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„Ukrainische Dienstreisen“ sind für russische Soldaten zum Alltag geworden

Am 16, Januar 2017 erschien [1] im Netz ein Artikel, in dem beschrieben wird, wie der Korrespondent der Ausgabe „Tabulos“ [2], der auf den durch die Russen besetzten Territorien arbeitet, in einem Club in Luhansk zum Zeugen eines Gesprächs von zwei Söldnern wurde.

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„Der junge Mann, der sich als Semjon Karaulow vorstellte, ist ein Marineinfanterist der russischen Streitkräfte. Seinen Worten nach, ist er oft im Donbass auf „Dienstreisen“. Das belegen auch die Fotos, die der Besatzer gerne in sozialen Netzwerken teilt. Der junge Mann versucht gar nicht seine „Dienstreisen“ zu verheimlichen und erzählt darüber bereitwillig, darum war es nicht schwer, seine Netzwerkprofile zu finden. Die Analyse des Profils von Karaulow erlaubte es, viel Interessantes nicht nur über den Söldner, sondern auch über die Tätigkeit der Besatzer im temporär okkupierten Donbass zu erfahren. Betrunkener Karaulow erzählte seinem Zechbruder, dass das Kommando sie zu Säuberungen schickt. Nachdem die Abteilung ihre Kampfaufgabe ausgeführt hat, kehrt der Personalbestand zurück nach Russland. Diese Reisen sind für sie zum Alltag geworden. Außerdem wissen die russischen Soldaten im Voraus, wann genau sie in die Ukraine reisen werden. So, auf den Angriff auf die ukrainischen Stellungen in Switlodarsk haben sie sich zwei Wochen lang vorbereitet,“ – berichtet der Korrespondent.

Semjon Karaulow, um den es bei „Tabulos“ geht, hatte InformNapalm bereits im November 2015 im Artikel „Fallschirmjäger aus der 31. Brigade der Luftlandetruppen Russlands im Bestand der IBF „Patriot“ im Donbass“ [4] identifiziert. Der echte Name dieses russischen Kriegsverbrechers ist Wiktor Semjonow [5], in 2015 nannte er sich in sozialen Netzwerken Semjon Semjonow [6].

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Um den Namen des Kriegsverbrechers herauszufinden, wurde das halbautomatisierte Datenerfassungs- und Identifikationssystem „UKROPalantir“ benutzt, das den 2015 von uns genannten Namen – Wiktor Semenjow – bestätigt und diesen mit dem ersten Buchstaben des Vaternamens ergänzt hat: „A“, also Wiktor A. Semjonow.

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„Nachdem die Abteilung ihre Kampfaufgabe ausgeführt hat, geht der Personalbestand zurück nach Russland. Solche Reisen sind für sie zum Alltag geworden“.

InformNapalm hat bislang die Teilnahme von über 75 russischen Truppenverbänden am Krieg in der Ukraine bewiesen, 160 Zwischenfälle sind in einer interaktiven Datenbasis festgehalten worden [9], darunter gibt es einige russische Kriegsverbrecher, die mehrmals auf „ukrainischen Dienstreisen“ gewesen sind.

Kürzlich haben wir auch die Tatsache belegen können [10], dass die erfahrenen Zeitsoldaten der Streitkräfte Russlands ihre „Kampferfahrung“ an die russischen Wehrdienstleistenden auf dem Territorium des besetzten Donbass weitergeben.

„Ukrainische Dienstreisen“ sind zu einer Alltagssache für die Soldaten der russischen Armee geworden, die im Rostower Gebiet stationiert sind oder auch aus einem beliebig anderen Punkt Russlands auf die Rostower Truppenübungsplätze geschickt werden. Wenn diese Tatsache früher halbwegs verheimlicht wurde, so sprechen russische Soldaten nun faktisch offen über ihre Teilnahme am Krieg im Donbass.


Dieses Material wurde von Vidal Sorokin [11] exklusiv für InformNapalm [12] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [13]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [14] )

Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.