) Dmitry Subow Photos gefunden wurden, auf denen die Verlegung einer Kolonne mit Boden-Luft-Raketen „Buk“ zur ukrainischen Grenze festgehalten wurde. Die Verlegung fand genau 14 Tage vor der Tragödie von MH17 statt. Nach der Veröffentlichung dieses Artikels wurde der Account von Dmitry Subow schleunigst gelöscht und es wurde versucht, die Information auszuradieren, aber sie blieb in den Archiven gespeichert und ist immernoch öffentlich zugänglich.

Die Angaben aus dieser Untersuchung wurden der Ermittlungsgruppe der niederländischen Polizei zur Verfügung gestellt. Am 13. Mai 2015 wurde die Information, die in der Publikation von InformNapalm veröffentlicht wurde, in den Untersuchungsbericht des britischen Untersuchungsteams Bellingcat zur Katastrophe von MH17 miteingeschlossen, das mitteilte, es habe diese Information selbständig in sozialen Netzwerken gefunden.

5) Am 16. Mai 2015 fängt InformNapalm als erster an, in den sozialen Netzwerken Alarm zu schlagen, der den stillen Austausch von gefangengenommenen russischen GRU Speznas-Soldaten unmöglich macht [11]. Die Information über die Gefangennahme von zwei verwundeten russischen Speznas-Soldaten ging in die Redaktion von InformNapalm am 16. Mai um circa 19:00 Uhr ein. Nach ihrer Verifikation, und zwar 1 Stunde und 44 Minuten später, wurden diese Angaben auf der FB-Seite des Chefredakteurs von InformNapalm veröffentlicht, mit dem Aufruf an die Öffentlichkeit, der Praxis von Geheimhaltung und stillem Austausch von russischen gefangengenommenen Berufssoldaten ein Ende zu setzen. Die Information hat grosse gesellschaftliche Resonanz bekommen und ihre Verbreitung führte dazu, dass am 18. Mai im Generalstab der Streitkräfte der Ukraine eine Sonderpressekonferenz zu gefangengenommenen russischen Militärangehörigen unter Teilnahme des Generalstabsleiters abgehalten wurde. Leider wurde die Möglichkeit, diesen Zwischenfall für Aufmerksamkeitserregung der Weltöffentlichkeit und Bloßstellung russischer Propagandamythen zu nutzen verpfuscht. Die Freiwilligen von InformNapalm haben versucht, eine Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden der Ukraine einzurichten, stossen aber auf die Unlust der bürokratischen Maschine, in einem gemeinsamen Informationsfeld zu arbeiten.

Mit eigenen Kräften hat InformNapalm Monitoring und Aufklärung der sozialen Profile russischer Militärangehöriger der Speznas-Abteilung durchgeführt, die bei Schtschastja in Gefangenschaft gerieten und deren Namen bei den ersten Vernehmungen genannt wurden: Feldwebel Alexandrow und Kapitän Jerofejew. Unsere Aufklärer haben die Information zum Kommandeur des Speznas GRU gefunden, der die Diversionsgruppe in Luhansk leitete: Major Konstantin Napolskich [12]. Später wurden unsere Vermutungen von unseren eigenen Quellen in entsprechenden Sicherheitsstrukturen der Ukraine bestätigt: Major Napolskich war tatsächlich derjenige, der die GRU-Gruppe in Luhansk anleitete.

Im Lauf einer weiteren OSINT-Untersuchung haben wir Informationen zum Kommandeur der zweiten Abteilung des Speznas GRU gesammelt [13], dem Gefreiten Ruslan Kutluachmetow, dessen Name von den Gefangenen ebenfalls bei den Verhören genannt wurde.

6) Im Juni 2015 hat InformNapalm eine Reihe von OSINT-Untersuchungen durchgeführt, infolge derer wir den Standort der russischen Funkaufklärungsstation R-330Zh „Zhitel“ [14] ermittelten wie auch feststellten, welche Raketenkomplexe der russischen Luftabwehr die ukrainischen Fliegerkräfte im Donbass abschossen [15]. Ferner haben wir die merkantile Natur der Gründe für die Flucht von zwei Brüdern, Mitarbeitern des ukrainischen Außenaufklärungsdienstes, in die LVR aufdecken können [16]; die wahrscheinliche Gefallenenanzahl der „neurussischen“ Söldner aufgrund der Massenbegräbnisstätten ausgerechnet [17] und gezeigt, wie Pawel Gubarews Eitelkeit die Anwesenheit der 18. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade der Streitkräfte Russlands im Donbass auffliegen [18] ließ. Wir haben noch zahlreiche interessante Untersuchungen durchgeführt, die schnell in den ukrainischen Massenmedien verbreitet wurden.

7) Im Juli hat InformNapalm den massenhaften Charakter der Beteiligung russischer Berufssoldaten am Krieg im Donbass aufgezeigt. Zum Beispiel im Material „Ocean’s Eleven: Selfie-Aufklärer der 18. SMSBr im Donbass“ [19] auf der Basis einer eigenen OSINT-Untersuchung wurden Fakten der Beteiligung der Aufklärungsabteilung der 18. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade (Militäreinheit 27777, Stationierungsort: Chankala und Kalinowskaja, Tschetschenien; 58. Armee des Heeres, Südlicher Militärbezirk Russlands) am Krieg gegen die Ukraine präsentiert.

Auch hat InformNapalm einen Joker aus dem Ärmel geholt, im Fall des Volvo-Schleppers, der das Buk-Startfahrzeug transportierte [20], mit welchem später der Flug MH17 abgeschossen wurde. Diese Information haben wir der Ermittlergruppe in den Niederlanden ebenfalls zukommen lassen.

Wir haben auch einpaar spaßige Materialien gehabt, die die Dummheit russischer Soldaten verspotten, die uns durch ihre Photos eigenhändig so viele interessante Informationen preisgeben. Lächelt Ihr auch mal mit uns, wenn Ihr diesen Artikel im neuen Jahr lest: „Ein demobilisierter Russe lieferte seine Kommandeure aus“ [21].

Anfang Juli haben wir den Bericht vom Sicherheitsdienst der Ukraine zur Identifizierung der russischen Generäle, die das unmittelbare Kommando über die vereinten russisch-separatistischen Kräfte im Donbass verwirklichten, mit wichtigen Einzelheiten ergänzt [22].

Auch haben wir infolge einer Untersuchung Beweise dafür gefunden, dass die Fallschirmjäger der 31. Luftsturmbrigade aus Uljanowsk [23] das Krimer Parlament in der ukrainischen Uniform der „Berkut“-Bereitschaftspolizei  im März 2014 gestürmt hatten.

8) August 2015 wurde auch zu einem fruchtbaren Monat für die Arbeit der Freiwilligengemeinschaft InformNapalm. In den Zeugenaussagen eines weiteren gefangengenommenen Berufssoldaten der russischen Streitkräfte, Major Wladimir Starkow, fanden wir einige Anhaltspunkte, auf deren Basis unsere Vermutung bestätigt werden konnte, dass die Streitkräfte Russlands die Militäreinheit Nr. 89462 als eine Deckung für Entsendung der russischen Soldaten in den Donbass nutzen [24].

Dank einer erfolgreichen Zusammenwirkung mit dem ukrainischen Speznas haben wir ein einzigartiges Video des Verhörs vom Kommandeur des 1. Bataillons der 7. „DVR“-Brigade Andrei Kosyrenko (Rufzeichen: Kozyr) erhalten [25]. Die unkonventiolle Herangehensweise an diese Zusammenwirkung erlaubte das Informationspotential solcher Zwischenfälle effektiver zu nutzen. Das Video von Kozyrs Verhör wurde nicht in einem grauen Raum gedreht, wie das bei den Geheimdiensten üblich ist. Der Söldner konnte mit seinen eigenen Augen die Verlogenheit der russischen Propaganda beurteilen: Er wurde zu einem Checkpoint in Slowjansk gebracht, wo er sich während der Okkupation der Stadt zusammen mit den Bandenformationen der „DVR“ unter dem Kommando von Igor Girkin/Strelkow aufgehalten hatte. Die Abwesenheit von faschistischen Flaggen und gekreuzigten Babys auf den Zäunen von Slowjansk hat Kozyr total schockiert. Russlands Propaganda entpuppte sich als eine Lüge, die sein Schicksal gebrochen hat.

Diesen Präzedenzfall kann man als einen gemeinsamen Triumph des ukrainischen Speznas und der Freiwilligen von InformNapalm bezeichnen, denn ein paar Tage nach der Gefangennahme von „Kozyr“ und der breiten Verbreitung des „Interviews am Checkpoint“ geriet der moralisch-psychische Zustand seiner Brigade, die ihm als ihrem Kommandeur sehr ergeben war, ins Wanken. Nach Meldungen des russischen Propagandisten und Terrorbloggers Alexander Schutschkowski, wurde die 7. Brigade daraufhin aufgelöst.  [26]

„Es passiert etwas mir vollkommen Unverständliches: Die 7. „DVR“-Brigade (Kozyrs Bataillon war ein Teil davon) wird dem „LVR“-Korps angeschlossen. Die Brigade wird aus Debalzewe abgezogen, hier ist schon das ganze Kommando der „LVR“, das den Besitz der Abteilungen beschlagnahmt. Die Brigade ist komplett auseinander gefallen und die Kämpfer verlassen sie massenweise,“ – berichtete Schutschkowski in seinem Blog.

Am 28. August 2015 präsentierte die Freiwilligengemeinschaft InformNapalm die Resultate der Systematisierung eigener OSINT-Untersuchungen bezüglich der russischen Militärpräsenz im Donbass. Die Präsentationen verliefen auf dem Medienforum Ukraine Crisis Media Center wie auch im Studio von Hromadske.tv.

Wir haben die bislang grösste Datenbank mit Beweisen für russische Aggression präsentiert [27]. In dieser Datenbank sind registrierte Fakten der Anwesenheit der russischen Berufssoldaten auf dem Territorium der Ukraine zusammengetragen, sie enthält eine Auflistung konkreter Truppenverbände und Militäreinheiten, es werden Daten, Orte und Zeiträume ihres Aufenthalts im Donbass genannt wie auch die Methoden der Aufdeckung des Gegners demonstriert: Auswertung von Selfies in den sozialen Netzwerken, propagandistischen Videos aus „Neurussland“ und Russland, Analyse der Bewaffnung und Militärgeräts von Spezialisten usw.

Dieses Datenmassiv wurde in Form einer Infografik präsentiert [28] und in über 14 Sprachen übersetzt.

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9) Anfang September 2015 haben die Freiwilligen von InformNapalm im Lauf einer OSINT-Untersuchung das Photo eines modernen russischen Funkaufklärungssystems „Torn“ auf dem Fahrgestell eines KamAZ entdeckt [30]. Auch der genaue Ort der Photoaufnahme wurde ermittelt: Wsletnaja Strasse 11a, Donezk. Das ist ein mehrstöckiges Haus, bereits zerstört, das sich nahe dem Donezker Flughafen befindet.

Im selben September haben die Aufklärer von InformNapalm Beweise für die Beteiligung der Militärangehörigen des 104. Luftlanderegiments aus dem Verband der 76. Luftlandedivision der Luftlandetruppen Russlands an der Einnahme von Infrastruktur des „Tschernomorneftegas“-Unternehmens gefunden [31], inbesondere im Kontext der sogenannten Boiko-Bohranlagen.

Am 4. September haben die Analytiker von InformNapalm die Videoreportagen über die Kämpfe in Syrien analysiert und Beweise dafür bereitgestellt [32], dass der in den Reportagen festgehaltene russische Panzerwagen BTR-82A mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Bewaffnung der 27. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade (Militäreinheit Nr. 61899) gehört, die in einem Vorort von Moskau stationiert ist. Diese Untersuchung wurde zu einer der ersten in der Artikelreihe, welche die Beteiligung der Streitkräfte Russland an der Bodenoperation Russlands in Syrien beweist.

Am 15. September hat InformNapalm eine umfangreiche Analyse und Infografik bereitgestellt, die bedeutenden Zuwachs des Verkehrs von Landungsschiffen verschiedener russischer Flotten in den syrischen Hafen Tartus [33] demonstrierte, was von den Plänen Russlands, eine aktive Phase der Kampfhandlungen in Syrien zu beginnen, zeugte.

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Am 22. September 2015 berichteten ausländische Medien, dass die Satellitenbilder, die von der privaten amerikanischen Aufklärungsfirma Stratfor veröffentlicht wurden, eine bedeutende Vermehrung der russischen Militärpräsenz in Syrien demonstrieren. InformNapalm hat eine eigene Analyse der Photos vom Geschehensort durchgeführt [35] und geschlussfolgert, dass die militärischen Fliegerkräfte, die in Syrien gesichtet wurden, zu Truppenverbänden der Luftwaffe des Östlichen Militärbezirks Russlands gehören. Unsere Freiwillige haben eine Su-30SM identifiziert, anhand deren Bordnummer wir ermittelten, dass das Flugzeug im Dienst des 120. zusammengesetzten Fliegergeschwaders der 303. zusammengesetzten Garde-Luftwaffendivision des 3. Kommandos der Luftwaffe und Luftabwehr des Östlichen Militärbezirks Russlands steht.

Acht Tage später, am 30. September 2015, nach der Erlaubnis des russischen Föderationsrats zum Einsatz der Streitkräfte im Ausland, begann Russland offene Militäroperation in Syrien. Russische Luftwaffe führte die ersten Luftangriffe nahe der syrischen Städte Latakia, Homs und Hama aus. Infolge der russischen Bombardierungen sind in den ersten Tagen circa 65 Menschen gestorben.

10) Im Oktober setzte InformNapalm seine Arbeit zur Identifizierung von russischen Berufssoldaten im Donbass fort, öffnete dabei aber eine zweite Informationsfront und setzte dem Kreml ein Ultimatum.

Das Prinzip des Bienenschwarms hat sich wieder bewährt: Sogar ein relativ kleines Team aus prinzipientreuen Informationsaufklärern ist fähig, effektiv und punktförmig zu handeln und von Abwehr zum Angriff überzugehen. Schritt für Schritt begann InformNapalm, sich der Information aus den russischen Propagandareportagen und Angaben aus den sozialen Netzwerken bedienend, die Bordnummern der russischen Jagdbomber und Angaben zu ihren Besatzungen zu veröffentlichen. Für jeden Verstoss gegen die Waffenruhe im Donbass seitens der vereinten russisch-separatistischen Kräfte (VRSK) begann InformNapalm mit einer weiteren Portion von Angaben zu Piloten der russischen Luftwaffe, die Kriegsverbrechen gegen die syrische Zivilbevölkerung begehen, zu antworten, was zu unserer Strategie wurde. Interessant ist, dass bereits in den ersten Tagen unserer fristlosen Aktion der Pressesekretär des russischen Präsidenten Dmitry Peskow auf unser Ultimatum öffentlich reagierte und das Auftauchen von ukrainischen Webseiten mit Angaben zu Piloten der russischen Luftwaffe als eine „feindliche Position“ gegenüber Russland und russischen Militärangehörigen, die sich an der Operation in Syrien beteiligen, bezeichnete. Nach Peskows Worten, „verfolgen russische Geheimdienste diese Tätigkeit sehr aufmerksam und werden alle nötigen Massnahmen ergreifen, um die Sicherheit der russischen Soldaten zu gewährleisten“.

Wie russische Geheimdienste die Publikationen unserer Freiwilligengemeinschaft beobachten [36], können wir wunderbar an den Anfragen an unsere Webseite InformNapalm und den dazugehörigen IP-Adressen sehen.

Nach Peskows Worten begann bei den russischen Medien harter butthurt. Sie waren dermaßen durch die Veröffentlichung von Angaben zu russischen Piloten in Syrien aufgebracht, dass sie Dutzende Publikationen mit Beschuldigungen in Richtung „gewisser ukrainischer Webseiten“ veröffentlichten, wobei sie sich davor fürchteten, den Namen InformNapalm konkret zu benennen – wohl aus Angst, dass der russische Leser sich die Freiheit nimmt, unsere Ressource mal eigenständig kennenzulernen. Parallel wurden wir massenhaften Cyber-Angriffen ausgesetzt, wir hielten aber durch und setzten es fort, die Okkupanten mit unserem Informationsnapalm wegzubrennen, wobei wir immer neuere Angaben bekanntmachten. Zum Kopfschuss wurde für den Aggressor die Übersetzung der Materialien nicht einfach nur in andere Sprachen, sondern auf Arabisch. Dies hat der Gemeinschaft einen Zugang zu arabischen Medien verschafft und einer der zentralen arabischen TV-Kanäle, Al-Arabiya, verglich InformNapalm sogar mit dem Projekt WikiLeaks.  [37]

Obwohl dieser Vergleich nicht ganz richtig ist, denn InformNapalm sammelt Informationen mithilfe von OSINT ein und analysiert diese. Wir werfen keine Geheiminformationen gedankenlos ins Netz ein. Aber der Vergleich mit dem berüchtigten Brand hat auch positiven Einfluss auf die Popularität der Projekts im Ausland gehabt.

Am 27. Oktober stellet InformNapalm zusammen mit dem Projekt Infographics UA Visuals den ersten Teil der zusammengefassten Angaben bereit, bezüglich der Teilnehmer der russischen Militäroperation in Syrien – Navigatoren und Piloten der Luftwaffe Russlands. Diese Angaben haben wir in Form einer Infografik präsentiert [38]. Das war ein weiterer gezielter Schuss. Nun begann der butthurt nicht nur bei den russischen Medien, sondern auch bei den Piloten der Luftwaffe Russlands.

rf_aviators_de [39]

Ende Oktober ergänzte InformNapalm die Angaben der amerikanischen Aufklärung, die berichtete, dass in den letzten 10 Tagen die russische Luftwaffe Waffen aus Iran nach Syrien beförderte. Dafür nutzten Freiwillige der Gemeinschaft offene Informationsquellen: Wir haben Aufnahmen der Gespräche zwischen dem Piloten einer IL-76MD mit dem Turmlotsen (Rufzeichen: „KORSAR“) gefunden und analysiert. Es wurde festgestellt, dass die Flugzeuggruppe der Luftwaffe Russlands mit der führenden IL-76MD (RF-76554) am 17. September einen Überflug vom Militärflugplatz Mosdok zum Luftwaffenstützpunkt der iranischen Luftwaffe Hamadan gemacht hatte. Dieses Faktum beweist, dass Russland in Verletzung des Embargos Waffen aus Iran nach Syrien lieferte [40].

11) Im November setzte InformNapalm seine Arbeit zur Aufdeckung von Verbrechern fort und veröffentlichte Angaben zu russischen Piloten, die syrische Zivilisten bombardierten. Auch haben wir Fakten aufgedeckt, die beweisen, dass Russland immer weiter in seiner Bodenoperation in Syrien versinkt, die der offizielle Kreml noch immer nicht anerkennt.

Die Arbeit unsere Freiwilligengemeinschaft rief großes Interesse bei den ausländischen Medien hervor. Unter anderem schrieb die deutsche „Bild“ darüber wie „Freiwillige russische Piloten an den Pranger stellen“ [41].

Und erstmals in der Zeit des Bestehens unseres Projekt hat der TV-Kanal ICTV eine 14-minütige Reportage [42] über unsere Freiwilligengemeinschaft gemacht.

12) Zum 2. Dezember 2015 hat InformNapalm die Bodenkomponente der russischen Militäroperation in Syrien systematisiert und zusammen mit einer Infografik seinen Lesern zur Verfügung gestellt [43]. In Zusammenarbeit mit einem Freiwilligen der Projekts Visual haben wir ein gut illustriertes analytisches Material vorbereitet, in dem alle im Lauf von OSINT-Untersuchungen aufgedeckten Bodentruppen der Streitkräfte Russlands zusammengefasst wurden, die Kampfaufgaben in Syrien ausführen.

syriagroundoperation [44]

Eine Woche nach dieser Publikation, am 8. Dezember 2015, trat mit einem eigenen Bericht [45] die Leitung der Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine auf, in dem sie die Truppenverbände der russischen Streitkräfte aufzählte, die sich am Krieg in Syrien beteiligen.

Die Angaben der ukrainischen militärischen Aufklärung (GUR) stimmten nicht nur vollkommen mit der Information überein, die von der Freiwilligengemeinschaft InformNapalm bereits zuvor systematisiert und veröffentlicht wurde, da fehlten sogar Angaben zu einigen Truppenverbänden, im besonderen zur 120. Artilleriebrigade [46], die von uns nahe Latakia registriert wurde, zu Soldaten der 336. Marineinfanteriebrigade [47], die wir in der Provinz as-Suwaida entdeckt haben und zu russischen Mehrfachraketenwerfern TOS „Solnzepjok“ [48], die höchstwahrscheinlich zum 20. selbstständigen ABC-Regiment gehörten.

Am 14. Dezember veröffentlichten die Freiwilligen von InformNapalm ein weiteres sensationelles Material [49], in dem die Beförderung von Munition für Mehrfachraketenwerfer vom Typ TOS-1/TOS-1A mittels des russischen Massengutfrachters „Yauza“ geschildert wurde. Im Lauf der OSINT-Untersuchung wurde festgestellt, dass der russische Soldat Alexander Bondarenko zufällig Angaben zu geheimen Waffenlieferungen öffentlich zugänglich machte. Nur wenige Sekunden nach der Veröffentlichung wurde die Information gelöscht, blieb aber im Google-Cache. Diese Angaben wurden zur Basis unserer Analyse.

InformNapalms Dezember-Marathon wurde mit der Untersuchung zum Kampfweg der 8. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade Russlands [50] abgeschlossen, von ihrer Entsendung in den Donbass bis zu Auszeichnungen für Kriegsverbrechen. Wie auch mit einer zweiteiligen Untersuchung zu Kriegsverbrechen der 291. Artilleriebrigade der Streitkräfte Russlands im Krieg gegen die Ukraine (Teil 1 [51] und Teil 2 [52]).

Parallel setzte InformNapalm die mühsame Arbeit zur Identifizierung von Piloten der russischen Luftwaffe fort, die sich an den Bombardierungen der Zivilbevölkerung Syriens beteiligen wie auch die Veröffentlichung dieser Angaben. Unsere Vorgehensweise zwang die russischen Propagandisten dazu, die Anzahl ihrer Publikationen bedeutend zu senken, in denen die „Heldentaten“ der russischen Luftwaffe hoch gepriesen wurden und führte auch dazu, dass russische Militärangehörige in Syrien versuchten, die Bordnummern zu maskieren, indem sie diese übermalten oder austauschten. Aber auch diese Manipulationen sind uns nicht entgangen – alles Geheime wiird offenbart und alle Lügen decken wir auf.   [53]

Durch unsere Handlungsweise haben wir den Grad der russischen Propaganda gesenkt, die russischen Medien gezwungen, die Gesichter ihrer „Helden“ zu verstecken, siegreiche Reportagen haben wir in elende Materialien verschreckter Propagandisten verwandelt, die sich vor ihrem eigenen Schatten fürchten, der ihren Standort preisgeben könnte. 

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Zur Kulmination unserer Informationstriumphe 2015 wurde die Anerkennung in Russland: Wir haben die russischen Behörden dermaßen an die Decke gebracht, dass sie eine offizielle Forderung an Kanadas Behörden schickten, unsere Ressource zu blockieren (da sich unser Hoster in Quebec befindet) – das teilte die berühmte amerikanische Ressource Vice News mit. [55]

Vertreter des kanadischen Aussenministeriums bestätigte, dass sie eine Anfrage mit der Forderung zur Löschung der vertraulichen Information aus Moskau erhalten haben, bislang gab Kanada aber keine offizielle Antwort an die russische Seite.

Während wir einen weiteren russischen butthurt auf der politischen Ebene aufmerksam beobachteten, öffnete InformNapalm wohlbedacht ein paar Spiegelversionen des Projekts in verschiedenen Domain-Zonen der Welt und wandte sich an einige staatliche und nicht-staatliche Strukturen Kanadas mit der Bitte [56], die Wortfreiheit zu unterstützen und keine Hetzjagd auf die OSINT-Aufklärer zuzulassen. Wir nutzen nur die Dummheit der russischen Militärangehörigen und Propagandisten aus und im Grunde beinhalten unsere Materialien gar keine Geheiminformation, sondern ertappen die Kriegsverbrecher bei ihrer eigenen Eitelkeit.

Wir drücken tiefste Dankbarkeit allen Freiwilligen unseres internationalen Teams aus. Diese Menschen, die sich an verschiedenen Stellen der Welt befinden, arbeiten Tag für Tag für den gemeinsamen Sieg der Ukraine, Georgien, Syrien… Dank unseren Übersetzern ist unsere Gemeinschaft zu einer wahrhaft internationalen geworden.

Wir wünschen allen neue Erfolge und Triumphe im diesem neuen Jahr!

Vielen lieben Dank an alle Freunde und Leser von InformNapalm. Wir wünschen allen viel Glück. Soll 2016 zu einem Jahr des Triumphs und der Erfüllung von herzensreinen und aufrichtig guten Wünschen werden!

Roman Burko [57] für InformNapalm [58]; übersetzt von Irina Schlegel  [59]